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Opern- & Konzertkritik Berlin

~ Klassik-Blog für Konzertberichte und Opernkritiken aus Berlin

Opern- & Konzertkritik Berlin

Archiv des Autors: Schlatz

Christian Thielemann ersäuft Brahms

13 Dienstag Sept 2011

Posted by Schlatz in Christian Thielemann, Hans Pfitzner, Johannes Brahms

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Kurzkritik zum Musikfest Berlin 2011.

Montag Abend:  Christian Thielemann ist mit der Staatskapelle Dresden in der Philharmonie. Busonis symphonisches Nocturne klang ausnehmend schön und wurde von den Dresdnern jessasmäßig gespielt. Thielemann lässt es zwei Mal spielen – sehr gut. Pfitzners Klavierkonzert hatte sehr schöne Stellen, machte im Ganzen aber einen ästhetisch hoffnungslos verlorenen Eindruck. Hervorragendes Hornsolo. Tzimon Barto spielt wie die preußische Artillerie. Die Erste von Brahms klang nur die ersten 20 Takte interessant, als ich dachte, ah, schöne Linien, gute Dramaturgie. Der Rest waren unsensible Lautstärke, eine Leider Gottes selbstgefällige Phrasierung. Morgen früh mehr davon.

Wolfgang Rihm sitzt erneut inklusive Begleitung in Block A. Guck an, da hat die Intendanz des Musikfests ihm eine Dauerkarte spendiert.

Wenigstens scheint die Sonne in Berlin. Ich warte auf Simon Rattle, der mit Tallis, Lotti und Mahler Achte ab Donnerstag zu hören ist.

Wiener Philharmoniker Christian Thielemann Beethovenzyklus Kritik

09 Freitag Sept 2011

Posted by Schlatz in Christian Thielemann

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Berliner Philharmoniker, Wiener Philharmoniker

Bevor die Saison in Berlin richtig losgeht, hier noch mal eine Retroperspektive des letztsaisonalen, viertägigen Gastspiels der Wiener Philharmoniker in Berlin.

Was ist aus den Berlinern Wintern geworden? Bis vor kurzem war der Berliner Winter in ganz Europa für seine Milde und Schneefreiheit bekannt und belächelt. Das ist jetzt anders. Eis und Schnee sowie ein haarsträubend vereister Potsdamer Platz erschweren den Besuch von Konzerten in der Philharmonie und an anderen Orten der Hauptstadt. Man fragt sich, wie die Musiker die Instrumente in die Philharmonie transportieren, ohne dass Geigen, Oboen und Trompeten sich in der Kälte verziehen.

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Musikfest Berlin: Pierre-Laurent Aimard Kritik

06 Dienstag Sept 2011

Posted by Schlatz in Pierre-Laurent Aimard

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Musikfest, mmmh. Rechtzeitig klart der Himmel auf. Septembersonne bescheint die Blechwipfel der Philharmonie. Der Tiergarten ist schon kühl. Im Foyer lauter Musikverständige. Sogar die Touristen sehen musikverständig aus.

Was nicht ist, kann ja noch kommen. Das letzte Mal, als ich Pierre-Laurent Aimard hörte, löste Aimard eine seltsame Mischung aus aufrichtiger Achtung und seriöser Langweile in mir aus. Wenn das mal nicht zu snobistisch war. Kaum saß ich an diesem Montagabend auf meinem Platz, kaum startete Aimard die lugubre Gondel, dachte ich, ich höre nicht recht. Glockenklare Töne. Klar umrissene Resonanzen. Kraft, Ernsthaftigkeit, Präzision, Wille. Etwas Debussy-haftes bei Liszt. Klar ist der Kammermusiksaal lauschiger als die Philharmonie. Von den guten Blöcken aus schaut man direkt in den geöffneten Rachen des Flügels und kann in den Pausen Aimards Profil studieren. Pollini ist in der Philharmonie immer ganz schön weit weg.

Das Konzert ist keine drei Minuten alt. Ein Handy klingelt, Aimard erhebt sich abrupt und verschwindet. Beifall des Publikums. Liszts traurige Gondel ist ins Nirvana der Vergangenheit entglitten. Ich erwarte, dass der Handybesitzer sich mit einer Ansprache ans Publikum entschuldigt, aber Pustekuchen. Eineinhalb Minuten später kommt Aimard wieder raus.

