Gielen, Staatskapelle Berlin, Bruckner 5. Sinfonie: Michael Gielen serviert Thielemann ganz locker ab

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STAATSKAPELLE BERLIN MICHAEL GIELEN CHRISTINE SCHÄFER Reimann Finite Infinity Bruckner Sinfonie Nr. 5

Konzertbericht. Gielen serviert Thielemann in Sachen Bruckner ganz locker ab. Die Achte unter Christian Thielemann mit den Wiener Philharmonikern war von vorne bis hinten eine zähe Sache.  Michael Gielen ist 80, hoffentlich wird er 150. Gielen dirigierte die Fünfte Symphonie Anton Bruckners, deren Mittelsätze Gielen dramatisch und konstruktiv im Sinne einer höchsten Richtigkeit dirigierte. Der langsame Satz gelang zum Heulen schön, langgezogen, auf- und abschwingend, haltlos in seiner exakten, einer unglaublichen Musikalität geschuldeten Haltung. Die Ecksätze hatten nicht ganz die Höhe, die Abläufe kamen heuer mit der Staatskapelle Berlin nicht so souverän wie bei den von den Philharmonikern gebotenen Bruckner-Symphonien. Doch das Finale lebte vom Nachzittern der Mittelsätze. Der Tanzsatz lebte in allen Fasern und kam zäh-elastisch bis in die kleinste Auf- und Abwärtsbewegung rüber. Die Begegnung mit Aribert Reimanns Finite Infinity war eine Wohltat nach den einen leichten Nachgeschmack des Überflüssigen hin und wieder nicht vermeidenden zeitgenössischen Sachen, die Simon Rattle gerne in seine Programme aufnimmt. Christine Schäfer sang… aufopferungsvoll, hochkarätig.

Alfred Brendel abends nach dem Rotwein

Konzertbericht. Alfred Brendel spielt jedes Jahr Mozart, Schubert, Beethoven, Haydn. 2007 spielte Alfred Brendel Haydn (na ja, nicht schlecht), Beethoven (trocken, etwas klimpernd, intellektuell verspielt, etüdenhaft), Schubert (so retrospektiv, wie abends nach dem Rotwein), Mozart (rasselnd, schwebend, dramatisch, genial gepfeilt). Brendel sitzt mit wackelndem Kopf am Flügel, als gebückter Greis hoppelt und schlurft er über das Podium. Es ist ein Wunder, dass man das Schleifen der Lackschuhe nicht hört. Seine Konzerte sind auf eine gewisse Art ein Spiegel seines schlotternden Greisentums. Sie sind sprunghaft in der Qualität, und erstaunlich in den Enttäuschungen (Beethoven) als auch in den Überraschungen (Mozart).

Rattle dirigiert Haydn, die Berliner Philharmoniker spielen Haydn und dennoch Rätsel über Rätsel

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Berliner Philharmoniker – Simon Rattle: Haydn Sinfonien Nr. 91 & 92, Sinfonia Concertante

Konzertbericht. Rattles Haydn-Zyklus umfasste sechs Sinfonien und die Schöpfung. Das besuchte Konzert lief so vor sich hin. Es gab einige schöne Stellen. Doch kein Entzücken. Man weiß nie genau, ob es an Haydn liegt, an Robert Schumann, an unglücklichen Verknüpfungen zwischen Realität und Musik, oder an Rattle. Simon Rattle dirigiert sehr genau, und durchaus nicht geheimnislos. Die spektakulären Stellen sind ohne Zweifel die kurzen Phasen überfallsartiger thematischer Verdichtung und mehrfacher Linienführung in den Ecksätzen. Doch Rattle macht mehr. Er dirigiert ernste Musik, deren makellose Konstruktion man an vielen Stellen mit einem Zungeschnalzen zur Kenntnis nimmt. Rattle gibt Einsätze mit einem offenem Lächeln, nachdem er mit geschlossenen Augen und seltsamen Grimassen Moll-Passagen spielen ließ. Trotzdem unbefriedigend, warum weiß ich auch nicht. Die beiden Konzerte kamen kurz danach auf CD raus, und von der Scheibe gefiel mir Rattles Haydn vom ersten Takt an. Rätsel über Rätsel.

