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Opern- & Konzertkritik Berlin

~ Klassik-Blog für Konzertberichte und Opernkritiken aus Berlin

Opern- & Konzertkritik Berlin

Schlagwort-Archiv: Staatskapelle Berlin

Kritik Hilary Hahn & Pietari Inkinen: Mozart, Sibelius, Bartók

31 Dienstag Jan 2012

Posted by Schlatz in Hilary Hahn

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Staatskapelle Berlin

Pietari Inkinen, Hilary Hahn: Bartók Divertimento für Streichorchester, Mozart Violinkonzert D-Dur KV 218, Sibelius Sinfonie Nr. 5

Ich kann mich kurz fassen. Vor dem Konzert war ich aus einem Grund, den ich jetzt nicht mehr verstehe, der Ansicht, dass Hilary Hahn womöglich die aufregendste Geigerin der jüngeren Generation sei. Nach dem Konzert bin ich es nicht mehr. Ihr Spiel war, gemessen an den Erwartungen, nach drei Takten eine negative Überraschung, nach zwanzig Takten eine leichte, aber durchdringende Enttäuschung. Weiterlesen →

Jonas Kaufmann Kritik – Konzert Berlin: Barenboim, Liszt

13 Donnerstag Okt 2011

Posted by Schlatz in Jonas Kaufmann

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Staatskapelle Berlin

Liszt Der 13. Psalm/Listz Faust-Sinfonie
Sachte, sachte.

Zuerst geht es um Liszt. Das Ereignis war der Liszt. Barenboim kümmert sich seit zwei Jahren um Liszt. Zwei Mal beide Lisztkonzerte in Frühjahr, mehrmals Klavier solo (noch in der alten Staatsoper), heuer im Herbst einige der Orchesterwerke mit der Staatskapelle. Die Philharmoniker halten sich Liszt-mäßig zurück. Die Staatskapelle schlappt auf die Bühne. Weiterlesen →

Staatsopern-Blech, Dorothea Röschmann und Barenboim-Meistersinger in Berlin

01 Donnerstag Sept 2011

Posted by Schlatz in Burkhard Fritz, Daniel Barenboim, Dorothea Röschmann, Hanno Müller-Brachmann, René Pape

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Staatskapelle Berlin

Festtage 2008 Meistersinger Daniel Barenboim Harry Kupfer René Pape Dorothea Röschmann James Morris Katharina Kammerloher Roman Trekel Paul O’Neill Burkhard Fritz Hanno Müller-Brachmann Florian Hoffmann

Meistersinger Wagner Berlin Staatsoper
Hanno Müller-Brachmann und René Pape beim Pläuschchen // Foto: Monika Rittershaus / staatsoper-berlin.de

Meistersinger Mittwoch, 19. 3. 2008. Die zweite Aufführung innerhalb der Festtage 2008 war nur halbwegs voll, das Parkett erst im dritten Akt gefüllt. Berlin ist eben keine Opernstadt wie München oder Stuttgart (wie toll waren die Meistersinger von Neuenfels). James Morris (Sachs) hatte einen besseren Abend. Morris‘ Bass parliert frisch von der Leber, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, würde Sachs hier wohl sagen – lässt sich auf der anderen Seite jedoch von der gestisch alles wagenden Staatskapelle wie’s scheint nicht aus der Ruhe bringen. Burkhard Fritz als Stolzing: konzentriertes und leicht ansprechendes Piano, in Gesang verwandelte Sprache, im Spiel auf der Bühne etwas stereotyp. Das Blech zerlegt die Posaunen- und Hörnerpracht der Partitur in seine Einzelteile und setzt diese mit wahrem Erfindermut wieder zusammen, die Oboen parlieren, und auch die Klarinetten reden unverstellt. Die Sprachfähigkeit der Staatskapelle unter Barenboim ist ungebrochen. Was bleibt unvergessen? Der Absturz der Streicher vor dem Tanz auf der Festwiese, die saugende Schlagkraft des Orchesters im ff des Hauptthemas, Triebkraft und Singen der Streicher, die deutlich abgesetzten dynamischen Stufen in der Aufwärtsskala des Hauptthemas im ff. Dorothea Röschmann („Selig wie die Sonne…“) macht glücklich. Hanno Müller-Brachmann ist umwerfend, eine seiner besten Porträts. Florian Hoffmann ist ein schmaler, vifer David.