Ein sensationelles Programm in Rondostruktur. Liszt = Ritornelle. Dazwischen spielt Aimard Wagner, Berg, Skrijabin. Zumindest Wagner und Skrijabin waren ja Liszt-Liebhaber. Berg wohl nicht. Dass Pierre-Laurent Aimard beim Spiel auch den Hintern anlupfen kann und sein Schopf in alle Richtungen fliegen lässt, war mir bislang unbekannt. Sachlichkeit, aber auch echte Größe, so in den Sekundabgängen, mit denen die h-Moll-Sonate losgeht. Gerade fällt mir ein, dass ich mich an kein einziges Rubato erinnere. Natürlich gab es welche (aber von Rubato-Präsenzen in Kissin-schem Ausmaß ist Aimard weit entfernt). Spitzentöne haben eine gletscherähnliche Härte. Jeder Spitzenton klingt anders, ohne jede Spur von Pathos, wenn auch aufs Äußerste in die Tasten gestochen. Ingenieursethos, gedankliche Schärfe von Brückenbauern. Und doch Leidenschaft eines Künstlers.

Linie? Nee, ist Aimad nicht wichtig. Aimard denkt vom einzelnen Ton aus. Jeder Anschlag ein Kosmos. Haarsträubendes Akkord- und Skalengewusel in der h-Moll-Sonate, aber stets durchdacht, scharf, frisch und klar wie Gletscherwasser. Der Beginn war – noch mal gesagt – ausnehmend schön. Eine Reihe vor mir sitzt ein blutjunger Klavierspieler. Ich erkenne solche Leute auf den ersten Blick. Zurückhaltende Kleidung, weiche Gesichtszüge, Alban-Berg-Blick. Vier Plätze links von mir saß jemand, der bei der h-Moll-Sonate heftig mit dem Kopf wippte.

Salvatore Licitra ist gestorben. Ein Gruß ins Jenseits.

Aimard verbeugt sich jeweils drei Mal. Jedes Mal dreht er sich um genau 120°. Zugabe gibt’s nicht.

Pierre-Laurent Aimard Kritik: sehr gut.

Es regnet

01 Donnerstag Sept 2011

Posted by Schlatz in Simon Rattle

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Berliner Philharmoniker

Es regnet. Ich kann Ihnen sagen, in Berlin regnet es, was das Zeug hält. Es regnet so, wie es in Opern nie regnen würde. Selbst im Parsifal an der Staatsoper regnet es nicht so viel Gold vom Bühnenhimmel, wie in Berlin Regen vom Himmel. Man kann auch sagen, der Regen habe „Richard Wagnerische ‚Breite’“, um Richard Strauss zu zitieren. Die Luft ist so feucht, dass sich das Saisonheft der Staatsoper, das auf dem Tisch liegt, wellt. Weiterlesen →

Die besten Konzerte der Berliner Philharmoniker und andere Kleinigkeiten aus der Berliner Philharmonie

01 Donnerstag Sept 2011

Posted by Schlatz in Christian Thielemann, Gidon Kremer

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Berliner Philharmoniker

Saison zu Ende, Stress vorbei. Einmal geht’s noch in die Staatsoper, um Hosokawas Matzukaze hören, und eventuell Henzes Phaedra. Weiterlesen →

Staatsoper Berlin: Plácido Domingo sagt Ja, ick komme

01 Donnerstag Sept 2011

Posted by Schlatz in Anna Netrebko, Anne-Sophie Mutter

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Barenboim und Flimm geben verstärkten Anlass, die Staatsoper zu lieben. Nicht dass man es gegenüber der Staatsoper – vom Generalmusikdirektoren bis hin zu den Türöffnern – an Zuneigung fehlen lassen würde. Doch ich hatte vor, meine Zuneigung während der Spielzeiten im Schillertheater platonisch werden zu lassen, um sofort nach der Rückkehr Unter den Linden wieder mit der praktischen Zuneigung weiterzumachen.

