Really? Das Jubi-Rheingold ist da, 150 Jahre Ring in Bayreuth, und es gibt quasi keine Inszenierung. Die Sänger machen einen auf Standbild, die Videos rasen ziemlich random durch 150 Jahre Bühnenstory. Aber sonst passiert 144 lange Musikdrama-Minuten – nichts. So will es Marcus Lobbes, Konzeptverantwortlicher beim Ring des Nibelungen 2026. So will es Katharina Wagner. Oder? Kostüme (Pia Maria Mackert): irgendwo zwischen lustig und vernachlässigbar. Ist KI echt so langweilig?
Die Besetzung kommt derzeit noch ohne KI aus und ist, Hand aufs Wagnerianer-Herz, hörenswert.
Michael Volle, der tatsächlich hier und heute seinen ersten Bayreuth-Wotan singt, ist in Rheingold kein Gott, sondern eine Type. Volle, der anfangs müde wirkt, ist ein hellklingender, gestochen Silben-klarer Wotan, als Göttervater gleich gebieterisch und fahrig, intelligent und altersgereizt, immer mit einer grandiosen Schippe Ironie gesungen. Anna Kissjudit, oft als Erda gehört, lässt ihre Fricka dank extra viel Stimme ins Mythische wachsen, doch – kleine Kritik – nicht immer schließt sich bei ihr der Klang zum Porträt. Und Erda Christa Mayer, oft als Fricka gehört, steigt als allwissende Untote aus dem Orkus des germanischen Mythos.
Die Schwarzalben glänzen. Jochen Schmeckenbechers Alberich-Porträt lässt ein gewisses Alter hören, aber er ist in der Rheinszene souverän und in der Nibelheimszene prall vor Jähzorn. Seine Herrschlust – vor den habt Acht!-Rufen – wird gepusht durch konsonantische Schärfe, seine Verfluchung des Rings durch gestisches Singen lebendig. Gut auch Gerhard Siegel als Mime, gut der Zorn der Verzweiflung in Wir lachten lustig der Müh‘.
Ich höre BR Klassik, um zwei Stunden zeitversetzt.
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