Kritik Berlin Staatsoper Zauberflöte: Alexander Soddy, Pavol Breslik, Anna Siminska, René Pape, Rowan Hellier, Michael Kraus

Schinkel, Schinkel, Schinkel: Zauberflöte Staatsoper Berlin / Foto: Monika Rittershaus / staatsoper-berlin.de

Schinkel, Schinkel, Schinkel: Zauberflöte Staatsoper Berlin / Foto: Monika Rittershaus / staatsoper-berlin.de

Die Zauberflöte der Staatsoper Berlin mischt Schinkel-Optik und szenische Drolligkeit, wodurch am Schillertheater durchaus nicht die schlechteste aller möglichen Zauberflöten herauskommt. Regie: Everding. Sängerisch bot der Mozart-Abend eine überzeugende Mischung aus besten Kräften und jungen Nachwuchssängern. Weiterlesen

Kritik Simon Rattle Berliner Philharmoniker: Strawinsky Sacre du Printemps, Roi des Étoiles

Kein gutes Konzert.

Am besten gefiel Strawinskys Roi des Étoiles, ein kurzes, effektives Chorstück mit klug gesetztem Giga-Orchester. Vor der Pause Rachmaninows abwechslungsreiche Kolokola oder „Glocken“. Der sichere Rundfunkchor trumpft mit präziser Schallkraft auf. Eindrucksvolle magmatische – oder enigmatische? – Höhepunkte der Philharmoniker. Mikhail Petrenko punktet mit sonor strömender Basslinie. Er ist bestens bekannt als Staatsopern-Hunding. Luba Orgonášová singt großartig. Ihre Stimme hört sich an wie eine Stalinorgel (mit Mezzo-Qualitäten), die zärtliches, dunkelrot glühendes Sopranfeuer spuckt. Dmytro Popov gefällt mit fester Tenorstimme.

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Bayreuth: Thielemann Tristan 2015 und Lohengrin 2018 (mit Netrebko?), Nelsons Parsifal 2016

Die aktuellen Informationen zu Bayreuth 2015 gibt es hier.

Einige Infos zu Neuproduktionen und Besetzungen bei den Bayreuther Festspielen von 2013 bis 2020.

2013: Ring des Nibelungen, dirigiert von Kirill Petrenko. Lance Ryan ist Siegfried, Catherine Foster Brünnhilde. Wolfgang Koch singt Wotan und Wanderer. Alberich ist Martin Winkler, Mime Burkhard Ulrich. Johan Botha singt Siegmund, Franz-Josef Selig Hunding und Anja Kampe Sieglinde. Die Regie übernimmt Frank Castorf.

2014: keine Neu-Produktion wegen der Ring-Produktion 2013.

2015: Tristan und Isolde. Es singen Stephen Gould und Eva-Maria Westbroek. Christian Thielemann dirigiert. Katharina Wagner inszeniert.

2016: Parsifal. Parsifal ist Klaus Florian Vogt, Kundry Petra Lang und Gurnemanz Georg Zeppenfeld. Die interessanteste Neuigkeit dürfte sein, dass Andris Nelsons dirigiert. Regie wird Schlingensief-Nachfolger Jonathan Meese führen.

2017: Die Meistersinger von Nürnberg

2018: Lohengrin, dirigiert von Christian Thielemann. Der Dresdner Maler Neo Rauch soll offenbar das Bühnenbild gestalten. Eventuell singt Anna Netrebko die Elsa.

