Staatskapelle Berlin Barenboim: Smetana Má vlast

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Daniel Barenboim Staatskapelle Berlin Konzerthaus Berlin

Alle mal aufgestanden, die Damen und Herren: Barenboim und die Staatskapelle Berlin

Dieses Konzert im Konzerthaus Berlin (am Tag zuvor in der Philharmonie) beginnt mit Bedřich Smetanas Má vlast, und es endet mit Bedřich Smetanas Má vlast.

Wie immer man es betrachtet, Má vlast („Mein Vaterland“) ist ein Werk von zauberhaften melodischen Einfällen, und für den Schwung der Moldau-Melodie und das Feuer der Polka in Z českých luhů a hájů („Aus Böhmens Hain und Flur“) kann man auf einen Lohengrin verzichten. Die Bläser der Staatskapelle Berlin tragen ihr Herz auf der Zunge, und wenn die waldhonigglänzenden Streicher sich der Schilderung des tschechischen Landlebens hingeben, leuchtet der Himmel über den Äckern unseres Nachbarlandes nicht nur in lieblicher Bläue, sondern hängt auch noch voller Geigen. Weiterlesen

Thielemann Berliner Philharmoniker: Gidon Kremer In tempus praesens Bruckner Messe f-moll

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Wichtige Weihnachtsmänner empfehlen: Zu den Thielemann-Wochen in Berlin gehen.

Dann gelingt auch die Weihnachtsgans.

Diese Woche mit Gidon Kremer und dem Rundfunkchor, nächste Woche mit Bruckner 7. und Buchbinder.

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Rattles Late Night: Gérard Grisey Quatre Chants pour franchir le seuil Barbara Hannigan

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Der Messiaen-Schüler, der Dutilleux-Schüler Gérard Grisey komponierte Quatre Chants pour franchir le seuil.

Holy shit, das war kein schlechtes Konzert.

Wie angenehm, Barbara Hannigan wieder zu hören. Ihr hüllenloser Sopranklang stellt Vokal für Vokal frei. Das hat Rasse und Klasse. Die vibratofrei einschwingende Höhe unterstützt die dunkle Dringlichkeit der Quatre Chants. Gleiches gilt für den stockenden Fluss der Einzelsilben. Zu den bleibenden Eindrücken zählt das sich in Timbre und Farbe dem Sopranklang Hannigans anschmiegende und ihn hart bedrängende Blech. Hannigans Können triumphiert. Weiterlesen

Kritik Met Premiere: Kaija Saariaho L’amour de loin

Die finnische Komponistin Kaija Saariaho hat es geschafft. Rund ein Dutzend Aufführungen hat ihre erste Oper L’amour de loin seit der Salzburger Uraufführung im Jahr 2000 hinter sich (Kent Nagano dirigierte, Dawn Upshaw sang). Und nun die Premiere an der zutiefst altmodischen Metropolitan Opera. Respekt.

Nur, was macht den Neue-Musik-Schlager so trendy? Weiterlesen

Inaugurazione Madama Butterfly Scala 2016: Alvis Hermanis Riccardo Chailly

Urfassung!

Von Fidelio bis Tannhäuser, von Simon Boccanegra bis Don Carlo kennt man’s: Fassung eins endete in einem Fiasko oder genügte späteren Ansprüchen nicht mehr. Eine neue Fassung musste her. Und wenn es das Schicksal ganz schlecht meinte, reichte auch die nicht. Siehe Fidelio. Überraschung! Auch Madama Butterfly litt unter einer fiaskösen Uraufführung. Und als die schon lange vergessen war, frickelte Puccini immer wieder an der „Butterfly“ herum. So gibt es nicht nur zwei, nicht nur drei, nein, es gibt viele Fassungen von Madama Butterfly. Die letzte ist von 1920. Da doktorte Schönberg schon an der „Komposition mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen“ herum. 

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Kritik Berliner Philharmoniker: Alan Gilbert Frank Peter Zimmermann

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Ein durchschnittlicher philharmonischer Abend. Nicht mehr und nicht weniger.

Liegt’s an Alan Gilbert oder an den tourneemüden Berliner Philharmonikern (aber sehen Sie sich den hammermäßigen Pullover von Simon Rattle an)?

Ich habe Gilbert in Verdacht.

Gilbert ist der Mann für Energie, Flow und speziellen Vibe. Gilbert ist Noch-Chef der New York Philharmonic und bei ihm strömt die Musik. Gilbert ist kein penibler Taktschläger, obwohl er den Stab superlocker und zugleich bewundernswert präzise führt.   Weiterlesen

Kritik Premiere Lady Macbeth von Mzensk München: Kupfer Petrenko Anja Kampe

 

Petrenko und Kupfer bringen in München Lady Macbeth von Mzensk heraus.

Öffnet das grellrohe Meisterwerk des 20. Jahrhunderts ein Panoptikum menschlicher Niederträchtigkeiten? Was das Wesen dieser Oper ist, getraut man sich nicht zu bestimmen. Hat Schostakowitsch hier mit zynischem Komponistenhändchen eine Gogol’sche Farce komponiert? Eine sarkastische Gesellschaftskritik? Einen Horrortrip ins Innere der Nacht? Weiterlesen

RSB mit Anna Vinnitskaya & Rachmaninow Klavierkonzert Nr. 2

Marek Janowski und das RSB mit Richard Strauss und Sergei Rachmaninow.

