Kritik Bruckner 4. Sinfonie Haitink Berliner Philharmoniker Mozart Emmanuel Ax

Vor der Philharmonie. Ich summe das Hauptthema des ersten Satzes. Ein Pummelchen hält einen Flyer vom Klavierfestival entgegen. Pfffff… Hinter mir summt einer das 2. Thema des Finales. Das sind die echten Kenner.

Haitink zählt zu den rosigen Greisen. Er hat sich eine leichtfüßige Freundlichkeit bewahrt. Man bringt der Physiognomie Sympathie entgegen: die kluge Nase, die knittrige Stirn, die tadellose Haltung, der gut sitzende Frack. Die anmutige Fliege.

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Kritik La Traviata Staatsoper Berlin Domingo Hindoyan: Jessica Nuccio, Sergey Skorokhodov

Hier Premierenkritik zur Traviata 2015 im Schillertheater lesen. Im Wissen um die geniale Ökonomie der Traviata (keine unnötige Note, jede Partiturseite ein Geniestreich) konzentriert sich Mussbachs Inszenierung auf das Wesentliche. Der Chor wird von Mussbach sparsam, aber wirkungsvoll eingesetzt.

Es ist eine gute Repertoirevorstellung.

Jessica Nuccio: Macht als Violetta einen positiven Eindruck. Ihr Sopran zeichnet sich durch eine ebenmäßige Klangqualität und eine gut fokussierte Höhe aus. Im Piano schwingt ihr Ton klar und sauber.

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Kritik Berliner Philharmoniker Rattle: Brahms 3. Sinfonie, Haas Dark Dreams, Debussy La Mer

Simon Rattle

Brahms Dritte.

Brahms‘ 3. live ist immer ein bissl heikel. Die 1.: hat wilde Komplexität. Die 4.: Wucht. Die 2.: sonnige Länge. Die 3. hat alles und nichts.

Ich werde erst in der Durchführung hellhörig. Mit dem Ernst von Bergleuten wühlen sich Celli und Kontrabässe durch die Kellergeschosse von Brahms 3. Stefan Dohr bläst sein goldiges Hornsolo. In den Seitenthemen überrascht die freie Handhabung der Achtel-Dingsda’s (Wenzel Fuchs, Klarinette). Brahms‘ Markenkern, Gemüt, durch Struktur gebändigt, wird freigelegt, wo es sich ergibt. Ansonsten achtet Simon Rattle auf Verklammerung. Auf Schwarmintelligenz –

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Kritik Berliner Philharmoniker Simon Rattle: Haydn-Pasticcio Mozart Uchida Messiaen

Aussage Nr. 1

Mitsuko Uchida kann’s einfach. Der erste Satz aus Mozarts Klavierkonzert KV 456, der voll intelligenter Reflexe ist, hat durchgängig hohes Niveau. Die Interpretation durch die Handvoll Philharmoniker entzückt ganz und gar. Der zweite Satz leidet an einer Vorliebe für übermäßige Feinsinnigkeit.

Aussage Nr. 2

Messiaens Oiseaux exotiques klingen, trotz differenzierter Technik, nicht mehr ganz farbecht. Hätte ein zeitgenössischer Komponist dieses Stück geschrieben, ich hätte geseufzt: Ey, Post-Impressionismus, que me veux-tu? Weiterlesen

Kritik Salome Staatsoper Mehta: Camilla Nylund, Gerhard Siegel, Birgit Remmert, Albert Dohmen

Camilla Nylund Salome Berlin Staatsoper // Foto: Mara Eggert / staatsoper-berlin.de
„Kann der mal aufhören, mit dem bescheuerten Obst rumzuwedeln?“ Camilla Nylund Salome // Foto: Mara Eggert / staatsoper-berlin.de

Eine Repertoirevorstellung gehobenen Niveaus.

Camilla Nylund: Nylunds Salome ist weniger Luder als ein Teenager mit einem altersnormalen Grad an selbstverliebter Extrovertiertheit.

