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SAISON 2009 / 2010 PHILHARMONIE BERLIN
Es ist Hochsommer, der Landwehrkanal stinkt, es sind Ferien und der kleine Pavillon der Türken im Nachbarhof ist verwaist. Gerade lese ich, dass Annette Dasch die Elsa in Bayreuth singt. Die war doch schon als Donna Elvira an der Staatsoper schlechter als die Donna Anna von Anna Samuil. Tja, Bayreuth…
Saisons haben die unangenehme Eigenschaft, dass sie irgendwann zu Ende gehen. So auch die Saison 2009/10. Was bleibt? Ich lasse die Akteure noch einmal Revue passieren. Zuerst jedoch die Stücke. Die interessantesten waren Schostakowitschs wilde Vierte und Sibelius‘ erschütternde Vierte sowie vielleicht Sibelius‘ Sechste (alles Simon Rattle). Schostakowitschs Zwölfte (Dudamel) und Dreizehnte (Staatskapelle, Barenboim) fand ich, na, fand ich zu episch. Das zweite Violinkonzert von Schostakowitsch (Barenboim, Kremer, Staatskapelle) ist ein Stück, das Schostakowitschs erstem (Bychkov, Guy Braunstein) um eine Nasenlänge voraus ist. Der reine Brahmsabend (Haitink/Lupu) wäre nicht nötig gewesen – sowohl Klavierkonzert als auch Vierte gabs von Rattle herzlicher und eindringlicher. Ligetis Athmospères und seine Mysteries of the Macabre (Hannigan) waren Höhepunkte und hielten sowohl konzeptionell als auch substantiell, was der Name Ligeti versprach. Rattle kombinierte Ligeti mit Sibelius, Kurtag und Beethoven. Auf den leidenschaftlichen Sibelius-Zyklus der Berliner Philharmoniker freute ich mich mit rätselhafter Schadenfreude. Schlussendlich befreite der Zyklus den Finnen aus Adornos giftiger Obhut und den Zuhörer aus mancher Unwissenheit (alles Simon Rattle). Beethoven (Klavierkonzerte, Rattle, Uchida) wirkt stets wieder seltsam unvertraut. Weiterlesen

