Gidon Kremer: Schostakowitsch Violinkonzert Nr. 2

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Staatskapelle Berlin Daniel Barenboim Gidon Kremer Schostakowitsch Violinkonzert Nr. 2 Schostakowitsch Sinfonie Nr. 13

Gidon Kremer: Er ist der einzige, der neben Anne-Sophie Mutter ungetrübte Freude bereitet. Schostakowitschs zweites Violinkonzert ist ein heißes Stückchen, und wohl genauso interessant wie Bergs Konzert. An Gidon Kremer nimmt die prätentionslose Erscheinung und der selbstverständliche Ton seines Spiels ein, gerade weil die unbezweifelbare, allerhöchste Klasse beinahe jede Sekunde hörbar ist. Kremer geht in die Knie, dann gibt es den typischen, immer etwas introvertiert wirkenden Ausfallschritt. Fortwährend wirkt er, als stünde er im eigenen Wohnzimmer. Schwarze Hose, schwarze Pollunderweste, weißes Hemd. Weiterlesen

Daniel Harding; London Symphony Orchestra: Bruckner 4. Sinfonie und Boulez & Messiaen

Musikfest Berlin 2008 London Symphony Orchestra Daniel Harding Boulez Messiaen Bruckner Sinfonie Nr. 4

Zwei Tage nach dem Concertgebouworkest aus Amsterdam kam das London Symphony Orchestra unter Daniel Harding in die Berliner Philharmonie. Daniel Harding ist jung, blond, schlaksig und pflegt einen ähnlich energischen Dirigierstil wie Gustavo Dudamel. Das London Symphony Orchestra bestätigte seinen Ruf, nicht das weltbeste Orchester, aber eines der fast weltbesten zu sein. Daniel Harding dirigierte Werke von Boulez, Messiaen und von Anton Bruckner, von letzterem die 4. Sinfonie. Man kennt Bruckner: es ist lang, und hört nicht auf. Harding meinte es besonders ernst mit der Länge und wählte die Version der 4. Sinfonie von 1874, die nun wirklich sehr lang ist und auch durch das enorme Tempo, das Daniel Harding vorlegte, nicht kürzer wurde. Aber es gab ja noch die Streicher. Die Streicher waren so packend und sensibel bei der Sache, dass man anfing zu glauben, die vielgeschmähte stiff upper lip käme doch eher aus Berlin als aus England. Wie Dudamel vor einem Jahr mit Beethoven hatte Harding mit Bruckner arge Probleme, was den langsamen Satz anging, den Harding mit einer fast London-haft zu nennender Hastigkeit zuerst außer Puste brachte, dann zu heftigem Japsen nötigte und somit zu guter Letzt den Garaus machte. Der Solohornist spielte im Scherzo phänomenal. Überhaupt das Spiel der Blechbläser: gepflegt, kontrolliert, wie englischer Rasen, dazu aber noch mit einer hübsch durchtriebenen Kultiviertheit. Die Streicher hätten mehr Temperament vertragen können.

Das Concertgebouworkest Amsterdam mit Mariss Jansons in Berlin

Kritik/Bericht Musikfest Berlin 2008 Concertgebouworkest Amsterdam Mariss Jansons Messiaen Hymne au Saint Sacrement Poulenc Konzert für Orgel und Orchester Bruckner Sinfonie Nr. 3

Musikfest in Berlin? Skeptiker wenden ein, dass es in Berlin so viel Musik gibt, dass jeder Monat Musikfest ist. Doch Musik hin, Fest her, wer hin und wieder ins Konzert geht, wenn er gerade nichts besseres zu tun hat, dem kommt ein Musikfest, offiziell „musikfest berlin“, auch nicht ungelegen. Die unerwartete, aber typische Kühle des Berliner Spätsommers machen es sowieso zu einer guten Sache, die Abende in der Berliner Philharmonie zu verbringen. Wie jedes Festival, das auf sich hält, bezieht sich auch das Musikfest Berlin einen thematischen Mittelpunkt. 2008 wirft die Festivalleitung von den Berliner Festspielen in Person des mir sonst unbekannten Festivalleiters Winrich Hopp Anton Bruckner, Karl-Heinz Stockhausen und Olivier Messiaen in den Ring. Die Eröffnung des Musikfestes fällt 2008 wie 2007 Mariss Jansons und dem Concertgebouworkest Amsterdam zu.

