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Opern- & Konzertkritik Berlin

~ Klassik-Blog für Konzertberichte und Opernkritiken aus Berlin

Opern- & Konzertkritik Berlin

Monatsarchiv: Juli 2011

Trau nie dem Saisonheft, es sei denn es ist das von letztem Jahr

24 Sonntag Jul 2011

Posted by Schlatz in Christian Thielemann, Mariss Jansons

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Berliner Philharmoniker

Das Saisonheft 2010/11 ist da. Sieht schon besser aus, wenn keine Werbeagentur die Orchestermusiker ins Bild bringt, sondern der gestandene Fotograf Jim Rakete. Aha, das Gruppenbild. Solène Kermarrec guckt, als hätte sie die halbe Nacht im Berghain verbracht. Wenzel Fuchs sieht aus, als wäre er nach dem Berghain noch ins Lido gegangen, um dann in der Maria am Ostbahnhof den neuen Tag zu begrüßen. Andere haben es scheinbar gar nicht mehr zum Termin geschafft oder waren noch weniger vorzeigbar, denn sie sehen aus, als wären sie mit Photoshop nachträglich reinmontiert worden. Ein Mahlerzyklus ist nun nichts Originelles. Wenn schon einen Zyklus, dann Prokofjew, Henze oder Birtwistle. Oder Händel, da hat Rattle doch bestimmt auch einen Draht zu. Naja, aber natürlich wird Mahler unter Rattle hochinteressant. Seit der in jeder Hinsicht erinnerungswürdigen Neunten im Herbst 2007, die Rattle in der Manier eines erregten, panisch die Details ordnenden und fordernden Orchesterleiters, kurz gesagt: in der Manier eines Oliver Kahn in Bestform hingelegt hatte, habe ich so gut wie keine Mahlersinfonie mehr gehört, abgesehen von einer etwas losen, lockeren, etüdenhaften Sechsten von Boulez mit der Staatskapelle. Mein Gefühl sagt mir, dass Rattles Mahler-Vierte und die -Sechste am besten werden. Weiterlesen →

Tristan und Isolde, Berlin, Staatsoper: Waltraud Meier, René Pape, Peter Seiffert, Ekatarina Gubanova

24 Sonntag Jul 2011

Posted by Schlatz in Daniel Barenboim, Ekaterina Gubanova, Katharina Kammerloher, Michelle DeYoung, Peter Seiffert, Roman Trekel, Waltraud Meier

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Festtage 2010 Tristan und Isolde Daniel Barenboim Harry Kupfer Waltraud Meier René Pape Peter Seiffert Ekatarina Gubanova Roman Trekel Reiner Goldberg Arttu Kataja Florian Hofmann

Das waren die Veränderungen gegenüber dem Tristan von vor einer Woche: Waltraud Meier scheint nun vollkommen gesund zu sein, Barenboim nimmt den zweiten Akt etwas weniger schnell, die Staatskapelle spielte fehlerfrei und entfesselter, Peter Seiffert singt hörbar differenzierter.

Die Besetzung ist die gleiche. Der Tristan dürfte mit dieser Festtagsserie zu der Oper aufsteigen, die ich in den letzten fünf Jahren am häufigsten hörte. Ich habe Wagner in München, Wien und natürlich anderswo gehört, aber vom ersten Berliner Barenboim-Tristan an schien mir dieser singulär. Von dem, was man so die großen Momente nennt, gab es das eine oder andere an der Staatsoper (Villazóns Don José, Domingos Simon Boccanegra, vielleicht auch Simon Rattles Pelléas), doch das Gefühl, dass das, was ich gerade höre, weit besser ist als an jedem beliebigen anderen Haus der Welt, vermittelten nur der Berliner Tristan und z. T. auch der Berliner Parsifal.

