Kritik Rattle Berliner Philharmoniker: Dutilleux Métaboles, Lutosławski Cellokonzert Miklós Perényi, Schumann 2. Sinfonie

Die Berliner Philharmoniker unter Simon Rattle.

Der immerhin nicht ganz unerhebliche Ruhm von Dutilleux‘ Métaboles verblasste. Zu undiskret schien bisweilen ihr Aktionismus, zu wahllos ihre klangliche Lockerheit. Einen rundweg besseren Eindruck machte Lutosławskis Cellokonzert, das Miklós Perényi mit gewitztem Ernst spielt. Miklós Perényi erweist sich als Interpret von äußerster Folgerichtigkeit dem Notentext gegenüber. Sein diskret singender Ton war eine Wohltat für Publikum und Cellokonzert. Einige Sachen des Orchesters wie die gläsernen Geigen im ersten Satz und das expansive Unisono-Crescendo der Streicher im letzten Satz gehören zum Besten der Saison.

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Kritik Berliner Philharmoniker Rattle: Schumann, Lutosławski Klavierkonzert Krystian Zimerman, Dutilleux Correspondances Barbara Hannigan

Ein nostalgischer Berliner Spätwinterabend, der Robert Schumann mit zwei altersweisen Altmeistern kombiniert. Zugleich Auftakt für einen interessanten Dutilleux-Lutosławski-Schumann-Mini-Zyklus.

Krystian Zimerman spielt. Barbara Hannigan singt. Das alleine reicht für mindestens zwei Ewigkeiten, die heute Abend 2:15 Stunden brutto dauern.

Lutosławski: Zimerman, der Uraufführungspianist, spielt. Das Klavierkonzert wurde sehr genau komponiert und verzichtet auf Effekte. Genialer Beginn (Bläser), genialer Schluss (Celli, Bässe). Krystian Zimerman: mathematische Klarheit, durchdachte Poesie. Er spielt mit einem Konzentrationsgrad, den Normalsterblichen nicht erreichen, auch wenn sie regelmäßig die Philharmoniker hören. Federnder, stählerner Anschlag. Krystian Zimerman hat was, das an Christoph Waltz in Django Unchained erinnert, nur dass dieser kein Klavier spielte. Vorteil des Klavierkonzerts: Es ist komplex genug, um es nicht gleich beim ersten Mal zu verstehen.

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Kritik Staatskapelle Berlin Barenboim: Mozart Klavierkonzert B-Dur, Strauss Heldenleben

Barenboim, er zieht den rechten Fuß nach. Beim Schlussapplaus benötigt er den Griff ans Geländer. Er hat Schmerzen. Ich wünsche Besserung. Barenboim krank? Götterdämmerung und Ring wird er doch wohl dirigieren können?

Das B-Dur-Konzert scheint das schönste der 27. Barenboims Spiel zeichnet sich durch Klang (einfaches Wort, aber kaum einmal realisiert), der alle Farben enthält, und rhythmischen Instinkt, der untrüglich ist, aus. Der Mozart der Staatskapelle, diese Mischung aus sprachnaher Wärme (so etwa wie wenn Fritzi Haberlandt im Maxim-Gorki-Theater sich in unvergleichlicher Manier beschwert: „Ey, Mann!“) und klarer

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Kritik Philharmoniker Manfred Honeck & Anne-Sophie Mutter: Dvořák Romanze & Violinkonzert, Lutosławski Konzert für Orchester

Ein Konzert hat meist zwei Hälften. Eine erste Hälfte und eine zweite Hälfte. Ich meine ein klassisches Konzert. Selten gefallen beide Hälften. Das als Vorbemerkung.

Das Konzert in der Philharmonie warf mehrere Fragen auf. Die erste: Warum spielt Anne-Sophie Mutter in Berlin das Dvořákkonzert, das sie vor genau zwei Jahren mit Rattle besser spielte?

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Kritik Berliner Philharmoniker Dudamel: Bartók Klavierkonzert 2 Lang Lang, Don Juan, Till Eulenspiegel

Jessas, vier Mal hintereinander Dudamel und Lang Lang. Ich bin gleich am Donnerstag dran. Es war ein Programm, dem der Haken fehlte. Vorne bewährte Moderne, hinten Strauss satt.

Adagio for Strings: Die Aufgabe, möglichst viele Sekundintervalle ohne ermüdende Wirkung hintereinanderzuhängen, wurde von Samuel Barber vorbildlich gelöst. Die Aufgabe, das Ergebnis ohne ermüdende Wirkung zu dirigieren,

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Kritik Wiener Philharmoniker Berlin Georges Prêtre: Beethoven 7. Sinfonie, Feuervogel, Boléro

Die deutsche Hauptstadt friert, aber nicht übermäßig. Das Kraftwerk Wilmersdorf pustet Dampf in den Berliner Himmel, aber nicht übermäßig. Wenn etwas übermäßig war in Berlin, so die Freude auf den Dienstagabend. Die Wiener Philharmoniker kommen.

