Kritik Rattle Walküre Berliner Philharmoniker: Herlitzius Westbroek Lilli Paasikivi Petrenko

Schlagwörter

Walküre konzertant ist was für Masochisten, besonders im Mai, und besonders wenn man bis 8 in der Sonne liegen kann. Man erntet mitleidige Blicke von Bekannten. Man lehnt Einladungen ab, in der Luise „noch ein kleines Bierchen“ zu trinken. Man flucht. Ich seufze. Zu allem Überfluss wurde mir heute mal wieder das Fahrrad geklaut.

Und damit zur Sache.

Ladies first…

Eva-Maria Westbroek: Resonante Stimme, resolute Erscheinung. Hübsch ist die spontane Glut des strudelnden Klangstroms, Westbroek gebietet über einen reichen Sopran mit

Weiterlesen

Kritik München I Capuleti e i Montecchi: Anna Netrebko Vesselina Kasarova Dimitri Pittas Ante Jerkunica

Anna Netrebko München

Anna Netrebko vor Stufen-Prospekt: Sie trällert auf hohem Niveau / Foto: k.A. / bayerische.staatsoper.de

Nachdem wir armen Berliner Staatsopernbesucher es hinnehmen müssen, dass Anna Netrebko sich lieber mit ihrem Sohn beschäftigt als ihre versprochenen fünf Don-Giovanni-Vorstellungen in der Staatsoper zu singen, höre ich traurig aber gefasst die Live-Übertragung von I Capuleti e i Montecchi aus München an. In medias res.

Dimitri Pittas (Tebaldo) singt „È serbata a questo acciaro“ mit schlanker, klangschöner Weiterlesen

München: Jonas Kaufmann singt „Una notte, under starry skies, Die Nacht der Träume, C’est bien la nuit de reve…“

Wer keinesfalls Fußballfan, aber um so mehr Opernfan ist, dem bietet sich überraschenderweise eine günstige Gelegenheit, doch einmal die Münchener Fußball-Arena zu besuchen. Jonas Kaufmann tritt vor dem morgigen Champions-League-Finale in der so genannten Allianz-Arena auf. Kaufmann singt die ungefähr dreiminütige Champions-League-Hymne – allerdings Playback. Als Opernfan sollten Sie die Arena jedoch direkt nach dem Auftritt Kaufmanns und vor dem Anpfiff demonstrativ verlassen. So drücken Sie am besten ihre Verachtung für Fußball im Besonderen und für alle rüpelhaften Mannschaftssportarten im Allgemeinen aus.

Wer hat den deutschen Tenor eingeladen? Ich tippe auf den sensiblen und womöglich kunstsinnigen Philipp Lahm. Oder singt der Münchener Tenor umsonst? Und will die Münchener Spieler auf Flügeln des Gesangs, sozusagen aus purem Patriotismus, zum Sieg verhelfen? Der Text, den Jonas Kaufmann singt, wird jedenfalls dem gehobenen Anlass angepasst. Der Text enthält jetzt unter anderem die Zeilen „From North and South, Aus West und Ost, Venez les chants, Come the songs, comes the night!“ und „Una notte, under starry skies, Die Nacht der Träume, when memories never die. C’est bien la nuit de reve, the night the champions rise!“ Aber mal ehrlich, in Tosca oder Siegfried ist auch nicht alles Hochliteratur, was gesungen wird.

Jonas Kaufmann wird von David Garret begleitet. Preistipp: Preise für Schwarzmarktkarten liegen derzeit bei rund 2.000 Euro.

Staatskapelle Andris Nelsons: Beethoven Egmont Eroica, Birtwistle Antiphonies, Pierre-Laurent Aimard

Ein hörenswertes Konzert. Andris Nelsons dirigiert. In einigen Jahren wird der Satz, ein Dirigent dirigiere wie ein Affe, zu einer hohen Auszeichnung werden. Nelsons dirigiert so. Nelsons sieht von hinten aus wie ein Sack Kartoffeln, der immer kurz vorm Umkippen ist.

Weiterlesen

Berliner Philharmoniker 2012/2013: Rattle Lutoslawski, Dutilleux, Beethoven, Thielemann Brahms, Dudamel Debussy

Wie gewohnt sagen die Philharmoniker als eines der letzten Berliner Ensembles, was 2012/13  los ist.

Rattle: Lutoslawski, Dutilleux, Beethoven, Strawinsky, Bruckner, Widmann, Gershwin, Britten

Zuerst zu den Rattle-Konzerten. Der programmatische Wille zu konsequenten Zyklen ist leider passé (siehe die einstigen Pärchen Sibelius-Beethoven, Beethoven-Webern, Brahms-Schönberg sowie Mahler). Aber Gott sei Dank findet der Ligeti- und Berio-Strang Weiterlesen

Ancora una volta: Claudio Abbado Schumann 2. Sinfonie

Noch mal Claudio Abbado. Sonntag Abend. Es wird einem warm ums Herz, wenn er erscheint. Hager, hochgewachsen, mit schlenkernden Armen. Angedeutete Verbeugung, die Linke aufs Herz gelegt. Habe eine Karte fürs Podium bekommen.

