King Arthurs Märchenstunde in der Staatsoper

King Arthur Berlin Oper Unter den Linden Purcell

Ratlose Briten: Anett Fritschs Sonntagsausflug mit King Arthur / Foto: Ruth u. Martin Walz

Purcells King Arthur an der Staatsoper Berlin ist eine unterhaltsame Reise durch die britische Geschichte, und zwar anhand einer der feinsten britischen Opern. Die Hauptstopps dieser Reise sind frühes Mittelalter und Zweiter Weltkrieg, und mittels lustiger Rück-, Quer- und Vorblicke entsteht ein mal ironisches, mal ergreifendes Bild der ruhmreichen britischen Nation und ihrer wechselvollen Geschicke, die sich sämtlich in der Gestalt des edlen König Arthurs (bei Purcell allerdings ohne Tafelrunde und Excalibur) und seines Kontrahenten, des bösen sächsischen Invasoren Oswald, zu bündeln scheinen. Weiterlesen

Staatskapelle: Debussy vokal mit Crebassa & Prohaska

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Die Staatskapelle Berlin greift nach Debussy und spannt den Bogen vom Jugendwerk bis zum dezenten Meisterwerk der späten Jahre. Als erstaunlich entpuppen sich besonders die nicht allzu bekannten Trois Ballades de François Villon, die Marianne Crebassa verblüffend perfekt singt.

Die Französin – 2015 schon ein aufregender Cherubino an der Staatsoper – präsentiert die drei Orchesterlieder mit unerschütterlicher Spontaneität. Ihr Ton ist reich, ihre Stimme sitzt perfekt, klingt üppig und wahnsinnig entspannt. Ich höre ein fein gezeichnetes Vibrato und einen Klangkern aus tausend Nuancen kühlen Kupfers, um den sich feinster Samt legt. Marianne Crebassa singt einen erstaunlichen Debussy. Auch die drei Balladen will man gerne öfters hören. Weiterlesen

Pierre Boulez Saal: Patricia Petibon singt

Thomas Hampson sagt sehr kurzfristig ab, Patricia Petibon sagt sehr kurzfristig zu.

Patricia Petibon Susan Manoff

Statt Schubert nun also ein Programm, das sich kapriziös und kalkuliert exotisch gibt: französische, spanische, lateinamerikanische mélodies und canciones, dazwischen Populäres, ja Gewagtes. Petibon singt Opernschnipsel (O mio babbino caro), schmettert Granada, bietet de Falla, Poulenc, Turina. Das Recital bricht auf, was man gemeinhin unter Liederabend versteht. Man soll merken: Hier werden keine Klassiker beweihräuchert. Es ist ein eloquentes Plädoyer für (zumindest in Mitteleuropa) selten Gehörtes. Weiterlesen

Barenboim, Staatskapelle, Szymanowski, Tschaikowsky, Rossini

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Die Staatskapelle Berlin spielt in der Staatsoper ein Programm abseits ausgetretener Repertoirepfade. Das Programm ist hochinteressant, ohne sich gleich spektakulärer Verschrobenheit zu verschreiben. Stattdessen öffnet es kluge Seitenpfade, liebäugelt mit Rarem bewährter Großmeister (Rossini, Tschaikowsky) und wagt sich auf halbwegs unerprobtes Konzertterrain (Szymanowski).

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Katharina Kammerloher singt Schumann, Schönberg, Berg

Liedrecital von Katharina Kammerloher im Apollosaal der Berliner Staatsoper.

Sängerisch intelligent angepackt und auf einem Spannungsbogen entfaltet erklingt jedes der zwölf Lieder Robert Schumanns aus dem Liederkreis nach Eichendorff op. 39. Da wird Mondnacht weitgespannt entwickelt

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Wim Wenders‘ Perlenfischer

Dem Operngott sei Dank.

Wim Wenders hat nicht den Bayreuther Ring inszeniert. Es wäre eine tranige Sache geworden, die sich hingezogen hätte. So inszenierte der Filmemacher stattdessen in Berlin Les Pêcheurs de Perles, Bizets kaum bekannte Fischer- und Brahmanenoper Die Perlenfischer.

Es war Wenders erste Opernregie. Sie wurde einigermaßen einhellig zerrissen: blutleer, dilettantisch, Anfängerfehler. Eine Ausnahme:

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Bei den Philharmonikern: Kirill Petrenko und Yuja Wang

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Der Designierte ist da.