Strauss und Rachmaninow (Richard mit Schnauzer, Nase und Mund bei Sergei wie aus Marmor gehauen) gehen sich auf dem Konzertpodium meist aus dem Weg. Heute nicht. Von Schnauzer-Richard kommen heute zwei Nebenwerke. Von Marmor-Sergei kommt das pièce de résistance. Die Werkauswahl bzw. die dahinter stehenden Fragen lösen sich zwar nicht restlos in Erkenntnis auf, was dem Faszinosum dieser Werkkopplung schlussendlich aber keinen Abbruch tut. Weiterlesen

Sasha Waltz Sacre Berlin

Sasha Waltz Sacre du Printemps Saatsoper Berlin

Opfertod à la Sascha Waltz: Alles Strampeln hilft hier nicht / Foto: Bernd Uhlig

Drei Jahre nach der Premiere sehe ich  Sasha Waltz‘ Sacre wieder.

Waltz‘ Tanz-Triptychon, ins Leben gerufen 2013 zum 100. Jahrestag der Uraufführung von Strawinskys Erfolgsballett, heißt kurz und sachlich „Sacre“. So viel „Weihe“ ist dann aber gar nicht – zumindest anfangs, denn L’Après-midi d’un faune nach Debussys berühmter Musik und Berlioz‘ Scène d’amour sind auf jeden Fall zu 100% weihefrei. Die sinnliche Fauns-Pastorale macht Waltz zum picassösen Trikot-Theater, die „Liebesszene“ zum zarten Pas de deux. Weiterlesen

Manon Lescaut Met Opera: Anna Netrebko Marcelo Álvarez

Anna Netrebko Manon Lescaut Met Opera 2016

Anna Netrebko singt Manon Lescaut / Foto: facebook.com/MetOpera/

Zwei Gründe sprechen für die New Yorker Manon Lescaut.

Ein Grund spricht dagegen: die Inszenierung.

Die Inszenierung von Richard Eyre festigt den Ruf der Met als eines der trübsten Opernhäuser – was die Regie angeht. Richard Eyres inszenatorische Belanglosigkeit führt uns in’s Vichy-Frankreich, dezent garniert mit Nazi-Mayonnaise. New York – que me veux-tu? Weiterlesen

Anna Netrebko Aida Salzburg

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Es ist raus. Die russische Sopranistin Anna Netrebko wird im Sommer 2107 ihr Rollendebüt als Aida im Rahmen der Salzburger Festspiele geben. Unter der Leitung von Riccardo Muti wird Netrebko zum ersten Mal die Rolle der äthiopischen Prinzessin in Verdis gleichnamiger Oper singen. Die Arie „O patria mia“ („Nil-Arie“) aus dem 3. Akt der Oper Aida hat Anna Netrebko schon auf Konzerten gesungen.

Die Premiere findet am 6. August 2017 statt.

Neben Netrebko werden Ekaterina Semenchuk (als Amneris), Francesco Meli (Radamès), Netrebko-Ehemann Yusif Eyvazov (Radamès, 22.,25.August), Luca Salsi (Amonasro), Roberto Tagliavini (Il Re) und Dmitry Belosselskiy (Ramfis) auf der Bühne des Großen Festspielhauses zu hören sein.

Weitere Termine sind der 9., 12., 16., 19., 22.und 25. August 2017. Es spielen die Wiener Philharmoniker.

Preise: 30 bis 450€

Mehr Infos zu Netrebkos Aida-Debüt in Salzburg auf der Seite der Salzburger Festspiele.

Kritik Staatkapelle Berlin Paavo Järvi: Lupu Beethoven Klavierkonzert 3 Schostakowitsch 7

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Die Staatskapelle Berlin unter Paavo Järvi.

Dieser Beethoven klingt wie Schwarz-Weiß: heroisch-lyrisch, laut-leise- mehr gibt’s bei Järvi nicht. Das ist Positivismus, langweilig wie Wassersuppe. Simplifizierung. Punkt. Es stört noch mehr: ein undifferenziertes c-Moll-Forte etwa. Rhythmik und Phrasierung fehlen Wärme.

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Rattle Berliner Philharmoniker: Mahler 7 Boulez Éclat

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Wer Ende August noch nicht in der Saisoneröffnung war, kann heute nachholen.

Die Berliner Philharmoniker, Simon Rattle.

Pierre Boulez‘ Éclat (1965). Ein Sextett besetzt die Mitte des Podiums (Trompete, Posaune, Altquerflöte, Englischhorn, Bratsche, Cello). Links Harfe, Klavier, Cymbalon, mittig Mandoline, Gitarre, hinten vier Schlagzeuger. 15 Instrumentalisten. Die Struktur von Éclat ist luftig, das Verfahren teilweise aleatorisch. Die Instrumentation wird vom Gegensatz lang- und kurzklingender Instrumente bestimmt. Prägend ist die für Boulez charakteristische Spannung zwischen Sachlichkeit und Sinnlichkeit. Simon Rattle leitet. Die Linke agiert scheinbar spontan in der Zeichengebung per Zeigefinger. Die Rechte zeigt per Fingerzahl die Motivwahl. Rattle leitet sparsam, aber mit Emphase.

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