Kritik Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks München Mariss Jansons: Lutosławski, Bartók Konzert für Orchester

Musikfest Nr. 4

Das Musikfest bislang: ein fesches Heldenleben von Honeck. Dann ein mühevoller Abend mit dem Mahler Chamber Orchestra. Dann das Concertgebouworkest, das unter dem soften Gatti Perfektion auf Berliner Niveau liefert. Heute Mariss Jansons mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.

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Kritik Royal Concertgebouw Orchestra Daniele Gatti: Lutosławski, Bartók Klavierkonzert 3 Yefim Bronfman, Prokofjew

Musikfest Nr. 3.

Lutosławskis Trauermusik für Orchester. Der Typ von den Geigen mit dem phänomenalen blonden Haar saß vor zwei Jahren noch bei den Philharmonikern als Orchesterakademiker.
Béla Bartók, 3. Klavierkonzert. Yefim Bronfman im Finale herb und schnörkellos, Gatti weich konturiert. Bronfman im 2. Satz klar und konsequent, Gatti farbig und diszipliniert. Bronfmans Schnörkellosigkeit lebt ohne äußerlichen Effekt, ohne Pathos, ohne Schneidigkeit. Aber durchaus mit scheuer Lust. Weiterlesen

Kritik Pittsburgh Symphony Orchestra Honeck: Anne-Sophie Mutter Lutosławski Chain 2

Wieder im hässlichen Berlin (jaja, Wannsee is schön, Savignyplatz is schön. Aber was ist das gegen Sanary sur Mer?) höre ich die Übertragung des Eröffnungskonzerts des Musikfests 2013 in der Digital Concert Hall.

Das Pittsburgh Symphony Orchestra ist ein tendenziell sehr gutes Orchester.

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Kritik Salzburg Meistersinger: Daniele Gatti, Michael Volle Hans Sachs, Anna Gabler, Roberto Saccà, Markus Werba

Selbst der Sommer schwitzt.

3sat, zeitversetzt aus Salzburg. In Salzburg 33°C um 20 Uhr.

Vorspiel 1. Akt. Die Wiener Philharmoniker schrammeln wie verliebte Hans Sachse. Es schimmert.

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Kritik Götterdämmerung Bayreuth 2013: Kirill Petrenko, Alejandro Marco-Buhrmester, Claudia Mahnke

Bayreuther Götterdämmerung, BR, Live-Übertragung.

Meine Schwiegermutter heißt Kriemhilde. Sie wohnt in der Richard-Wagner-Straße. Ich habe quasi gute natürliche Voraussetzungen für das Verständnis der Götterdämmerung. Schade aber, dass sie weder in Bayreuth noch in Triebschen wohnt. Ich muss noch mal mit ihr reden.

Es besteht kein Zweifel, dass Lance Ryan kein sehr guter Siegfried ist. Dazu gibt es zu viele meckernde E’s. Dazu siegfriedelt Lance Ryans Stimme zu wenig. Sie beckmesserlt eher. Enttäuschend sind die vollkommen spannungslosen Töne. Siehe auch: Lance Ryan im Herbst 2012 in Berlin. Optisch ist der 2013er-Siegfried ein fotogener Augenschmaus in Lederkluft.
Alejandro Marco-Buhrmester (Gunther) bringt soignierte Männersangesleistung. Gunther ist auch nett zum Angucken.
Martin Winkler (Alberich) hält das Niveau, das er an den vorangegangenen Abenden zeigte.

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Kritik Walküre Bayreuth 2013: Anja Kampe, Franz-Josef Selig, Johan Botha

Mein Mitgefühl gilt den vor Ort Anwesenden. Google sagt: Bayreuth Temperatur = 37°C.

Der erste Akt ist langweilig. Jemand erklärte mir einmal, Botha sei der beste Wagnertenor. Johan Botha singt einen harmloseren Siegmund als Peter Seiffert beim Barenoim-Ring in diesem Frühjahr. Weiterlesen

Kritk Bayreuther Festspiele: Rheingold 2013 Premiere – Claudia Mahnke, Martin Winkler, Norbert Ernst

Die Bayreuther Fanfare bläst.

Rheingold-Premiere, BR, live.

Kirill Petrenko dirigiert. Es singt ein sehr gutes, wenn auch nicht überragendes Ensemble. Frank Castorf Regie.

Das Vorgeplänkel bestreitet das Rheintöchter-Geschwader, bestehend aus den üppigen Blondinen Mirella Hagen (Woglinde), Julia Rutigliano (Wellgunde), Okka von der Damerau (Floßhilde).

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Kritik Bayreuther Festspiele: Fliegender Holländer 2013 – Ricarda Merbeth Senta

Blauer Juli-Himmel über Berlin.

Die Philharmoniker sind schon seit Wochen spurlos im philharmonischen Sommerloch verschwunden.

Die Staatskapelle geht bei den Proms fensterln.

BR eingeschaltet: Fliegender Holländer, live aus Bayreuth, Thielemann dirigiert.

Jan Philipp Glogers Inszenierung wurde 2012 ungnädig aufgenommen. Doch sie ist sehr gut. Norwegenfoklore kommt nicht vor. Gloger stellt die Frage nach Eigenart und Bedingungen der Wagnerschen Idee der Erlösung neu. Bilder und Personen sind neu und ungesehen.

