Kritik Berliner Philharmoniker Thielemann: Bruckner 4., Strauss

Ich mach’s kurz. Es gab zwei Stars des Abends. Der eine war Albrecht Mayer, der andere die Stellen bei Bruckner, die richtig laut sind.

Albrecht Mayer spielt Strauss‘ Oboenkonzert. Das Konzert ist unvorstellbar sicher gearbeitet und überhaupt eine etwas mysteriöse Sache. Es ist sachlich und rätselhaft zugleich. Im subtilen Fließen ähnelt es Strauss‘ wunderbaren Metamorphosen. Albrecht Mayer spielt präzise, konzentriert und unendlich wandelbar im Ton. Christian Thielemann lässt die Philharmoniker entzückend begleiten. Manchmal spielen die Berliner Philharmoniker nur, wenn sie begleiten. Thielemann brachte die Musiker dazu, zu begleiten.

Bruckner, 4. Sinfonie. Zuerst das Schlechte.

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Die schöne Stimme: Kritik Anna Netrebko Philharmonie mit Strauss, Boito, Verdi, Tschaikowskij

Das Konzert war ebenso kurz wie der diesjährige Berliner Winter, und Frau Netrebko ebensowenig krank wie beim letzten Konzert mit Barenboim.

Daniel Barenboim dirigiert einen hübschen Till Eulenspiegel, in dem die Holzbläser durch Charme und Flatterhaftigkeit auffielen, einen schmissigen Ungarischen Marsch aus Berlioz‘ Faust und eine grimmige Ouvertüre zu Verdis I Vespri Siciliani. Barenboim dirigiert in bester Laune.

Das Publikum lässt sich Weiterlesen

Le Nozze di Figaro, Staatsoper: Dorothea Röschmann, Anna Prohaska, Christine Schäfer, Vito Priante, Abdellah Lasri

Die Kritik zu Le Nozze die Figaro 2014 mit Dorothea Röschmann, Anna Prohaska und anderen hier lesen sowie die Premierenkritik zu Jürgen Flimms neuer Inszenierung am Schillertheater hier lesen.

Seit Monaten einmal wieder in der Staatsoper im Schillertheater. Nachmittagsvorstellung. Daniel Barenboim dirigiert. Die Ouvertüre hinterließ keinen besonderen Eindruck, vielleicht wegen des mittleren Tempos oder vielleicht weil man weiß, dass es 100 Arten gibt, wie die Ouvertüre gespielt werden kann. Oder weil 15 Uhr keine Zeit für einen Figaro ist, oder weil die Musiker noch das Mittagessen verdauten. Im Laufe des ersten Aktes war ich dann zufrieden. Hinter mir bemerkte eine Dame (vorwurfsvoller Unterton), dass das Orchester mit stattlichen 50 Leuten spiele. Weiterlesen

Jonas Kaufmann Liederabend: Liszt, Mahler, Duparc, Strauss

Berlin, Philharmonie. Jonas Kaufmann im Frack. Er trägt ein großes Einstecktuch, Begleiter Helmut Deutsch ein kleines. Bei Liszt gefiel die interpretatorisch unbewältigte Spanne zwischen laut und leise nicht, wenn auch „Im Rhein, im schönen Strome“ mit wundervollem Ernst begonnen wurde. Von den Rückert-Liedern waren vor allem „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ und auch „Ich atmet einen linden Duft“ und „Um Mitternacht“, freilich mit etwas extrovertiertem Ausgang („Du hälst die Wacht“), genau und klangschön gesungen.

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Kritik Berliner Philharmoniker: Elgar Enigma Variations, Dvořák, Debussy, Schönberg

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Der Berliner Winter ist nicht mehr. Stattdessen hört man die Philharmoniker mit einem Programm, das es gestattete, eine Prise Snobismus (Schönberg, Debussy) mit der gesunden Lust am Vergnügen (Dvořák, Elgar) zu verbinden. Ideal wäre gewesen, noch eine Siebte von Beethoven attacca an Elgars Variationen anzuschließen, aber was will man machen? Es war ein Abend ohne pompöse Reprisen und uferlose Sonatenhauptsätze, und wenn es welche gab, haben die Komponisten sie so gut versteckt, dass man sie nicht bemerkte.