Silvesterkonzert Berlin: Mitsuko Uchida, Camilla Nylund, Laura Aikin, Stella Doufexis

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Mozart liegt Simon Rattle vielleicht nicht, vielleicht liegt Simon Rattle auch Mozart nicht. Im Silvesterkonzert 2006 gab es Mozarts d-moll-Klavierkonzert, ein Werk grenzenloser kompositorischer Kühnheiten. Der Mittelsatz öde, auch der Rest gelingt so a weng dösig, es herrscht eine Art BMW-3er-Reihe-Gefühl. Zu allgemein, weder linear, noch geballt, weder abgründig schön, noch prekär verkühlt. Zwei Stellen (in Exposition und Durchführung) waren jedoch auf überwältigende Weise mit Dramatik und Polyphonie angefüllt – 10 Sekunden Musi vom anderen Stern. Mitsuko Uchida am Klavier tat es Rattle nach, nur dass sie die 10 Sekunden auch noch weggelassen hat. Uchida kann keine zwei Akzente hintereinander setzen, das schafft sie einfach nicht. Alles fließt, und nie kommt sie zu Potte.
Dann das Terzett und Finale aus dem Rosenkavalier (Camilla Nylund, Laura Aikin, Magdalena Kozena). Ich war nie für Opernauszüge auf Konzertpodien. Entweder die ganze Oper konzertant oder nichts. Nylund, Aikin und, halt! nicht Kozena sang, sondern Stella Doufexis, sangen mit der gebotenen Frische. Ein Rosenkavalierfinale im Konzertsaal ist und bleibt dekadent. Dann schon lieber die Fledermausouvertüre und direkt danach die Diebische Elster.

Gidon Kremers Berliner Konzert: Technik, Gefühl und eine kaltschnäuzige Anne-Sophie Mutter

Heute Kremer und Argerich, am folgenden Tag das Emerson String Quartet im Kammermusiksaal. Gidon Kremer war das Gegenbeispiel zu Anne-Sophie Mutter. Kremer, immer noch ein hagerer, schlaksiger Geiger mit schütterem Haar und Pullover, neigt zu grotesken Körperbewegungen, zu Wippen und Schräglegen des Oberkörpers, zu Ausfallschritten, zu Sprüngen, wo Anne-Sophie Mutter sich in heftiger Konzentation nur auf einem Raum bewegt, der mit zwei, drei Handspannen ausgemessen werden kann. Es war ein umwerfender Abend. Am Flügel Martha Argerich, die solo Schumann spielte, für meinen Geschmack zu verschlafen, zu mütterlich, zu kaminhaft. Er hat mehr Töne als Anne-Sophie Mutter. Er zeigt seine Souveränität. Was er an kaltem oder monumentalem Ausdruck hat, fließt in einen Vortrag ein, der alles hat: eminente Technik, hinreißendes Gefühl, schneidende Virtuosität, äußerste Musikalität. Anne-Sophie Mutter lässt die Hörer ab und an außen vor. Sie verfügt über kaltschnäuzige Souveränität, Kremer über werbende Souveränität, wenn auch über eine ähnlich einsame.

Vengerov

Maxim Vengerovs Violinspiel ist nicht überwältigend, doch durch und durch exzellent, wenn man den Unterschied versteht. Vengerov katapultiert nicht in die Stratosphäre, in der seit je dünn atmen ist, wie Anne-Sophie Mutter dies tut, sondern hält den Hörer in den robusteren Bereichen der Musik. Die Stücke von Schostakowitsch waren schlechthin perfekt. Satter, körperlicher, leicht baritonaler, beweglicher Ton. Bereitschaft zum Äußersten. Die Philharmonie war nur gut zur Hälfte gefüllt. Deshalb nach der Pause in der ersten Reihe gesessen.

