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Opern- & Konzertkritik Berlin

~ Klassik-Blog für Konzertberichte und Opernkritiken aus Berlin

Opern- & Konzertkritik Berlin

Archiv des Autors: Schlatz

BKA-Theater: Unerhörte Musik mit Fidan Aghayeva-Edler

19 Freitag Apr 2019

Posted by Schlatz in Fidan Aghayeva-Edler, Harrison Birtwistle, Mayako Kubo, Sarah Nemtsov, Unsuk Chin, Ursula Mamlok

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Zu den Institutionen Berliner Musikpflege gehört die Konzertreihe Unerhörte Musik. Hier wird allwöchentlich Neue Musik im handlichen Zwei-Stunden-Format bereitgestellt, immer dienstags, im intimen Rahmen des BKA-Theaters,

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Festtage Staatsoper: Die Meistersinger mit Vogt, Kleiter, Koch

17 Mittwoch Apr 2019

Posted by Schlatz in Andrea Moses, Daniel Barenboim, Julia Kleiter, Katharina Kammerloher, Klaus-Florian Vogt, Martin Gantner, Matti Salminen, Reiner Goldberg, Siyabonga Maqungos, Wolfgang Koch

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Nach der Prokofjew’schen Verlobung im Kloster am Vortag tue ich mir schwer mit dem „biederen Pomp“ (Thomas Mann) der Meistersinger. Doch die Sänger höre ich gerne.

Andrea Moses denkt Wagners Festoper von der Gegenwart aus. Hier bevölkern die Meistersinger als honorige Mittelständler-Chefs eine holzgetäfelte Führungsetage, umwuselt von schmucken Büro-Lehrbuben. Das Prügelprogrom der Johannisnacht kommt direkt aus einer durcheinandergewürfelten deutschen Gesamtgesellschaft, ebenso die lärmende Festwiesenfreude vor nagelneuer Berliner Schlosskulisse, die nach Sachsens Ansprache strahlend Rasengrün weicht. Das sieht so steril aus, dass man sich fast nach der unwirtlich urbanen Neon-Nacht des 2. Aktes sehnt. Der 2. Akt ist ansonsten eine recht fade Angelegenheit, obwohl Sachs beim Fliedermonolog an der hauseigenen Hanfplantage schnuppert. Einen einzigen Lacher gab’s dafür am Sonntag. Akt 1 und Akt 3 funktionieren hingegen gut in gut bespielten Räumen (Bühne Jan Pappelbaum).

A Meistersinger Staatsoper Berlin Festtage 2019 Applaus

Hans Sachs (Wolfgang Koch) ist als erfolgreicher Schuhunternehmer inszeniert, der ein Alt-68er geblieben ist und dennoch um Tradition und Altvordere weiß, wertkonservativ gesinnt und doch offenen Herzens, eine Art Winfried Kretschmann auf der Opernbühne. Am allesentscheidenden Morgen steht Sachs im Schlabberhemd am Lesepult seiner 20.000-Euro-Bibliothek (nur die Regale) und beherrscht die Bühne durch Lässigkeit. Koch ist ein suggestiver Darsteller von hohen Gnaden und er setzt dem Sachs eine Seele ein, generös menschelnd und jovial singend, in der Mittellage ausnehmend schön, in der Höhe nicht so brachial-schallend wie Michael Volle, doch beherrscht Koch auch die transparente Halbstimme in der Höhe. Koch singt mit der Kraft der Schönheit, mit einer sozusagen modernen Wagnerstimme, in der sich dezentes Metall und weiche Umhüllung schmeichelnd vereinen.

Auch Klaus Florian Vogt singt einen aufregend anderen Stolzing. Mit konsequent lyrischem Vortrag und selten klarer Diktion. Das Konzept von Vogts Ton: hell und leicht, dazu ein Schuss Naivität. Was für ein Genuss! Das Preislied ist purer Wohltat-Wagner zwischen Parnass und Paradies. Ausdrucksträger ist stets der fast kammermusikalische Stimmklang, das gilt selbst in der von einer attraktiven Leichtmetalllegierung getragenen Höhe. Was mich bei Vogt immer noch stört, ist die Phrasierung ohne Spannung. Doch ich halte Vogts Walther von Stolzing für den derzeit besten in Wagners weiten Landen. Dass Vogt sehr kurzfristig einspringt, ist Grund zur Freude. Doch der Tenor singt tags zuvor die gleiche Rolle in Salzburg unter Thielemann. Ist dies nicht unverantwortlich gegen sich selbst, auch wenn Vogt sich im 1. Akt flink frei singt?

