Kritik Berliner Philharmoniker Rattle Brahms- & Schumann-Zyklus Sinfonien Nr. 4

Schumann Sinfonie Nr. 4 in der ersten Fassung

Mein bisheriger Eindruck von Brahms-Schumann-Zyklus ist der: Schumann ist wagemutiger, spannender.

Grob gesagt, kann man sagen, dass Schumann ein Romantiker war und Brahms ein Komponist, der sein Handwerk beherrschte.

Die Schumannsinfonien sind ebenso hitzig wie energetisch, irgendwie dichter wie die von Brahms. 

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Kritik Simon Rattle Schumann-Brahms-Zyklus: Sinfonien Nr. 1

Es ist Herbst.

Simon Rattle dirigiert einen Schumann-Brahms-Zyklus. Er pflegt den philharmonischen Markenkern. Auch wenn  zum philharmonischen Markenkern inzwischen auch Ligeti gehört. Also besser formuliert: Die Berliner Philharmoniker hauen auf die Pflöcke, die ihre Kollegen vor Urzeiten eingeschlagen haben. Karajan ist da nur philharmonisches Paläozoikum. Furtwängler ist Proterozoikum.

Schumanns Sinfonie Nr. 1. Das ist grandioser Schwung und viel punktierter Rhythmus.

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Kritik Staatskapelle Berlin Dudamel Barenboim Brahms Klavierkonzerte Nr. 1 & 2

Musikfest Berlin. Brahms, 1. und 2. Klavierkonzert.

Zuerst op. 15. Zu Beginn ist Dudamel unruhig, Barenboim unentschlossen.

Dann bricht ein Trillerwettkampf aus. Dudamel bemüht sich um möglichst pralle Triller, Barenboim um möglichst giftige Triller.

Im weiteren Verlauf wuchtet Barenboim den stolzen Repriseneintritt auf den Tisch. Er spielt ihn ausdrucksvoll und ungelenk.

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Kritik Berliner Philharmoniker Rattle Saisoneröffnung Rachmaninow Strawinsky Feuervogel

Saisoneröffnung.

Die Russen Rachmaninow und Strawinsky (Russen in den Grenzen vom  31.12. 1938) durch die ukrainischen Musiker Prokofjew und Reinhold Glière zu ersetzen wäre engstirnige Barbarei gewesen, aber es kommt einem immerhin in den Sinn, während man nach einer kurzen Pause gedankenverloren im Programm blättert.

Sergej Wasiliewitsch Rachmaninow zeigt in den Symphonischen Tänzen eine pragmatische Einstellung gegenüber der Notwendigkeit schöner Stellen. Es fällt schwer, der Anziehungskraft des Hauptthemas zu widerstehen. Es besitzt die überlegte Wirkung einer Bild-Schlagzeile (Der Nachsatz ist dann nicht mehr ganz so gut).

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Kritik Berliner Philharmoniker Rattle: Bruckner Sinfonie 7, Mozart Violinkonzert Nr. 3 Frank Peter Zimmermann

Spät, aber nicht zu spät veröffentliche ich die Kommentare zum Sonntagskonzert der Berliner Philharmoniker.

Den verstorbenen Claudio Abbado mehr vertretend als ersetzend, dirigiert Simon Rattle Bruckners 7. zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres.

Mit den ersten Brucknersätzen Rattles war ich selten zufrieden. Mein Spontangedanke noch vor dem 2. Thema: lieber Kopfsätze unter Skrowaczewski, unter Janowskis mürrischer Effizienz, unter Barenboim hören.

In der 7. Sinfonie sagt Anton Bruckner der Gedrängtheit mancher seiner Kopfsatzthemen ab. Stattdessen ist das Kopfthema Seifenoper auf höchstem Niveau, halb Reinheit vom Lohengrin, halb Effekt vom Schwertmotiv.

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Kritik Berliner Philharmoniker Myung-Whun Chung: Unsuk Chin Cellokonzert Alban Gerhardt Brahms 2. Sinfonie

Unsuk Chins Cellokonzert ist ein, naja, interessanter Beitrag zum Solokonzertrepertoire. Die Zutaten dieses Konzerts sind ein selbstbewusster Part für den Solisten, ein verwirrend transparentes Orchester – große Streicherbesetzung, vielgestaltige Schlagzeuggruppe -, sowie die vertraute Viersätzigkeit. Es gibt überfallartige Crescendi und verstörende Diminuendi. Der Klang des Konzerts ist klar, die Instrumentierung bei allem großen Apparat sparsam, die Architektur fantasievoll. Alban Gerhardt genügt den Anforderungen, die das Stück stellt, und spielt mit hellem Ton.