Ein gebrechlicher Georges Prêtre. Formidabel und lässig sitzender Anzug. Einstecktuch. Er winkt beim Schlussapplaus heiter ins Publikum, entweder zum Abschied oder um zu bedeuten, dass keine Zugabe mehr kommt. Oder weil es ihm so gut gefallen hat.

Ein So-so-Konzert. Für das erste „So“ stehen ein rundes Finale der Siebten und ein kecker Feuervogel. Für das zweite „So“ stehen ein langweiliges zweites Satzerl von Beethoven und ein Bolero, der sich, na, ziemlich in die Länge zog.

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Kritik Neujahrskonzert 2013 Wiener Philharmoniker Franz Welser-Möst

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Berliner Neujahrsmorgen. Nieselregen, is ja klar. Bis 5 auf einer Party an der Hasenheide. Um 1 dem Vietnamesen vom Hamy Café beim Abfeuern einer sagenhaften Raketenbatterie zugeschaut. Um 8 das erste Mal aufgewacht. Um 11 der erste Kaffee. Ein bisserl verspätet das Neujahrskonzert zu schauen begonnen. Ich habe dem Wiener Charme eineinhalb Stunden tief in die Augen geschaut.

Der dirigierende Franz Welser-Möst, der sich von Jahr zu Jahr näher an eine Mahler-Mähne herantastet, ist schon ein Fescher. Sein souveräner, zurückhaltender Dirigierstil gefiel mir sehr gut.

Bei den Unmengen von Walzern und Polkas, die man während eines Neujahrskonzertes konsumiert, fällt die Übersicht als Nicht-Wiener nicht leicht. Ich erinnere mich besonders gut an „Hesperusbahnen“ und „Wo die Zitronen blüh’n“.

Der Hesperuswalzer: Beginnt mit einer Streicherlinie wie ein Frauenarm von Tizian gemalt. Die Wiener Philharmoniker pflegen die Perfektionierung des Ungenauen bis zur Vollkommenheit. Der Klangduktus ist so duftig, das rhythmische Spiel mit dem Dreivierteltakt so souverän, die Linien so schlawinerhaft verschleiernd, fast hätte ich gesagt verbiegend, der sensualistische Reiz so verlockend, dass man auch wenn zehn Mal hintereinander Neujahr und zehn Mal hintereinander Neujahrskonzert wäre, nicht dahinterkommen würde, wie die Wiener das technisch machen.

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Kritik Silvesterkonzert Berliner Philharmoniker 2012: Rattle, Cecilia Bartoli mit Händel & Rameau

Silvester in Berlin. Wie immer muss man auf dem Weg zum Silvesterkonzert aufpassen, kein Opfer von explodierenden Chinaböllern zu werden. Wie immer überquert man den Potsdamer Platz, indem man durch Menschenmassen stapft, die den örtlichen Weihnachtsmarkt besuchen. Was 2012 anders ist: Es ist so warm, dass sich selbst Cecilia Bartoli in Berlin froh und munter gestimmt fühlen dürfte. Da kommt Simon Rattle im schwarzen Kittel.

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Die Liebe zu den drei Orangen: Heidi Melton, Thomas Blondelle, Heidi Stober

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Endlich – die entzückende Oper von Sergej Prokofjew in einer neuen Produktion an der Deutschen Oper Berlin.

Es kann sein, dass Die Liebe zu den drei Orangen zu den kurzweiligsten Opern überhaupt zählt. Libretto und Partitur wetteifern in seltener Einigkeit um maximale Absurdität – ich bin mir nicht sicher, wer heute Abend den Sieg davongeträgt. Ein Genuss ist jedenfalls der Orchesterklang, der in unaufhörlicher Folge der musikalischen Vor- und Zwischenfälle mit systematischer Klarheit und aggressiver Virtuosität bezirzt. Weiterlesen

Late Night: Hindemith, Henze, Walton – Barbara Hannigan singt Henze und dirigiert Walton

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Late Night Konzert. War womöglich besser als das große Konzert zuvor. Barbara Hannigan und Simon Rattle dirigieren. Den Anfang machte Hindemiths Kammermusik Nr. 1, deren Pathos der Schnödheit aber gegen die Schönheit von Hans Werner Henzes Being Beauteous und gegen den fröhlichen Kubismus von William Waltons Stücken aus Façade etwas abfiel. Im Zentrum stand Henzes Kantate für Koloratursopran, Harfe und vier Violoncelli, deren tödliche Grazie und lebendige Schönheit fast noch mehr verblüfften als die hingebungsvolle Interpretation der Musiker, allen voran der Frau Hannigans, deren straffer Sopran großer Resolutheit fähig ist. Weiterlesen