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Kein Plácido Domingo, keine Anja Harteros, kein Fabio Sartori

24 Sonntag Jul 2011

Posted by Schlatz in Anja Harteros, Daniel Barenboim, Plácido Domingo

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Festtage 2010 Simon Boccanegra Daniel Barenboim Federico Tiezzi Andrzej Dobber Ferruccio Furlanetto Ailyn Perez Aquiles Machado Massimo Cavalletti Alexandr Vinogradov

Absagen, Absagen, Absagen: kein Plácido Domingo, kein Fabio Sartori, eine neue Amelia – Anja Harteros hätte sowieso nicht gesungen. Ich war kurz davor, in der Pause rauszugehen. Bei Andrzej Dobbers Simon Boccanegra höre ich bei jeder Silbe den Domingo vom Herbst mit. Der Unterschied zwischen Domingo Herbst 2009 und Dobber Festtage 2010 lässt sich nicht bemessen. Als Dobber sich achtbar durch den Simone sang, war ich pausenlos dabei, Domingos Stimme, ihren Klang und ihren Schmelz an den entsprechenden Stellen aus der Erinnerung zu rekonstruieren. Es war deprimierend. Ailyn Perez hatte einen grauenhaften Beginn, hätte sie so weitergesungen, wäre ein Buhkonzert sicher gewesen. Weiterlesen →

Festtage Staatsoper Berlin: Rolando Villazón Comeback

24 Sonntag Jul 2011

Posted by Schlatz in Anna Samuil, Rolando Villazón

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Schlagwörter

Staatskapelle Berlin

Festtage 2010 Eugen Onegin Daniel Barenboim Achim Freyer Anna Samuil Artur Rucinski Rolando Villazón Maria Gortsevskaya Margarita Nekrasova Stephan Rügamer

Was macht Villazón? Ich hörte Villazón mit gemischten Gefühlen. Bei ‚Ja ljublju was‘ gibt es jedes Mal einen kleinen Stimmriss im ersten Vokal, weitere Wackelstellen folgen. Schnell ist klar: Der Tenor schont seine Stimme, wo es nur geht. Oft singt Villazón den Phrasenhöhepunkt nicht voll aus, ein oder zwei Mal ist das OK, aber vier oder fünf Mal ist schon ein bissl viel. Dazu kommt, dass seine Phrasierung nie die ebenste war, was früher durch die Vehemenz des Vortrags wettgemacht wurde, nun aber beim Singen auf Sicht umso mehr auffällt. Auch die nicht mustergültig verblendeten Register sind besonders hörbar. Arien- und Phrasenschlüsse legt Villazón sehr emotional hin, fast scheint es, als wollte er da rausholen, was der Zustand der Stimme ihm an Intensität versagte. Die Höhe ist eng, doch von intensiver Strahlkraft. Das atemberaubend intensive Drauflossingen, einst Villazóns unfehlbares Markenzeichen, ist 2010 passé, Villazón bereitet sich mit fast umständlich anmutender Sorgfalt auf jede Stimmentfaltung in der Höhe vor. Weiterlesen →

Anna Netrebko Kritik Berlin: die gewisse weibliche Reife

24 Sonntag Jul 2011

Posted by Schlatz in Anna Netrebko

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Nee, so was. Auf den Berliner Opernbühnen ist von Anna Netrebko zur Zeit weit und breit nichts zu sehen. In Wien singt Netrebko dem Eindruck nach eher vierzig als zwanzig Mal pro Saison. Ihre Manon an der Berliner Staatsoper ist nun drei Jahre und ihre Traviata an der Deutschen Oper auch schon ein Weilchen her. Wie dem auch sei. Ich weiß nicht genau, wer gesagt hat, dass Netrebko in drei Jahren die Traviata an der Staatsoper Unter den Linden singen wird, aber in drei Jahren fließt viel Wasser die Spree hinunter.

Doch Netrebko kommt zu den Festtagen der Staatsoper Berlin und singt einen Liederabend. Daniel Barenboim will für die letzten Festtage in der Staatsoper vor der Renovierung Festtage auf Salzburger Niveau, und da lotst er nicht nur Rolando Villazón und Plácido Domingo (na, der war dann ja leider im Krankenhaus) in die Staatsoper, sondern auch Maurizio Pollini und Anna Netrebko in die Philharmonie. Anna Netrebkos singt russische Lieder, Daniel Barenboim klimpert. Barenboim führt Netrebko händchenhaltend aufs Podium, hebt die Rockschöße, setzt sich mit Schwung ans Klavier und lässt Netrebko Tschaikowsky und Rimsky-Korsakow singen. Wie sieht sie aus? Hellblaues Kleid, eine Farbe wie von einem Frauenkleid auf einem Gemälde von Feuerbach aus der Alten Nationalgalerie aus den 1860ern. Anna Netrebko ist nicht gerade ein Flummi wie Cecilia Bartoli, aber eine gewisse weibliche Reife hat sich ihrer bemächtigt. Ein Schelm, wer dabei an Töpfe voller Borschtsch und Haufen von Piroggen denkt. Bewegt sie sich, weht die Zuschauer so ein Hauch barocke Würde an. Weiterlesen →