Ich sagte mir: Nee, das machste nicht mit. Oper im Schillertheater? Nee. Die Eliminierung der untersten drei Preiskategorien nach dem Umzug ins Schillertheater? Schlimm. Der weite Anreiseweg ins ferne Charlottenburg? Indiskutabel. Ich sagte: Ich warte drei Jahre. Barenboim macht Walküre? Hör ich mir dann in der renovierten Staatsoper Unter den Linden an. Unter den Linden höre ich vom Rang von der Staatskapelle doppelt so viel wie im holzvertäfelten Parkett des Schillertheaters. Gehe ich halt öfters, sag ich mir, zu den Philharmonikern, und zwar nicht nur, wenn Rattle dirigiert, sondern auch wenn Haitink, ja, und sogar, wenn Thielemann dirigiert. Aber es kommt ja erstens immer anders und zweitens als man denkt.

Dann hat der Flimm mit dem Barenboim noch dieses gertenschlanke, aufregende Festival für Musiktheater der Gegenwart mit Namen Infektion auf die Beine gestellt. Nicht schlecht. Vor kurzem hörte ich Hosokawas Matzukaze und Henzes gloriose Phaedra.

Jaja, der Flimm.

Auch das Programmheft hat was. Das Saisonheft der DOB ist im Vergleich ein, optisch gesehen und banausenhaft formuliert, ranziger Schinken. Und die Berliner Philharmoniker schwören in ihrem 2011/2012er-Hefterl auf biedere Langeweile.

Der Spielplan scheint mit Bedacht ausgedünnt. Dafür steigern Flimm und Barenboim den Öchsle-Grad, was die Promis angeht.

Zuerst die Dirigenten. Einfach zum Zungeschnalzen. Es fehlt nur noch, dass Barenboim den Thielemann an die Staatsoper lotst. Also…

Barenboim dirigiert endlich einmal wieder den Figaro. Jipieeh. Ich träume schon von der Ouvertüre. Rattle, der Treueste der Treuen, dirigiert Aus einem Totenhaus. Great. Rattle dirigiert L’Etoile. Ein Freude! Metzmacher dirigiert Al Gran Sole Carico d’Amore. Sehr gut. Metzmacher dirigiert Dionysos (Rihm). Jawoll. Andris Nelsons dirigiert Madama Butterfly. Ja. Barenboim übernimmt von Gustavo Dudamel wieder den Don Giovanni. Sehr schön.

Und dann… Was soll man zu den Besetzungen sagen?

"Wer besser singt als ich, möge sich unverzüglich erheben" - Plácido Domingo an der Staatsoper Berlin // Foto: Monika Rittershaus / staatsoper-berlin.de

Plácido Domingo, den alten Herzensbrecher, höre ich immer gerne (Simone Boccanegra). Anna Netrebko, die Diva mit einem Anflug von Molligkeit, ebenso (Donna Anna). Rolando Villazón ebenso (Nemorino). Anja Harteros ist immer willkommen (Simone Boccanegra). Dorothea Röschmann, eine unvergleichliche Eva in Barenboims Meistersingern, singt Gräfin und Donna Elvira, sehr schön. Edita Gruberova singt Norma. Christine Schäfer singt Violetta, Cherubino (mmhhh…), Konstanze (mmmhhhhhh…). Magdalena Kozena singt das Liedchen Je suis Lazuli (L’Etoile). René Pape singt Wotan (Rheingold, Walküre). Vesselina Kasarova und Pavol Breslik singen Graun (Montezuma). Jonas Kaufmann, der Mann mit dem Gesicht eines Apoll und der Stimme eines Gigolos, singt Liszt (mit der Staatskapelle). Anne-Sophie Mutter geigt, Hilary Hahn auch (Staatskapelle), Pollini konzertiert vier Mal bei der Staatsoper. Schade, dass Sylvia Schwartz nicht mehr zum Ensemble zählt. Sie ist jetzt in Wien. Sylvia Schwartz‘ Sophie wie sie zusammen mit Magdalena Kozenas Octavian den zweiten Rosenkavalierakt singt, sind unvergesslich.

Bei einer solchen Anhäufung von Prominenz und Renomée würde es nicht verwundern, wenn Lang Lang die Seccorezitative im Don Giovanni begleiten würde.