Kritik Meistersinger Berlin: gut.

Barenboim, Bruckner Sinfonie Nr. 8, Staatskapelle Berlin

25 Montag Jul 2011

Posted by Schlatz in Daniel Barenboim, Ein Überlebender aus Warschau, Hanno Müller-Brachmann

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Staatskapelle Berlin

Er kann’s halt. Barenboim in Aktion // Foto: Monika Rittershaus / Quelle: staatsoper-berlin.de

Staatskapelle Berlin – Daniel Barenboim: Bruckner Sinfonie Nr. 8 Schönberg Überlebender aus Warschau

Kritik Daniel Barenboim. Er dirigierte Bruckners 8. Sinfonie. Der Beginn ist wie immer, wenn Barenboim die Staatskapelle Berlin dirigiert, etwas unkoordiniert und zentrifugal. Das Tempo ist gleitend und sehr beweglich. Erst der Durchbruch zur Coda ist bei Barenboim allerhöchstes Niveau, sozusagen schwerer sinfonischer, dynamischer Sturm. Der Eindruck ist, dass Barenboim das Allegro moderato im Stil einer Symphonischen Etüde nimmt, etwas improvisatorisch angehaucht sozusagen und sehr emphatisch. Das Des-Dur-Adagio gelang Barenboim überwältigend, die Massen bändigend und befreiend, stellenweise tränentreibend, vor allem wegen des drängend bewegten Blechs, der instinktiven Gestik der bis ins Äußerste lebhaften Holzbläsersoli, wegen des die Bewegungen der Motivstrukturen weitertragenden Atems der Streicher. Das Anschwellen und Abschwellen, der pure Prozess dieser Musik, das Auf- und Absteigen der Figurationen, die Kraft zur Vereinheitlichung über Phrasen und Abschnitte hinweg, die äußerste Konzentration ergaben die Form des Satzes. Wie öfter bei außerordentlichen Konzerten ist die Staatskapelle unter Barenboim von subtilster Sprachfähigkeit. Es gibt wirkungsvolle Generalpausen, die das Vorangegangene abbilden und den Raum für das Folgende schaffen. An reiner Musikalität, an lebhaftem musikalischem Instinkt ist Barenboim als Dirigent womöglich unübertroffen. Auch das Finale war eindrucksvoll. Heftiger Paukenwirbel unter dem ganzen Körpereinsatz des Paukisten, der zum Schlussakkord hinleitet. Barenboim dirigiert, als spiele er mit 40 Fingern Klavier. Die Souveränität Barenboims in der Kunst des rhapsodischen, kunstlosen Phrasierens ist bis in Details der Artikulation bei Solostellen präsent. Vor der Pause Schönbergs Überlebender aus Warschau, gesungen und gesprochen von Hanno Müller-Brachmann.

Staatskapelle Berlin: Brahms‘ Vierte mit Barenboim und andere Nebensächlichkeiten

24 Sonntag Jul 2011

Posted by Schlatz in Daniel Barenboim, Johannes Brahms

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Staatskapelle Berlin

Barenboim dirigiert eine wunderschöne Vierte von Brahms mit dem besten Final-Schlussakkord, den ich seit langem hörte. Rattle liebt ja eher das Ausfließen lassen oder besser gesagt das Festhalten oder flehentliche Beschwören der Intensität im letzten Akkord. Der Ligeti der Staatskapelle gefiel ausnehmend. War es dieses Konzert, als Barenboim kurz, nachdem der letzte Takt verklungen war und der Applaus losdonnerte, heftig mit Konzertmeister Wolf-Dieter Batzdorf zu schimpfen begann, der seinerseits kaum zu einer Entgegnung kam? Auch während des zweiten Applauses redeten beide heftig miteinander, inzwischen schien es sich nur noch um eine erregte Diskussion zu handeln. Beim dritten Applaus standen Barenboim und Batzdorf diskutierend Arm in Arm nebeneinander, aber scheinbar schon freundschaftlich. Ich erinnere mich an einen Lohengrin, als Barenboim im Orchestergraben die armen Blechbläser so was von zusammenstauchte, die Kerle standen da wie begossene Pudel. Und war es nicht in diesem Konzert, als die Geigerin der Staatskapelle, die Barenboim die Blumen überreichte, einen Notenständer mitriss, als sie wieder auf ihren Platz zurückkehrte, der dann gegen einen Kontrabass fiel? Ich gestehe, es sind diese Dinge, die Konzerte unvergesslich machen.