Daniel Barenboim: Chopin Nocturne, h-Moll-Sonate, Ballade g-Moll

24 Sonntag Jul 2011

Posted by Schlatz in Daniel Barenboim, Maurizio Pollini

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Daniel Barenboim Chopin Variations brillantes op. 12 Nocturne op. 62 Sonate h-Moll Ballade g-Moll Etüden Mazurken Scherzo cis-Moll

Es gab zwei Vergleichspunkte. Barenboims Chopin-Matinée im Oktober und Pollinis Chopin-Abend Ende Januar. Barenboims b-Moll-Sonate, dort der Höhepunkt, klang besser als jetzt die h-Moll-Sonate. Auch Pollini gelang die b-Moll-Sonate nicht einwandfrei. Barenboims Nocturne gefiel mir dieses Mal etwas besser als seine Chopin-Nocturnes damals. Doch die Nocturnes spielte (und das Nocturne spielt) Barenboim zu weich. Ebenso die Mazurken jetzt. Nur die letzte hatte in der Komplexität und Verschränkung der rhythmischen Muster höchstes, aber dann wirklich höchstes, Niveau. Unfehlbar waren die g-Moll-Ballade und das Scherzo (cis-Moll). Es gibt kaum ein Chopin-Spiel, das dem Pollinis entgegengesetzter wäre, aber mit einigen Chopin-Sachen von Pollini waren die Höhepunkte dieses Abends das Beste, was auf dem Klavier überhaupt von Chopin zu hören ist. Oft schien mir die Linke äußerst glücklich gehandhabt. Vier Zugaben. Nocturne, 2 Walzer, Polonaise. Die Polonaise nun wirklich donnernd, doch mit Gehör für die Komplexität noch im ff. Ein Fehler an einer leichten Stelle in der Ballade. In der zugegebenen Polonaise haufenweise Fehler, doch das Ineins von Drama und Gewalt der Farbe, der Form stimmte.

Simon Rattle dirigiert Beethoven, Ligeti, Sibelius. Mit Mitsuko Uchida. Und Radek Baborák ist weg.

22 Freitag Jul 2011

Posted by Schlatz in György Ligeti, Jean Sibelius, Mitsuko Uchida, Simon Rattle

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Berliner Philharmoniker

Berliner Philharmoniker Simon Rattle: Mitsuko Uchida Ligeti San Francisco Polyphony Beethoven Klavierkonzert Nr. 4 Sibelius Sinfonie Nr. 2

Ach du ganz große Scheiße. Wo ist Radek Baborák? Er ist weg. Sie suchen einen neuen Ersten Hornisten. Kein Wunder, dass ich ihn nicht mehr gesehen habe. Das ist eine schlechte Nachricht. Hätte man ihn nicht mit allen Mitteln halten können? Etwa, indem man Tschechisch zur Hauptsprache unter den Musikern gemacht hätte? Oder jedes Philharmoniker-Konzert mit einem Hornkonzert begonnen hätte? Oder ihm ein Dirigat pro Saison versprochen hätte? Langweiliger wie András Schiff kann er unmöglich dirigieren.

Ligetis San Francisco Polyphony könnte etwas spannender sein. Man hat den Eindruck, Ligeti wollte schildern, was einem Mann durch den Kopf geht, der nach einer durchfeierten Nacht auf der Terrasse eines Hauses in San Francisco den anbrechenden Morgen beobachtet und sich nebenbei auch noch allerlei Gedanken über sein Leben macht. Also gewissermaßen in der Art der Stücke, in denen Richard Strauss Szenen aus dem eigenen Leben in Musik setzte.