Festtage Berlin: Dorothea Röschmann hüpft, Katharina Kammerloher auch, Barenboim dirigiert

01 Donnerstag Sept 2011

Posted by Schlatz in Burkhard Fritz, Daniel Barenboim, Dorothea Röschmann, Hanno Müller-Brachmann, Roman Trekel

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Festtage 2008 MEISTERSINGER Daniel Barenboim Harry Kupfer René Pape Dorothea Röschmann James Morris Katharina Kammerloher Roman Trekel Paul O’Neill Burkhard Fritz Hanno Müller-Brachmann Florian Hoffmann

Meistersinger Montag, 24. 3. 2008. Und noch ein drittes Mal. Am Tag danach wünscht man sich Streicher, Hörner, Posaunen, Piano, Forte, Blumen und Bänder, Röschmann und Trekel, alle zurück. Man will Hanno Müller-Brachmann sehen, wie er, ganz Kothner, Tintenfass, Karaffe und Wasserglas auf seinem Tisch stets aufs Neue mit mathematischer Genauigkeit anordnet, wie er die Brille abnimmt, wie er sich mit einer Bewegung tiefsten Tadels umdreht, wie er vom Stuhl fliegt, als Burkhard Fritz sein „Fanget an“ herausposaunt. Und Dorothea Röschmann, die im Gleichtakt mit Katharina Kammerloher (Beginn 1. Akt) unvergleichlich zum nächstgelegenen Kirchenpfeiler hüpft, als sie einen engen Schuh vorschützt. Und Dorothea Röschmann (sang heute etwas leiser als in den vorangegangenen Aufführungen), die auf der Festwiese auf dem Thron sitzt wie die Königin von Saba bei Tiepolo. Weiterlesen →

Staatsopern-Blech, Dorothea Röschmann und Barenboim-Meistersinger in Berlin

01 Donnerstag Sept 2011

Posted by Schlatz in Burkhard Fritz, Daniel Barenboim, Dorothea Röschmann, Hanno Müller-Brachmann, René Pape

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Staatskapelle Berlin

Festtage 2008 Meistersinger Daniel Barenboim Harry Kupfer René Pape Dorothea Röschmann James Morris Katharina Kammerloher Roman Trekel Paul O’Neill Burkhard Fritz Hanno Müller-Brachmann Florian Hoffmann

Meistersinger Wagner Berlin Staatsoper
Hanno Müller-Brachmann und René Pape beim Pläuschchen // Foto: Monika Rittershaus / staatsoper-berlin.de

Meistersinger Mittwoch, 19. 3. 2008. Die zweite Aufführung innerhalb der Festtage 2008 war nur halbwegs voll, das Parkett erst im dritten Akt gefüllt. Berlin ist eben keine Opernstadt wie München oder Stuttgart (wie toll waren die Meistersinger von Neuenfels). James Morris (Sachs) hatte einen besseren Abend. Morris‘ Bass parliert frisch von der Leber, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, würde Sachs hier wohl sagen – lässt sich auf der anderen Seite jedoch von der gestisch alles wagenden Staatskapelle wie’s scheint nicht aus der Ruhe bringen. Burkhard Fritz als Stolzing: konzentriertes und leicht ansprechendes Piano, in Gesang verwandelte Sprache, im Spiel auf der Bühne etwas stereotyp. Das Blech zerlegt die Posaunen- und Hörnerpracht der Partitur in seine Einzelteile und setzt diese mit wahrem Erfindermut wieder zusammen, die Oboen parlieren, und auch die Klarinetten reden unverstellt. Die Sprachfähigkeit der Staatskapelle unter Barenboim ist ungebrochen. Was bleibt unvergessen? Der Absturz der Streicher vor dem Tanz auf der Festwiese, die saugende Schlagkraft des Orchesters im ff des Hauptthemas, Triebkraft und Singen der Streicher, die deutlich abgesetzten dynamischen Stufen in der Aufwärtsskala des Hauptthemas im ff. Dorothea Röschmann („Selig wie die Sonne…“) macht glücklich. Hanno Müller-Brachmann ist umwerfend, eine seiner besten Porträts. Florian Hoffmann ist ein schmaler, vifer David.

Kritik Meistersinger Berlin: gut.

