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Fahren Sie nie nach Paris. Wenn Sie zurückkommen, fällt Ihnen es Ihnen wie Schuppen von den Augen… Berlin ist ein Dorf. Weiterlesen
24 Donnerstag Nov 2011
Posted in Michael Gielen, Simon Rattle
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Fahren Sie nie nach Paris. Wenn Sie zurückkommen, fällt Ihnen es Ihnen wie Schuppen von den Augen… Berlin ist ein Dorf. Weiterlesen
05 Samstag Nov 2011
Posted in Helmut Lachenmann, Simon Rattle
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Berliner Philharmoniker Simon Rattle: Lachenmann Tableau Mahler Sinfonie Nr. 9
Wer beim Musikfest den Abend mit Stücken von Hans Zender gehört und sich gelangweilt hat (wie ich), der hat mit Sicherheit
Weiterlesen03 Donnerstag Nov 2011
Posted in Simon Rattle
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Der Berliner Herbst ist so, wie man es erwartet. „Ich fahre heim auf reichem Kahne/Das Ziel erwacht im Abendrot…“ heißt es hierzu. Ich fahre heim, auf dem Landwehrkanal tuckert ein Kahn, am Himmel ist Abendrot, und das Ziel ist eindeutig die Neunte von Mahler, die am Wochenende gespielt wird. So weit, so gut. Doch warum haben die Berliner Philharmoniker kein Einsehen? Warum ist die Neunte, deren letzter Satz
Weiterlesen30 Sonntag Okt 2011
Posted in Magdalena Kozena, Simon Rattle
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Magdalena Kozena, Olaf Ott, Simon Rattle, Mitglieder der Berliner Philharmoniker
Dieses Konzert bestätigte die Wahrheit von gleich mehreren Sprichwörtern. Erstens: In der Kürze liegt die Würze. Zweitens: Klein aber fein. Und drittens: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Einmal bei Rattle in der ersten Reihe sitzen, dachte ich nämlich noch um Viertel nach 10. Aber nix wars, Block A war rappelvoll, als ich um fünf vor halb elf nach einem erfrischenden Bier reinkomme.
Also, das Programm war wie gesagt eine Verheißung, die Zeit des Konzertbeginns ähnelte der im SO36 in der Heinrichstraße. Simon Rattle, der eine halbe Stunde zuvor noch im grauen Pulli zuhörte, wie Harnoncourt aus Beethoven einen wütenden Schlagzeuger machte (kein Wunder, dass Rattle begeistert applaudierte), trägt schwarzes Hemd. Auch interessant: Rattle war einen Kopf kleiner war als Frau Kozena, die auf aufregenden Silettos stand, während Rattle in normalen Schuhen steckte. Seit diesem Abend weiß ich, dass Julia Gartemann (aufregendes Spiel bei Berio) Schuhe von Manolo Blahnik trägt.
Das Programm: De Falla, Dallapiccola, 2x Berio.
Von Dallapiccola gab es die sehr gute Piccola musica notturna. De Falla war nicht gut. Die Folk Songs Berios offenbaren ihre hübsche Instrumentation in der Fassung für 7 Instrumente noch bereitwilliger als in der Orchesterfassung. Magdalena Kozena sang das lyrische, zweite Liedl am besten. Für einige andere bleibt Elina Garanca (unter Jansons 2007 oder 2008) die Referenz. Olaf Ott leistete an der Posaune Übermenschliches in Berios tiefmenschlicher Sequenza V. Die Harfe von Marie-Pierre Langlamet thronte mit der Erhabenheit eines Prunkmöbels aus dem vorvorigen Jahrhundert in der Mitte des Podiums.
Aber, Hand aufs Herz, als Mensch von durchschnittlichem Konzentrationsvermögen war ich um halb elf nicht mehr in bestem Zustand, insbesondere, da Harnoncourt zuvor zwei Stunden lang die Leistungsfähigkeit meiner Trommelfelle und Nerven mit Beethoven getestet hatte. Kurz, ich war müde, und ich glaube, der eine oder andere Zuhörer ebenfalls, denn zwei Stunden früher hätte Magdalena Kozenas Darbietung den Saal womöglich zu Bravostürmen hingerissen. Einige saßen sogar HINTER dem Podium, ein Ort, den ich bei Konzerten mit Solistenbeteiligung meide wie sonst nur Konzerte mit 100% Barockmusik. Falls die Phillies hofften, kaugummikauende Dreizehnjährige in ihr Haus zu locken, so erfüllte sich diese Hoffnung noch nicht zur Gänze.
