Benjamin Bernheim hören, heißt die Inszenierung von Lydia Steier zu ertragen. Diese ist schlecht, jener gut.
Als Hoffmann ist Bernheim an der Staatsoper Berlin von schlaksiger Kühle, verliebt sich ruckizucki und immer in die Falsche – und ruft dabei kaum Mitgefühl hervor. Bei Klein-Zack im Prolog hör ich nur halb zu. Je länger Bernheim singt, desto stärker entfaltet sich ein Singen von hohem Reiz, frei von expressiven Marotten, von hellstimmig jugendlichem Klang und bestechend schlanker Diktion. Den feurigen Liebhaber mimt er aber wirklich nicht. Dafür dominiert seine Höhe unangestrengt Orchester und Ensembles. Das leicht Nasale fügt eine qualité hinzu. O Dieu! de quelle ivresse – Venedig-Akt – ist besser als alles, was Bernheim beim Silvesterkonzert in der Philharmonie sang. Man versteht, welch umwerfender Werther er ist.
Die Damen sind ordentlich besetzt. Regina Koncz singt eine tadellose, aber brave Olympia (auch ein Automat dürfte mal dezent über die Stränge schlagen), Siobhan Stagg singt mit leicht hochgeregelter Emotion die Antonia, Sandra Laagus eine erwartbar anrüchige Giulietta. Als Herr der Bösewichte waltet Alex Esposito, der die vier Rollen italienisch auffasst, so wie bei der Premiere Tagliavini. Die Regie wandelt die Dämonie der Figur in die clowneske Show eines C-Teufels. Die Nicklausse Samantha Hankey ist klangvoll bei forte, und wenn es piano heißt etwas leise. Die Barcarole Belle nuit macht wenig Eindruck.
Weiterlesen