Festtage Berlin Staatsoper: Meistersinger mit Daniel Barenboim, Dorothea Röschmann, Roman Trekel, René Pape, Burkhard Fritz, James Morris

01 Donnerstag Sept 2011

Posted by Schlatz in Burkhard Fritz, Daniel Barenboim, Dorothea Röschmann, Hanno Müller-Brachmann, Katharina Kammerloher, René Pape, Roman Trekel

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Festtage 2008 Meistersinger Daniel Barenboim Harry Kupfer René Pape Dorothea Röschmann James Morris Katharina Kammerloher Roman Trekel Paul O’Neill Burkhard Fritz Hanno Müller-Brachmann Florian Hoffmann

Dorothea Röschmann Meistersinger Berlin Unter den Linden Barenboim
Dorothea Röschmann: blaue Stunde in der Staatsoper // Foto: Monika Rittershaus / staatsoper-berlin.de

Barenboims Meistersinger am Sonntag, 16. 3. 2008. Festtage 2008. Zehn oder neun Jahre lang keine Meistersinger gehört – ich gestehe es. Man merkt, dass die Partitur kein diatonisches Zuckerschlecken ist, die Meistersinger fordern polyphonen Ohreneinsatz. Die Behäbigkeit der Musik ist glänzend-genial, die Behäbigkeit der Charaktere ist eine andere Sache. Doch Eva (Dorothea Röschmann) und Beckmesser, weniger der bieder-pompöse Hans Sachs, sind Genietaten Wagners. Man merkt es: Das von Wagner komisch Gedachte ist heutzutage tragisch, das von Wagner rein Intendierte komisch. Beckmesser (Roman Trekel) ist der geheime Held. Wie fühlt man mit dem tragischen „Beckmesser, keiner besser“ mit. Der dritte Akt ist der schönste und zusammenhängendste, den Wagner schrieb.

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Deutsche Oper – warum nicht? Ja, warum denn nicht?

01 Montag Aug 2011

Posted by Schlatz in Gustavo Dudamel, Philippe Jordan, Zubin Mehta

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Deutsche Oper Berlin

Man mag 1000 gute Gründe dafür haben, ein treuer, wohlwollender und zufriedener Besucher der Deutschen Oper an der Bismarckstraße zu sein. Es gibt zumindest einen Grund für mich, kein treuer, wohlwollender und zufriedener Besucher zu sein. Dieser Grund sind die Dirigenten. Wenn man das x-te Mal in seinem Leben einen Tristan hört, will man ein Dirigent und ein Orchester hören, das ein gewisses Extra bietet, einen ästhetischen Mehrwert, also mehr als eine übersichtliche Abfolge des musikalischen Geschehens. Ich habe an der Deutschen Oper einen Tristan gehört, der von Pinchas Steinberg so haarsträubend übersichtlich dirigiert wurde, dass mein Opernglas seinen Geist aufgab. Seitdem weigere ich mich beharrlich, Wagner in der Deutschen Oper zu hören.

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Eugen Onegin zum Dritten

25 Montag Jul 2011

Posted by Schlatz in Rolando Villazón

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Die dritte Vorstellung des Eugen Onegin der Festtage 2010. Das Orchester nun, am Freitag und Mittwoch von Barenboim aus Rücksicht auf Villazón noch gebändigt, nochmals lauter. Villazón heute mit einer Form, die an seine beste vor knapp vier Jahren zumindest anknüpft. Wieder fand ich ‚Kuda, kuda‘ besser als die Ballszene – 2008 war es genau anders herum.

Rolando Villazón in Berlin: Rolando, ick hör dir trapsen. Und Anna Samuil, Artur Rucinski, René Pape, Maria Gortsevskaya

25 Montag Jul 2011

Posted by Schlatz in Daniel Barenboim, René Pape, Rolando Villazón

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Festtage 2010 EUGEN ONEGIN Daniel Barenboim Achim Freyer Anna Samuil Artur Rucinski Rolando Villazón René Pape Maria Gortsevskaya Margarita Nekrasova Stephan Rügamer

"Mann, typisch Regietheater! Lange schaff ick ditt nich' mehr mit dem Arme hochhalten..." Rolando Villazón als Lenski // Foto: Monika Rittershaus / staatsoper-berlin.de

