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Opern- & Konzertkritik Berlin

~ Klassik-Blog für Konzertberichte und Opernkritiken aus Berlin

Opern- & Konzertkritik Berlin

Monatsarchiv: September 2020

Radialsystem: Zafraan Ensemble mit „UA Berlin“ und Eva Resch

28 Montag Sept 2020

Posted by Schlatz in Enno Poppe, Eva Resch

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Das Zafraan Ensemble wird 10! Und kombiniert in seiner Jubiläumssaison neue und neueste Musik mit Berliner Kompositionen ab 1910. In sage und schreibe zehn Konzerten. Der Name der Konzertreihe: „UA Berlin“ (=Uraufführung Berlin). Wie das geht? Jeweils ein Jahrzehnt Berliner Musik trifft an ganz verschiedenen Orten auf zeitgenössisches Komponieren.

Los geht’s am Sonntag im Radialsystem, und zwar mit dem Konzert „Die 1910er – Hälse mit Kreuzen“. Das Berlin der 1910er-Jahre wird von den Zwölftönern Schönberg und Eisler vertreten, das „neue“ Berlin von Poppe (geb. 1969) und Wessel (geb. 1991). Geheimer Bezugspunkt der Kompositionen aber ist und bleibt Schönbergs Pierrot lunaire, uraufgeführt 1912 in Berlin.

Dass sich die Neuen nicht vor den Altmeistern verstecken müssen, zeigt Gelöschte Lieder (1999) von Enno Poppe. Poppes Lieder entpuppen sich als schrilles, verschlungenes, aber auch extrem neugieriges Werk, das keine 20 Minuten kurz ist. Farbe ist für Poppe zweitrangig, motivische Mutation alles. Das ist ungeheuer spannend, zumal das Leise genauso erfrischend komponiert ist wie das Laute. Das ganze Stück rotiert sozusagen wie ein Hurrikan um jene chaotische Aus- und Abbruchstelle im Schlussteil. Auf das motivische Mäandern Poppes folgt Palmström (1925) von Hanns Eisler nach Gedichten von Morgenstern, diese Zwölfton-Fingerübungen des phänomenal begabten jungen Eisler, deren hintergründigen Unsinn die Sopranistin Eva Resch subtil und sopran-fein in den dunklen Saal trägt.

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Musikfest: Doppelfinale mit Milica Djordjević, Saunders, Poppe, Rihm

24 Donnerstag Sept 2020

Posted by Schlatz in Christian Gerhaher, Enno Poppe, Jörg Widmann, Milica Djordjević, Rebecca Saunders, Tabea Zimmermann, Tamara Stefanovich

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Musikfest Berlin

Herzschlagfinale beim Musikfest! Zwei Mal Neue Musik, zwei Mal jede Menge Hörgenuss, 9 Stücke, 4 Komponisten, 3 Uraufführungen (ist kein Qualitätskriterium, erhöht aber die Spannung). Am Dienstag bündelt die Karajan-Akademie unter Enno Poppe einen spannenden Abend mit neuer und neuester Musik, am Mittwoch stellen Mitglieder der Berliner Philharmoniker unter Stanley Dodds eine feine Rihm-Hommage auf die Beine.

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Konzerthaus: ensemble unitedberlin spielt S. Beyer, Ullmann, Lachenmann

19 Samstag Sept 2020

Posted by Schlatz in Helmut Lachenmann

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Vom Konzerthaus führen besonders viele Wege in die Wendezeit. Einer dieser Wege ist Bernsteins legendäre Neunte vom 25. 12. des Revolutions- und Zeitenwendejahres 1989. Ein anderer ist das ensemble unitedberlin, 1989 gegründet, deutsch-deutsche Neue Musik gehört zu seiner DNA, und zur zweiten Heimat des Ensembles ist der heimelig düstere Werner-Otto-Saal des Konzerthauses geworden.

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Musikfest Berlin: Das Ensemble Musikfabrik spielt 6 Mal Rebecca Saunders

11 Freitag Sept 2020

Posted by Schlatz in Rebecca Saunders

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Musikfest Berlin

Die zwei Mittwochs-Konzerte mit Musik von Rebecca Saunders im Rahmen des Musikfests 2020 dürften schon zu den Höhepunkten der gerade erst angelaufenen Saison gehören. In der Philharmonie präsentiert das vorzügliche Ensemble Musikfabrik sechs Werke, überspannt in zwei Werkblöcken – Start jeweils 17 und 21 Uhr – 22 Schaffensjahre, macht klar, dass die aus London gebürtige Rihm-Schülerin Musik schreibt, die berührt und überwältigt, Musik, die durchaus in der Lage ist, avantgardistischen Glamour zu verbreiten, ohne je elitäre Insider-Kunst sein zu wollen.