Die Berliner Philharmoniker mit Charles Mackerras oder: Wir von Rattle traumatisierte Zuhörer

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Berliner Philharmoniker Charles Mackerras Mozart Posthornserenade Schostakowitsch 9. Sinfonie

Schostakowitschs Neunte war einen Tick zu beschwingt, bei Mozart paarte sich technische Perfektion mit leichter Verunsicherung über Sinn und Zweck der Serenade. Ein Konzert, dessen eingehende Kritik wegen innerer Ereignislosigkeit schwer fällt. Nee. So sind wir, wir von Rattle traumatisierte, von Barenboim narkotisierte, von Dudamel elektrisierte Zuhörer.

Anne-Sophie Mutter: Mozart-Sonaten, Berlin-Konzert

Anne-Sophie Mutter spielte Mozarts Violinsonaten verklemmt und paranoid aber äußerst genial. Ihre Attitüde aus Disziplin und haarsträubendem Eigensinn besagt: Die Violinsonaten von Mozart gehören mir, mir, mir. Ihr Prinzip scheint mir zu sein: Höchste Aufmerksamkeit von den Hörern zu erzwingen, Erlösung in Schönheit kategorisch zu verbieten. Deswegen ist sie groß. Die Attitüde Anne-Sophie Mutters ist natürlich eine, die alles Attitüdenhafte aus Mozart auslöscht. Sie macht ungeheuer gute Musik. Mozart erklingt als konstruktiv durchtriebene Gehirngeburt. Die Mozartsonaten erlangen eine unverstellte, komplizierte Kühnheit.

Sie kann sich konzentrieren wie sonst nur Simon Rattle. Anne-Sophie Mutters Kleid hätte Hugo von Hofmannsthals Frau beim Staatsopernbesuch gut gestanden. Der Applaus war zu Beginn freundlich und groopiehaft, zu Ende erschöpft und leicht ratlos. Nach dem Konzert signierte sie. Sie ist älter geworden. Falten im Gesicht. Man sah Fans, die ganze CD-Sammlungen mit Autogrammen beschriften ließen. Anne-Sophie Mutters Partner Lambert Okis ist in meinen Ohren, um es mit der Vorsicht auszudrücken, die sein Spiel kennzeichnet, ein sehr leisetreterischer Pianist.

Kritik Anne-Sophie Mutter Berlin: speziell, aber großartig

Rattle & Philharmoniker: Bruckner Sinfonie Nr. 4, Schumann Sinfonie Nr. 3

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Berliner Philharmoniker – Simon Rattle: Bruckner Sinfonie Nr. 4, Schumann Sinfonie Nr. 3

Bericht Berliner Philharmoniker. In der ersten Hälfte gab es Robert Schumann Vierte Symphonie, die den gleichen Eindruck wie Beethoven V, 1 machte: abartig tumultuarisch, nicht ganz fassbar, von versessener Eile, mit einem kräftigen Schuss genialer Wirrheit. Simon Rattle live in Reinkultur. In der zweiten Konzerthälfte hörte man die 4. Symphonie Bruckners mit traumhaften, intensiven Stellen in den Binnensätzen, stellenweise grandios im Scherzo, das kaum besser vorzustellen war. Der langsame Satz schien unüberbietbar. Das Scherzo in der lockeren Setzung schon der Anfangstakte, der entzückenden Verdichtung der Horn-Signale, mit einem Nonlegato gespielt, mit einer grandiosen Wärme der melodischen Entwicklung entwickelt, dass es kaum je Besseres gab. Eine derart hinreißend gelockerte Fügung der Orchesterfaktur, eine derart exemplarische Ausgewogenheit von Klang und Struktur hört man selten. Prächtig zergliederte Klangeinheit.
In der kreisenden Intensität des melodischen Fortgangs, in der druchdringenden Phrasierung im zweiten Satz war man schlechthin auf unüberbietbarem Niveau. Wer hörte, wie Christian Thielemann Bruckners 8. versteinerte und Zubin Mehta Mahlers 7. in Aspik legte, nickte mit dem Kopf und brummte Zustimmendes. Im ersten und vierten Satz setzte Simon Rattle auf eine unpathetische Lesart. Kurzum, es waren rattle-typische Ecksätze zu hören. Sich unhierarchisch durchdringender Klang, etwas vorlaute ff, detailreiche Phrasierung, sehr produktive Solostellen, Verwischung der Trennlinien zwischen den thematischen und unthematischen Partien, eine Klangkontinuität, die über die Herrschaft des Taktes hinwegfließt – so in etwa war das. Eine nicht ganz so fein die orchestrale Textur durchleuchtende Interpretation wie von Abbado gewohnt, dafür eine in sozusagen protestantisch willensstarke Durcharbeitung.

