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Opern- & Konzertkritik Berlin

~ Klassik-Blog für Konzertberichte und Opernkritiken aus Berlin

Opern- & Konzertkritik Berlin

Kategorien-Archiv: Simon Rattle

Simon Rattle, Daniel Barenboim: Und die Saalmädels gucken missmutiger…

21 Donnerstag Jul 2011

Posted by Schlatz in Daniel Barenboim, Simon Rattle

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Berliner Philharmoniker

Brahms Klavierkonzert Nr. 2 Weill Die Sieben Todsünden

Wenn nicht Müdigkeit, die der, wie jeder Berliner weiß, anstrengende Berliner Frühsommer jedes Jahr aufs Neue verursacht, das Urteil trübte, so hielt das Konzert nicht ganz, was es versprach. Wenn die beiden Zauberer des Berliner Musiklebens zusammentreffen, ist der ästhetische Nutzen offensichtlich zwingendermaßen geringer als die geschmeichelte Eitelkeit des Publikums. Und da an diesem Abend die Extravaganz der Garderoben wie zufällig ausblieb und auch die Saalmädels missmutiger blickten als sonst, mag man das prestigeversprechende Doppelkonzert als grundsätzlich gelungen abhaken. Aber vielleicht war alles ganz anders, und der Zuhörer ein Opfer von Abschweifungen und unsinnigen Gedanken, die während eines Konzertes nun einmal auftauchen und die kein Saalmädel der Welt, und gliche ihr Äußeres bis aufs Härchen Anna Netrebko, ganz ausschalten kann. Im Übrigen gehören die beiden Klavierkonzerte von Johannes Brahms zu den undurchdringlichsten Kompositionen zwischen der Missa Solemnis und der Turangalila-Sinfonie.

Rattle dirigiert Haydn, die Berliner Philharmoniker spielen Haydn und dennoch Rätsel über Rätsel

21 Donnerstag Jul 2011

Posted by Schlatz in Simon Rattle

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Berliner Philharmoniker

Berliner Philharmoniker – Simon Rattle: Haydn Sinfonien Nr. 91 & 92, Sinfonia Concertante

Konzertbericht. Rattles Haydn-Zyklus umfasste sechs Sinfonien und die Schöpfung. Das besuchte Konzert lief so vor sich hin. Es gab einige schöne Stellen. Doch kein Entzücken. Man weiß nie genau, ob es an Haydn liegt, an Robert Schumann, an unglücklichen Verknüpfungen zwischen Realität und Musik, oder an Rattle. Simon Rattle dirigiert sehr genau, und durchaus nicht geheimnislos. Die spektakulären Stellen sind ohne Zweifel die kurzen Phasen überfallsartiger thematischer Verdichtung und mehrfacher Linienführung in den Ecksätzen. Doch Rattle macht mehr. Er dirigiert ernste Musik, deren makellose Konstruktion man an vielen Stellen mit einem Zungeschnalzen zur Kenntnis nimmt. Rattle gibt Einsätze mit einem offenem Lächeln, nachdem er mit geschlossenen Augen und seltsamen Grimassen Moll-Passagen spielen ließ. Trotzdem unbefriedigend, warum weiß ich auch nicht. Die beiden Konzerte kamen kurz danach auf CD raus, und von der Scheibe gefiel mir Rattles Haydn vom ersten Takt an. Rätsel über Rätsel.