Die Eva Pogner ist bei Regisseurin Moses nicht das Ev’chen von züchtig deutscher Gefühlstiefe, sondern eine patente junge Dame in schrecklichen Liebesnöten, die sich erst in allerletzter Sekunde für den Junker entscheidet. Julia Kleiter spielt die nicht ganz stressresistente, daher Zigarette qualmende Eva bravurös und nervös gestikulierend. Sie brilliert im Quintett, singt dort rein und leuchtend, hat für meinen Geschmack in den berückend hell gesungenen rezitativischen Passagen wenig Intimität oder Ausdruck in der Stimme. Auch Martin Gantner (Beckmesser), für Kränzle eingesprungen, verkörpert seine Rolle hell und dazu auch noch markant und ohne charaktertenorales Gedöns. Beckmesser – einmal nicht als Außenseiter-Karikatur, sondern als gestandener Mann, der allerdings als jämmerlich Versagender im Wettsingen erstaunlich wenig Mitleid auf sich zieht.

Neben Vogt und Gantner ist der Pogner von Matti Salminen eine weitere kurzfristige Umbesetzung. Salminen, unvergessen als Gurnemanz und Marke an beiden Berliner Häusern, singt einen äußerst problematischen Auftritt im 1. Akt (für den er zwei schallende Buhs beim Schlussapplaus bekommt) und einen respektabel kraftvollen im 3. Akt. Eine helle Freude ist der David des Südafrikaners Siyabonga Maqungo mit deutlicher Aussprache, kunstfertiger Belcanto-Kultur, gutem Deutsch und Stimmreserven. Dass ein Afrikaner in den ach so deutschen Meistersingern singt und reüssiert, fügt der Vorstellung eine hochinteressante Note hinzu, die das Publikum beim Schlussapplaus auch zu honorieren scheint. Die hochgewachsene Lene von Katharina Kammerloher gerät drahtig und gerade heraus. Ein bleibender Publikumserfolg ist die Riege der altgedienten Meistersinger mit Franz Mazura (Schwarz), Graham Clark (Vogelsang), Siegfried Jerusalem (Zorn), Reiner Goldberg (Eisslinger) und Olaf Bär (Foltz). Der Nachtigall von Adam Kutny, der Kothner von Jürgen Linn, der Moser von Florian Hoffmann und der Ortel von Arttu Kataja komplettieren die Meisterriege. Als Nachtwächter versieht Erik Rosenius seinen Dienst.

Wie gesagt, mir fehlte nach der musikalisch fulminanten Prokofjew-Premiere das Ohr für die Meistersingermusik. Es wird anfangs auch schlampiger musiziert. Freilich hält Barenboim das Tempo zu Beginn enorm hoch. Zur Staatskapelle und Daniel Barenboim deshalb nach der Ostersonntagsvorstellung mehr.

Premiere Staatsoper Berlin: Die Verlobung im Kloster

14 Sonntag Apr 2019

Posted by Schlatz in Aida Garifullina, Andrey Zhilikhovsky, Anna Goryachova, Bogdan Volkov, Daniel Barenboim, Goran Jurić, Lauri Vasar, Stephan Rügamer, Violeta Urmana

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Herrlich. Eine Opern-Rarität, selten bis nie gehört, von einem der berühmtesten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Es ist keine Ausgrabung, denn es ist halbwegs bekannt, dass Prokofjew hochinteressante Opern schrieb, von denen es hierzulande allerdings nur Die Liebe zu den Drei Orangen zu regelmäßigen Spielplanwürden geschafft hat. Aber eine mit Spannung erwartete Entdeckung ist die Premiere von Die Verlobung im Kloster an der Staatsoper Unter den Linden allemal, zumal die in den ersten Weltkriegsjahren nach einem Libretto des Komponisten komponierte Oper gekonnt bei der Verwechslungs-Buffa und der satirisch angespitzten Heiratskomödie wildert. Weiterlesen →

Jüdisches Museum: Intonations 2019

11 Donnerstag Apr 2019

Posted by Schlatz in Angela Denoke, Luigi Dallapiccola

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Das Kammermusikfestival Intonations im Jüdischen Museum Berlin geht ins achte Jahr. Sechs Konzerte stehen auf dem Programm. Spielort ist der moderne, atmosphärisch starke Glashof Daniel Libeskinds. Angenehm multizentral kreisen die Programme um deutsche Lied-Linien von Schubert über Mendelssohn bis Reimann, um klassische Musikmoderne (Schönberg, Dallapiccola, Eisler),

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Deutsche Oper: Rienzi

06 Samstag Apr 2019

Posted by Schlatz in Andrew Harris, Annika Schlicht, Clemens Bieber, Derek Welton, Dong-Hwan Lee, Martina Welschenbach, Stephen Bronk, Torsten Kerl

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Deutsche Oper Berlin

Quasi als Vorlauf ihrer kleinen, aber feinen Wagnerwoche im Mai packt die Deutsche Oper Berlin Rienzi aus. Zwar wird Wagners sperrig faszinierendes Frühwerk auf bekömmliche 3 Stunden netto geschrumpft, Weiterlesen →

Kritik Komische Oper: Kosky Bohème

06 Samstag Apr 2019

Posted by Schlatz in Heather Engebretson, Jonathan Tetelman

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Komische Oper

Was macht Barrie Kosky aus La Bohème, dieser Oper hoffnungsloser Liebe und unendlich bezaubernder Arien? 

