Die Staatskapelle Berlin spielt in der Staatsoper ein Programm abseits ausgetretener Repertoirepfade. Das Programm ist hochinteressant, ohne sich gleich spektakulärer Verschrobenheit zu verschreiben. Stattdessen öffnet es kluge Seitenpfade, liebäugelt mit Rarem bewährter Großmeister (Rossini, Tschaikowsky) und wagt sich auf halbwegs unerprobtes Konzertterrain (Szymanowski).
Liedrecital von Katharina Kammerloher im Apollosaal der Berliner Staatsoper.
Sängerisch intelligent angepackt und auf einem Spannungsbogen entfaltet erklingt jedes der zwölf Lieder Robert Schumanns aus dem Liederkreis nach Eichendorff op. 39. Da wird Mondnacht weitgespannt entwickelt
Wim Wenders hat nicht den Bayreuther Ring inszeniert. Es wäre eine tranige Sache geworden, die sich hingezogen hätte. So inszenierte der Filmemacher stattdessen in Berlin Les Pêcheurs de Perles, Bizets kaum bekannte Fischer- und Brahmanenoper Die Perlenfischer.
Es war Wenders erste Opernregie. Sie wurde einigermaßen einhellig zerrissen: blutleer, dilettantisch, Anfängerfehler. Eine Ausnahme:
Kirill Petrenko dirigiert Dukas, Prokofjew, Franz Schmidt.
Vom feinen, selten zu hörenden Paul Dukas erklingt La Péri, diese flüchtige, glühende, so intelligente Ballettmusik, die die Berliner Philharmoniker zeichnerisch fein und rhythmisch geschmeidig spielen. Der Gesamtduktus ist flüssig, agil, biegsam. Weiterlesen →
Das Arditti Quartet spielt Livre pour quatuor von Pierre Boulez.
Kurz die Eckdaten: Boulez‘ einziges Streichquartett entsteht im Wesentlichen 1948/49. Satz I und II werden 1955 in Donaueschingen uraufgeführt. 1968 entsteht eine Version dieser beiden Sätze für Orchester (Livre pour cordes). Weiterlesen →
Simon Rattle biegt als Philharmoniker-Chef auf die Zielgerade ein.
Ein kurzer Überblick über Rattles Zielgerade: Nach dem sakral überwölbten Parsifal folgt Schumanns sanftes Oratorium Das Paradies und die Peri, sodann ein Kombi-Abend mit Bernstein, Korngold und zeitgenössischem Kleingemüse sowie Mahlers 6., nebst zweier als Vorbereitung zur letzten Tour dazwischengeschobenen Weiterlesen →
Mark Padmore singt im Kammermusiksaal Schumann, Wigglesworth und Janáček. Padmore wird begleitet von Ryan Wigglesworth und unterstützt von der Mezzosopranistin Allison Cook.
Ryan Wigglesworth, Allison Cook, Mark Padmore
In den Ton Padmores muss man sich hineinfinden.
In Schumanns Liederkreis op. 39 führt allein schon die helle, knabenhaft-schmale Tenorstimme zu einer ungewöhnlichen Interpretation. Padmores Klang ist unsinnlich, spröde, auch kehlig. Kaum je hört man die mit Vollkraft ausgesungene Bruststimme. Das bedeutet zugleich eine (selbstverordnete) Ausdrucksbeschränkung. Dazu kommt der Vortragsstil des Londoners, Engländers und Briten.
Festtage an der Staatsoper Berlin. Unter der Leitung von Daniel Barenboim spielt die Staatskapelle Berlin den Tscherniakow-Parsifal in einer hörenswerten Besetzung.
Nach Tscherniakows Tristan und Isolde (Premiere 2018) nun also dessen Parsifal (Premiere 2015). Gemeinsamkeiten fallen auf. Rückblenden führen in entbehrungsreiche Kindheiten. Die Heldin kleidet sich in urbanem Mainstream-Chic. Der Mythos ist verblasst und die Gegenwart zeichnet sich Weiterlesen →
Das gesamte Werk für Soloklavier von Pierre Boulez lässt sich in einem einzigen Klavierabend unterbringen. Genau dies tut der Pianist und Dirigent Michael Wendeberg im Pierre Boulez Saal.