Ouvertüre: Flotter als der Bayreuth-Holländer 2012, aber immer noch nicht ganz mein Ding. Bukolische Bläser: pointierte Fröhlichkeit beim Non-Legato. Die Bläserpakete werden vom Festspielorchester mit Freude rausgehauen. Es dominiert ein sonntäglich gerundeter Klang. Die aufgeräumten Tutti besitzen einen Einschlag von sonniger Behäbigkeit. Wenig Kantenschärfe. So wie wenn früher Helmut Kohl Witze gemacht hat. Weiterlesen

Kritik Yannick Nézet-Séguin Staatskapelle Berlin: Mozart Piotr Anderszewski, Schostakowitsch 5.

Yannick Nézet-Séguin ist ein kurzhaariger, drahtiger, kleingewachsener Mann, der Manschettenknöpfe trägt und dirigiert.

Schostakowitsch, Szymanowski, Mozart.

Das Konzert mit der Staatskapelle hatte eine gute, eine halbgute und eine schlechte Seite.

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Hosokawa Hanjo: Staatsoper Berlin

Ingela Bohlin und Ursula Hesse von den Steinen // Foto: Hermann/Clärchen Baus / staatsoper-berlin.de
Apart beklemmend: Ingela Bohlin und Ursula Hesse von den Steinen // Foto: Hermann/Clärchen Baus / staatsoper-berlin.de

Auch gut. Toshio Hosokawas Kammperoper Hanjo (komponiert 2003/04, Premiere: 2004) dauert nur 1:16 Minuten. Das ist schön, wenn vorm Opernhaus Sommer ist, hinter mir eine ganze Saison liegt und nebenan der Biergarten mit Berliner Weiße lockt.

Toshio Hosokawa komponierte eine kammermusikalisch durchsichtige Musik, die zur einen Hälfte aus Glissandi der Solostimmen des Orchesters besteht und zur anderen Hälfte aus – Psssssssst! – Pianissmi. Alles sehr apart und beklemmend.

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Kritik Berliner Philharmoniker Waldbühnenkonzert 2013: Tetzlaff Mendelssohn, 9. Sinfonie

Das Motto des Abends: erst der Spaß (Mendelssohn), dann die Mühe (Beethoven).

Ich schaue das Waldbühnenkonzert im RBB.

Es herrscht Frühhochsommerwetter. Ich habe ein Pils in der Hand. Aus diesen zwei Gründen ist mein kritisches Vermögen sehr von Nebensächlichkeiten in Anspruch genommen.

Christian Tetzlaff hat eine halbe Tube Gel im Haar. Das war 2007 undenkbar.

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Waldbühne Berlin: Philharmoniker öffentliche Generalprobe

Hier den Bericht zum Waldbühnenkonzert 2015 ansehen.

Die Berliner Philharmoniker machen das, was sie selten machen: Sie generalproben öffentlich. Die öffentliche Generalprobe für das diesjährige Waldbühnenkonzert findet diesen Freitag, den 21. Juni, statt. Der Erlös soll Flutopfern der jüngsten Flutkatastrophe zugutekommen. Man kann sich vorstellen, wie das ablief. Simon Rattle sagt zu Orchestervorstand Peter Riegelbauer: „O Gottogott, this crazy Flut. What can we do for the Flutopfer, Peter?“ Weiterlesen

Kritik Berliner Philharmoniker Rattle: Boulez Notations, Bruckner Sinfonie Nr. 7

HIER DIE KRITK DER BRUCKNER SINFONIE 7 MIT RATTLE VOM MAI 2014 LESEN!

Bruckner Sinfonie Nr. 7. Berliner Philharmoniker, Rattle.

Es gibt zwei Sorten englischer Brucknerfreunde. Die einen sagen „Brookner“, die anderen „Brukkner“. Die ersteren sind überwiegend Melancholiker. Heute saß ein „Brookner“ neben mir. Wir kommen ins Gespräch.

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Andris Nelsons Boston! Und Berlin?

Andris Nelsons wird 2014 Chefdirigent des Boston Symphony Orchestra. Zu den Kandidaten zählten ebenso Stéphane Denève, Riccardo Chailly und Wladimir Jurowski. Zuletzt waren wohl nur noch Nelsons und Daniele Gatti im Rennen. Gatti leitet das Orchestre National de France und das Zürcher Opernhaus. Wie einige Medien berichten, hatte das Bostoner Orchester schon konkret bei Gatti anfragen lassen. Das BSO wurde zuvor von James Levine geleitet, der wegen Gesundheitsproblemen im September 2011 von der Leitung zurücktrat. Nelsons‘ Vertrag wird fünf Jahre laufen.

Die Angelegenheit besitzt Berliner Relevanz. Es ist unwahrscheinlich, dass Nelsons Vertragsunterzeichnung das Aus des Letten aus dem Rennen um die Nachfolge Simon Rattles bedeutet. Simons Sessel ist ab 2018/19 vakant. Nelsons ist ab 2019/20 frei. Für Nelsons wird es kein Problem darstellen, während einer Spielzeit zwei renommierte Orchester zu leiten – oder um eine vorzeitige Auflösung des Vertrags mit dem Boston Symphony Orchestra bitten.