Silvesterkonzert Berlin: Mitsuko Uchida, Camilla Nylund, Laura Aikin, Stella Doufexis

21 Donnerstag Jul 2011

Posted by Schlatz in Camilla Nylund, Mitsuko Uchida, Silvesterkonzert, Simon Rattle, Stella Doufexis

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Berliner Philharmoniker

Mozart liegt Simon Rattle vielleicht nicht, vielleicht liegt Simon Rattle auch Mozart nicht. Im Silvesterkonzert 2006 gab es Mozarts d-moll-Klavierkonzert, ein Werk grenzenloser kompositorischer Kühnheiten. Der Mittelsatz öde, auch der Rest gelingt so a weng dösig, es herrscht eine Art BMW-3er-Reihe-Gefühl. Zu allgemein, weder linear, noch geballt, weder abgründig schön, noch prekär verkühlt. Zwei Stellen (in Exposition und Durchführung) waren jedoch auf überwältigende Weise mit Dramatik und Polyphonie angefüllt – 10 Sekunden Musi vom anderen Stern. Mitsuko Uchida am Klavier tat es Rattle nach, nur dass sie die 10 Sekunden auch noch weggelassen hat. Uchida kann keine zwei Akzente hintereinander setzen, das schafft sie einfach nicht. Alles fließt, und nie kommt sie zu Potte.
Dann das Terzett und Finale aus dem Rosenkavalier (Camilla Nylund, Laura Aikin, Magdalena Kozena). Ich war nie für Opernauszüge auf Konzertpodien. Entweder die ganze Oper konzertant oder nichts. Nylund, Aikin und, halt! nicht Kozena sang, sondern Stella Doufexis, sangen mit der gebotenen Frische. Ein Rosenkavalierfinale im Konzertsaal ist und bleibt dekadent. Dann schon lieber die Fledermausouvertüre und direkt danach die Diebische Elster.

Rattle & Philharmoniker: Bruckner Sinfonie Nr. 4, Schumann Sinfonie Nr. 3

21 Donnerstag Jul 2011

Posted by Schlatz in Christian Thielemann, Simon Rattle

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Berliner Philharmoniker

Berliner Philharmoniker – Simon Rattle: Bruckner Sinfonie Nr. 4, Schumann Sinfonie Nr. 3

Bericht Berliner Philharmoniker. In der ersten Hälfte gab es Robert Schumann Vierte Symphonie, die den gleichen Eindruck wie Beethoven V, 1 machte: abartig tumultuarisch, nicht ganz fassbar, von versessener Eile, mit einem kräftigen Schuss genialer Wirrheit. Simon Rattle live in Reinkultur. In der zweiten Konzerthälfte hörte man die 4. Symphonie Bruckners mit traumhaften, intensiven Stellen in den Binnensätzen, stellenweise grandios im Scherzo, das kaum besser vorzustellen war. Der langsame Satz schien unüberbietbar. Das Scherzo in der lockeren Setzung schon der Anfangstakte, der entzückenden Verdichtung der Horn-Signale, mit einem Nonlegato gespielt, mit einer grandiosen Wärme der melodischen Entwicklung entwickelt, dass es kaum je Besseres gab. Eine derart hinreißend gelockerte Fügung der Orchesterfaktur, eine derart exemplarische Ausgewogenheit von Klang und Struktur hört man selten. Prächtig zergliederte Klangeinheit.
In der kreisenden Intensität des melodischen Fortgangs, in der druchdringenden Phrasierung im zweiten Satz war man schlechthin auf unüberbietbarem Niveau. Wer hörte, wie Christian Thielemann Bruckners 8. versteinerte und Zubin Mehta Mahlers 7. in Aspik legte, nickte mit dem Kopf und brummte Zustimmendes. Im ersten und vierten Satz setzte Simon Rattle auf eine unpathetische Lesart. Kurzum, es waren rattle-typische Ecksätze zu hören. Sich unhierarchisch durchdringender Klang, etwas vorlaute ff, detailreiche Phrasierung, sehr produktive Solostellen, Verwischung der Trennlinien zwischen den thematischen und unthematischen Partien, eine Klangkontinuität, die über die Herrschaft des Taktes hinwegfließt – so in etwa war das. Eine nicht ganz so fein die orchestrale Textur durchleuchtende Interpretation wie von Abbado gewohnt, dafür eine in sozusagen protestantisch willensstarke Durcharbeitung.