2019: Tannhäuser

2020: Ring des Nibelungen

Baden-Baden/Anna Netrebko: Ick die Gräfin? Nich mit mir. Aber Donna Anna sing ich

Anna Netrebko sollte im Mai 2013 die Gräfin im Festspielhaus Baden-Baden singen. Gräfin? Is nix für mich, sagt jetzt Frau Netrebko. Sie wird sie nicht singen, aber sie wird singen, so viel steht jetzt fest. Die Berliner hielten 2012 an Don Giovanni fest und mussten nach der Absage Netrebkos eine neue Donna Anna finden. Die Badener machen vor, wie man es besser machen kann. Sie halten an Netrebko fest und müssen lediglich eine neue Mozartoper finden. Das heißt, sie mussten. Intendant Andreas Mölich-Zebhauser hatte die Qual der Wahl. Sie fiel auf Don Giovanni. Netrebko singt an vier Abenden Donna Anna. Das sagt auch ihr Terminplan. Leiten wird Thomas Hengelbrock. Erwin Schrott singt Don Giovanni, Charles Castronovo Don Ottavio. Leporello wird von Luca Pisaroni gesungen werden.

Preise: von 310 bis 93 Euro. Wer ein Schnäppchen machen will, sollte möglichst schnell arbeitslos werden oder in die Bundeswehr eintreten. Soldaten und Arbeitslose bekommen 10% Rabatt.

Kritik Staatsoper Berlin Don Carlo: Tamar Iveri, Fabio Sartori, René Pape

Hans Werner Henze ist gestorben. Friede seinem Genie. Möge Phädra bald wieder auf dem Spielplan der Staatsoper auftauchen.

Heute war das Herbstwetter schöner als die Inszenierung und Petrus ein besserer Regisseur als Philipp Himmelmann, wobei ich anmerken muss, dass die Engel heute Abend NICHT himmlischer sangen als René Pape. Die Überraschung war Tamar Iveri. Ich meine nur in zweiter Linie Iveris aufsehenerregende Augenbrauen, in erster Linie Iveris Elisabetta. Beide, Iveria und ihre Elisabetta, klangen italienischer, als ich erwartet hatte. Ihr Sopran besitzt leidenschaftliches Gefühl. Über dem F, wo das Gefühl anfängt, klingt Iveri aufregend. Nettes, kleines, unruhiges Vibrato. Eine gute Verdistimme. Das einzige Manko ist vielleicht, dass Tamar Iveris Sopran in allen Registern ziemlich gleich timbriert ist, wenn das Timbre an sich auch recht komplex ist.

Noch mal zur Inszenierung: vor der Pause ist dieser Don Carlo doch von relativ monströser Langeweile. Danach wird’s besser, wahrscheinlich, weil die Geschichte so langsam ins Rollen kommt.

Fabio Sartori ist ein Beleg dafür, dass ein Kugelformat eine tolle Sache ist, wenn man mit einer resonanzreichen Tenorstimme Eindruck machen will. Die Regieanweisung an Sartori

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Deutsche Oper Parsifal: Klaus Florian Vogt, Evelyn Herlitzius

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Hier die Kritik zum DOB-Parsifal 2016.

Die Regie von Philipp Stölzl ist eine sehenswerte Sache. Mit kleinen aufmüpfigen anti-religiösen Spitzen, OK, aber warum nicht? Wagners parfümierter Knappheitsspätstil hält das aus. Wie gesagt, sehenswert – auch, was die darstellenden Sänger angeht, vom großartig soignierten Matti Salminen mit Greisengehstock bis zu den draufgängerischen Damen, die Klaus Florian Vogt im 2. Akt zusetzen. Klaus Florian Vogt sieht im weißen Hemd großartig aus.

Klaus Florian Vogt: Ein Parsifal mit lohengrinesker Silbertrompete im Hals, der die feineren Farben fehlen. Klaus Florian Vogts Tenor mixt jünglingshafte Kraft und Schmalspurtimbre. Im dritten Akt schlussendlich mit lyrisch bestechenden Stellen. Aber ich bekenne, dass mich keine akute Sehnsucht treibt, den Klaus Florian Vogt des 2. Aktes gleich morgen wieder zu hören. Weiterlesen

Staatsoper Berlin Walküre: Peter Seiffert Siegmund, Mikhail Petrenko Hunding

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War jetzt in der Sonntagsaufführung (14.10.) und muss einige Eindrücke von der 1. Staatsopern-Walküre berichtigen, besonders was Peter Seifferts Siegmund betrifft.