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RSB, Jurowski, Nicholas Angelich: Brahms, Mahler 1.

01 Montag Apr 2019

Posted by Schlatz in Johannes Brahms, RSB, Wladimir Jurowski

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Herzlicher Applaus beim Konzert des RSB im heimeligen Konzerthaus mit seinem goldigen 1980er-Stuck, wo Vladimir Jurowski seinen Mahler liebt und sich zuvor zusammen mit dem Pianisten Angelich spannungsvoll konzentriert um Brahms kümmert. Und mittendrin das frisch Tournee-erporbte Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin.

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Staatskapelle Berlin Thomas Guggeis: Sibelius, Mahler

26 Dienstag Mär 2019

Posted by Schlatz in Okka von der Damerau, Thomas Guggeis

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Staatskapelle Berlin

Über Teil eins der Programmänderung empfinde ich Genugtuung. Thomas Guggeis für Paavo Järvi, Sibelius für Schostakowitsch, das gefällt mir. Weiterlesen →

Deutsche Oper: Premiere Der Zwerg Kratzer

25 Montag Mär 2019

Posted by Schlatz in Amber Fasquelle, Donald Runnicles, Elena Tsallagova, Emily Magee, Maiju Vaahtoluoto, Philipp Jekal, Tobias Kratzer

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Schlagwörter

Deutsche Oper Berlin

Eine gute Premiere an der Deutschen Oper. Eine opernhaft tragische Geschichte, 80 Minuten genial traumtänzerische Musik, ein Sängerteam, das ordentlich auf die Tube drückt, und eine kluge, sehenswerte Inszenierung.

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Lachenmann, Schumann: Simon Rattle bei den Berliner Philharmonikern

23 Samstag Mär 2019

Posted by Schlatz in Helmut Lachenmann, Simon Rattle

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Schlagwörter

Berliner Philharmoniker

Dieser Helmut Lachenmann. Schaut aus wie ein vergnügt gealterter Extrembergsteiger, für den das Leben ein immerwährendes Basislager mit freiem Blick auf höchste Musikgipfel ist.

Wer hätte je gedacht, dass Lachenmann ein Stück komponiert, das My Melodies heißt?

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Staatsoper: La Traviata mit Katerina Tretyakova

16 Samstag Mär 2019

Posted by Schlatz in Adam Kutny, Alfredo Daza, Arttu Kataja, David Oštrek, Katharina Kammerloher, Massimo Zanetti

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La Traviata an der Staatsoper, gut und verlässlich dirigiert von Massimo Zanetti. Die beiden Vorspiele verwehen schmerzlichschön und bittersüß, die Staatskapelle heizt beim Auftritt der Toreadore ein. Zanetti holt aus der Partitur nicht zuletzt lyrische Verdichtungen.

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Strawinsky mit dem Budapest Festival Orchestra

14 Donnerstag Mär 2019

Posted by Schlatz in Igor Strawinsky, Ivan Fischer, Le sacre du printemps

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Das Strawinsky-Festival im Konzerthaus kullert dem Ende entgegen.

Und spielt das Budapest Festival Orchestra Nebenwerke der 1940er, Psalmensymphonie und Frühlingsopfer.

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Concertgebouw-Orchester im Konzerthaus: Strawinsky, Iván Fischer

12 Dienstag Mär 2019

Posted by Schlatz in Emmanuel Ax, Ivan Fischer, Petruschka

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Ein paar aufregende März-Tage lang dreht sich im Konzerthaus Berlin viel um Strawinsky. Ein Festival feiert Strawinsky als Fürst Igor, an dessen Stil-Haut alle Qualitätsverluste abperlen wie Regen an Funktionskleidung.

Beim Konzert mit dem nicht fürstlichen, sondern standesgemäß königlichen Concertgebouworkest Amsterdam kommt das Aufregendste am Anfang. 

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Kirill Petrenko Berliner Philharmoniker: Schönberg Violinkonzert Tschaikowsky 5

08 Freitag Mär 2019

Posted by Schlatz in Darius Milhaud, Kirill Petrenko, Peter Tschaikowsky

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Berliner Philharmoniker

Petrenko mit einem interessanten Abend in der Philharmonie Berlin. Für sein Berliner Konzert mischt der Chef in spe sperrigen Schönberg mit triumphierendem Tschaikowsky.

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Kritik Liederabend Ian Bostridge mit Schumann und Mehldau

07 Donnerstag Mär 2019

Posted by Schlatz in Dichterliebe, Ian Bostridge, Liederabend

≈ 6 Kommentare

Sapperlott! Das ist ein Überflieger unter den Liederabenden. Dabei fügt ein Engländer – der Tenor Ian Bostridge in Hochform – im Berliner Kammermusiksaal zusammen, was kaum zusammengehört, Robert Schumann und Brad Mehldau.

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