Inaugurazione Madama Butterfly Scala 2016: Alvis Hermanis Riccardo Chailly

Urfassung!

Von Fidelio bis Tannhäuser, von Simon Boccanegra bis Don Carlo kennt man’s: Fassung eins endete in einem Fiasko oder genügte späteren Ansprüchen nicht mehr. Eine neue Fassung musste her. Und wenn es das Schicksal ganz schlecht meinte, reichte auch die nicht. Siehe Fidelio. Überraschung! Auch Madama Butterfly litt unter einer fiaskösen Uraufführung. Und als die schon lange vergessen war, frickelte Puccini immer wieder an der „Butterfly“ herum. So gibt es nicht nur zwei, nicht nur drei, nein, es gibt viele Fassungen von Madama Butterfly. Die letzte ist von 1920. Da doktorte Schönberg schon an der „Komposition mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen“ herum. 

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Kritik Berliner Philharmoniker: Alan Gilbert Frank Peter Zimmermann

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Ein durchschnittlicher philharmonischer Abend. Nicht mehr und nicht weniger.

Liegt’s an Alan Gilbert oder an den tourneemüden Berliner Philharmonikern (aber sehen Sie sich den hammermäßigen Pullover von Simon Rattle an)?

Ich habe Gilbert in Verdacht.

Gilbert ist der Mann für Energie, Flow und speziellen Vibe. Gilbert ist Noch-Chef der New York Philharmonic und bei ihm strömt die Musik. Gilbert ist kein penibler Taktschläger, obwohl er den Stab superlocker und zugleich bewundernswert präzise führt.   Weiterlesen

Kritik Premiere Lady Macbeth von Mzensk München: Kupfer Petrenko Anja Kampe

 

Petrenko und Kupfer bringen in München Lady Macbeth von Mzensk heraus.

Öffnet das grellrohe Meisterwerk des 20. Jahrhunderts ein Panoptikum menschlicher Niederträchtigkeiten? Was das Wesen dieser Oper ist, getraut man sich nicht zu bestimmen. Hat Schostakowitsch hier mit zynischem Komponistenhändchen eine Gogol’sche Farce komponiert? Eine sarkastische Gesellschaftskritik? Einen Horrortrip ins Innere der Nacht? Weiterlesen

RSB mit Anna Vinnitskaya & Rachmaninow Klavierkonzert Nr. 2

Marek Janowski und das RSB mit Richard Strauss und Sergei Rachmaninow.

Strauss und Rachmaninow (Richard mit Schnauzer, Nase und Mund bei Sergei wie aus Marmor gehauen) gehen sich auf dem Konzertpodium meist aus dem Weg. Heute nicht. Von Schnauzer-Richard kommen heute zwei Nebenwerke. Von Marmor-Sergei kommt das pièce de résistance. Die Werkauswahl bzw. die dahinter stehenden Fragen lösen sich zwar nicht restlos in Erkenntnis auf, was dem Faszinosum dieser Werkkopplung schlussendlich aber keinen Abbruch tut. Weiterlesen

Sasha Waltz Sacre Berlin

Sasha Waltz Sacre du Printemps Saatsoper Berlin

Opfertod à la Sascha Waltz: Alles Strampeln hilft hier nicht / Foto: Bernd Uhlig

Drei Jahre nach der Premiere sehe ich  Sasha Waltz‘ Sacre wieder.

Waltz‘ Tanz-Triptychon, ins Leben gerufen 2013 zum 100. Jahrestag der Uraufführung von Strawinskys Erfolgsballett, heißt kurz und sachlich „Sacre“. So viel „Weihe“ ist dann aber gar nicht – zumindest anfangs, denn L’Après-midi d’un faune nach Debussys berühmter Musik und Berlioz‘ Scène d’amour sind auf jeden Fall zu 100% weihefrei. Die sinnliche Fauns-Pastorale macht Waltz zum picassösen Trikot-Theater, die „Liebesszene“ zum zarten Pas de deux. Weiterlesen

Manon Lescaut Met Opera: Anna Netrebko Marcelo Álvarez

Anna Netrebko Manon Lescaut Met Opera 2016

Anna Netrebko singt Manon Lescaut / Foto: facebook.com/MetOpera/

Zwei Gründe sprechen für die New Yorker Manon Lescaut.

Ein Grund spricht dagegen: die Inszenierung.

Die Inszenierung von Richard Eyre festigt den Ruf der Met als eines der trübsten Opernhäuser – was die Regie angeht. Richard Eyres inszenatorische Belanglosigkeit führt uns in’s Vichy-Frankreich, dezent garniert mit Nazi-Mayonnaise. New York – que me veux-tu? Weiterlesen

Anna Netrebko Aida Salzburg

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Es ist raus. Die russische Sopranistin Anna Netrebko wird im Sommer 2107 ihr Rollendebüt als Aida im Rahmen der Salzburger Festspiele geben. Unter der Leitung von Riccardo Muti wird Netrebko zum ersten Mal die Rolle der äthiopischen Prinzessin in Verdis gleichnamiger Oper singen. Die Arie „O patria mia“ („Nil-Arie“) aus dem 3. Akt der Oper Aida hat Anna Netrebko schon auf Konzerten gesungen.

Die Premiere findet am 6. August 2017 statt.

Neben Netrebko werden Ekaterina Semenchuk (als Amneris), Francesco Meli (Radamès), Netrebko-Ehemann Yusif Eyvazov (Radamès, 22.,25.August), Luca Salsi (Amonasro), Roberto Tagliavini (Il Re) und Dmitry Belosselskiy (Ramfis) auf der Bühne des Großen Festspielhauses zu hören sein.