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Mann, diese Berliner Philharmoniker! Rattle Sibelius, Mitsuko Uchida Beethoven

22 Freitag Jul 2011

Posted by Schlatz in György Kurtág, Jean Sibelius, Mitsuko Uchida, Simon Rattle

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Berliner Philharmoniker

Berliner Philharmoniker – Simon Rattle: Kurtág Grabstein für Stephan Sibelius Sinfonie Nr. 4 Beethoven Klavierkonzert Nr. 5 (Mitsuko Uchida)

Am Freitag spielten die Wiener Philharmoniker. Maazel dirigierte. Ich mochte schon Christian Thielemanns Bruckner 8. nicht, die die Wiener vor drei Jahren in der Philharmonie spielten. Und jetzt Beethoven 6. unter dem Maazel. Klanglich sind die Wiener ein Phänomen, aber Maazel ist ein grimassierendes Kuriosum, dessen Musikverständnis die Langeweile auf die Spitze treibt. Diese Sechste klang wie das Foyer des Hotel Adlon aussieht.

Absagen treffen mich mit Härte. Ozawa ist krank, er wird seine Konzerte im Juni nicht leiten können. Plácido Domingo ist krank. Er wird den Simone Boccanegra im März nicht singen. Mit einem Prost auf Rattles fantastische Gesundheit komme ich zum heutigen Konzert.

Kurtág scheint hier begabt, doch nicht außerordentlich. Gegen die Bewegtheit und mitreißende Präzision der Ligeti-Stücke macht Kurtág keinen Stich. Außer dem jeweils achtfach besetzten Blech und Schlagzeug nur Kammerbesetzung: 3 Celli, 3 Bratschen, 1 Bass, 3 Holzbläser, 1 Gitarre (ich hoffe, das stimmt so). Drei aufeinander folgende, vom Blech getragene, scharf abgetrennte Tutti-Blöcke von schreiender Lautstärke bilden das Zentrum. Zu Beginn und gegen Schluss viel Leisheit, die von den Philharmonikern glänzend rübergebracht wurde. Simon Rattle verbot dem Publikum quasi das Husten. Kurtágs Grabstein für Stephan war das, was man ein interessantes Stück nennt.

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Simon Rattles Sibelius-Zyklus II: Monochromie! Tundra!!

22 Freitag Jul 2011

Posted by Schlatz in Mitsuko Uchida, Simon Rattle

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Berliner Philharmoniker

Berliner Philharmoniker – Simon Rattle: Beethoven Klavierkonzerte Nr. 2 & 3 (Mitsuko Uchida) Sibelius Sinfonie Nr. 3

Eine Frage bewegt einen. Warum angeln sich die Weiterlesen →

Sibelius-Zyklus Simon Rattle

22 Freitag Jul 2011

Posted by Schlatz in Barbara Hannigan, Mitsuko Uchida, Simon Rattle

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Berliner Philharmoniker

Berliner Philharmoniker – Simon Rattle: Mitsuko Uchida Barbara Hannigan Ligeti Athmospères Beethoven Klavierkonzert Nr. 1 Ligeti Mysteries of the Macabre Sibelius Sinfonie Nr. 1

Im Berlin, das in Schnee und Eis versinkt, weisen Pfützen in LKW-Größe an jeder Straßenecke auf den nahenden Frühling hin. Die Philharmoniker tun ihr Bestes, um den Winter zu vertreiben, indem sie kecke Erstlingswerke von Beethoven und Sibelius, dem zeitweise meistgehassten Musiker Europas, spielen.