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Festtage Staatsoper Berlin: Rolando Villazón Comeback

24 Sonntag Jul 2011

Posted by Schlatz in Anna Samuil, Rolando Villazón

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Staatskapelle Berlin

Festtage 2010 Eugen Onegin Daniel Barenboim Achim Freyer Anna Samuil Artur Rucinski Rolando Villazón Maria Gortsevskaya Margarita Nekrasova Stephan Rügamer

Was macht Villazón? Ich hörte Villazón mit gemischten Gefühlen. Bei ‚Ja ljublju was‘ gibt es jedes Mal einen kleinen Stimmriss im ersten Vokal, weitere Wackelstellen folgen. Schnell ist klar: Der Tenor schont seine Stimme, wo es nur geht. Oft singt Villazón den Phrasenhöhepunkt nicht voll aus, ein oder zwei Mal ist das OK, aber vier oder fünf Mal ist schon ein bissl viel. Dazu kommt, dass seine Phrasierung nie die ebenste war, was früher durch die Vehemenz des Vortrags wettgemacht wurde, nun aber beim Singen auf Sicht umso mehr auffällt. Auch die nicht mustergültig verblendeten Register sind besonders hörbar. Arien- und Phrasenschlüsse legt Villazón sehr emotional hin, fast scheint es, als wollte er da rausholen, was der Zustand der Stimme ihm an Intensität versagte. Die Höhe ist eng, doch von intensiver Strahlkraft. Das atemberaubend intensive Drauflossingen, einst Villazóns unfehlbares Markenzeichen, ist 2010 passé, Villazón bereitet sich mit fast umständlich anmutender Sorgfalt auf jede Stimmentfaltung in der Höhe vor. Weiterlesen →

Gidon Kremer: Schostakowitsch Violinkonzert Nr. 2

22 Freitag Jul 2011

Posted by Schlatz in Gidon Kremer

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Staatskapelle Berlin

Staatskapelle Berlin Daniel Barenboim Gidon Kremer Schostakowitsch Violinkonzert Nr. 2 Schostakowitsch Sinfonie Nr. 13

Gidon Kremer: Er ist der einzige, der neben Anne-Sophie Mutter ungetrübte Freude bereitet. Schostakowitschs zweites Violinkonzert ist ein heißes Stückchen, und wohl genauso interessant wie Bergs Konzert. An Gidon Kremer nimmt die prätentionslose Erscheinung und der selbstverständliche Ton seines Spiels ein, gerade weil die unbezweifelbare, allerhöchste Klasse beinahe jede Sekunde hörbar ist. Kremer geht in die Knie, dann gibt es den typischen, immer etwas introvertiert wirkenden Ausfallschritt. Fortwährend wirkt er, als stünde er im eigenen Wohnzimmer. Schwarze Hose, schwarze Pollunderweste, weißes Hemd. Weiterlesen →

Staatskapelle Berlin, Bruckner Sinfonie Nr. 7 mit Barenboim. Und Kammerloher singt Schönberg

22 Freitag Jul 2011

Posted by Schlatz in Daniel Barenboim, Katharina Kammerloher

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Staatskapelle Berlin

Schönbergs Vier Lieder op. 22

Konzertbericht Daniel Barenboim. Schwierige Situation: Simon Rattles Gehirnfuge der Mahler-Neunten von vor zwei Tagen noch im Ohr, hörte man Daniel Barenboim vor seiner Staatskapelle. Auf dem Pult lagen Partituren von Webern, Schönberg, Bruckner. Rattles Schatten der Neunten war spürbar und zerdrückte anfangs die Ohren. Das Finale der Siebten Bruckner schüttelte Barenboim mit einem improvisatorischen Zug aus dem Ärmel, der dem Satz eine Hitzigkeit verlieh, die den höchsten Respekt verdiente.

