Anne-Sophie Mutter beim RSB mit Pendereckis Violinkonzert Nr.2

Klug gemacht! Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin präsentiert zwei sperrige Werke und lädt dazu einen Weltstar ein. Prompt ist der Laden respektive die Philharmonie rappelvoll. Und so lauscht eine ausverkaufte Philharmonie Pendereckis Violinkonzert Nr. 2 und Schostakowitschs Sinfonie Nr. 15. Entgegen der Ankündigung dirigiert Penderecki nicht selbst, sitzt jedoch hochkonzentriert im Publikum. Man findet eine Doppellösung. Der Pole und Penderecki-Vertraute Maciej Tworek dirigiert Penderecki, Andrei Boreiko dirigiert Schostakowitsch.

 

Die Uraufführungssolistin von 1995, Anne-Sophie Mutter, steckt im trägerlosen, hautengen, zitronengelben (Dior?)-kleid, präsentiert sich gewohnt makellos im durchtrainierten Virtuosenkörper, Weiterlesen

Annette Dasch & Fauré Quartett im Konzerthaus Berlin

Das Fauré Quartett spielt, Annette Dasch singt.

Im Konzerthaus Berlin mischen die fünf Akteure Kammermusik und Liedrecital, mixt man frech und frei Brahms, Wagner und Mahler. Der Abend spielt mit Echtem und Fast-Echtem, koppelt das ehrwürdige Klavierquartett op. 60 von Brahms an Klavierquartettbearbeitungen von Liedern Gustav Mahlers und Richard Wagners. Und hebt dann auch noch das ehrwürdige Opus 60 häppchen- bzw. satzweise unter das Liedgut. Und – Überraschung! – es funktioniert.  Weiterlesen

Verdi-Tage Il Trovatore: Angela Meade Murat Karahan Anita Rachvelishvili Simone Piazzola

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Anita Rachvelishvili Simone Piazzola Angela Meade Murat Karahan
Giacomo Sagripanti, Murat Karahan, Angela Meade, Simone Piazzola, Anita Rachvelishvili, Marko Mimica

Auch Operninszenierungen gehen den Weg alles Zeitlichen. Nun ist der Neuenfels-Troubadour an der Reihe. Premiere 1996, Dernière 2018. 22 Jahre sind keine schlechte Lebenserwartung für eine Verdi-Oper. Nun also sitzt man zum letzten Mal beim Kaffeekränzchen – oder soll man sagen Leichenschmaus? – bei der alten Dame Troubadour.

Was die Inszenierung ist, was sie kann und was nicht, dies erklärt immer noch Heinz Josef Herborts mit seiner bis ins Detail heute noch gültigen Premierenkritik „Der Schlächter in uns“ am besten.

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Verdi-Tage: Simon Keenlyside singt Rigoletto an der Deutschen Oper

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Rigoletto Deutsche Oper Berlin Jan Bosse
Foto: Bettina Stöß

Ich verstehe den empörten Kritiker-Trubel um den Deutsche-Oper-Rigoletto nicht.

Jan Bosse verpflanzt Verdis düsteres melodramma an der Deutschen Oper Berlin in grelles Bühnenlicht und doppelt den Zuschauerraum auf der Bühne (Stéphane Laimé). Das funktioniert recht gut, auch wenn emozione und amore Verdi-untypisch bei Bosse unterrepräsentiert sind. Aber Rigoletto ist nun einmal ein pessimistisches Nachtstück, gerade trotz des Feuerwerks an Arien, Duetten und Ensembles, da darf es auch auf der Bühne trist zugehen. Vom düsteren preludio (Fluchmotiv, finsterstes c-Moll) bis

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King Arthurs Märchenstunde in der Staatsoper

King Arthur Berlin Oper Unter den Linden Purcell

Ratlose Briten: Anett Fritschs Sonntagsausflug mit King Arthur / Foto: Ruth u. Martin Walz

Purcells King Arthur an der Staatsoper Berlin ist eine unterhaltsame Reise durch die britische Geschichte, und zwar anhand einer der feinsten britischen Opern. Die Hauptstopps dieser Reise sind frühes Mittelalter und Zweiter Weltkrieg, und mittels lustiger Rück-, Quer- und Vorblicke entsteht ein mal ironisches, mal ergreifendes Bild der ruhmreichen britischen Nation und ihrer wechselvollen Geschicke, die sich sämtlich in der Gestalt des edlen König Arthurs (bei Purcell allerdings ohne Tafelrunde und Excalibur) und seines Kontrahenten, des bösen sächsischen Invasoren Oswald, zu bündeln scheinen. Weiterlesen

Staatskapelle: Debussy vokal mit Crebassa & Prohaska

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Die Staatskapelle Berlin greift nach Debussy und spannt den Bogen vom Jugendwerk bis zum dezenten Meisterwerk der späten Jahre. Als erstaunlich entpuppen sich besonders die nicht allzu bekannten Trois Ballades de François Villon, die Marianne Crebassa verblüffend perfekt singt.