Kirill Petrenko dirigiert Dukas, Prokofjew, Franz Schmidt.

Vom feinen, selten zu hörenden Paul Dukas erklingt La Péri, diese flüchtige, glühende, so intelligente Ballettmusik, die die Berliner Philharmoniker zeichnerisch fein und rhythmisch geschmeidig spielen. Der Gesamtduktus ist flüssig, agil, biegsam. Weiterlesen

Simon Rattles konzertanter Parsifal in der Philharmonie Berlin

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Simon Rattle biegt als Philharmoniker-Chef auf die Zielgerade ein.

Ein kurzer Überblick über Rattles Zielgerade: Nach dem sakral überwölbten Parsifal folgt Schumanns sanftes Oratorium Das Paradies und die Peri, sodann ein Kombi-Abend mit Bernstein, Korngold und zeitgenössischem Kleingemüse sowie Mahlers 6., nebst zweier als Vorbereitung zur letzten Tour dazwischengeschobenen Weiterlesen

Mark Padmore & Allison Cook singen Schumann, Ryan Wigglesworth und Janáček

Mark Padmore singt im Kammermusiksaal Schumann, Wigglesworth und Janáček. Padmore wird begleitet von Ryan Wigglesworth und unterstützt von der Mezzosopranistin Allison Cook.

Kammermusiksaal Berliner Phiharmonie, Ryan Wigglesworth, Allison Cook, Mark Padmore
Ryan Wigglesworth, Allison Cook, Mark Padmore

In den Ton Padmores muss man sich hineinfinden.

In Schumanns Liederkreis op. 39 führt allein schon die helle, knabenhaft-schmale Tenorstimme zu einer ungewöhnlichen Interpretation. Padmores Klang ist unsinnlich, spröde, auch kehlig. Kaum je hört man die mit Vollkraft ausgesungene Bruststimme. Das bedeutet zugleich eine (selbstverordnete) Ausdrucksbeschränkung. Dazu kommt der Vortragsstil des Londoners, Engländers und Briten.

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Barenboims Parsifal Festtage 2018: René Pape, Nina Stemme, Andreas Schager

Festtage an der Staatsoper Berlin. Unter der Leitung von Daniel Barenboim spielt die Staatskapelle Berlin den Tscherniakow-Parsifal in einer hörenswerten Besetzung.

Nach Tscherniakows Tristan und Isolde (Premiere 2018) nun also dessen Parsifal (Premiere 2015). Gemeinsamkeiten fallen auf. Rückblenden führen in entbehrungsreiche Kindheiten. Die Heldin kleidet sich in urbanem Mainstream-Chic. Der Mythos ist verblasst und die Gegenwart zeichnet sich Weiterlesen

Michael Wendeberg Boulez Werke für Klavier solo: Douze Notations, Sonaten 1-3, Incises

Das gesamte Werk für Soloklavier von Pierre Boulez lässt sich in einem einzigen Klavierabend unterbringen. Genau dies tut der Pianist und Dirigent Michael Wendeberg im Pierre Boulez Saal.

Das ausschließlich Boulez gewidmete Klavierrecital gibt einen Überblick über wichtige Stationen der Vierziger und Fünfziger Jahre, und Incises erlaubt einen Ausblick in das siebte Lebensjahrzehnt des Komponisten. Weiterlesen

Kritik Premiere Staatsoper Berlin Falstaff: Michael Volle

Die Staatsoper Berlin bringt einen neuen Falstaff. Regie führt Mario Martone. Die musikalische Leitung hat Daniel Barenboim.

HIER KRITIK VON FALSTAFF 2020 MIT ZUBIN MEHTA LESEN!

HIER DIE BESPRECHUNG VON FALSTAFF DEZEMBER 2018 LESEN!

Falstaff Premiere Berlin Unter den Linden
Barbara Frittoli und Katharina Kammerloher bei der Liebesbrieflektüre / Foto: Matthias Baus

Martone lässt die Zuschauer wenigstens lachen.

Martone, Italiener, u.a. an der Scala aktiv, setzt die Glanzlichter mit gekonnter Hand. Wir sehen einen herrlich verlotterten, männlichen Falstaff. Wir sehen vier quietschvergnügte, unternehmungslustige Damen. Wir sehen eine prickelnd frische Pool- und Planschszene (2. Bild, 1. Akt). Danach und davor

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