Jede Stadt freut sich, wenn ein Orchester wie das Koninklijk Concertgebouworkest kommt. Das Orchester, von dem unlängst gemunkelt wurde, es wäre das beste Orchester der Welt, was besonders in Berlin mit Skepsis, wenn man ehrlich ist aber auch mit äußerst respektvollen Interesse aufgenommen wurde, spielte die 3. Sinfonie von Anton Bruckner. Man kann sagen, dass diese Sinfonie von Bruckner keine runde Sache war, sondern als Ganzes hölzern und unflexibel klang, ohne die Qualitäten des Orchesters unter den Tisch fallen zu lassen.

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Philharmonie Berlin Saison 2007/2008: Rattle im Mahler-Olymp

Und weil es so schön war und das Lesen langer Sätze im Sommer so schwer ist, hier die Kurzform.

Maßstab: Rattle Mahler Sinfonie Nr. 9, Pollini Chopin, Brendel Schubert, Barenboim Beethoven Klavierkonzert Nr. 1, Leonore 3, .
Sehr gut: Anne-Sophie Mutter Beethoven Violinkonzert, Barenboim Bruckner Sinfonie Nr. 7, Rattle Beethoven Sinfonien Nr. 3, 6 & 7, Jansons Ravel La Valse, Kissin Mozart.
Gut: Mehta Messiaen Turangalila, Jansons Schostakowitsch Sinfonie Nr. 6.
Mittelmaß: Bernard Haitink Bruckner Sinfonie Nr. 8, Brendel Haydn.
Langweile: Seiji Ozawa Tschaikowsky Sinfonie Nr. 6, Blomstedt Bruckner Sinfonie Nr. 5, Kremerata Baltica Prokofjew Symphonie classique, Brendel Beethoven.

Das beste Konzert: Simon Rattle Mahler Neunte
Das souveränste Konzert: Mariss Jansons Schostakowitsch Sechste & Ravel La Valse
Die seriöseste Langeweile: Seiji Ozawa Tschaikowsky
Die kunstvollste Langeweile: Seiji Ozawa Beethoven
Das mitreißendste Konzert: Daniel Barenboim Leonore Nr. 3
Die leichte Enttäuschung: Alfred Brendel Beethoven
Der Unergründlichste: Maurizio Pollini Chopin
Die diktatorischste Interpretin: Anne-Sophie Mutter
Das nicht eingelöste Versprechen: Bernard Haitink

Berliner Philharmoniker: Mariss Jansons macht Schostakowitsch, Elina Garanca singt Folk Songs

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Berliner Philharmoniker Mariss Jansons Elina Garanca Schostakowitsch Sinfonie Nr. 6 Ravel La Valse Luciano Berio Folk Songs

Konzertkritik. Mariss Jansons dirigierte eine zügige, vorzüglich knallende, sehr konzentrierte, in der Artikulation sehr genaue sechste Sinfonie von Schostakowitsch. Jansons‘ Dirigierstil zielt auf die fassliche Darstellung, die Interpretation entzündet sich an den Fakten, weniger am verborgenen Potenzial einer Partitur. Man spürt es am harten Glanz des Blechs, das Holz piepst sarkastisch und volkstümlich, die Streicher peitschen durch Sequenzsteigerungen. Die hellsichtige Geradlinigkeit der Interpretation bestach, man vermisst eine Prise Abgründigkeit. Solides Tempo, sehr gute dynamische Stufungen, sensationelle weiträumige Steigerungen. Bei Jansons ist eine viel auktorialere Souveränität des Dirigierens als bei Rattle. Dafür stört etwas zu viel Klangpositivismus, etwas zu viel Beflissenheit, wenn man will. Das alles galt auch für La Valse von Ravel. Elina Garanca sang die hübschen Folks Songs von Berio, die aus Carmen zu stammen schienen, aber gut klangen. Elina Garanca, letztes Jahr Sesto an der Staatsoper Berlin, verfügt über eine schöne, tragende, leicht kühle Höhe. Wenn sie etwas älter ist, dürfte die psychologische Kraft der Stimme noch zulegen.