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Alle Neune: die Staatskapelle Berlin mit Beethoven und Barenboim

05 Samstag Sept 2020

Posted by Schlatz in Daniel Barenboim

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Staatskapelle Berlin

Sehen so Oper und Konzert für die nächsten Monate aus? Die Zuhörer sparsam verteilt und meist zu Pärchen gruppiert, dazwischen ziemlich verloren einzelne Musikhörer. Das Parkett schütter wie eine Partitur von Anton Webern. Einlass durch die Seitentür, als ginge es zu einem konspirativen Treffen. Keine Pause, adiós Pausen-Espresso. Man kann von Glück reden, dass die Garderobe besetzt ist. Aber dafür schafft vermutlich kein einziges Virus den Sprung auf den neuen Wirt, und sei es noch so Beethoven-begeistert und noch so eifrig bemüht, mit seinen Saugrüsselchen (Sie wissen schon, diese Spike Proteine S) an eine Zielzelle anzudocken.

Der Beethovenzyklus mit der Staatskapelle? Im Großen Saal der Staatsoper wird er viermal als Doppelpack serviert, chronologisch gruppiert, als Abschluss dann am Sonntag die Open-Air-Neunte auf dem Bebelplatz. Ich höre in drei Konzerten die Sinfonien 3 bis 8, wobei das jeweilige Werkpaar am Abend selbst gegenläufig chronologisch angeordnet erklingt: also erst die 4. dann die 3., erst die 6., dann die 5., entsprechend die 8. vor der 7. Das Gelingen ist in den Sinfonien 7 und 8 am höchsten, so sehr werden sie als leidenschaftlich und differenziert redende, mit hoher symphonischer Spannung erfüllte, unmittelbar neu berührende Meisterwerke dargeboten.

Im Lauf der drei Abende gelingt nicht jeder Satz auf höchstem Niveau. Luft nach oben gibt es in der moll-gewaltigen Fünften. Die 3. beginnt fahrig, die 6. beginnt zu gleichförmig, dem Finale der 4. verweigert Barenboim etwas an Komplexität. Dennoch bliebt die Beethoven-Ernte reich. Die langsamen Sätze dehnen sich in ihren unablässigen Themenverwandlungen zu überreicher Länge (leichte Einschränkung: das zu wenig transparente Allegretto der Siebten).

Die Scherzi (bzw. das Tempo di Menuetto der 8.) sind an allen Abenden Höhepunkte, so selbstverständlich austariert zwischen Vorwärtsdrängen und Unveränderlichkeit des Materials präsentiert die Staatskapelle Berlin sie, auch so klanglich üppig entfaltet wie im schon schumann’sch abgetönten Trio der 8., dem vielleicht schönsten Trio, das Beethoven für Orchester geschrieben hat. Auffällig: Gerade die vermeintlich unscheinbaren Sätze geschehen eindringlich, etwa der strikt themen-dualistisch organisierte 2. Satz der Fünften mit seinen Steigerungen und Entladungen, der 3., wieder in der Fünften, mit dem gorillahaft wild ausgreifenden Trio, das Allegretto der 8. als unerklärlich vieldeutiger Komponier-Coup des fast schon späten Beethoven.

Mittwoch: Sinfonien Nr. 4 und 3

Fesselnd schon der erste Abend. Straff und nuancenreich die Sinfonie Nr. 4, Schumanns griechisch schlanke Maid, von Paul Bekker 1922 als schwärmerisch heitere B-Dur-Phantasie tituliert, wie gesagt mit leichten Abstrichen im Schlusssatz. Die Eroica beginnt fahrig, Themen, Gedanken, Motive ertönen als markige Statements, werden weniger als Einheit gedacht. Wie weitermachen bei Beethoven? Die Durchführung findet zu prima weiträumiger Spannung, die lange Rückkehr zur Reprise in der Vierten, die nicht enden wollende Durchführung der Dritten werden da mit einem Mal unmittelbar erlebbar, toll die in all ihrer Formstrenge frank und frei lodernde Coda der Eroica.

Wer wie Hanssen im Tagesspiegel historisch informierte Durchhörbarkeit einfordert, plädiert nörgelnd dafür, dass die Staatskapelle besser nach Academy of St Martin in the Fields klänge als nach Staatskapelle. Man kann das schon so vertreten, aber ob das viel Sinn ergibt, steht in den Sternen. Der spezifische Klang, das warmtönige Timbre, aus dem sich die Holzbläser und Hörner differenziert tönend herausschälen, zählen vermutlich eher zu den Qualitätsmerkmalen der Staatskapelle.

Zu eindringlicher Anschaulichkeit – und zwar mit den einfachsten Mitteln der Welt: mit Konzentration, Genauigkeit, Hingabe -, findet das hintergründige Adagio des B-Dur-Werks. Dessen Ende, die 1/32 der Streicher über den langgezogenen Horn- und Holzbläserfiguren (aus dem Nachsatz des 2. Themas) löst die symphonische Spannung des Satzes geheimnisvoll, ohne sie ganz aufzuheben. Kommt man hier etwa dem, was musikalische Zeit bedeutet, nahe?