Kritik Simon Rattle Bruckner, Schumann: hohe Höhen und tiefe Tiefen in einem Konzert

Simon Rattle, Berliner Philharmoniker mit Beethoven Sinfonie Nr. 5 & Strawinsky Agon

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Berliner Philharmoniker Simon Rattle: Berlioz Roméo et Juliette Beethoven Sinfonie Nr. 5 Strawinsky Agon

Mächtigen Schwung vom Podium gab es im September 2006 bei Beethoven Symphonie Nr. 5 letzter Satz. Das Finale schwingt Simon Rattle wie eine Keule. Man hört leider zehn Dvořak-Symphonien im Jahr und nur eine Beethoven-Symphonie. Beethoven ist bei Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern schnell, schmutzig, wirr, massiv. Es ist Nachbrenner-Musik, ein Beethoven mit geballter Kraft, aber logisch und sinnvoll (das ist wichtig: logische Kraft). Eine skeptische Kritik kann hier kein Haar, aber einen ganzen Haarschopf in der Suppe finden. Oder ein Haar für einen ganzen Schopf halten. Rattle liegt nicht der stringente Weg von A nach B. Wahrscheinlich ist, dass er ihn nicht im besonderen Maße interessiert. Rattle macht aus der Sonatensatzlogik ein halsbrecherisches Wagnis, postanalytisch und von verwischter Klarheit.

Der Eindruck war von etwas Unvergleichlichem. Im ersten Satz der Fünften Symphonie war nicht mehr ganz logische Kraft, ein Tick Unverdautes war dabei Der zweite Satz klang wie Pflichtübung, Gallia est omnis divisa… Die langsamen Beethoven-Sätze (und Mozart-Sätze) scheinen schwieriger als Bartók und Schostakowitsch. Das Finale schoss heiß, unkoordiniert, das Orientierungsbedürfnis der Hörer verhöhnend daher. So viel Musik auf einen Haufen habe ich noch nie gehört. Wieder der Eindruck: sehr schnell vorbeigegangen, das Ganze. Aber explosiv in der Wirkung. Etwas, mit dem man nicht fertig wird. Das Beste war Strawinskys Agon. Simon Rattle dirigierte aberwitzig unverschmutzt im Klang, absolut trocken, Rattle der Souveränste der Souveränen (kleines Tristan-Zitat). Agon hat er zart und atemberaubend und gedankenverdrehend schön gemacht.

Simon Rattle, Berliner Philharmoniker: Rheingold

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AKTUELL: RATTLE DIRIGIERT RHEINGOLD AN DER DEUTSCHEN OPER

Richard Wagners Rheingold: Das Orchester schien souverän, dafür jedoch nicht engagiert, oder besser gesagt, verstrickt, oder noch besser, verfallen genug, um einen großen Abend zu gewährleisten. Es soll ja Leute geben, die hören gerne Opern konzertang. Ich konnte mich nicht entscheiden, ob ich den Philharmonikern, Simon Rattle oder Richard Wagner zuhören sollte. Die Stimmen der Sänger hingen irgendwo zwischen Akustiksegeln und Blech. Dieses Rheingold hatte einen leichten Stallgeruch, nämlich den von Pflichtübung. Warum macht Rattle nicht zu jedem Saisonschluss einen ganzen Parsifal konzertant – wenn konzertant schon sein muss? Die Leute würden ihm die Bude einrennen. Oder meinetwegen Verdi? Man denke sich Fliegender Holländer oder Otello von Rattle. Ende der Saison 2007/2008 gibt es einen Akt Siegfried. EINEN Akt? Was soll ich mit einem Akt anfangen? Willard W. White Wotan, Lilli Paasikivi Fricka, Detlef Roth Donner, Robert Gambill Loge, Dale Duesing Alberich, Burkhard Ulrich Mime.

