Kein Barenboim, kein Tristan, keine Isolde

Nein, nein, nein. Ich war nicht in Daniel Barenboims Tristan & Isolde. Ich habe in den letzten sechs Jahren keine Vorstellung des Barenboimschen Tristan ausgelassen – eine Vorstellung ausgenommen, und diese nur aus dringenden allgemein-familiären Gründen (kein Trauerfall). Ich war reif für ein Jahr ohne Tristan und Isolde in der Staatsoper, was mich nicht daran hindern wird, morgen mal in den RSB-Tristan reinzuschnuppern. Danke.

Pollini krank: Festtage 2012 ohne Pollini

Schade. Die Ostereiersuche 2012 läuft ohne kulturellen Flankenschutz von Pollini ab. Maurizio Pollini ist erkrankt. Er sah im Herbst auch nicht so gut aus, ehrlich gesagt. Pollini muss die höllisch interessanten Klavierrecitals mit Beethovensonaten und zeitgenössischer Musik absagen. Die Konzerte sollten am 2. und 8. April stattfinden. Ich hatte meine Ostereiersuche schon verschoben, um das Konzert am Vormittag des Ostersonntags besuchen zu können.

Zu lesen auf staatsoper-berlin.de .

Kritik SWR Sinfonieorchester, Lothar Zagrosek, Maerzmusik: Wolfgang Rihm, Christian Wolff, Morton Feldman

Wolfgang Rihm 3. Doppelgesang (2004) / Morton Feldman Coptic Light (1986) / Christian Wolff John, David (1998) / Wolfgang Rihm Magma (1973)
SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg / Lothar Zagrosek / Jörg Widmann / Antoine Tamestit / Robyn Schulkowsky

Das SWR Sinfonieorchester ist jenes Orchester, mit dessen Beseitigung der SWR sich in die erste Reihe der irrelevanten deutschen Sendeanstalten zu stellen beabsichtigt. Weiterlesen

Staatsoper: Liebestrank Rolando Villazón Anna Samuil

Rolando Villazón Berlin

"In diesem Pulli bekomm' ich jede Frau!" Rolando Villazón im Liebestrank an der Berliner Staatsoper // Foto: Monika Rittershaus / staatsoper-berlin.de

Wer vor zwei oder drei Jahren den Eugen Onegin in Berlin mit Villazón gehört hat, dürfte das Wiederhören mit Rolando Villazón herbeigesehnt und zugleich gefürchtet haben. Villazóns Stimme befand sich in einem labilen, fragilen Zustand, auch wenn sie größter Zartheit und Feuers fähig war. Weiterlesen

Barenboim: Brahms Klavierkonzert Radu Lupu, Berg Lulu-Suite Rinnat Moriah. Und Strauss

Staatskapelle Berlin, Philharmonie. Schönes Konzert.

Radu Lupus Understatement fällt auf. Er sitzt auf einem Orchestermusikerstuhl. Seine Körperhaltung ist nachlässig zu nennen, gekrümmter Rücken, betont zufällige Beinhaltung. Lupu reduziert Bewegungen, wo es nur geht. Ich höre nach 2 Minuten auf, die Grifffehler zur Kenntnis zu nehmen.

Weiterlesen

Kritik Berliner Philharmoniker Thielemann: Bruckner 4., Strauss

Ich mach’s kurz. Es gab zwei Stars des Abends. Der eine war Albrecht Mayer, der andere die Stellen bei Bruckner, die richtig laut sind.

Albrecht Mayer spielt Strauss‘ Oboenkonzert. Das Konzert ist unvorstellbar sicher gearbeitet und überhaupt eine etwas mysteriöse Sache. Es ist sachlich und rätselhaft zugleich. Im subtilen Fließen ähnelt es Strauss‘ wunderbaren Metamorphosen. Albrecht Mayer spielt präzise, konzentriert und unendlich wandelbar im Ton. Christian Thielemann lässt die Philharmoniker entzückend begleiten. Manchmal spielen die Berliner Philharmoniker nur, wenn sie begleiten. Thielemann brachte die Musiker dazu, zu begleiten.

Bruckner, 4. Sinfonie. Zuerst das Schlechte.

Weiterlesen

Die schöne Stimme: Kritik Anna Netrebko Philharmonie mit Strauss, Boito, Verdi, Tschaikowskij

Das Konzert war ebenso kurz wie der diesjährige Berliner Winter, und Frau Netrebko ebensowenig krank wie beim letzten Konzert mit Barenboim.

Daniel Barenboim dirigiert einen hübschen Till Eulenspiegel, in dem die Holzbläser durch Charme und Flatterhaftigkeit auffielen, einen schmissigen Ungarischen Marsch aus Berlioz‘ Faust und eine grimmige Ouvertüre zu Verdis I Vespri Siciliani. Barenboim dirigiert in bester Laune.