18 Dienstag Okt 2011
Posted in Simon Rattle
Nein, ich war nicht in Jonathan Harveys Weltethos, dirigiert von Simon Rattle, gespielt von den Berliner Philharmonikern, weder am Donnerstag noch am Samstag. Ich war in der Mittelmark. War auch schön.
Warum macht der Rattle auch dieses Weltethos-Dings da? Kompositionen, die so oder so ähnlich heißen, werden grundsätzlich nichts. Das ging Peter Ruzicka mit seiner Oper Hölderlin (Staatsoper) genauso. Komponierter Totalanspruch ist nie gut, außer man ist Beethoven, aber wer ist das schon? Schon Peter Ruzicka hätte sein Werk besser „Hölderlin frisch verliebt“ oder „Hölderlin in Bad Homburg“ genannt. Da hätte Jonathan Harvey von lernen können und sein Werk statt „Weltethos“ lieber „Verflixt!“, Untertitel: „Jesus und Mohammed in Berlin“ oder „Hans Küng“, Untertitel: „… oder der Theologenkrieg in Tübingen“ nennen können. Wenn man schon was machen wollte, das niemand kennt, dann hätte man doch ein Konzert mit dem Titel „Die am seltesten gehörten Ligeti-Stücke aller Zeiten“ oder „Was man von Hindemith nie hören wollte – wir spielen es trotzdem“ machen können.
Kritik Weltethos: k.A.
16 Freitag Sept 2011
Posted in Anne-Sophie Mutter, Simon Rattle
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Berliner Philharmoniker – Simon Rattle: ANNE-SOPHIE MUTTER Fauré Pelléas et Mélisande Dvorak Violinkonzert Schumann Sinfonie Nr. 2
Kurz vor den Konzerten des Musikfests hier noch ein Bericht über den Abend von Rattle & Anne-Sophie Mutter. Am Dienstag Morgen zwitschern zum ersten Mal in diesem Jahr die Vögel. Am Mittwoch gibt Anne-Sophie Mutter das erste von drei Konzerten mit den Berliner Philharmonikern.
Die Absage des kranken Seji Ozawa ist zu bedauern. Anne-Sophie Mutter widmete Ozawa das zugegebene Solostück. Ist zu bedauern, wenngleich ich nicht begierig auf die Vierte von Tschaikowsky, von Ozawa dirigiert, war. Simon Rattle übernimmt Ozawas Konzerte; er wird dank dieser drei zusätzlichen Konzerte sowie der anschließenden Konzerte einer Konzertreise die sowieso schon beeindruckende Zahl der geleiteten Abende Weiterlesen
01 Donnerstag Sept 2011
Posted in Simon Rattle
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Es regnet. Ich kann Ihnen sagen, in Berlin regnet es, was das Zeug hält. Es regnet so, wie es in Opern nie regnen würde. Selbst im Parsifal an der Staatsoper regnet es nicht so viel Gold vom Bühnenhimmel, wie in Berlin Regen vom Himmel. Man kann auch sagen, der Regen habe „Richard Wagnerische ‚Breite’“, um Richard Strauss zu zitieren. Die Luft ist so feucht, dass sich das Saisonheft der Staatsoper, das auf dem Tisch liegt, wellt. Weiterlesen
25 Montag Jul 2011
Posted in Simon Rattle
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Berliner Philharmoniker – Simon Rattle: Berg Drei Orchesterstücke Mahler Sinfonie Nr. 6
Die wichtigste Frage lautete: Spielen sie das Andante moderato an zweiter oder dritter Stelle? An zweiter. Es wiegt leichter als der erste Satz. Dieses Andante wird erst im bewegteren letzten Teil richtig interessant. Der erste Satz der Sechsten war eine der großen Leistungen des Orchesters und des Dirigenten. Die Sechste von Mahler zeigt jedes Orchester am Rand des Nervenzusammenbruchs – wenn nicht, wird etwas falsch gemacht. „Das war mir gegen Ende zu schrill“, sagt eine elegante Mittfünfzigerin, die Treppe hinabsteigend und sich zu ihrer Freundin umwendend. Die Wucht der Kontrabässe ist enorm, ich spüre, wie ihr Druck in die Magengrube boxt.
