Gute Besetzung, leicht unplausible Inszenierung.
Der Spanier Rafael Villalobos zeigt Verdis sprühendes melodramma in tre atti als trostlose Vedute.
Die USA in decline, 80er, uralt-Bildschirme als müllige Sitzmöbel, Satellitenschüsseln, Reagan-Zeit. Moment, waren die 80er in Amerika nicht ein Jahrzehnt der Prosperität? Egal. Man sieht in Verdis Maskenball drei Akte lang einen desolaten Ruinensaal mit monumentalen Türen, die aussehen, als kämen sie direkt aus einer Produktion von Christof Loy, links je nach Szene eine Wäscherei oder eine goldig leuchtende Kammer mit großem Fenster. Die Ulrica managt einen Wahrsage-Kanal. Das orrido campo ist ein Dealerplatz, durch dessen zerbombte Decke ein Fernmeldemast aufragt. Hallo, Emanuele Sinisi (Bühne), das sind tolle Ideen, aber Blechkarren auf der Bühne sind so was von Anfang 2010er-Jahre. Oscar transt sich durch die Story und ist der genderflutschige Sproß von Renato und Amelia. Der Ball zeigt kesse Männer in Frauenkleidern. Kritik: Kann man so machen, wenn man unbedingt will. Wirkt aber etwas an den Regie-Haaren herbeigezogen. Also eine mittelschlechte Inszenierung.

Dem Riccardo von Charles Castronovo (einfallslos in Lederblouson und Bundfaltenhose, 2. Akt) geht etwas die von der Rolle geforderte Leichtigkeit und Eleganz ab. Pathos und Tiefe wirken stets leicht markiert, Kaufmann lässt grüßen. Canzone (Di‘ tu se fedele) und quintetto (È scherzo) fehlen die feinen Nuancen, stattdessen werden Akzente übertrieben, die Dynamik wirkt künstlich. Der Höhe fehlt schlankes Federn. Ist das schlechter Verdi-Stil? Castronovo wird im Laufe des Abends besser, am schönsten singt er in erregten Rezitativpassagen, und im zweiten Akt ist der Mann fast sein Geld wert.
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