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Purcell, Dido and Aeneas, Staatsoper Berlin: Sasha Waltz flutet die Staatsoper

21 Donnerstag Jul 2011

Posted by Schlatz in Sasha Waltz

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Staatskapelle Berlin

Dido and Aeneas Staatsoper Berlin Attilo Cremonesi Sasha Waltz Aurora Ugolino Reuben Willcox Deborah York

Dido und Aeneas von Henry Purcell ist gewiss auch eine der ergreifendsten Opern, ihre Musik ist sicherlich mit die schönste, die es geben kann, doch was hier alleine wichtig ist, ist der Umstand, dass diese Berliner Dido und Aeneas das Umwerfendste ist, was es in Berlin zu sehen gibt (Nina Hoss einmal ausgenommen). Die Choreographie ist von Sasha Waltz. Attilo Cremonesi dirigiert die Akademie für Alte Musik Berlin. Sasha Waltz herrscht, ihre Inszenierung herrscht, Henry Purcell herrscht (dieser Mozart von 1680). Integriert wurde auch Musik von anderen Theatermusiken Purcells. Weiterlesen →

Barenboims Mahler-Zyklus: Die 9. Mahler-Sinfonie mit der Staatskapelle

21 Donnerstag Jul 2011

Posted by Schlatz in Daniel Barenboim

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Staatskapelle Berlin

Festtage 2007 Mahler-Zyklus Barenboim/Boulez
Staatskapelle Berlin – Daniel Barenboim: Mahler 9. Sinfonie

Konzertkritik Daniel Barenboim. Überall ist dieses warme Licht, das Parkett ist rammelvoll, die Stehplätze sind mehrfach besetzt. Acht Uhr, das Staatsopernorchester lässt sich Zeit. Dann kommt das Orchester, Applaus, dann kommt der Konzertmeister, Applaus, dann kommt Barenboim, dicker Applaus. Dann geht’s los, Stille. Mahler Neunte.
Sehr schön alles. Das Andante ist gut, der Ländler ist Weltklasse. Die Rondo-Burleske vielleicht das Beste, was es diese Saison bislang in der

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Gielen, Staatskapelle Berlin, Bruckner 5. Sinfonie: Michael Gielen serviert Thielemann ganz locker ab

21 Donnerstag Jul 2011

Posted by Schlatz in Aribert Reimann, Christian Thielemann, Christine Schäfer, Michael Gielen

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Staatskapelle Berlin

STAATSKAPELLE BERLIN MICHAEL GIELEN CHRISTINE SCHÄFER Reimann Finite Infinity Bruckner Sinfonie Nr. 5

Konzertbericht. Gielen serviert Thielemann in Sachen Bruckner ganz locker ab. Die Achte unter Christian Thielemann mit den Wiener Philharmonikern war von vorne bis hinten eine zähe Sache.  Michael Gielen ist 80, hoffentlich wird er 150. Gielen dirigierte die Fünfte Symphonie Anton Bruckners, deren Mittelsätze Gielen dramatisch und konstruktiv im Sinne einer höchsten Richtigkeit dirigierte. Der langsame Satz gelang zum Heulen schön, langgezogen, auf- und abschwingend, haltlos in seiner exakten, einer unglaublichen Musikalität geschuldeten Haltung. Die Ecksätze hatten nicht ganz die Höhe, die Abläufe kamen heuer mit der Staatskapelle Berlin nicht so souverän wie bei den von den Philharmonikern gebotenen Bruckner-Symphonien. Doch das Finale lebte vom Nachzittern der Mittelsätze. Der Tanzsatz lebte in allen Fasern und kam zäh-elastisch bis in die kleinste Auf- und Abwärtsbewegung rüber. Die Begegnung mit Aribert Reimanns Finite Infinity war eine Wohltat nach den einen leichten Nachgeschmack des Überflüssigen hin und wieder nicht vermeidenden zeitgenössischen Sachen, die Simon Rattle gerne in seine Programme aufnimmt. Christine Schäfer sang… aufopferungsvoll, hochkarätig.

Staatskapelle Berlin/Daniel Barenboim: Schumann Klavierkonzert Maurizio Pollini

18 Montag Jul 2011

Posted by Schlatz in Daniel Barenboim, Elliott Carter, Maurizio Pollini

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Staatskapelle Berlin

Neues Jahr, neues Glück. Langsam aber sicher beginnt man, Elliot Carter zu mögen. Das Allegro Scorrevole ist ein konzentriertes Stück Musik, das sich selbstbewusst einem spezifischen Klang und dessen überraschenden Abläufen zuwendet. Maurizio Pollini eilt mit vorgebeugtem Oberkörper an den Flügel. Bei den ersten Takten des ersten Satzes denkt man: das könnte auch jeder andere Pianist der Welt sein. Doch als der von Barenboim insistierend dirigierte erste Satz in Gang kommt, übertrifft Pollinis Spiel alles in den letzten Monaten (eigentlich seit Pollinis Klavierabend im letzten Mai) in Berlin Gehörte an Konsequenz und Logik.