Kritik Berliner Philharmoniker Thielemann: Mozart Pollini, Liszt Mazeppa, Von der Wiege bis zum Grabe, Les Préludes

Christian Thielemann mit Mendelssohn, Mozart, Liszt. Dieses Konzert in der Berliner Philharmonie war schwierig für Menschen mit einer gesunden Skepsis gegenüber Programmmusik. Bei Mendelssohn-Bartholdys Meeresstille und glückliche Fahrt konnten solche Menschen immerhin eine Art glänzender Behäbigkeit und heiteren Schwung bewundern. Im straff und warm leuchtenden Glanz seinem stichhaltigen Tannhäuser-Dirigat von Bayreuth 2012 ähnlich und gleichwertig.

Konzertmeister sind die Philharmoniker Guy Braunstein und Daniel Stabrawa. Streicherbesetzung bei Mozart: Weiterlesen

Kritik Rattle Rosenkavalier Staatsoper: Dorothea Röschmann, Magdalena Kozena, Anna Prohaska, Michael Kraus

Wiederaufnahme. Das Augenmerk liegt auf dem Dirigat von Simon Rattle. Rattles 1. Akt war Einspielen, Fingerübung. Rattles 2. Akt war gut. Rattles 3. Akt war he-raus-ra-gend. Die Besetzung mit Röschmann, Kozena, Prohaska, Muff, Kraus war natürlich ebenfalls ein Grund dafür, dass die Berliner sich glatten Fußgängerwegen, verdammt zugigen U-Bahn-Aufgängen und überhaupt einem äußerst wenig kulturellen Wetter aussetzten. Die Inszenierung von Nicolas Brieger hat mehrere gute Seiten. Sie erlaubt dem wertorientierten Zuhörer Weiterlesen

Kritik Premiere MET Ballo in Maschera: Sondra Radvanovsky, Marcelo Álvarez, Kathleen Kim, Dmitri Hvorostovsky

Ein sehr guter, doch kein überragender Maskenball aus der MET – auf Bayern Klasik reingehört. Sondra Radvanovsky wird ihrem Ruf als Verdisopran gerecht, Marcelo Álvarez seinem Ruf als ein führender Tenor mit Stärken und Schwächen.

Marcelo Álvarez: Heller, leichter Tenor. Hmmm… In „La rivedrà“ (Cantabile) phrasiert Álvarez eckig. „Di‘ tu se fedele“ singt Álvarez mit burschikoser Aufgeräumtheit und Vokal-Einfärbungen. Weiterlesen

Kritik Inaugurazione La Scala Lohengrin: Jonas Kaufmann, Annette Dasch, René Pape, Barenboim

Kritik INAUGURAZIONE LA TRAVIATA 2013 lesen!

So, heute nicht in der Staatsopern-Bohème mit Andris Nelsons, sondern zuerst im Theater und dann auf Arte die Saisoneröffnung („Inaugurazione“) der Mailänder Scala gehört. Eine Inszenierung des Lohengrin von Claus Guth, die auch ohne Schwan und notorisches Lohengrin-Weiß zu funktionieren scheint. Die Inszenierung endet in einem dunklen Schilf-Wasser-Ambiente, worin Elsa schlussendlich ersäuft. So weit zur Wozzeckisierung des Lohengrin durch Claus Guth. Sensationell, wie Jonas Kaufmann im 3. Akt auf Telramund losgeht, worauf Telramund im flandrischen Schilf verschwindet, allerdings weniger sang- und klanglos wie dies Elsa kurze Zeit später tut, sondern mit echtem Theaterschrei.

Jonas Kaufmann: Vielleicht, vielleicht Kaufmanns beste Rolle, weil Jonas Kaufmann dem Lohengrin das asexuelle Roboto-Image nimmt und etwas Don-José-haftes gibt. Deutlich hörbar ist während des gesamten Lohengrins, dass Kaufmann das Timbre seines Latin-Lover-Tenors im Piano und Mezzoforte zu mäßigen und der Rollengestaltung gefügig zu machen versucht. In „das Gott mir angetraut“ hält Kaufmann den hohen, heldischen Ton nur während der ersten Hälfte, das Ende klingt farbloser, weniger sexy. Für solche überall hörbaren Unausgeglichenheiten entschädigt die pure klangliche Üppigkeit der Glanzstellen („aus Glanz etc“). Hmm, Kaufmanns Diktion klingt komischerweise eine Spur undeutsch.

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