Die Viersätzigkeit der Sechsten wirkt stets als Klassizismus. Die vielsätzigeren Sinfonien Nr. 2 und 3 vom Herbst wirkten organischer. Im ersten Satz der Sinfonie Nr. 6 erklingen die Kuhglocken von außerhalb, im zweiten und vierten aus dem Orchester. Sind die Kühe vom Andante an unter uns? Das Finale macht mich immer noch perplex, am anstrengendsten sind jene Partien, wo auf Teufel komm raus durchgeführt wird. Der Holzhammer wird interessanterweise im Laufe des Abends von zwei unterschiedlichen Musikern gespielt. Ich mag den Holzhammer besonders, wenn man auch beifügen muss, das seine Bedeutung in jeder Konzerteinführung übertrieben wird. Der Hammer ist das einzige Instrument, das ich halbwegs beherrschen würde, ohne schon vor der eigentlichen Tonproduktion durch groteske Unkenntnis des Instruments aufzufallen.
Weiterlesen25 Montag Jul 2011
Posted in Henry Purcell, Simon Rattle
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Berliner Philharmoniker – Simon Rattle: RIAS KAMMERCHOR Purcell Funeral Music for Queen Mary Mahler Sinfonie Nr. 5
Kritik. Es gab Zeiten, da hing mir die Fünfte von Mahler zu den Ohren hinaus. Die Fünfte mit Rattle, die Fünfte mit Abbado, die Fünfte mit Walter, die Fünfte mit Szell, unser halber Haushalt besteht aus Fünften. Ich war heute zudem in einem Zustand, in dem ich gerne Mendelssohns Dritte oder Prokofjews Vierte gehört hätte, aber einiges darum gegeben hätte, nicht die Fünfte zu hören. Aber was will man machen. Das Schicksal macht auch vor uns Konzertgehern nicht halt. Purcells Funeral Music war ein Traum. Eine Handvoll Trompeten, eine Handvoll Posaunen, 2 Trommeln und ein Chor.
Die Trompetenstellen (Tarkövi et alii) jagen einem pausenlos Schauer über den Rücken. Von wegen Schauer, von denen kann beim sicherlich ehrenwerten RIAS Kammerchor nicht die Rede sein. Ich versuchte ohne Unterlass herauszufinden, ob die Soprane oder die Altstimmen oder doch die Tenöre am wenigsten Pepp besaßen, aber der Purcell war zu Ende, bevor ich zu einem Entschluss gekommen war. Vielleicht hätte man ein pausenloses Konzert wagen sollen, um Purcells Strenge anschaulicher an Mahlers Üppigkeit zu binden. Der dritte Satz der Fünften war das Zentrum, der erste wahrte den Charakter stockenden Beginnens, der vierte war eine ärgerliche Unterbrechung. Man müsste das Adagietto, das weit davon entfernt ist, Mahlers meist missverstandener Satz zu sein, doppelt oder dreimal so schnell spielen, um die symphonische Spannung zu wahren.
Weiterlesen24 Sonntag Jul 2011
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Berliner Philharmoniker – Simon Rattle: EMILY MAGEE STIG ANDERSEN HANNA SCHWARZ PAVOL BRESLIK IAIN PATERSON RINAT SHAHAM etc. Strauss Salomé
Die Uhr auf dem Potsdamer Platz steht schon seit Monaten auf 1 Uhr 12 Minuten. Ist das Berliner Kunst oder ist das Berliner Gleichgültigkeit? Könnten die Philharmoniker nicht eine Patenschaft für diese Uhr übernehmen? Und damit zum heutigen Konzert. Konzertant aufgeführten Opern verhalte ich mich in der Regel so, wie der Berliner Senat sich der Uhr auf dem Potsdamer Platz gegenüber verhält. Aber Salomé, Strauss‘ Zweistünder, geht schon in Ordnung. Es ist immer das gleiche. Eine konzertante Oper mit den Berliner Philharmonikern unter Rattle zu hören hat immer was von Partiturlesen – frei nach dem Motto: Rattle steckt Salomé in die Kernspinto und guckt, was in ihrem Kopf drin ist. So auch heute. Ich habe Sachen in dieser Salomé gehört, von denen ich bislang nicht den Hauch einer Ahnung hatte, ja, ich habe sogar Instrumente gehört, die ich nie in einer Salomé vermutet hatte. Die Philharmoniker spielen infernalische Forte Fortissimos und bezaubernde Schlagzeugeinsätze. Rattles Salomé schnuppert schon nach Schönberg. Man bekommt es dick aufs Brot geschmiert, dass Salomé zu den raren Beispielen jener äußersten ästhetischen Empfindlichkeit zählt, die um 1900 state of the art war. Beim 1911er Rosenkavalier herrschen dann schon wieder Verdickung, Zähigkeit, Nutella. Um den Eindruck abschließend zusammenzufassen, sage ich, dass diese Salomé zu hören in etwa so ist, wie ein Bild von Van Gogh mit dem Mikroskop zu betrachten.