Die Französin – 2015 schon ein aufregender Cherubino an der Staatsoper – präsentiert die drei Orchesterlieder mit unerschütterlicher Spontaneität. Ihr Ton ist reich, ihre Stimme sitzt perfekt, klingt üppig und wahnsinnig entspannt. Ich höre ein fein gezeichnetes Vibrato und einen Klangkern aus tausend Nuancen kühlen Kupfers, um den sich feinster Samt legt. Marianne Crebassa singt einen erstaunlichen Debussy. Auch die drei Balladen will man gerne öfters hören. Weiterlesen

Pierre Boulez Saal: Patricia Petibon singt

Thomas Hampson sagt sehr kurzfristig ab, Patricia Petibon sagt sehr kurzfristig zu.

Patricia Petibon Susan Manoff

Statt Schubert nun also ein Programm, das sich kapriziös und kalkuliert exotisch gibt: französische, spanische, lateinamerikanische mélodies und canciones, dazwischen Populäres, ja Gewagtes. Petibon singt Opernschnipsel (O mio babbino caro), schmettert Granada, bietet de Falla, Poulenc, Turina. Das Recital bricht auf, was man gemeinhin unter Liederabend versteht. Man soll merken: Hier werden keine Klassiker beweihräuchert. Es ist ein eloquentes Plädoyer für (zumindest in Mitteleuropa) selten Gehörtes. Weiterlesen

Barenboim, Staatskapelle, Szymanowski, Tschaikowsky, Rossini

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Die Staatskapelle Berlin spielt in der Staatsoper ein Programm abseits ausgetretener Repertoirepfade. Das Programm ist hochinteressant, ohne sich gleich spektakulärer Verschrobenheit zu verschreiben. Stattdessen öffnet es kluge Seitenpfade, liebäugelt mit Rarem bewährter Großmeister (Rossini, Tschaikowsky) und wagt sich auf halbwegs unerprobtes Konzertterrain (Szymanowski).

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Katharina Kammerloher singt Schumann, Schönberg, Berg

Liedrecital von Katharina Kammerloher im Apollosaal der Berliner Staatsoper.

Sängerisch intelligent angepackt und auf einem Spannungsbogen entfaltet erklingt jedes der zwölf Lieder Robert Schumanns aus dem Liederkreis nach Eichendorff op. 39. Da wird Mondnacht weitgespannt entwickelt

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Wim Wenders‘ Perlenfischer

Dem Operngott sei Dank.

Wim Wenders hat nicht den Bayreuther Ring inszeniert. Es wäre eine tranige Sache geworden, die sich hingezogen hätte. So inszenierte der Filmemacher stattdessen in Berlin Les Pêcheurs de Perles, Bizets kaum bekannte Fischer- und Brahmanenoper Die Perlenfischer.

Es war Wenders erste Opernregie. Sie wurde einigermaßen einhellig zerrissen: blutleer, dilettantisch, Anfängerfehler. Eine Ausnahme:

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Bei den Philharmonikern: Kirill Petrenko und Yuja Wang

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Der Designierte ist da.

Kirill Petrenko dirigiert Dukas, Prokofjew, Franz Schmidt.

Vom feinen, selten zu hörenden Paul Dukas erklingt La Péri, diese flüchtige, glühende, so intelligente Ballettmusik, die die Berliner Philharmoniker zeichnerisch fein und rhythmisch geschmeidig spielen. Der Gesamtduktus ist flüssig, agil, biegsam. Weiterlesen

Simon Rattles konzertanter Parsifal in der Philharmonie Berlin

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Simon Rattle biegt als Philharmoniker-Chef auf die Zielgerade ein.

Ein kurzer Überblick über Rattles Zielgerade: Nach dem sakral überwölbten Parsifal folgt Schumanns sanftes Oratorium Das Paradies und die Peri, sodann ein Kombi-Abend mit Bernstein, Korngold und zeitgenössischem Kleingemüse sowie Mahlers 6., nebst zweier als Vorbereitung zur letzten Tour dazwischengeschobenen Weiterlesen