Die zweite Vorstellung von Freyers Eugen Onegin, in dem es nichts, aber auch gar nichts zu lachen gibt. Für die Zuschauer, meine ich. Für die Zuhörer gab es etwas zu lachen, doch ehrlich gesagt erst nach der Pause. Zuvor trapste Rolando Villazón erneut gerade so durch den Lenski wie ein Blinder durch die Friedrichstraße samstags um halb vier. Ständig dachte ich: Rolando, ick hör dir trapsen. Die Pause verbrachte ich mit unguten Gedanken. Viele Österreicher und Münchener in den Wandelgängen. Doch dann geschah das Unerwartete: Villazóns ‚Kuda, kuda‘ hatte wieder Biss, die Stimme Kraft, Villazón gestaltete wieder und verwaltete nicht mehr (nämlich seine Stimmschlaglöcher). Es war wie eine Auferstehung. Noch etwas wackelig, doch ein deutliches Lebenszeichen. Beifall, auch die Orchestermusiker lächeln wie befreit. Seltsam: heute kam mir Freyers Brutalo-Kargheit vital und anregend vor, so dass ich aus dem Loch der Langweile, in das die Inszenierung mich am Freitag stürzte, munter wieder hinauskletterte.

Barenboim rückte heuer von der Feier der äußersten Kargheit, so am Freitag zelebriert, etwas ab. Die Staatskapelle spielte um weniges lauter. Stellenweise jedoch von bis zum Äußersten gesteigerter Behutsamkeit. Erwähnenswert in dieser Hinsicht insbesondere die von unverhohlenster Traurigkeit und Zartheit sprechenden, aufsteigenden Streicherschlenzer der Greminarie (René Pape). Werde ich mich in zehn Jahren noch dran erinnern.

Die bemerkenswert inwendige Gebrochenheit, die Barenboims Onegin an den Festtagen hat, hat fast was Kammermusikalisches. Auch Pelléas et Melisande schien plötzlich nicht mehr fern. Rolando Villazón sang ein das Seelische bis auf den Grund offenelegendes ‚Ty menja ne liubish‘. Es erfüllte vollkommen die Anforderungen, die man gewöhnlich an etwas stellt, das herzerreißend ist. Auch daran werde ich mich erinnern.

Maurizio Pollini Kritik: Chopin, Boulez

25 Montag Jul 2011

Posted by Schlatz in Maurizio Pollini

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Festtage 2010. Pollinis Chopin bewegt sich stets auf dem Grat, auf dessen linker Seite der Klassizismus und auf dessen rechter Seite der aggressive Röntgenblick drohen. Ich fand die Nocturnes im Januar besser. Debussys beschreibender Impressionismus (Auswahl aus Préludes) ist, ehrlich gesagt, nicht ganz meine Sache, hier liegt der Fall vor, dass man gegen seinen Willen zum Träumen gezwungen wird, auf eine charmante Weise zwar, aber ich merke bei diesem Anlass doch stets aufs Neue, dass mich versunkene Kathedralen noch weniger interessieren als der Drache im Siegfried. Die Zweite Sonate von Pierre Boulez war der Höhepunkt. Ich habe selten komplexere und kraftvollere Klaviermusik gehört. Auf einmal sehe ich in der vorletzten Reihe von Block A jemanden, der die Notations in der Partitur mitliest. Jessas, wer macht so was denn? Es ist Daniel Barenboim. Er liest unorthodox, blättert vor und wieder zurück. Erst beim Schlussapplaus bemerkt man Boulez zwei Reihen davor. Als Boulez, kurz vor dem 85. stehend, sich aus dem Sitz erheben will und es im ersten Anlauf nicht schafft, springt Barenboim auf und hilft Boulez auf die Beine. Es ist rührend, zwei so gut erzogene, scheue und zutiefst höfliche Menschen wie Pollini und Boulez zusammen auf der Bühne stehen sehen und sich gegenseitig beklatschen zu sehen. Unter diesen Umständen war eine Zugabe kein nicht geplant und nicht erwartet.