Weiterlesen24 Sonntag Jul 2011
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Berliner Philharmoniker – Simon Rattle: CHRISTINE SCHÄFER Strawinsky Apollon Musagete Mahler Sinfonie Nr. 4
Es ist schlimm. Man muss einfach hin, wenn Rattle und die Berliner Mahler machen. Auch wenn ich lieber Fußball geschaut hätte, Arsenal gegen Barcelona, mal wieder Lionel Messi zuschauen. Aber man muss, wie gesagt. Das Programm ist eine harte Nuss. Im Apollon Musagete übertrifft Strawinsky sich – und andere natürlich vierfach – an Understatement. Die Person, dessen Lieblingsstück der Apollon Musagete ist, erhebe sich bitte. Jede Wette, dass Strawinsky wenig Spaß beim Komponieren dieses Stücks hatte. Ich hatte nicht allzu viel Spaß beim Hören. Die Philharmoniker spielen quasi von selbst. Rattle gibt eine Prise Salz hinzu, aber nur eine Prise.
Weiterlesen24 Sonntag Jul 2011
Posted in Johannes Brahms, Nathalie Stutzmann, Simon Rattle
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Berliner Philharmoniker – Simon Rattle: ANKE HERRMANN NATHALIE STUTZMANN DAMEN DES RUNDFUNKCHORS BERLIN KNABEN DES STAATS- UND DOMCHORES BERLIN Brahms Es tönt ein voller Harfenklang Hugo Wolf Elfenlied Mahler Sinfonie Nr. 3
Und schwupps, schon ist man bei der Dritten. Es ist warm wie im März, obwohl es erst seit kurzem Februar ist. In der Dritten macht Mahler alles das, was er nicht hätte tun dürfen. Er kennt keine Grenzen bei der Überlänge, er ist noch kindischer als in der Zweiten. Aber das Gefühl für Abläufe ist wahrscheinlich untrüglich geworden, so weit ich das beurteilen kann. Die Form pfeift auf die Konvention, das ist das Befreiende. Die Zeit belebt sich von selbst, fast ohne Sonatenhauptsatzform. Die ganz freien Kombinationen von Klängen, die Mahler einsetzt ist, sind atemberaubend. Die Phase, in der ich Radek Baborák nachtrauerte, ist vorbei. Stefan Dohr spielt halt anders. Heute habe ich mit höchster Zufriedenheit Stefan Dohr zugehört. Baborák hatte Eleganz, Stefan Dohr hat Wärme. Beginn mit acht Hörnern.
Im Gegensatz zur Zweiten, bei der Wackler des Blechs häufig waren, lief es in der Dritten wie am Schnürchen. Dann kommt die Soloposaune. Der erste Satz ist fast ein Posaunenkonzert. Die Posaune klingt wie von Ennio Morricone. Dann kommt der Trommelwirbel. Stille, nur der Trommelwirbel, dann die acht Hörner – Reprise? Wieder Posaunensolo, diesmal mit dieser Steine erweichenden hohen Stelle. Mit welcher Sorgfalt zwei Schlagzeuger damit bemüht sind, die Becken lautlos abzulegen.