Eher als Einleitung, als Vorbereitung klingt der Beginn des Trauermarschs, jene zweimalige Abfolge von Thema und Gegenthema und anschließendem (drittem) Maggiore-Thema. Doch da ist ja noch jene Umschalt-Stelle vor dem Fugato mit ihrem Höhepunkt im ff mit nachfolgendem Erlöschen, dem neuerlichen Wechsel ins Moll und dem fahlen Neu-Ansetzen. Das ist symphonische Musik, packend präsentiert, packend umgesetzt. Das gilt auch für das folgende Fugato. Und dann die Überraschung. Der reprisenartige Einsatz des Themas gerät wieder etwas zügig, und plötzlich passt das Tempo genau. Da wird man Zeuge davon, wie das Orchester über das Fugato hinweg zurückgreift, zurück bis zum Satzbeginn, und doch ist jedem Hörer klar, dass nichts ist wie vorher.

Wie enden bei Beethovn? Das einzigartige Prometheus-Finale der Eroica, ein einziger, großer Satz-Salat von überbordendem melodischem Reichtum, glückt gerade, weil die Musiker den Sinn und das Ohr für die Momente des Innehaltens vor dem Presto-Sturm der Coda haben.

Tempo? Was für’n Tempo?

Tempomäßig spielt die Staatskapelle den Beethovenzyklus ein, zwei Nuancen langsamer als heutzutage üblich. Das Gesangliche wird breiter. Blech- und Holzbläser können ihre Farbe entfalten. Der emotionale Ertrag wird reicher, das Finale der 7. verständlicher. Das intensive, einleitende Adagio der 4. – jede Note behauptet ihr eigenes Gewicht – erinnert an Barenboims überraschend langsamen Fidelio aus dem Schillertheater. Das Finale der Sinfonie Nr. 4 ist tatsächlich einmal ein Allegro non troppo, kein verkapptes Presto, andererseits auch nicht ganz das gemütliche Allegretto, welches Richard Strauss empfiehlt. Die Tempodehnungen in der gesamten 5. machen fast schmunzeln, doch sie gehören dazu, werden ja auch meist – oft nachträglich – von der Architektur gerechtfertigt. In der Achten wiederum beginnt das Allegretto scherzando Metronom-haft zügig beschleunigt.

Donnerstag: Sinfonie Nr. 6 und 5

Schwer tue ich mir mit dem gewiss heiklen, fast Moll-freien ersten Satz der 6. Sinfonie, der allzu unprofiliert dahinfließt. Ganz anders der zweite Satz, die Szene am Bach, dessen Länge Barenboim mit nie versiegender Wärme des Melos und selbstverständlichem Nuancenreichtum füllt. Erstaunlich, dass der krasseste Realismus, die berühmten Vogelrufe und das Gewitter, zugleich besonders intensive Momente von Beethovens Kunst sind. Von souveräner Kaltblütigkeit die Trompeten im Gewitter, ruhig erfüllt und meisterhaft ausgebreitet wird das Allegretto-Finale der Sechsten musiziert, und zwar mit untrüglichem Gefühl für Architektur im Großen und fürs Detail im Kleinen.

Kopf- und Finalsatz der Fünften gehen komplett in die Hose. Ich denke, Barenboims Pathos steht sich selbst im Weg. Der Klang bleibt pauschal, irgendwie farblos, kaum differenziert, sozusagen Takt für Takt einen auf dicke Hose gemacht. Im Finale schwimmt der Oberbau auf dem Unterbau. Manches scheint unverhohlen furtwänglerisch: so die deutlich getrennten Achtel des Schicksalsmotivs in den ersten Takten. Anderes nicht, Barenboim erreicht nicht das ekstatische Tempo für die Coda des Finales. Aus anderen Beethoven-Welten dann das reich bewegte 3/8-Andante der Fünften. Es straft diejenigen Lügen, die es für unbedeutend halten. Thomas Guggeis liest in der Loge Partitur mit.

Freitag: Sinfonien Nr. 8 und 7

Aber die 7. und die 8. Die Staatskapelle gibt den ganzen Beethoven, natürlich barenboimisch schattiert, und das Ergebnis ist unverwechselbar: Die beiden Werke klingen Dur-prall, voller Steigerungen und loderndem Feuer. Dirigent und Orchester legen sie großzügig, im Inneren und Äußeren pulsierend, in den Saal. Beide „sitzen“ perfekt, glänzen von ungebändigter Energie, fesseln in beinah jedem Moment, zuerst die Nr. 8 mit ihrer F-Dur-Verhaltenheit und den strahlenden F-Trompeten, dann die Nr. 7 mit ihrem A-Dur-Flug. Barenboim hält hier überzeugend das Gleichgewicht zwischen symphonischer Form und subjektivem Inhalt. So frei und doch sich dem Ganzen einordnend hört man die Pauke in einer der berühmtesten Final-Codas selten.

Im Allgemeinen wird die Exposition nur bei den kürzeren Kopfsätzen wiederholt, also bei den Sinfonien Nr. 5. und 8. Ich habe gebetet, dass die Exposition im Finale der 5. wiederholt würde. Aber ich wurde nicht erhört.

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