Wir wussten es schon immer: die Berliner Schweißer

Die Berliner Schweißer sind das kulturfeindlichste Element der Berliner Bevölkerung. Ihre Anwesenheit in der Nähe kultureller Gebäude kann katastrofale Folgen haben, einen Brand verursachen und selbst einen Claudio Abbado und einen Maurizio Pollini dazu bringen, in die akustisch ebenso katastrophale Waldbühne auszuweichen, auf deren Besuch leichten Herzens, was den Spielort, doch schweren Herzens, was Akteure und Programm angeht, verzichtet wurde. Drei Abende wurden zu einem zusammengeschmolzen, drei vierte Klavierkonzerte zu einem, drei Beethoven zu einem, und am Ende war einem klar, dass der Wegfall dieser drei Konzerte auch noch Jahre später eine klaffende Wunde hinterlassen wird.

Maurizio Pollini: Chopin und Schumann

Bericht. Maurizio Pollini begann genau eine Woche nach Alfred Brendels Klavierabend mit der Kühle, die vertieft, weitet, wärmt, entzückt. Pollinis Programm: Schumanns Toccata, die Kreisleriana und nach der Pause Chopin. In schattenloser Klarheit ziehen die Stücke Schumanns vorüber. Pollini scheint unbeteiligt, das Publikum reserviert. Pollini scheint mit den Stücken allein. Als Zuhörer muss man bereit sein, in die dünne Höhenluft, in der Pollini sich bewegt, aufzusteigen. Die technische Überlegenheit Brendel gegenüber ist enorm, was kein Wunder ist. So dachte man mehrere Male. Die Töne sind aneinandergereiht wie spitze Diamanten. Das Fortissimo knallt trocken, doch ohne ein Hauch von Donnern. Es fällt das Fehlen von Mitteilungsfreude auf…

Pollini ist ein kleiner, älter gewordener Mann, der mit gebeugtem Rücken in kleinen Schritten und vollkommen lautlos aus dem Künstlerzimmer den langen Weg zum Flügel eilt (watschelt hätte ich fast gedacht – wie ein Pinguin). Wäre da nicht die erschütternde Vielstimmigkeit, die undurchdringliche Klarheit, die Pollini herauf zu rufen vermag, es läge der Schluss nahe, Pollini sei ein kühler Exerzitienmeister der Tradition.

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Alfred Brendel. Er kam, sah und stöhnte

Konzertbericht Alfred Brendel. Sie kamen im Abstand einer Woche. Alfred Brendel, ein magerer Greis, der am Flügel blicklos grinst und unbewusst vor sich hin kaut, und Maurizio Pollini, dessen verhältnismäßige Jugend einen frischeren Schritt und drahtigeres Haar ermöglichte.

Alfred Brendel spielte wie schon letztes Jahr einen Haydn, der klug, aber klug gemacht klingt. Übersseelte Klugheit, wenn es das gibt, war Brendels Strategie, oder altersweise Intellektualität, die mehr nach Alter oder Intellektualität, je nachdem, klang, aber seltener nach Weisheit. Jeder Anschlag ist ein überspitzter Kommentar, den Brendel gleichsam Weiterlesen

Simon Rattle und Beethovens Neunte: Chaos & Klecks

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Berliner Philharmoniker – Simon Rattle: Beethoven-Zyklus Sinfonie Nr. 9 Webern Passacaglia op. 1

Konzertbericht Simon Rattle Berliner Philharmoniker. Beethovens 9. Sinfonie unter Rattle: nach der Pause kommt die erste Folge der Quinten wie aus blauem Himmel, das erste Fortissimo-Hauptthema erwischt einen auf dem falschen Fuß, nie fühlt man sich im Allegro ma non troppo auf einer Höhe mit Beethovens Partitur. Der Eindruck ist der eines einerseits übermenschlich großen, andererseits eines übermenschlich reinen Sonatenhauptsatzes. Voll ausgespielte Nebenstimmen. Kein Fraktionszwang der Angehörigen aller Stimmgruppen. Stattdessen dem Gewissen unterworfen.

Die Musiker wie um ihr Leben spielend. Deutliches Decrescendo am Phrasenende. Diese typische Mischung von ausgewogener Präsenz aller Stimmgruppen und einer vabanque spielenden Dynamisierung der einzelnen Akzente, die sich einer nivellierenden Einreihung entziehen (letzteres ist der kleine, gigantische Unterschied zu Thielemann, Ozawa, Mehta). Also Konzentration und Chaos. Mikroskop und Kleks. Der erste Satz mit erstaunlich mächtigem Maestoso.