Das ausschließlich Boulez gewidmete Klavierrecital gibt einen Überblick über wichtige Stationen der Vierziger und Fünfziger Jahre, und Incises erlaubt einen Ausblick in das siebte Lebensjahrzehnt des Komponisten. Weiterlesen →
Barbara Frittoli und Katharina Kammerloher bei der Liebesbrieflektüre / Foto: Matthias Baus
Martone lässt die Zuschauer wenigstens lachen.
Martone, Italiener, u.a. an der Scala aktiv, setzt die Glanzlichter mit gekonnter Hand. Wir sehen einen herrlich verlotterten, männlichen Falstaff. Wir sehen vier quietschvergnügte, unternehmungslustige Damen. Wir sehen eine prickelnd frische Pool- und Planschszene (2. Bild, 1. Akt). Danach und davor
Die Neuinszenierung von Das Wunder der Heliane weitet den Blick auf die Oper neben Wozzeck, Turandot, spätem Strauss, Weill, Strawinsky, auf die vergessenen Nebenströmungen des Musiktheaters der 1920-Jahre, die einst Hauptströmungen waren. Die Deutsche Oper Berlin bietet dazu das Anschauungsmaterial.
Sara Jakubiak in gefährlicher Schräglage / Foto: Monika Rittershaus
Korngolds „Heliane“ hat das Zeug zum Publikumsrenner. Die Musik schillert wagemutig bunt, im Zentrum steht eine Liebesgeschichte, die berührt und schockiert. Selbst die Story wirkt vor Ort, also bei neugierig hörendem Nachvollzug, gar nicht mehr so haarsträubend hanebüchen. Besonders das unglücklich einander zugewandte königliche Paar gewinnt im Laufe der drei langen, zuletzt auch ereignisreichen Akte tragische Größe.
Marina Prudenskaya, Ensemblemitglied der Staatsoper Berlin, singt im Apollosaal Lieder von Rimski-Korsakow, Berlioz, Strauss und Mussorgsky. Darunter sind mit Berlioz‘ Nuits d’Été und Mussorgskys Liedern und Tänzen des Todes zwei kühne Gipfelwerke der Liedkunst des 19. Jahrhunderts.
Am Beginn des Recitals stehen aparte Lieder Rimsky-Korsakows nach Gedichten von Puschkin, A. Tolstoi und Lermontow. Die Lieder pendeln zwischen elegischer Liebesmelancholie und hitzigem Gefühlsausbruch. Prudenskaya, gebürtig aus St. Petersburg, verbindet gekonnt beide Ausdruckssphären. In Oh, könntest du nur (О если б ты могла хоть на единый миг) löst sie die von Schmerz erfüllte
Kammerkonzert des DSO in der Villa Elisabeth mit Streichquintetten von Martin und Schubert.
Seit die Staatsoper Frank Martins Tristan-und-Isolde-Oratorium Le Vin herbé aufgeführt hat (mit der famosen Anna Prohaska als Isolde), halte ich den in Genf geborenen Komponisten Frank Martin für unterschätzt. Wie Le Vin herbé ist auch die in der Villa Elisabeth erklingende Pavane Couleur du temps“ in einer Sphäre Weiterlesen →
Das Amaryllis Quartett spielt im Konzerthaus Berlin Haydn, Lutosławski und Brahms.
Es sind samt und sonders Werke höchster Dignität.
Im Zentrum steht das Streichquartett von Lutosławski, das durch Konzentration und Kraft der Machart unmittelbare Aufmerksamkeit erzwingt. Trotz kleinteiliger Gliederung in 51 Abschnitte oder Sektionen vermittelt das Werk großen Atem und logische Kraft. Weiterlesen →