Weitere Termine sind der 9., 12., 16., 19., 22.und 25. August 2017. Es spielen die Wiener Philharmoniker.

Preise: 30 bis 450€

Mehr Infos zu Netrebkos Aida-Debüt in Salzburg auf der Seite der Salzburger Festspiele.

Kritik Staatkapelle Berlin Paavo Järvi: Lupu Beethoven Klavierkonzert 3 Schostakowitsch 7

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Die Staatskapelle Berlin unter Paavo Järvi.

Dieser Beethoven klingt wie Schwarz-Weiß: heroisch-lyrisch, laut-leise- mehr gibt’s bei Järvi nicht. Das ist Positivismus, langweilig wie Wassersuppe. Simplifizierung. Punkt. Es stört noch mehr: ein undifferenziertes c-Moll-Forte etwa. Rhythmik und Phrasierung fehlen Wärme.

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Rattle Berliner Philharmoniker: Mahler 7 Boulez Éclat

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Wer Ende August noch nicht in der Saisoneröffnung war, kann heute nachholen.

Die Berliner Philharmoniker, Simon Rattle.

Pierre Boulez‘ Éclat (1965). Ein Sextett besetzt die Mitte des Podiums (Trompete, Posaune, Altquerflöte, Englischhorn, Bratsche, Cello). Links Harfe, Klavier, Cymbalon, mittig Mandoline, Gitarre, hinten vier Schlagzeuger. 15 Instrumentalisten. Die Struktur von Éclat ist luftig, das Verfahren teilweise aleatorisch. Die Instrumentation wird vom Gegensatz lang- und kurzklingender Instrumente bestimmt. Prägend ist die für Boulez charakteristische Spannung zwischen Sachlichkeit und Sinnlichkeit. Simon Rattle leitet. Die Linke agiert scheinbar spontan in der Zeichengebung per Zeigefinger. Die Rechte zeigt per Fingerzahl die Motivwahl. Rattle leitet sparsam, aber mit Emphase.

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Rattle Berliner Philharmoniker: Brahms Berg Schönberg Webern

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Simon Rattle Berliner Philharmoniker Brahms 2. Sinfonie Philharmonie
80 Musiker und ein weißer Schopf: Simon Rattle und das Bad in der Menge

Weil die Berliner Philharmoniker durch Nordamerika touren, kommt Berlin zwei Tage hintereinander in den Genuss des vollständigen Tourprogramms. Boulez, Mahler, Neue Wiener Schule, Brahms. Wien, Frankreich, Deutschland. Ausdruck, Moderne, Struktur.

Es ist ein Konzertdoppel, das unwillkürlich nach Abschied schmeckt (alas!). Werde ich Brahms‘ 2., Mahlers 7. noch einmal unter Rattle hören?

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Alexia Voulgaridou Madama Butterfly Staatsoper Berlin

Madama Butterfly Staatsoper Berlin
Madama Butterfly / Foto: Monika Rittershaus

Ach, die Madama Butterfly. In der Teenie-Tragödie Madama Butterfly wird besonders blutig gestorben. Es ist eine Tragödie ohne Bösewicht (Pinkerton ist ja aufrichtig verliebt). Mit sozialem Unterton (Liebe GIs, nehmt doch bitte die japanischen Mädls etwas ernster). Und ohne Fallhöhe (Butterfly stirbt so arm wie sie war).

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Iván Fischer Berliner Philharmoniker: Bartók Enescu Mozart Christiane Karg

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Ein nettes Konzertchen.

Es beginnt mit dem Prélude à l’unisson aus der Orchestersuite Nr. 1 (1903) des Rumänen George Enescu. Das Vorspiel besitzt einen herben Ton. Form und Sprödheit des Ausdrucks folgen dem Vorbild eines Rezitativs. Die sorgfältigen Streicher und die verhaltene Emphase des Prélude sollten zum Leitbild des Abends werden. Weiterlesen

Elektra Premiere Staatsoper Berlin: Chéreau Barenboim Herlitzius

Wer wollte, konnte diese Elektra schon in Aix-en-Provence, Mailand oder New York sehen. Premiere war 2013 in Aix. Ist die Berliner Premiere im Schillertheater also nur aufgewärmtes Gulasch? Nein. Es war richtig, Patrice Chéreaus verblüffende Elektra nach Berlin zu holen.

Es sind nicht nachgerade neue Regie-Einfälle, die Chéreaus Inszenierung  von Strauss‘ phonstarker Oper auszeichnet. Es ist die Fähigkeit des Regisseurs, eine Art verblüffend moderner Essenz der Elektra zu schaffen. Bühnenbild (Richard Peduzzi) und Kostüme (Caroline de Vivaise) formen einen vage gegenwärtigen Imaginationsraum. Metalltore, hohe Mauern, eine bleiche Apside suggerieren im Detail unbestimmt, in der Atmosphäre präzise einen spröde mediterranen Patio (trübe Athener Vorstadtbehausung? staubiger Mykene-Landsitz?). Das Licht ist hell. Die Protagonisten zeichnen sich scharf ab.

Evelyn Herlitzius Elektra Berlin Patrice Chéreau
Aktion „Stoppt diese Frau“: Katharina Kammerloher und Anna Samuil versuchen’s wenigstens / Foto: Monika Rittershaus / facebook.com/staatsoper/
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