Eine neue Tosca – neue Besetzung wohlgemerkt, nicht Produktion – an der Staatsoper Berlin, diesmal mit den Doppelpolen Kurzak und Beczała als todgeweihtem Künstlerpaar der Napoleonzeit – sie Sängerin, er pittore.
Als Cavaradossi präsentiert sich Piotr Beczała in quasi-olympischer Form. Die Tenorstimme tönt intakt und ausgeruht, Recondita armonia und È lucevan reicht der Pole makellos dar. Der Ton ist schlank und fest, darüber liegt, Metall und Farbe aufregend mischend, der Schimmer wie von Bronze. Anders als Grigolo vor 4 Wochen operiert Beczała mit viel Formsinn und akkuratester Noblesse. Man hört sogar einen Hauch Heroismus. Selten kann man bei Puccini von Klassizismus sprechen, hier in der Staatsoper nun aber schon. Denn die spontane Gesangsgeste wird weit zurückgedrängt. Deshalb vermutlich auch das Buh im Jubel-Taifun (Taifun nach Berliner Verhältnissen, nicht nach Wiener, da hätte man sich eine Wiederholung, die ich gern gehört hätte, erklatscht) nach der Arie im 3. Akt.
Ähnlich das Spiel von Piotr Beczała, nämlich auf Nummer sicher, eine Geste hier, eine Schrittbewegung da. Kein romantischer pittore, aus dem es heraussprudelt, sondern ein arrivierter Maler mit hinreichender Staatspension. Dennoch ist Beczała ein Meister seines Fachs, wie es kaum einen gibt, und man ist sehr dankbar, ihn Unter den Linden zu hören. Ganz großer Stil, wie er als Dank für den Beifall nach Recondita diskret die Malvorlage busserlt.
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