Vorschau Saison Staatsoper Berlin 2015/2016: Anna Netrebko, Vittorio Grigolo, Plácido Domingo, Joseph Calleja

Die Staatsoper Berlin veröffentlicht den Spielplan für die Saison 2015/2016. Die Zeit rennt. Es ist bereits die fünfte Saison im Schillertheater. Auch wenn offiziell von 2017 die Rede ist, ist es nach menschlichem und speziell Berliner Ermessen äußerst unklar, wann die Staatsoper wieder nach Unter den Linden umzieht. Angesichts des Provisoriums Schillertheater setzt sich die in den letzten Spielzeiten verstärkt zu beobachtende Tendenz fort, sich auf Kernstücke des Repertoires zu konzentrieren.

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Kritik Elektra München Staatsoper: Iréne Theorin, Ricarda Merbeth, Waltraud Meier, Günther Groissböck

Elektra ist Krach, Steinzeit-Gefühl, Krawall, Hysterie. Die Gewaltphantasien, die die Hauptperson dieser Oper entwickelt, haben ISIS-reife Dimensionen.

Die Inszenierung von Herbert Wernicke aus dem Jahre 1997 will dem entgegensteuern. Sie will kanalisieren, nicht befördern. Indes, sie leidet an einer gipsernen Stoffeligkeit. Sie erstickt. Sie setzt nicht frei. Das Auge sieht statt Anregendem bleierne Statik, dass Gehirn findet statt Aufregendem Einheitsbrei.

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Berliner Philharmoniker: Nachfolger Rattles noch nicht gewählt

Es zieht sich. Unerwarteterweise steht der Nachfolger für Berliner-Philharmoniker-Chef Simon Rattle um 21.06 Uhr immer noch nicht fest.

Die Bekanntgabe des Nachfolgers für Simon Rattle war im Laufe des Tages immer wieder verschoben worden. Zuletzt sollte das Wahlergebnisses um 19.30 Uhr bekannt gegeben werden. Zuvor ließen die Philharmoniker weitere angekündigte Termine für die Bekanntgabe um 14 Uhr, um 16 Uhr, um 18:30 Uhr und um 19.30 Uhr verstreichen. Im Laufe des Spätnachmittages gab es erste Gerüchte, dass der lettische Dirigent Andris Nelsons gewonnen habe. Unter andrem twitterte der Account von Sarah Willis, Hornistin der Philharmoniker, dass „Nelsons did it.“ Kurze Zeit später dementierten die Philharmoniker eine Einigung („disregard rumours“). Kurz nach 19 Uhr twitterten Alban Gerhardt und Lang Lang Gratulationen an Nelsons. Gerhardt dementierte kurze Zeit später. Lang Lang und Willis löschten ihre diesbezüglichen Posts. Willis‘ Account war wohl Opfer einer Hacker-Attacke geworden.

Keep you posted? Papperlapapp.

Keep you posted? Papperlapapp.

Kein Wunder, dass es die ersten Falschmeldungen gab. Weiterlesen

Kritik Ring des Nibelungen München Staatsoper 2015 – Petrenko, Gould, Herlitzius, Thomas J. Mayer, Elisabeth Kulman

Der Münchener Ring wird länger und länger und runder und runder. Und Elisbeth Kulman postet an Ringruhetagen immer so nette Fotos. Weiterlesen

Kritik Berliner Philharmoniker Hélène Grimaud Valery Gergiew Beethoven 4. Klavierkonzert, Prokofjew Sinfonie Nr. 6

Das Konzert war besuchenswert wegen der Sechsten von Prokofjew, aber auch wegen des vierten Klavierkonzerts.

Beethoven Opus 58.

Hélène Grimauds Anschlag ist leuchtend hell. Ein Sonnenscheinanschlag. Ein Rita-Streich-Anschlag. Sie spielt bezwingend spritzig. Sehr flüssig. Aber ich stehe Grimauds Spiel teilweise ratlos gegenüber.

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Kritik Berliner Philharmoniker Christian Thielemann: Henze Sebastian, Liszt Orpheus, Beethoven Eroica

Die Herren heute mit Fliege.

Wir lieben Christian Thielemann wegen seiner Programme. Orpheus und Henze. Kann ich mehr verlangen?