Kritik Simon Rattle Berliner Philharmoniker: Geht so

DSO und Kent Nagano: Beethoven Missa Solemnis

Eine brennende, sehr genaue, die Härte des Architektonischen betonende, doch nicht übertreibende Interpretation von Kent Nagano, dessen letztes Konzert als Chefdirigent des Deutschen Sinfonie Orchesters dies war. Leider wechselt Nagano an die Bayerische Staatsoper nach München. Wieso hat sich die Deutsche Oper Berlin Nagano nicht geangelt? Es war strukturelles Feuer, eine wohltätige Trockenheit, aber auch Bereitschaft zum Aushalten der Kontraste in dieser Wiedergabe. Es war fordernd für Zuhörende und Orchester. Bei der Missa Solemnis geht es für erstere ums Über-, nicht ums Verstehen. Der Herr an der Pauke leistete Übermenschliches. Anne Schwanewilms sang den Sopranpart.

Berliner Philharmoniker, Claudio Abbado: Schumann Manfred & Anne Sofie von Otter

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Berliner Philharmoniker Wagner Wesendonck-Lieder Schumann Manfred

Abbado dirigierte nach den zwei Mahlersinfonien der Jahre 2004 und 2005 Schumanns Manfred. Schumanns wen? fragte nach ersten Mutmaßungen der gesamte Block A, in dem bekanntermaßen die ausgewiesenen Liebhaber der Frühlingssinfonie sitzen. „Ach nee, also…“, sagte der Herr, der neben mir nach dem Konzert auf an der Garderobe auf seinen Mantel wartete. Genau so war es. Doch das Problem hieß nicht eigentlich Manfred, sondern Melodram. Die Stellen bewunderungswürdiger, feiner Musik wiegen die Unzulänglichkeit des Konzeptes nicht auf. Abbado dirigierte die Philharmoniker rückhaltlos in leisester Versenkung. Bruno Ganz rezitierte im Ton eines Staatsdichters. Zwischendurch blitzten Partien auf, die atemberaubend leicht und überschwänglich klar klangen. In diesem Manfred ist keine Spur von schlechtem Geschmack, wie Debussy einmal an anderer Stelle monierte – und das schadet ihm eher als dass es ihm nützt. Der Versuch einer halbwegs szenischen Aufführung ging baden. Das Misslingen des Abends auf die Tatsache zurückzuführen, dass die Mitte des 19. Jahrhunderts umständlicher als heute dachte und fühlte, trifft nicht den Kern der Sache. Anne Sofie von Otter sang Wagner.

Alfred Brendel in der Berliner Philharmonie mit Mozart, Haydn, Schubert

Alfred Brendel ist ein alter Mann. Er schlurft aufs Podium. Während des Spiels zittern Hände und Kopf. Vornübergebeugter Gang. Brendel spielt zwei Sonaten von Haydn, die G-Dur-Sonate von Schubert und die c-Moll-Fantasie sowie das Rondo a-Moll von Mozart. Der Höhepunkt war Franz Schuberts G-Dur-Sonate D894. Ruhig, lebendig in sich, von reicher Länge, sich selbst die Gesetze gebend. Bewusst einfache Artikulation, und doch reich im Ton. Der Mozart (Fantasie c-Moll, Rondo a-Moll) klang ziemlich unruhig, heftig und launisch und etwas wackelig: kleine Päuschen, rasch aufsteigende Aufschwünge, plötzliches Schweigen, donnerndes Moll. Die beiden Haydnsonaten (D-Dur, Nr. 42 und C-Dur, Nr. 50) liefen rasch ab. Manchmal zu rasch. Es war ein wunderbar leichtsitzender Haydn, flüssig, gedämpft perkussiv, verhangen heiter. Etwas zu intim etwas zu privat.

Kritik Alfred Brendel: einiges war sehr gut, anderes nicht