Staatskapelle: Pinchas Zukerman mit Elgar

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Über 70 ist der Geiger Pinchas Zukerman.

Wenn Zukerman Unter den Linden das Violinkonzert des Briten Edward Elgar spielt, dann ist der Unterschied zur jüngeren Geigengeneration schon mit dem Einsetzen des so elgarisch weitläufigen, freundlich gelösten Themas in der Solostimme mit Händen und Ohren greifbar. Zukermans Klang ist voll. Dunkel singend, insistierend und elegisch zugleich der Ton. Gelassen tönt das Portamento. Zukerman klingt plötzlich wie von einem anderen Stern. Weit weg ist da die mathematische Klarheit der Damen Hahn und Fischer, das gewollt Rabiate bei Kopatschinskaja oder das Auktoriale bei Zimmermann.  Weiterlesen

Spectrum Concerts: Panufnik Bartók Elgar Hartmann

Die Spectrum Concerts widmen ihren ersten Auftritt im neuen Jahrzehnt Werken von den Repertoirerändern. Das Konzert ist mit vier Neben- und Hauptwerken, mit Früh- und Spätwerken von Großen und ganz Großen bestückt, schlägt einen Radius von der Protomoderne des Engländers Elgar bis zur klugen Spätmoderne des Polen Panufnik.

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Eine gediegenere Werkauswahl scheint kaum möglich. 22 Musiker ist das Spectrum-Ensemble heute Abend stark – junge Talente sind in Vielzahl dabei.

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Prokofjew: Die Verlobung im Kloster

Die Staatsoper startet mit Prokofjews Lustspiel-Rarität Die Verlobung im Kloster ins nagelneue Jahrzehnt. Handlung und Personal (Entstehung 1940, Uraufführung 1946) schlachten genüsslich die Stereotypen der komischen Oper aus. Ein starrsinniger Vater will seine Tochter zu einer Verbindung mit einem reichen Fischhändler zwingen (dem nicht mit Minderwertigkeitskomplexen geschlagenen Mendoza), doch die patente Tochter ergattert mittels turbulenten Verwechslungen ihren mittellosen, aber wohlgestalteten Geliebten. Die besondere Volte besteht darin, dass die Amme (wunderbar matronenreif: Violeta Urmana) sich zu guter Letzt den ausgebooteten Fischhändler angelt.

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Staatskapelle: Elīna Garanča mit Elgars Sea Pictures

Elīna Garanča singt im 3. Abonnementkonzert die Sea Pictures von Elgar (1899). Beides, Lieder und Interpretation, überzeugen.

Beim ersten, Sea Slumber-Song, und zweiten, In Haven (Capri), scheint die Singstimme nach innen gewandt. Das Schlaflied ist eine bestrickende Fantasie, das Capri-Lied stellt die Treue der Geliebten dem unbeständigen Meer gegenüber. Die zurückhaltende Instrumentation erhöht nur den Reiz. Elīna Garanča interpretiert mit ebensolcher Zurückhaltung und ist darin ganz die große Interpretin. Nuancen und Farben passieren en passant. Weiterlesen

Komische Oper: Traviata

Mit der kühlen La Traviata an der Komischen Oper hat Berlin nun wieder drei Traviatas, eine an der Bismarckstraße, eine Unter den Linden, und seit letzten Sonntag eine an der Behrensstraße, was Verdi-Fans nicht nur in Berlin freuen dürfte.

La Traviata Komische Oper Berlin Iko Freese

Am schönsten an der Neuproduktion an der Komischen Oper von Nicola Raab sind die Bilder, Bilder, die überzeugend von Vergnügungsgier, von Vereinsamung und vom verlöschenden Leben erzählen. Nichts Neues allerdings bei den Kostümen: Die stammen inzwischen Regie-Usus-üblich aus der Entstehungszeit des Werks. Nur Germont Vater (Günter Papendell als Gevatter Tod) trägt modernes Schwarz, und auch der Chor darf im heutigen Anzug ran. Plötzlich stürzt Herbstlaub rostrot vom Himmel. Schön anzuschauen ist das.

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Kritik Tristan und Isolde Deutsche Oper Berlin

Ist der Deutschen Oper bewusst, dass ein Vorstellungsbeginn von 16 Uhr 1.800 Berliner Familien das nachmittägliche Plätzchenessen unmöglich macht?

Das Haus an der Bismarckstraße zahlt es bei der Wiederaufnahme von Tristan und Isolde den Besuchern allerdings heim, zwar nicht in Form von Vanillekipferln, aber – immerhin – in feinen Gesangskipferln. In der Inszenierung von Graham Vick, die aus Wagners Liebessehnsuchtswerk eine Wohnzimmeroper ohne Trost und Illusion macht. Öd das Bungalow-Heim, in dem ein Sarg und tropfnasse Terrassentüren dominieren (Bühne: Paul Brown).

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Kritik Premiere Staatsoper Berlin: Samson et Dalila

War die Schwert-und-Sandalen-Oper (unübertroffen: Callas als Norma, del Monaco als Pollione) eigentlich nicht so tot wie Alexander der Große? Jetzt wagt die Staatsoper Berlin eine Wiederbelebung. Für Samson et Dalila von Camille Saint-Saëns greift Regisseur und Opernneuling Damián Szifron ganz tief in die Trickkiste der Breitwandoper. Szifron zeigt Bibelspektakel pur. Man traut seinen Augen kaum. Samson wandelt im Heiligen Land in Jesuslatschen. Die Philisterkrieger stecken unter scharfgezackten Helmen und in Rüstungen aus Metallschuppen, während die geknechteten Israeliten sich in antike Wallegewänder hüllen (Kostüme: Gesine Völlm).

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Kritik Deutsche Oper: Chaya Czernowin Heart Chamber

Freundlicher Applaus, ein Buh für Czernowin, dazu der übliche lautstarke Enthusiasmus von Fan-Grüppchen. Wie war die jährliche Uraufführung an der Deutschen Oper? Claus Guth liefert eine passgenaue, hyperklare Regiearbeit, die fast für sich alleine bestehen kann. Und Chaya Czernowin schafft mit Heart Chamber eine Oper, die anmutet wie eine mikroskopisch genaue Autopsie der Liebe. Herzkammer ist leidenschaftlich und illusionslos, irre intim und kühlkontrolliert. Weiterlesen