Liszts Orpheus stammt aus jenen paar Jahren, als die musikalische Romantik die unangefochtene Herrschaft über Europa ausübte. Das war kurz bevor Antikapitalismus (Wagner), Realismus (Verdi) und Klassizismus (Brahms) ihr diskret zuerst zwar, aber doch immer vernehmlicher ans Bein zu pinkeln begannen.

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Kritik Berliner Philharmoniker Rattle Brahms- & Schumann-Zyklus Sinfonien Nr. 4

Schumann Sinfonie Nr. 4 in der ersten Fassung

Mein bisheriger Eindruck von Brahms-Schumann-Zyklus ist der: Schumann ist wagemutiger, spannender.

Grob gesagt, kann man sagen, dass Schumann ein Romantiker war und Brahms ein Komponist, der sein Handwerk beherrschte.

Die Schumannsinfonien sind ebenso hitzig wie energetisch, irgendwie dichter wie die von Brahms. 

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Kritik Simon Rattle Schumann-Brahms-Zyklus: Sinfonien Nr. 1

Es ist Herbst.

Simon Rattle dirigiert einen Schumann-Brahms-Zyklus. Er pflegt den philharmonischen Markenkern. Auch wenn  zum philharmonischen Markenkern inzwischen auch Ligeti gehört. Also besser formuliert: Die Berliner Philharmoniker hauen auf die Pflöcke, die ihre Kollegen vor Urzeiten eingeschlagen haben. Karajan ist da nur philharmonisches Paläozoikum. Furtwängler ist Proterozoikum.

Schumanns Sinfonie Nr. 1. Das ist grandioser Schwung und viel punktierter Rhythmus.

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Kritik Staatskapelle Berlin Dudamel Barenboim Brahms Klavierkonzerte Nr. 1 & 2

Musikfest Berlin. Brahms, 1. und 2. Klavierkonzert.

Zuerst op. 15. Zu Beginn ist Dudamel unruhig, Barenboim unentschlossen.

Dann bricht ein Trillerwettkampf aus. Dudamel bemüht sich um möglichst pralle Triller, Barenboim um möglichst giftige Triller.

Im weiteren Verlauf wuchtet Barenboim den stolzen Repriseneintritt auf den Tisch. Er spielt ihn ausdrucksvoll und ungelenk.

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Kritik Berliner Philharmoniker Rattle Saisoneröffnung Rachmaninow Strawinsky Feuervogel

Saisoneröffnung.

Die Russen Rachmaninow und Strawinsky (Russen in den Grenzen vom  31.12. 1938) durch die ukrainischen Musiker Prokofjew und Reinhold Glière zu ersetzen wäre engstirnige Barbarei gewesen, aber es kommt einem immerhin in den Sinn, während man nach einer kurzen Pause gedankenverloren im Programm blättert.

Sergej Wasiliewitsch Rachmaninow zeigt in den Symphonischen Tänzen eine pragmatische Einstellung gegenüber der Notwendigkeit schöner Stellen. Es fällt schwer, der Anziehungskraft des Hauptthemas zu widerstehen. Es besitzt die überlegte Wirkung einer Bild-Schlagzeile (Der Nachsatz ist dann nicht mehr ganz so gut).

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Kritik Berliner Philharmoniker Rattle: Bruckner Sinfonie 7, Mozart Violinkonzert Nr. 3 Frank Peter Zimmermann

Spät, aber nicht zu spät veröffentliche ich die Kommentare zum Sonntagskonzert der Berliner Philharmoniker.

Den verstorbenen Claudio Abbado mehr vertretend als ersetzend, dirigiert Simon Rattle Bruckners 7. zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres.

Mit den ersten Brucknersätzen Rattles war ich selten zufrieden. Mein Spontangedanke noch vor dem 2. Thema: lieber Kopfsätze unter Skrowaczewski, unter Janowskis mürrischer Effizienz, unter Barenboim hören.

In der 7. Sinfonie sagt Anton Bruckner der Gedrängtheit mancher seiner Kopfsatzthemen ab. Stattdessen ist das Kopfthema Seifenoper auf höchstem Niveau, halb Reinheit vom Lohengrin, halb Effekt vom Schwertmotiv.

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