Kritik Simon Rattle Bruckner, Schumann: hohe Höhen und tiefe Tiefen in einem Konzert

Simon Rattle, Berliner Philharmoniker mit Beethoven Sinfonie Nr. 5 & Strawinsky Agon

21 Donnerstag Jul 2011

Posted by Schlatz in Igor Strawinsky, Simon Rattle

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Berliner Philharmoniker

Berliner Philharmoniker Simon Rattle: Berlioz Roméo et Juliette Beethoven Sinfonie Nr. 5 Strawinsky Agon

Mächtigen Schwung vom Podium gab es im September 2006 bei Beethoven Symphonie Nr. 5 letzter Satz. Das Finale schwingt Simon Rattle wie eine Keule. Man hört leider zehn Dvořak-Symphonien im Jahr und nur eine Beethoven-Symphonie. Beethoven ist bei Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern schnell, schmutzig, wirr, massiv. Es ist Nachbrenner-Musik, ein Beethoven mit geballter Kraft, aber logisch und sinnvoll (das ist wichtig: logische Kraft). Eine skeptische Kritik kann hier kein Haar, aber einen ganzen Haarschopf in der Suppe finden. Oder ein Haar für einen ganzen Schopf halten. Rattle liegt nicht der stringente Weg von A nach B. Wahrscheinlich ist, dass er ihn nicht im besonderen Maße interessiert. Rattle macht aus der Sonatensatzlogik ein halsbrecherisches Wagnis, postanalytisch und von verwischter Klarheit.

Der Eindruck war von etwas Unvergleichlichem. Im ersten Satz der Fünften Symphonie war nicht mehr ganz logische Kraft, ein Tick Unverdautes war dabei Der zweite Satz klang wie Pflichtübung, Gallia est omnis divisa… Die langsamen Beethoven-Sätze (und Mozart-Sätze) scheinen schwieriger als Bartók und Schostakowitsch. Das Finale schoss heiß, unkoordiniert, das Orientierungsbedürfnis der Hörer verhöhnend daher. So viel Musik auf einen Haufen habe ich noch nie gehört. Wieder der Eindruck: sehr schnell vorbeigegangen, das Ganze. Aber explosiv in der Wirkung. Etwas, mit dem man nicht fertig wird. Das Beste war Strawinskys Agon. Simon Rattle dirigierte aberwitzig unverschmutzt im Klang, absolut trocken, Rattle der Souveränste der Souveränen (kleines Tristan-Zitat). Agon hat er zart und atemberaubend und gedankenverdrehend schön gemacht.

Simon Rattle, Berliner Philharmoniker: Rheingold

21 Donnerstag Jul 2011

Posted by Schlatz in Robert Gambill, Simon Rattle

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Berliner Philharmoniker

AKTUELL: RATTLE DIRIGIERT RHEINGOLD AN DER DEUTSCHEN OPER

Richard Wagners Rheingold: Das Orchester schien souverän, dafür jedoch nicht engagiert, oder besser gesagt, verstrickt, oder noch besser, verfallen genug, um einen großen Abend zu gewährleisten. Es soll ja Leute geben, die hören gerne Opern konzertang. Ich konnte mich nicht entscheiden, ob ich den Philharmonikern, Simon Rattle oder Richard Wagner zuhören sollte. Die Stimmen der Sänger hingen irgendwo zwischen Akustiksegeln und Blech. Dieses Rheingold hatte einen leichten Stallgeruch, nämlich den von Pflichtübung. Warum macht Rattle nicht zu jedem Saisonschluss einen ganzen Parsifal konzertant – wenn konzertant schon sein muss? Die Leute würden ihm die Bude einrennen. Oder meinetwegen Verdi? Man denke sich Fliegender Holländer oder Otello von Rattle. Ende der Saison 2007/2008 gibt es einen Akt Siegfried. EINEN Akt? Was soll ich mit einem Akt anfangen? Willard W. White Wotan, Lilli Paasikivi Fricka, Detlef Roth Donner, Robert Gambill Loge, Dale Duesing Alberich, Burkhard Ulrich Mime.