Das Orchester ist bester Laune. Rattle beginnt sofort nach dem Konzertschluss auf das Lebhafteste mit Uchida zu reden. Dabei sieht Uchida einmal so freudig überrascht aus, als hätte Rattle ihr gerade vorgeschlagen, AUSNAHMSWEISE und NUR DIESES EINE MAL bei Sibelius mitspielen zu dürfen – weil sie es sei. Albrecht Mayer, Emmanuel Pahud, Wenzel Fuchs, Stefan Schweigert, das waren die ersten Solisten der Bläser. Daishin Kashimoto Konzertmeister (musste ich nachschlagen), Stabrawa neben ihm. McDonald ragt an den Bässen auf. Pahud sieht dem Nachbarn Mayer aus nächster Nähe beim Solo zu. Nickt dann ausdrucksvoll. Nickt auch nach Einsätzen anderer. Schweigert guckt einmal zum zweiten Fagottisten, Pahud dreht sich um, guckt auch hin. Hat er was falsch gemacht? So was hört man nicht. Bei Beethoven Leichtigkeit und magere Sehnenhaftigkeit, bei Ligeti höchste Reaktionsfähigkeit des Orchesters. Ligetis Mysteries of the Macabre ist große, herrlich vitale Musik. Rattle nutzt die Kraft und Fantasie dieser Musik, um aus sich herauszugehen, und hat sein Coming-Out als fuchtelnder Orchesterleiter, der Orchester und Publikum zur Schnecke macht (‚What the hell are you playing there?‘, ‚Don’t smile at me‘). Weiterlesen →

Kritik: Pollini beim Weltraumspaziergang

22 Freitag Jul 2011

Posted by Schlatz in Maurizio Pollini

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Maurizio Pollini Schumann Konzert ohne Orchester Schumann Fantasie Chopin Nocturnes Chopin Sonate b-moll

Pollini eilt schnurstracks zum Flügel. Etwas steif vorgebeugt, den Kopf vorgestreckt, die Arme hängen affenartig herab. Kein Blick zur Seite, ein nervöser Gentleman mit Stil. Einmal beginnt er ein Stück, als er noch nicht richtig sitzt. Im Niedersetzten haut er in die Tasten. Es gibt ihn nicht, den Augenblick, in dem Maurizio Pollini im Applaus stillsteht. Entweder er steht links am Flügel, die Rechte auf dem Instrument, und dreht sich einmal um die Achse, kleine, knappe, scheue Verbeugungen ausführend, oder er steht rechts am Flügel, die Linke auf dem Instrument, und verbeugt sich rundum. Vor dem Eingang Richtung Potsdamer Platz steht der kleine italienische Kasten-LKW, der Pollinis Flügel bringt. Ist der Innenraum beheizt? Ich zittere vor jedem Konzert, das Pollini gibt. Spielt er so abstrakt, dass ich auf einmal merke, wie ich nicht mehr folgen kann? Reißt der Kontakt und ich bin dann der Astronaut, dessen Schnur beim Weltraumspaziergang riss. Oder ist es etwa Pollini, der Weltraumspaziergänge macht? Es war beim Konzert ohne Orchester so. Lauterstes Klavierspiel – doch meinem Gehirn nicht zugänglich.

Liszts h-moll-Sonate verschwand vom Programm. Weiterlesen →

Berliner Philharmoniker, Frank Peter Zimmermann und Bernard Haitink: Oberarm im Einsatz, millimetergenaues Hüpfen

22 Freitag Jul 2011

Posted by Schlatz in Bernard Haitink, Frank Peter Zimmermann

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Berliner Philharmoniker

Berliner Philharmoniker Bernard Haitink Frank Peter Zimmermann Kurtág Stele Brahms Violinkonzert Bartók Konzert für Orchester

Haitink, wie er leibt und lebt: rosiges Gesicht, ein lichter weißer Haarkranz. Tränensäcke. Wie stets mit Fliege und im Frack, in dem das Einstecktuch sitzt (Rattle wechselt zwischen Frack und Kittel). Er stützt sich beim Abgang auf das Geländer, geht etwas schief, doch mit freundlicher Grandezza, die die eigene Größe heiter nimmt und sich für die Langsamkeit lächelnd zu entschuldigen scheint. Die stabhaltende Rechte geht in einer Art krakeliger Handschrift auf und nieder, mit kurvigen Schwüngen nach links und rechts. Doch die Stabspitze bewegt sich präzise, sie hüpft millimetergenau auf, nur aus Handgelenk und Ellbogen bewegt. Die großen Hände wirken stets etwas unbeholfen, wenn sie ruhen. Selten kommt der Oberarm zum Einsatz. Die Linke liegt manches Mal unbewegt an der Seite. Bernard Haitink scheint immer auf eine innere Partitur zu hören, auf den Widerhall unzähliger vergangener, doch im Konzert wieder gegenwärtiger Dirigate. Er strahlt eine kindliche Zufriedenheit aus, als würde er ein zutiefst befriedigendes Spiel spielen. Weiterlesen →