Das Publikum lässt sich Weiterlesen

Le Nozze di Figaro, Staatsoper: Dorothea Röschmann, Anna Prohaska, Christine Schäfer, Vito Priante, Abdellah Lasri

Die Kritik zu Le Nozze die Figaro 2014 mit Dorothea Röschmann, Anna Prohaska und anderen hier lesen sowie die Premierenkritik zu Jürgen Flimms neuer Inszenierung am Schillertheater hier lesen.

Seit Monaten einmal wieder in der Staatsoper im Schillertheater. Nachmittagsvorstellung. Daniel Barenboim dirigiert. Die Ouvertüre hinterließ keinen besonderen Eindruck, vielleicht wegen des mittleren Tempos oder vielleicht weil man weiß, dass es 100 Arten gibt, wie die Ouvertüre gespielt werden kann. Oder weil 15 Uhr keine Zeit für einen Figaro ist, oder weil die Musiker noch das Mittagessen verdauten. Im Laufe des ersten Aktes war ich dann zufrieden. Hinter mir bemerkte eine Dame (vorwurfsvoller Unterton), dass das Orchester mit stattlichen 50 Leuten spiele. Weiterlesen

Jonas Kaufmann Liederabend: Liszt, Mahler, Duparc, Strauss

Berlin, Philharmonie. Jonas Kaufmann im Frack. Er trägt ein großes Einstecktuch, Begleiter Helmut Deutsch ein kleines. Bei Liszt gefiel die interpretatorisch unbewältigte Spanne zwischen laut und leise nicht, wenn auch „Im Rhein, im schönen Strome“ mit wundervollem Ernst begonnen wurde. Von den Rückert-Liedern waren vor allem „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ und auch „Ich atmet einen linden Duft“ und „Um Mitternacht“, freilich mit etwas extrovertiertem Ausgang („Du hälst die Wacht“), genau und klangschön gesungen.

Weiterlesen

Kritik Berliner Philharmoniker: Elgar Enigma Variations, Dvořák, Debussy, Schönberg

Schlagwörter

Der Berliner Winter ist nicht mehr. Stattdessen hört man die Philharmoniker mit einem Programm, das es gestattete, eine Prise Snobismus (Schönberg, Debussy) mit der gesunden Lust am Vergnügen (Dvořák, Elgar) zu verbinden. Ideal wäre gewesen, noch eine Siebte von Beethoven attacca an Elgars Variationen anzuschließen, aber was will man machen? Es war ein Abend ohne pompöse Reprisen und uferlose Sonatenhauptsätze, und wenn es welche gab, haben die Komponisten sie so gut versteckt, dass man sie nicht bemerkte.

Es gab Überraschungen. Debussys zweihufiges Prélude war gar nicht das beste Stück des Abends, Dvořáks Spinnrad war schöner als gedacht, und auf den jugendlichen Rippen von Elgars Enigma-Variationen saß kein Gramm Wagner-Fett – für ein großes Orchesterwerk, dessen Uraufführungsjahr 1899 heißt, erstaunlich und ein unbedingtes Qualitätsmerkmal.

Weiterlesen

Endlich festgelegt? Netrebko: Verdi, Strauss, Boito. Barenboim: Strauss, Berlioz, Verdi.

Schlagwörter

Daniel Barenboim hat anscheinend neuerlich mit Anna Netrebko telefoniert. Ergebnis: Das alte Programm für das Benefizkonzert Ende dieses Monats wurde zu großen Teilen über den Haufen geworfen. Der empfindsame Tschaikowsky ist raus geflogen. Strauss hat es mit typisch bayerischer Mir-san-mir-Haltung geschafft, im Programm zu bleiben (Staatskapelle: Till Eulenspiegel, Netrebko: 3 Lieder). Weiterlesen

Wie singt Jonas Kaufmann?

Schlagwörter

Noch mal zum Jonas-Kaufmann-Konzert mit Liszt (14. Pslam & Faust-Sinfonie) der Staatskapelle in der Philharmonie. Womöglich urteilte ich etwas hart, was die sängerische Leistung von Jonas Kaufmann angeht. Habe ich ein schlechtes Gewissen? Hmmm. Vielleicht.

Aber ich rede um den heißen Brei herum. Herr Kaufmann hat’s ja auch nicht leicht. Der Psalm Nr. 14 ist eine höllische Sache für jeden Tenor. Jonas Kaufmanns Stimme liegt stellenweise so frei wie die Ostsee vor Kühlungsborn bei Vollmond. Weiterlesen