Kataja Kabanova: Eva-Maria Westbroek, Sopran, vor leerem Tisch. Deborah Polaski denkt nach // Foto: Uhlig / staatsoper-berlin.de
Eva-Maria Westbroek steht im Regen. Deborah Polaski denkt nach // Foto: Bernd Uhlig / staatsoper-berlin.de

Katja Kabanowa, die kondensierte Form einer Oper, in der die Hauptperson unglücklich liebt und tragisch stirbt bzw. tragisch liebt und unglücklich stirbt, hat Premiere an der Staatsoper. Wenn Andrea Breth inszeniert, dann auch aufgrund des Versprechens, das sie mit der einleuchtenden Inszenierung des Wozzeck gegeben hat. Sie löste es nicht zur Gänze ein.

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Breths Inszenierung ist in der Personendeutung präzis und lebendig, das Bühnenbild bleibt ohne große neue Einfälle. Breth setzt drastische Pointen und Bilder sparsam genug ein, um die Stärke des Abends, die „stringente“ (das Wort eines begeisterten, graumelierten Herrn an der Garderobe) Erzählung, nicht zu gefährden. Hochwertig, guckbar. Ja.

Eva-Maria Westbroek holt sich einen Triumph dank eines kraftvollen und kontrollierten Soprans. Sie beherrscht ein wunderschönes Piano –  eine Gesangsleistung ersten Grades. Pavel Černoch steht Westbroek nicht an Stimmschönheit nach, wohl aber an dramatischer Exponiertheit im Stück.

Anna Lapkovsaja in heller Aufregung / Foto: Uhlig / staatsoper-berlin.de
Anna Lapkovsaja in heller Aufregung / Foto: Bernd Uhlig / staatsoper-berlin.de

Deborah Polaski singt Kabanicha, Pavlo Hunka Dikoj. Anna Lapkovskaja leiht der Varvara ihre flexible, junge, leuchtende Stimme. Stephan Rügamer ist Tichon, Florian Hoffmann ein fescher Kudrjasch mit schöner Stimme.

Es ist bekannt, dass sich Simon Rattle ähnlich rückhaltlos zu Janáček bekennt wie Churchill sich zur Zigarre bekannte. Wo Janáček melodische Hitze und dramatische Schärfe komponierte, zündet der Philharmoniker-Chef einen Rattle-Böller nach dem anderen. Das Horn-Melos entzückte. Überhaupt ist Janáčeks rätselvolles Werk gleich stark in der herzzerreißenden Schönheit seiner Aufschwünge wie im düster vergitterten Motivgeschiebe. Es ist Rattles Verdienst: Überall entsteht aus dem leidenschaftlichen Detail die große und klare Lineatur der Oper.

Es gibt wenig Besseres in Berlin derzeit.

Bravos für Westbroek, Rattle, Lapkovskaja, Černoch.

Flimm soll Barenboim überreden, Rattle die Meistersinger zu überlassen. Oder Barenboim und Rattle alternieren im Staatsopernring. Pleaaaaase.