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Kritik Berliner Philharmoniker – Simon Rattle: Beethoven-Zyklus, Sinfonien Nr. 1 & 7

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Beethoven Sinfonien Nr. 1 & 7 Webern Orchesterstücke op. 6

Konzertkritik Simon Rattle Berliner Philharmoniker. All diese Beethoven-Sinfonien, die man kennt und doch nicht kennt. Man kennt sie dann doch nicht, wenn Rattle dirigiert. Das Scherzo der 7. Sinfonie Beethoven stellte Rattle unter den Scheffel. Es lief, aber ab und nicht zu großer Form auf. Kurz, es war nicht hinreißend. Das Trio (Assai meno Presto) hatte ein volltönendes, komplexes Fortissimo (zum Zungeschnalzen). Das Allegretto prunkte mit der sensiblen (dynamischen) Präzision, die Rattle pflegt. Die Ecksätze brachten den erwarteten und skeptisch ersehnten dynamischen Sturm. Erfindet Rattle Beethoven neu?

Das Großartige ist, dass Beethovens Sinfonien im Glücksfall unter Rattles Stab beim Hören zerfallen. Rattles Beethoven ist der, den man erst in der Zukunft zu Ende hören kann. Schwupps ist das Konzert aus, man ist zu Hause, schon geht es los. Man fragt sich, WIE Rattle das und das und das dirigiert habe. Kritik hat es hier schwer. Das Allegro con brio (ein Viertel, zwei Sechzehntel, ein Viertel, Generalpause) und das Vivace (Flöte, punktiertes Viertel, punktiertes Achtel, Sechzehntel, Achtel) kommen bedacht und detailverschmelzend vom Podium.

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Berliner Philharmoniker: Simon Rattle macht eine geniale Eroica

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Berliner Philharmoniker – Simon Rattle: Beethoven-Zyklus Sinfonien Nr. 2 & 3 Anton Webern Variationen für Orchester op. 30

Kritik Berliner Philharmoniker. Die dritte Sinfonie Beethovens hörte sich perfekt an, die zweite Sinfonie zuvor zu etwas federnd, von zu viel Flottheit und Metrik eher behindert als gefördert. Beethovens 3. Sinfonie gelang komplex, gespannt, in aller Länge und Überschichtung, in den fortwährenden Abspaltungsprozessen, in der thematischen Verspannung und der klanglichen und dynamischen Ereignisdichte vorzüglich dargestellt. Beethovens Dritte hinterließ nach der Neunten von Mahler im Oktober 2007 den zweitstärksten Eindruck in der bisherigen Saison. Anton Weberns Variationen für Orchester op. 30 taten nach der etwas unbefriedigenden Zweiten gut. Bei der Zweiten schienen einerseits Ruhe, andererseits elektrische Energie zu fehlen. Es klang, als hielten Rattle und die Berliner Philharmoniker Beethovens 2. Sinfonie mit hektischem In-die-Gänge-Treten am Laufen, anstatt nach einem konzentrierten Griff zum Bier die Dinge energisch in die Hand zu nehmen. Die Philharmoniker verlassen nach der Dritten rasch das Podium. Wie sagte Thomas Bernhard doch? Was an Werbern zu wenig ist, ist an Beethoven zu viel. Einem Österreicher sei dieser Ausspruch gestattet.

Kritik Simon Rattle Berliner Philharmoniker: gute Beethoven-Interpretation

Simon Rattle mit Beethoven: Sinfonie Nr. 8 & 6 mit den Berliner Philharmonikern

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Berliner Philharmoniker – Simon Rattle: Anna Prohaska Beethoven-Zyklus Sinfonien Nr. 8 & 6