Der aufregend fokussierte Klang, die überragende Klarheit des Spiels, die Zugkraft und der Logik des Passagenwerks, die dynamische (und seelische) Dämpfung der Phrasenhöhepunkte, die plötzliche Kraft der Abphrasierungen überzeugten vollkommen. Die stechende Leuchtkraft des Anschlags in der Kette von Spitzentönen in der Kadenz des ersten Satzes erscheint in nie gehörter Komprimierung und über das Hörbare hinaus nadelartig geschärft. Es gibt mehrere Stellen, an denen Ungeheuerliches geschieht, oftmals im ersten Satz, in den Zierfiguren des Intermezzos, in den stürmischen Mollteilen des Finales. Das Mitsingen ist dezent und gar nichts gegen Alfred Brendels Stöhnen. Das zweite Thema im ersten Satz beginnt Pollini eine Sekunde, bevor er es anfängt zu spielen, zu singen. Nach dem Konzert dankt Pollini dem Orchester mit rechtwinkelig erhobenem Arm in einer Mischung aus Grüßen und Zuwinken.

Während des Applauses, bei einem seiner unzähligen Gänge vom Künstlerzimmer zurück aufs Podium, glaubt er einmal Barenboim hinter sich, schaut auf Höhe des Konzertmeisters nach hinten, bemerkt, dass er alleine unterwegs und Barenboim im Künstlerzimmer geblieben ist, hält inne, will kehrt machen und kann nur aufgrund einer einladenden aber bestimmten Geste des Konzertmeisters Wolf-Dieter Batzdorf vom Umdrehen zurückgehalten werden. In der Philharmonie spielte er keine Zugabe. Die pianistische Technik Pollinis gebiert die Wunder der Beherrschung des Stoffs. Ein derartiger Grad an Objektivität erreicht kein anderer Pianist zur Zeit. Schade. In einer halben Stunde ist alles vorbei. Von Ravel ein ander Mal. Die Staatskapelle wirkte im Vergleich zur Perfektion Pollinis unsauber und ungenau sowie pauschal im Ausdruck.

Staatskapelle Berlin – Daniel Barenboim: Schönberg Lieder op. 8 Bruckner Sinfonie Nr. 4 (Deborah Polaski)

18 Montag Jul 2011

Posted by Schlatz in Daniel Barenboim, Deborah Polaski

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Staatskapelle Berlin

Vom zweiten Saisonkonzert der Staatskapelle gibt es Nebensächlichkeiten zu berichten. Schönbergs Lieder op. 8 fallen durch eine Richtungslosigkeit auf, die Anton Webern schon bei seinem Opus 1, wie im Frühjahr von Simon Rattle vorzüglich dargeboten gehört, vermied. Es gefiel dennoch die Sorgfalt und Sicherheit der Orchesterbehandlung Arnold Schönbergs. Schönberg gestaltet Anheben und Abebben der Lieder mit einer Perfektion, als ginge es um die ganze Musikgeschichte. Deborah Polaski trägt ein Kleid, an dem Gustav Klimt Gefallen gefunden hätte. In Philharmonie wie Konzerthaus werden die Konzerte der Staatskapelle von wohltuend wenigen Nicht-Berlinern besucht. Daniel Barenboim leitet die Sinfonie Nr. 4 Anton Bruckners ohne Partitur. Barenboim ist der einzige Dirigent, der sich bei laufender Musik am Hinterkopf oder im Gehörgang kratzt. Die Achte ein paar Wochen zuvor klang irgendwie besser. Die Berliner Spatzen pfeifen es von den Dächern der Staatsoper: Es steht in allernächster Nähe – schätzungsweise 2009/10 – ein Bruckner-Zyklus unter Barenboim an. Die Staatskapelle kostet den Applaus vor ihren Pulten stehend bis an die Grenze des Möglichen aus.

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