Richard Straussens Ariadne auf Naxos hat ein paar Besonderheiten. Nicht nur, dass ein Großteil der Hauptfiguren des Vorspiels in der eigentlichen „Oper“ nicht mehr auftaucht. Gibt es eine Oper, in der beide Hauptpersonen anfangs keinen Schimmer haben, wen sie da eigentlich vor sich haben? Und in der die Titelheldin ihren Liebsten zwischenzeitlich auch noch mit dem Ex verwechselt? Hofmannsthal eben.
Camilla Nylund ist sehr gut. Wegen ihr kommt man. Bei Nylund ist alles da, laut und leise, Gefühl und Pathos. Sie hat immer den richtigen Ton, bildet immer beides ab, (Menschen-)Frau und (antike) Göttin, Gegenwart der Trauer und Ferne des Glücks. Der Bacchus ist eine selbstmörderische Tenorpartie, aber immerhin eine wichtige. In Salome, Elektra oder Rosenkavalier zählt der Bariton meist mehr als der Tenor. Marco Jentzsch (schlanker Augenschmaus) bewältigt sie hell, leicht und höhensicher, er macht das mit mehr Ernst und Leichtigkeit, aber nicht weniger zufriedenstellend als Andreas Schager letzthin mit seinem jovialen Elan. Der Musiklehrer von Roman Trekel stellt einen rührend mitfühlenden, aber pragmatischen Idealisten dar. Dessen fabelhaft engagierte Sangesrede ist top.
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