Konzertkritik Berliner Philharmoniker. Verlängertes Wochenende mit viel Musik: Am 15. 2. 2008 dirigiert Simon Rattle die Beethoven Sinfonien Nr. 8 & 6. Die Beethoven Achte hübsch, die Sechste übergenau und beglückend endlos. Dazwischen sang Anna Prohaska (die krispe Giannetta aus dem Elisir D’Amore an der Staatsoper) Lieder von Webern gleich zwei Mal hintereinander sehr schön. Wahnsinniges Kleid. Dann am 16. 2. die von, wie mir scheint, künstlichem Vortrubel zu eminenter Bedeutung hochstilisierte La Bohème an der Staatsoper mit dem leicht unidiomatischen Tenor Jonas Kaufmanns und einem halb sensationellen, halb nach dem Druckkochtopfprinzip dirigierenden Gustavo Dudamel am Pult. Danach dann am Montag das letzte Berliner Konzert des in den eigenen Ruhm verbissenen Alban Berg Quartetts. Simon Rattle war am interessantesten.

Kritik Anne-Sophie Mutter Berlin – die schwierigste, abweisendste, souveränste, unglaublichste

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Berliner Philharmoniker Seji Ozawa Anne-Sophie Mutter Beethoven Violinkonzert Tschaikowsky Sinfonie Nr. 6

Konzertbericht Anne-Sophie Mutter. Ein Gedenkkonzert zum Hundertsten von Karajan ist per se etwas Morbides. Man fragte sich, wer am 23. Januar 2008 wegen Karajan in die Philharmonie gekommen war und wer wegen Ozawa und Mutter. Wenn erstere in der Minderheit waren, so spricht das für die Neugier der Berliner und nicht gegen ihren Hang zur Nostalgie. Ich habe Karajan nie live gehört. Aber vielleicht werde ich dereinst auch mit wackeligen Knien in das Rattle-Gedenkkonzert gehen. Es war eines der Konzerte, die hinken. Beethoven ge-, Tschaikowsky misslang großartig. Anne-Sophie Mutter spielte Beethovens Violinkonzert. Man hatte die absurd eigensinnige (sprich: geniale) Interpretation der Violinsonaten Mozarts vom November 2006 noch von ferne im Ohr. Heuer gab es eine vollkommen absurde (sprich: vollkommene) Wiedergabe des Beethovenkonzerts zu hören. Man hörte in der riesigen Philharmonie das genaue Profil jedes Tones, den ihre Stradivari ausgab. Mittleres bis leicht langsames Tempo. Man kann sich kein konzentrierteres Violinspiel vorstellen. Die Spanne zwischen Laut und Leise ist groß, enorm scheint sie erst durch die ständig wechselnde Behandlung des Tons (voll – leer, vibratolos – viel Vibrato, stehend – fließend). Weiterlesen

Barenboim, Berliner Philharmoniker: Beethoven Klavierkonzerte Nr. 1 & 5

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Berliner Philharmoniker Daniel Barenboim Beethoven Klavierkonzerte Nr. 1 & 5 Leonore Nr. 3

Konzertkritik Berliner Philharmoniker. Wie immer bekommt Barenboim einen auffallend freudigen Willkommensapplaus. Die Sache ist die, dass er sich darüber auch sichtbar freut. Wie meist ist er vollständig in Schwarz gekleidet. Die Leonore Nummer drei dirigiert er vom Podest, die Klavierkonzerte vom Schemel, was nicht unbedingt heißt, dass er sitzt. Da der Flügel offen ist, hört man auf den steil ansteigenden Seitenplätzen jede Tonschattierung. Barenboim dirigiert rührend, schlenkernd, umarmend, in einer Art animierenden Kommandosprache, die von der Dialektik von Einsatzhinweis und Taktvorgabe denkbar weit entfernt ist. Die Fortissimostellen ohne Klavierstimme sticht Barenboim zuckend und doppelarmig ins Orchester.

Konzentriert er sich auf eine Piano-Figuration der Linken, beugt er sich über die Tasten und gibt mit der Rechten hinter seinem Rücken den ersten Geigen einen blinden Wedeleinsatz. Er beugt sich so weit über das Klavier, dass man fürchtet, er kippe und müsse mit der Hand auf die offenliegenden Saiten fassen. Wenn es besonders schnell gehen muss, schafft er in einer zweitaktigen Klavierpause immer noch den Griff zum Schweißtuch und einen armhochwerfenden Einsatz die jeweilige Orchestergruppe. Im Fünften Klavierkonzert, als das Orchester alleine spielt, gibt Barenboim die Einsätze bis zu einer Sekunde vorher.

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