Barenboim, Bruckner Sinfonie Nr. 8, Staatskapelle Berlin

25 Montag Jul 2011

Posted by Schlatz in Daniel Barenboim, Ein Überlebender aus Warschau, Hanno Müller-Brachmann

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Staatskapelle Berlin

Er kann’s halt. Barenboim in Aktion // Foto: Monika Rittershaus / Quelle: staatsoper-berlin.de

Staatskapelle Berlin – Daniel Barenboim: Bruckner Sinfonie Nr. 8 Schönberg Überlebender aus Warschau

Kritik Daniel Barenboim. Er dirigierte Bruckners 8. Sinfonie. Der Beginn ist wie immer, wenn Barenboim die Staatskapelle Berlin dirigiert, etwas unkoordiniert und zentrifugal. Das Tempo ist gleitend und sehr beweglich. Erst der Durchbruch zur Coda ist bei Barenboim allerhöchstes Niveau, sozusagen schwerer sinfonischer, dynamischer Sturm. Der Eindruck ist, dass Barenboim das Allegro moderato im Stil einer Symphonischen Etüde nimmt, etwas improvisatorisch angehaucht sozusagen und sehr emphatisch. Das Des-Dur-Adagio gelang Barenboim überwältigend, die Massen bändigend und befreiend, stellenweise tränentreibend, vor allem wegen des drängend bewegten Blechs, der instinktiven Gestik der bis ins Äußerste lebhaften Holzbläsersoli, wegen des die Bewegungen der Motivstrukturen weitertragenden Atems der Streicher. Das Anschwellen und Abschwellen, der pure Prozess dieser Musik, das Auf- und Absteigen der Figurationen, die Kraft zur Vereinheitlichung über Phrasen und Abschnitte hinweg, die äußerste Konzentration ergaben die Form des Satzes. Wie öfter bei außerordentlichen Konzerten ist die Staatskapelle unter Barenboim von subtilster Sprachfähigkeit. Es gibt wirkungsvolle Generalpausen, die das Vorangegangene abbilden und den Raum für das Folgende schaffen. An reiner Musikalität, an lebhaftem musikalischem Instinkt ist Barenboim als Dirigent womöglich unübertroffen. Auch das Finale war eindrucksvoll. Heftiger Paukenwirbel unter dem ganzen Körpereinsatz des Paukisten, der zum Schlussakkord hinleitet. Barenboim dirigiert, als spiele er mit 40 Fingern Klavier. Die Souveränität Barenboims in der Kunst des rhapsodischen, kunstlosen Phrasierens ist bis in Details der Artikulation bei Solostellen präsent. Vor der Pause Schönbergs Überlebender aus Warschau, gesungen und gesprochen von Hanno Müller-Brachmann.

Jawoll! Daniel Harding & das London Symphony Orchestra in Berlin

25 Montag Jul 2011

Posted by Schlatz in Daniel Harding

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Konzertbericht Musikfest Berlin 08. Ein spannendes Konzert. Was bleibt hängen? Die aus schierer Sensibilität nuschelnden Streicher des London Symphony Orchestra bei mehrsträngigen Streicherpassagen. Bei Bruckner das enorm rasche Tempo, was zu einem überraschenden Schwung führte. Sehr gute Trompetenbatterie. Sehr gutes Solohorn im Bruckner-Scherzo mit aberwitzigem Wechsel von Forte zu Piano auf kleinstem Raum. Fassung von 1874. Der Einstieg in den Kopfsatz ist beim LSO so rasch, dass man es zuerst nicht glaubt. Die Quarten- und Quintenzüge der Hörner des Themas gelangen unglaublich rein. Die beeindruckende Raschheit des Orchesters fügt der Interpretation im ersten Satz eine Prise Mendelssohn-Bartholdy, wenn nicht gar einen Haydnschen Schwung, hinzu. Das zweite Thema tänzelt – ja, grüß di Gott.

In der Durchführung wurde ein Durcheinander durchgeführt, das zwar planlos aber überzeugend klang. Wenn die Streicher nur a bissl mehr Temperament hätten. Nuscheln tun sie grandios souverän, im stimmteilenden Verbund (Tremoli, Figurationen, kleine Gesten) waren sie wie gesagt hinreißend. Man konnte nicht anders als grinsen, so gut waren sie. Doch das Streicher-Unisono lässt Temperament vermissen. Flöten, Klarinettten, Oboen sind höflich gesprochen der unauffälligste Teil des London Symphony Orchestra. Weiterlesen →

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