Zu Alban Berg und Isabelle Faust und Anne Sofie von Otter siehe den vorangegangenen Artikel. Beide dürften Leute im K-Block übrigens kaum gehört haben.

Ich bleibe dabei. Claudio Abbado schafft einiges Gutes bei der Zweiten. Aber auch einiges weniger Gutes. Bis aufs Finale hinterlässt mich kein Satz im Zustand der Erleuchtung. Bei Satz Nr. 2 denk ich wehmütig an Rattles Insistieren. Bei Nr. 1 an Barenboims Gaucho-Glut. Melancholie der Erinnerung.

Weiterlesen

Kritik Berliner Philharmoniker Abbado: Schumann & Berg Violinkonzert, Isabelle Faust

Vorher Gewitter und Platzregen, dann leichtes Tröpfeln, aus dem Tiergarten weht frische Luft rüber.

Kein Auftritt in der Philharmonie wird herzlicher zur Kenntnis genommen als der Claudio Abbados. Es ist langer, von Herzen kommender Applaus. Die erste Programmhälfte rechtfertigte ihn.

Weiterlesen

Kritik Dudamel Berliner Philharmoniker: Korngold Violinkonzert (Kavakos) & Also sprach Zarathustra

Schau an. Leonidas Kavakos hat lange Haare. Meiner Begleiterin gefällt das wenig („unmännlich“). Ich denke, Kavakos lange Haare haben was. Kavakos sieht aus wie der Sergio Ramos von Real Madrid, nur dass er eine Geige unterm Arm trägt und keinen Fußball, als er reinkommt. Was die Länge der Haare angeht, dürfte Kavakos in Kürze zu Anne-Sophie Mutter aufgeschlossen haben. Fehlt nur noch das Extra Strong Hold Spray von Frau Mutter. Doch jetzt zur Musik.

Weiterlesen

Deutsche Oper Berlin 2013/2014: Simon Rattle Ring des Nibelungen

DIE AKTUELLEN KRITIKEN FÜR DEN RATTLE-RING:

SIMON RATTLE DIRIGIERT RHEINGOLD DOB 2013

SIMON RATTLE DIRIGIERT WALKÜRE DOB 2013

SIMON RATTLE DIRIGIERT SIEGFRIED DOB 2013

SIMON RATTLE DIRIGIERT GÖTTERDÄMMERUNG DOB 2013

Hat’s die Deutsche Oper doch geschafft. Simon Rattle wird an der DOB dirgieren. Allerdings erst in der übernächsten Saison. Dann soll es aber gleich der Ring des Nibelungen sein. Rattle dirigiert den kompletten Ring im September 2013, Donald Runnicles einen weiteren Ring im Januar 2014.

Weiterlesen

Deutsche Oper Berlin 2012/2013: Klaus-Florian Vogt Parsifal & Lohengrin, Anja Harteros Tosca

Auch die Deutsche Oper hats geschafft. Die Saisonvorschau 2012/2013 ist da. Die Premieren fallen interessanter aus als gewohnt: Lachenmanns Mädchen mit den Schwefelhölzern und Prokofjews Liebe zu den drei Orangen sind echte Knaller. Auch ein neuer Peter Grimes tut Berlin gut. Na also: Simon Rattle dirigiert auch mal an der DOB: und gleich den Ring des Nibelungen – aber erst im September 2013.

Weiterlesen

Kritik Rattle Berliner Philharmoniker: Berio, Schumann Klavierkonzert Perahia, Fauré Requiem

Simon Rattle Berliner Philharmoniker / Barbara Kind, Kate Royal, Christian Gerhaher / Murray Perahia / Rundfunkchor Berlin

Ach herrje. Es war der Abend der kleinen Stücke. Die beiden Berio-Stücke – E vó für Sopran (Barbara Kind) und Instrumente und O King für Mezzosopran und fünf Spieler (Kate Royal) – waren ebenso attraktiv, wie es Schumanns dunkel fließendes Nachtlied war.

Weiterlesen

Staatsoper Berlin Saison 2012/2013: Rattle Rosenkavalier, Domingo Parsifal, Shicoff Cavaradossi

Matzukaze // Foto: Bernd Uhlig / staatsoper-berlin.de

Matzukaze: Führt krasse Schieflage zu operativer Hektik? // Foto: Bernd Uhlig / staatsoper-berlin.de

Barenboim und Flimm haben es geschafft. Premieren, Repertoire & Konzerte der Staatsoper Berlin für die kommende Saison sind raus. Die Überraschungen: Simon Rattle dirigiert den Rosenkavalier, Neil Shicoff singt Cavaradossi an der Seite von Oksana Dyka, Rolando Villazón will mit Mozartliedern brillieren. Und sonst? Plácido Domingo singt Parsifal – aber nur konzertant. Weiterlesen

Kritik Manon MET: Anna Netrebko Manon, Piotr Beczala Des Grieux

Osternacht in Berlin. Es schneit. Ich höre Manon auf Ö1.

Man könnte seinen Osterhasen drauf verwetten, dass Massenets Manon eine der derzeitigen Lieblingsrollen Anna Netrebkos ist. 2007 sang Netrebko Manon in Berlin Unter den Linden an der Seite Villazóns (die „Räkel-Manon“), 2010 in London an der Seite Vittorio Grigolos.

Weiterlesen