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Premiere Festtage Staatsoper Berlin: Tannhäuser Sasha Waltz

„Obacht! Das Auge der Venus blickt auf dich.“ So sieht’s jedenfalls Sasha Waltz in der Berliner Tannhäuser-Premiere // Foto: Bernd Uhlig / staatsoper-berlin.de

HIER die Kritik des Tannhäusers 2017 lesen!

Sasha Waltz erneuert ihre langjährige Partnerschaft mit der Staatsoper Berlin und inszeniert im Rahmen der Festtage 2014 Wagners Tannhäuser.

Ich sage es gleich: Tannhäuser ist was anderes als Dido & Aeneas oder Medea. Eine Tenorlegende wie Peter Seiffert lässt sich nicht rückstandlos in eine fußhuschende Choreographie integrieren, und sei diese auch noch so ausgeklügelt, wie von Sasha Waltz gewohnt. Schöne Bilder zweifelsohne: Marina Prudenskaya als Venus von Milo im Greek-Style, Ann Petersens Elisabeth als einsame Ball-Lady, das herbstliche Kupfer für den 3. Akt (Bühnenbild Pia Maier Schriever mit Sasha Waltz).

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Berliner Philharmoniker Iván Fischer Kritik: Beethoven Klavierkonzert 4, Brahms Klavierquartett (Schönberg)

Seit den Nullerjahren hört man Brahms‘ op. 25 öfters mit Schönberg als ohne Schönberg.

Iván Fischer ist ein feuriger und genauer Sachwalter des Mit-Schönberg. Sein angenehmer Dirigierstil verbindet Eleganz und Energie. Letztere tritt bisweilen zusammen mit einem herrischen Fuchteln des Dirigierstabs in Erscheinung. Fischer mag es durchaus kleinteilig, aber auch schön locker, wie man im 9/8-Intermezzo hört. Mein Lieblingssatz ist das Andante. Bei den Meistersinger-Anklängen des Mittelteils, die in der Ohne-Schönberg-Version von op. 25 längst nicht so deutlich rauskommen, weiß man nicht wohin mit seiner Bewunderung. Kurzes Hornsolo der unbekannten Dame am Solohorn.

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Kritik Staatskapelle Berlin Daniel Barenboim: Elliott Carter Instances, Dorothea Röschmann Vier letzte Lieder, Sacre du Printemps

Es geht los mit den ebenso klaren wie verspielten, ebenso ausbalancierten wie kurzen Instances von Elliott Carter, eine deutsche Erstaufführung.

Strauss Vier letzte Lieder

Die Staatskapelle spielt sie mit satter Kontur und „samtener Strömung“ (Zitat Georg Heym, gewiss kein Strauss-Bewunderer). Das Orchester löst die kristallklare Melancholie von Strauss‘ Alterswerk in üppiges Chiaroscuro. Ist der Einstieg – aber nur der – in „Abendrot“ nicht kolossaler Kitsch? Weiterlesen

Bayerische Staatsoper München Spielplan 2014/2015: Anna Netrebko, Evylyn Herlitzius, Barbara Hannigan, Jonas Kaufmann, Anja Harteros

Die Bayerische Staatsoper sagt, was nächste Saison Sache ist.
Die Münchener haben ein Spielzeitmotto. Ist das nötig? Es heißt „Blicke Küsse Bisse“. Neben der Frage, ob das nötig ist, und der Entdeckung, dass Kommas am Odeonsplatz nicht ins Gewicht fallen, fällt auf, dass das Motto auch „Tränen, Triller, Tote“ hätte heißen können. Aber was will man machen. Dann eben „Blicke Küsse Bisse“. Auch wenn mir ad hoc keine Opernszene einfällt, die einen Biss eines Sängers erfordert.

Ja, München ist besser als Berlin. Sängerisch. Meistens. Aber nicht dirigentisch. Da ist die Staatsoper Berlin noch ein klitzekleines Nasenlängerl vorne.

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