Es gab Überraschungen. Debussys zweihufiges Prélude war gar nicht das beste Stück des Abends, Dvořáks Spinnrad war schöner als gedacht, und auf den jugendlichen Rippen von Elgars Enigma-Variationen saß kein Gramm Wagner-Fett – für ein großes Orchesterwerk, dessen Uraufführungsjahr 1899 heißt, erstaunlich und ein unbedingtes Qualitätsmerkmal.

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Endlich festgelegt? Netrebko: Verdi, Strauss, Boito. Barenboim: Strauss, Berlioz, Verdi.

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Daniel Barenboim hat anscheinend neuerlich mit Anna Netrebko telefoniert. Ergebnis: Das alte Programm für das Benefizkonzert Ende dieses Monats wurde zu großen Teilen über den Haufen geworfen. Der empfindsame Tschaikowsky ist raus geflogen. Strauss hat es mit typisch bayerischer Mir-san-mir-Haltung geschafft, im Programm zu bleiben (Staatskapelle: Till Eulenspiegel, Netrebko: 3 Lieder). Weiterlesen

Wie singt Jonas Kaufmann?

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Noch mal zum Jonas-Kaufmann-Konzert mit Liszt (14. Pslam & Faust-Sinfonie) der Staatskapelle in der Philharmonie. Womöglich urteilte ich etwas hart, was die sängerische Leistung von Jonas Kaufmann angeht. Habe ich ein schlechtes Gewissen? Hmmm. Vielleicht.

Aber ich rede um den heißen Brei herum. Herr Kaufmann hat’s ja auch nicht leicht. Der Psalm Nr. 14 ist eine höllische Sache für jeden Tenor. Jonas Kaufmanns Stimme liegt stellenweise so frei wie die Ostsee vor Kühlungsborn bei Vollmond. Weiterlesen

Berliner Philharmoniker, Simon Rattle: Bruckner Sinfonie Nr. 9 (mit Finale)

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Wenn ich ehrlich bin, hätte ich heute lieber Ligetis gute, alte Atmosphères und dann eine Sinfonie Prokofjews gehört, aber nicht die fünfte. Ich habe noch nie eine Brucknersinfonie gehört, die ich von vorne der ersten bis zur letzten Note fesselnd gefunden hätte. An den Abend, an dem Thielemann mit den Wienern Philharmonikern hier in Berlin eine übermäßig verbrucknerte Achte aufführte und meine Langeweile sich in dem Maße vermehrte, wie die Gesamtzahl der gespielten Noten die 50 Millionen mit Leichtigkeit überstieg, erinnere ich mich nur ungern. Und vor drei, vier Jahren fand ich bei Barenboims Bruckner die langsamen Sätze ungemein fesselnd, zur Zeit indes finde ich die langsamen Sätze unter Barenboim nicht so gut und die Ecksätze fesselnd. Liegt es an mir, an Barenboim oder an Bruckner?

Dirigiert Simon Rattle Anton Bruckner, hört man immer Musik, und das ist nicht wenig. Es gibt Dirigenten, die dirigieren ausschließlich Bruckner, wenn sie Bruckner dirigieren, aber dafür keinen Takt Musik.