Bernard Haitink und Radu Lupu mit Brahms im Berliner Winter

22 Freitag Jul 2011

Posted by Schlatz in Bernard Haitink, Radu Lupu

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Berliner Philharmoniker

Berliner Philharmoniker Bernard Haitink Radu Lupu Brahms Sinfonie Nr. 3 Brahms Klavierkonzert Nr. 1

Das Vorweihnachtsprogramm der Philharmoniker war mir zu besinnlich: Bach und Vokalmusik von Brahms. Das Silvesterkonzert mit Ballettmusik von Tschaikowsky und Lang Lang (5 Minuten im Fernsehen zugesehen) zu – mmmhhh – leidenschaftslos. Ich habe Rossini und Mozart in der Staatsoper bevorzugt. Haitinks Brahms ist langweilig, nein, nicht langweilig. Sorgfältig, aber nicht unendlich sorgfältig, vollständig, aber nicht erschöpfend, bewegt, aber nicht hitzig. Haitink macht keine Fehler, er riskiert auch keine. Rattles panisch genaue Kontrolle der Artikulation ist gewiss auch so eine Sache, doch sie führt zu eindeutigen, unumstößlichen Ergebnissen. Bei Haitink weiß man nie so richtig, ob das, was ich höre, 100%ig so gewollt ist oder nur billigend in Kauf genommen wird. Und dann auch noch die unproblematische Dritte. Meine Reihenfolge der Brahmssinfonien ist 4,2,1,3. Bei Beethoven steht am oberen Ende der Skala 9 und 2, am unteren Ende 4 und 6 (wenn Rattle dirigiert 3 und 9 oben und 1 und 2 unten). Einmal jauchzte das Orchester, im letzten Satz des Konzerts. Weiterlesen →

Berliner Philharmoniker – Simon Rattle: Schönberg/Brahms Klavierquartett Nr. 1

22 Freitag Jul 2011

Posted by Schlatz in Evelyn Herlitzius, Simon Rattle

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Berliner Philharmoniker

Ein denkwürdiges Programmmenü, das im ersten Teil die Snobs und im zweiten die Gourmets befriedigte. Schönbergs Erwartung entpuppte sich als ein Werk, das mit Leichtigkeit übers Weltniveau hoppelt. Ich bin mir sicher, Weiterlesen →

Berliner Philharmoniker – Ivan Fischer: Haydn Sinfonie Nr. 88 Bartók Brahms Ungarische Tänze Kodaly Tänze aus Galanta

22 Freitag Jul 2011

Posted by Schlatz in Ivan Fischer

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Berliner Philharmoniker

In Berlin fühlt man sich als Parteigänger der Philharmoniker zuweilen regelrecht umzingelt. Im Süden von den Wiener Philharmonikern (die mit den schlenkernden Geigen), im Westen vom Concertgebouworkest Amsterdam (die mit der stupenden Koordination). Richtig mulmig wird einem jedoch, wenn ein Dirigent aus dem Kernbereich der Wiener Philharmoniker, der k.-und-k.-Region, beginnt, ein k.-und-k.-Programm zu dirigieren. Da zwackt es die Berliner Seele und der Konzertgänger fühlt sich nicht nur auf dem falschen Donaudampfer, sondern glaubt obendrein, dass Eulen nach Spreeathen getragen werden. Der Ungar Ivan Fischer dirigiert Haydn, Bartók, Brahms und Kodaly.
Das erinnert einen dann an jene Momente, wenn der Ochs ausm Rosenkavalier auf der Bühne der Staatsoper wienert und wienert, und man denkt halt doch: Na, ob dös wohl hinhaut? Iván Fischer und sein Programm klangen auf jeden Fall, als käme es frisch aus der Gulaschkanone, und obendrauf sitzt ein Batzen Schlagobers. Im Voraus wurden Wetten abgeschlossen, ob die Philharmoniker mit der eisernen Regel brechen würden, im eignen Haus außer zu Silvester keine Zugaben zu geben, und etwa einen Donauwalzer zugeben würden. Taten Sie aber nicht. Weiterlesen →

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