Weiterlesen24 Sonntag Jul 2011
Posted in Sergej Rachmaninow, Simon Rattle
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Berliner Philharmoniker – Simon Rattle: Rachmaninow Symphonische Tänze Mahler Sinfonie Nr. 1
Rachmaninows Symphonische Tänze gehören zu jenen Stücken der Nicht-Schönberg-Nachfolge, die das Glück hatten, uraufgeführt zu werden, nachdem Adorno das Interesse daran verloren hatte, das musikalische Tagesgeschäft kritisch zu begleiten. So blieb den Symphonischen Tänzen ein Dolchstoß erspart, der zumindest im deutschsprachigen Raum eine fünfzigjährige Quarantäne bedeutet hätte. Dennoch muss man sagen, dass die Tänze gewonnen hätten, wenn Strawinsky vor Drucklegung der Partitur redigierend eingegriffen hätte. Strawinsky hätte gestrafft, geschärft, gelichtet. Was auch gesagt werden muss: Mahlers Erste hätte gewonnen, wenn nicht Rachmaninow zuvor auf dem Programm gestanden hätte, sondern, sagen wir, nochmals Schönberg, wie vor fünf Tagen. Das wäre kohärent gewesen.
Er war ein verkorkster Abend. Es muss an mir gelegen haben, am Programm und natürlich an dem Platz, auf dem ich saß. Ich saß da, wo ich noch nie saß, in Block E rechts. Prompt klangen die Philharmoniker so was von anders als sonst. Ich war so nah dran, ich hätte dem Solobassisten die Haare kraulen können. Außerdem saßen heute (wie schon eine Woche zuvor bei Mahlers Zweiter) die Bratschen links, die Celli in der Mitte. Die Harfe stand heute vor den Bässen. Auch das ist gewöhnungsbedürftig. Emmanuel Pahud war wieder nicht da.
Weiterlesen24 Sonntag Jul 2011
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Berliner Philharmoniker – Simon Rattle: MAGDALENA KOZENA KATE ROYAL RUNDFUNKCHOR BERLIN Schönberg Überlebender aus Warschau Mahler Sinfonie Nr. 2
Verglichen mit der Zweiten Sinfonie von Mahler ist Strauss‘ Sinfonia Domestica ein schlankes Beserl. Meine Affinität zur zweiten Sinfonie ist gering. Im dritten Satz klingt es hier und da nach Grieg, zwischendurch nach Bruckner. Die Posaunen im letzten Satz klingen nach Parsifal, sind bei Wagner aber zehnmal besser gesetzt. Einige Harmoniewechsel haben etwas Ungeschicktes. Es sind definitiv etwas zu viel Fanfarenmotive in der Zweiten. Der Chor hat was vom Pilgerchor aus Tannhäuser. Aber es ist trotz allem große Musik. Aber es gibt in Mahlers Erster auch Stellen, da versucht man herauszufinden, ob das nun Angela Merkel in der ersten Reihe ist oder nicht. Mahlers Erste hörend, fange ich an zu bedauern, dass Brahms, perfektionistischer Hanseat, der er war, es nicht über sich brachte, eine mitreißende, schwungvolle, vor Unerfahrenheit strotzende Jugendsinfonie zu schreiben, etwa im Stile seines Opus 8 – bis er 35 war, hätte das wohl noch geklappt. Stattdessen wartet Brahms mit der Ersten, bis er über sinfonische Gediegenheit verfügt.
Zu Beginn spielen sie der Überlebende aus Warschau, quasi als nullten Satz der Mahlersinfonie.
Weiterlesen24 Sonntag Jul 2011
Posted in Simon Rattle
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Berliner Philharmoniker – Simon Rattle/Wynton Marsalis Strawinsky Petruschka Marsalis Swing Symphony
Die Saison röchelt, sie hat ein Alter erreicht, in dem alles möglich ist. Die Sonne brennt, die Philharmonie glüht. Der Schweiß hängt in den Socken, das Hemd klebt an der Lehne.
Petruschka in der 1947er-Fassung wirkt genau wie von 1947. Der expressionistische Jugendstil der Vorkriegsfassung wirkt wie mit Webernschem Glas überzogen. Daher die Schärfe und Kontur dieser Aufführung. Wenn ich mich recht erinnere, ist Rattles hartschattiger, hochkonzentrierter Petruschka dem Mariss Jansons‘ von – na wann war das wohl? – 2007 vorzuziehen. Dieser legte mehr Wert auf raffinierte Folklore und raffinierten Impressionismus, jener – der Rattles – wirkte integraler, verschlossener wie auch ergiebiger im Detail. Weiterlesen