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Barenboim in engem Kontakt mit Netrebko

Es lebe die Kommunikation. Daniel Barenboim muss erneut mit Anna Netrebko telefoniert haben. Dabei scheint herausgekommen zu sein, dass Frau Netrebko im Benefizkonzert in der Berliner Philharmonie Ende des Monats die Briefszene aus Eugen Onegin singen wird. Vor ein paar Wochen war lediglich klar, dass Anna Netrebko irgendwelche Lieder von Strauss und Tschaikowsky singen wird. Welche genau, wird allem Anschein nach aber immer noch diskutiert, da die Staatsopern-Seite in dieser Hinsicht auch weiterhin keine genaueren Ausfkünfte machen kann. Weiterlesen

Kritik Hilary Hahn & Pietari Inkinen: Mozart, Sibelius, Bartók

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Pietari Inkinen, Hilary Hahn: Bartók Divertimento für Streichorchester, Mozart Violinkonzert D-Dur KV 218, Sibelius Sinfonie Nr. 5

Ich kann mich kurz fassen. Vor dem Konzert war ich aus einem Grund, den ich jetzt nicht mehr verstehe, der Ansicht, dass Hilary Hahn womöglich die aufregendste Geigerin der jüngeren Generation sei. Nach dem Konzert bin ich es nicht mehr. Ihr Spiel war, gemessen an den Erwartungen, nach drei Takten eine negative Überraschung, nach zwanzig Takten eine leichte, aber durchdringende Enttäuschung. Weiterlesen

Late Night: Gábor Tarkövi Sequenza X, HK Gruber, Kurt Weill und andere Nettigkeiten

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Das neueste Late-Night-Konzertchen war nicht ganz so aufregend wie das letzte Late-Night-Konzert, aber im Vergleich zum unmittelbar vorangegangenen Philharmoniker-Konzert überaus befriedigend.

Simon Rattle ließ sich entschuldigen. HK Gruber leitete.

Kurt Weills kurze Stückchen hatten stratosphärisches Niveau, was den klaren, scharfen Orchestersatz anging. Gábor Tarkövi spielte eine bombenmäßige Sequenza X. Sein Ton ist zugleich objektiv und subjektiv, Weiterlesen

Tugan Sokhiev, Berliner Philharmoniker: Liszt, Roussel, Rachmaninow, Berio und Boris Berezovsky & Amihai Grosz

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Berliner Philharmoniker Tugan Sokhiev: Roussel Bacchus et Ariane Nr. 1, Liszt Klavierkonzert Nr. 1, Rachmaninow Symphonische Tänze, Berio Sequenza VI. Boris Berezovsky (Klavier) & Amihai Grosz (Bratsche)

In der Pause sehe ich jemanden, den ich kenne. Wir unterhalten uns. Wir tauschen uns über die kommenden Konzerte aus. Metha finde ich gut. Er nicht. Thielemann findet er gut, ich nicht. Nelsons finden wir beide gut. Zu Tugan Sokhiev haben wir noch keine Meinung. Dann reden wir über Berezovsky.

Berezovskys Einstieg ins Liszt-Konzert fand ich grässlich. Als Berezovsky das erste Mal ganz rechts auf den Tasten angekommen war, schien mir dieses Klavierkonzert schon hoffnungslos havariert. Weiterlesen

Anne-Sophie Mutter: Brahms. Anna Netrebko: Strauss. Plácido Domingo ist immer noch nicht krank

Plácido Domingo

"Ey Leute, wat jipptet?" Plácido Domingo als Simone Boccanegra // Foto: Monika Rittershaus / staatsoper-berlin.de

Waren Sie in Barenboims Gerontius mit den Berlinern am Wochenende? Ich nicht. Romantische Oratorien üben auf mich eine abschreckende Wirkung aus, und zwar genau seit dem Zeitpunkt, als ich mich bei Rattles Das Paradies und die Peri vor 3 Jahren unerträglich langweilte. Weiterlesen

Die Berliner Philharmoniker werden (vermutlich) immer reicher und ich werde (mit Sicherheit) immer ärmer

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Neulich an der Philharmonie-Kasse. Eine Frau steht vor mir. „Wat? 40 Euro? Dit is dit günstigste? Puuh, dit is aber jans schön teuer.“ Den letzten Satz hat die Dame schon etwas leiser gesprochen. Das Ende des Satzes habe ich kaum noch gehört, denn von Geld spricht man nicht gerne laut, es sei denn man hat zu viel davon. Gute Frau, Sie haben grundsätzlich Recht, dachte ich auf jeden Fall. Weiterlesen