Peter Seiffert: Seiffert sang in der 3. Walküre der Staatsopern-Serie genauer, einfühlsamer, enger Barenboims Tempo und Wagners Text verbunden, sowie mit facettenreicherer Diktion. Das ließ – wenigstens mir – mehr Zeit, um aufs heldentenorale Timbre achtzugeben. „Nächtiges Dunkel“ singt Seiffert ohne künstliche Verdunklung, „Noch einmal, da sie schied“ klingt schön verhangen, „der alten Esche Stamm“ schön phrasiert.

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Kritik Staatsoper Berlin Siegfried: Peter Bronder Mime, Lance Ryan Siegfried

Juha Uusitalo wandert // Foto: Monika Rittershaus / staatsoper-berlin.de
Juha Uusitalo wandert durch triste Bühnenlandschaft // Foto: Monika Rittershaus / staatsoper-berlin.de

Die höllische Länge des Siegfried wurde durch eine exzellente Besetzung weitgehend erträglich gemacht. Allen voran Alberich Johannes Martin Kränzle und Mime Peter Bronder glänzten.

Peter Bronder: Sein Mime lässt nichts zu wünschen übrig. Bronders Tenor hat prägnanten Klang, Kraft, Beweglichkeit, mimetisches Vermögen.

Johannes Martin Kränzle: kantabler, klangvoller und mächtiger als Bronder. Sehr interessant durch sein kleinteiliges Vibrato. Herrlich die großartige Gespanntheit der Wanderer-Szene zu Beginn des 2. Aktes.

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Kritik Walküre Staatsoper Berlin: Catherine Foster Brünnhilde, René Pape Wotan

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René Pape, umgeben von attraktiven Mädels // Foto: Monika Rittershaus / .staatsoper-berlin.de
René Pape als Wotan, umgeben von einer Menge attraktiver Mädels // Foto: Monika Rittershaus / staatsoper-berlin.de

Zuerst dachte ich, Barenboim hat Guy Cassiers nach Berlin geschleppt. Inzwischen glaube ich, dass Flimm schuld ist.

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Kritik Philharmonie Berlin Jonas Kaufmann: Die schöne Müllerin

Barenboim-Zyklus. Einziger Auftritt Jonas Kaufmanns bei einer „ordentlichen“ Aufführung in Berlin in dieser Saison, soweit ich weiß.

So, Jonas Kaufmann. Schlank und locker und charmant. Geht er eigentlich aufs Oktoberfest? Ein sehr schöne Matinée. Ich höre großartige Momente des Liedgesangs, garniert mit einigen bekannten Kaufmannismen. Die Schöne Müllerin, schon seit Jahrtausenden nicht mehr gehört.

Zu Tenor Jonas Kaufmann. Weiterlesen

Kritik Staatskapelle Barenboim: Bruckner 9., Carter Cellokonzert Alisa Weilerstein

So ein schöner Tag. Wenn Barenboim nicht gewesen wäre, wäre ich am Scharmützelsee gewesen.

Gedenkkonzert für Kurt Sanderling.

Sehr schönes Kol Nidrei von Max Bruch. Dann Eliott Carters Cellokonzert. Alisa Weilerstein spielt mit warmem, himmlisch beseeltem Ton. Dann Bruckner, 9. Sinfonie.

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Kritik Simon Rattle Porgy and Bess Berlin: Willard White, Latonia Moore, Howard Haskin, Lester Lynch

Ich habe Porgy and Bess zuvor ungefähr null Mal gehört. Das kommt von den vielen Tristans und Parsifals. Barenboim ist schuld. Dabei gibt es gute Gründe, Porgy and Bess zu lieben.

Latonia Moore: Die vitale junge Dame singt Bess mit leuchtendem, selbstbewusst vibrierenden Sopran. Zielsicher erklimmt sie federnd höchste Höhen. Leichtes Soubretten-Timbre. Weiterlesen