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Kritik Premiere Staatsoper Katja Kabanowa Simon Rattle: Eva-Maria Westbroek Pavel Černoch Anna Lapkovskaja

Kataja Kabanova: Eva-Maria Westbroek, Sopran, vor leerem Tisch. Deborah Polaski denkt nach // Foto: Uhlig / staatsoper-berlin.de
Eva-Maria Westbroek steht im Regen. Deborah Polaski denkt nach // Foto: Bernd Uhlig / staatsoper-berlin.de

Katja Kabanowa, die kondensierte Form einer Oper, in der die Hauptperson unglücklich liebt und tragisch stirbt bzw. tragisch liebt und unglücklich stirbt, hat Premiere an der Staatsoper. Wenn Andrea Breth inszeniert, dann auch aufgrund des Versprechens, das sie mit der einleuchtenden Inszenierung des Wozzeck gegeben hat. Sie löste es nicht zur Gänze ein.

HIER KRITIK ZU KATJA KABANOWA JUNI 2017 LESEN!

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Kritik Berliner Philharmoniker Abbado Gedenkkonzert: Zubin Mehta Mahler Adagietto, Beethoven Klavierkonzert Nr. 5 Rudolf Buchbinder, Heldenleben

Ein ungewöhnlich reichhaltiges und gelungenes Konzert.

Der Abend dient als Gedenkkonzert für Claudio Abbado.

Das Adagietto (Mahler, 5.) dirigiert Zubin Mehta als Anti-Abbado, also denkbar unphilosophisch, aber wunderbar feinfühlig – der Begriff „plüschig“  verbietet sich bei diesem Anlass – und nobel. Der Satz hat mehr Charme als Sentiment, was nicht das Schlechteste ist, was ihm passieren kann. Den Septdezim-Glissando-Absturz spielen die ersten Geigen der Wiener Philharmoniker mit einem höheren Maß an Mahler-Besoffenheit – will sagen: raffinierter, beiläufiger, hypnotischer. Die letzten Forzati knurren die Kontrabässe unnachahmlich als grimmigen Abschiedsgruß Abbado hinterher.

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Claudio Abbado tot

Claudio Abbado, von 1990 bis 2002 Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, ist tot.

In dankbarer Erinnerung an viele Konzerte. Zu den lebhaftesten Erinnerungen zählen im Rückblick das Konzert für Violine und Blasorchester von Kurt Weill (Mai 2007) und die 10. Sinfonie von Mahler. War das 2010? Dann noch La Mer (2009). Das war jenes Konzert, in dem Angelika Kirchschlager Mahlerlieder sang. Ach je, das „Rheinlegendchen“. Was für eine Vollkommenheit.

Kritik Neujahrskonzert Wiener Philharmoniker 2014 Daniel Barenboim

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Daniel Barenboim dirigiert das Neujahrskonzert 2014. Ich darf an dieser Stelle die stolzgeschwellte Brust jedes einzelnen der 3,5 Mio. Berliner erwähnen. Die Kritik zum Neujahrskonzert 2016 lesen Sie hier.

Wer eine Barenboim-Komponente entdecken will, kann sie in der warm gedämpften Fülle, in der goldenen Breite finden, die die Wiener Philharmoniker entwickeln. Jawoll, temperamentvolle Steigerungen. Jaaa, „Aus dem Bauch raus“-Rubati. Die Musiker spielen mit großer Sensibilität für jenen unwissenschaftlichen Bereich, den man das Psychologisch-Zwischenmenschliche nennen kann.

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Kritik La forza del destino München: Jonas Kaufmann, Anja Harteros, Vitalij Kowaljow, Ludovic Tézier

Berlin am 28. 12. Wovon man nie zu träumen wagt, es ist da. Berlin ist leer. Busse sind pünktlich. Die Sonne beleuchtet unbeobachtet die Gesimse. Der Nachbar vom 3. frühstückt in langen Unterhosen in seiner Küche.

Die Macht des Schicksals aus München.

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Kritik RSB Janowski: Schumann 3., Brahms 1. Klavierkonzert Anna Vinnitskaja

Marek Janowski, der Schrecken der Berliner Weihnachtsmänner, setzt auf Ernst statt auf Konsum. Man hört am 23. 12. weder Humperdinck noch Fledermaus. Dafür spielt das RSB Schumann groß und ernst und Brahms (ein bisschen weniger) ernst und (fast noch ein bisschen) größer. Janowskis Dirigieren zielt auf Gestaltung. Das RSB gestaltet mit. Anna Vinnitskaja lässt Federn.

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