Kritik Simon Rattle Berliner Philharmoniker: Geht so

Simon Rattle: Holst, Turnage, Matthews, Kaaja Saariaho und die Philharmoniker

21 Donnerstag Jul 2011

Posted by Schlatz in Brett Dean, Kaija Saariaho, Matthias Pintscher, Simon Rattle

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Berliner Philharmoniker

Kaaja Saariaho Brett Dean Matthias Pintscher Mark-Anthony Turnage Colin Matthews. Holst Die Planeten

Kritik Berliner Philharmoniker. Es bestanden eigentlich keine ernsthaften Zweifel an der Integrität der Programmauswahl, falls diese jemals bestanden hatten. Sie waren auch nach dem Konzert nicht ausgeräumt. Simon Rattle zeigt bei Holst die harten Tatsachen: pompöses, akkordisch strahlendes Blech, elastische Streicher, ein Tutti wie ein Knockout. Die Berliner Philharmoniker setzen in fröhlichen Formationen über Takte und Kadenzen. Andere als die harten Tatsachen gibt es wenige bei Holst. Ein kantiger, funkelnder, sich zu den zu klug massierten Höhepunkten saugender Sound. Gut getroffen und zugeschnitten sind die bekannten Themen, die die Planeten Holsts bekannt, aber nur wenig besser machen. Colin Matthews‘ Pluto und Mark Anthony Turnages Stück waren weniger schnittig, förderten indes Orchesterkunde und Instrumentenkenntnis. Kaaja Saariahos Stück machte mit subtilem Piano den Anfang.

Berliner Philharmoniker – Simon Rattle: Schumann Konzertstück für Orchester und vier Hörner Schumann Klavierkonzert Zimmermann Sinfonie Schumann Sinfonie Nr. 4

18 Montag Jul 2011

Posted by Schlatz in Bernd Alois Zimmermann, Simon Rattle

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Berliner Philharmoniker

Rattle lässt die vierte Sinfonie Schumanns außerordentlich schnell spielen. Die Philharmoniker spielen die erste Fassung – besonders in den Einleitungen zu den Ecksätzen hört man Unterschiede zur bekannteren zweiten Fassung von 1851. Rattles Lust an der expressiven Betonung setzt im einleitenden „Ziemlich langsam“ den Achtelketten übermächtige Akzente ein. Die Sinfonie wirkt komprimiert, die Exposition wird nicht wiederholt. Darüber hinaus führen die Überlänge der Durchführung und der Verzicht auf eine klassische Reprise zum Eindruck einer fieberhaften Erregung den ganzen Satz hindurch.

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Berliner Philharmoniker – Simon Rattle: Schumann Das Paradies und die Peri

18 Montag Jul 2011

Posted by Schlatz in Andrew Staples, Annette Dasch, Bernarda Fink, Kate Royal, Simon Rattle

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Berliner Philharmoniker

Man hatte an diesem Abend ausführlich Gelegenheit, sich über ein Missverständnis zu einigen. An Schumanns Das Paradies und die Peri ist kein Mangel an Kompositionstalent, sondern ein Mangel an Temperament zu beklagen, ein Mangel, der rein musikalisch nicht mehr zu erklären ist. Man ahnt, was Robert Schumann hier wollte: Reinheit, Lyrismus, geläuterte Musik. Komisch: Die Parallele zum Parsifal-Libretto fiel mehrmals auf. Das Programmheft beschreibt die Orchestrierung als „prall gefüllt mit markanten Abschattierungen“ – ein logisches und musikalisches

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Berliner Philharmoniker – Simon Rattle: Brahms Klavierkonzert Nr. 1 Sinfonie Nr. 2

18 Montag Jul 2011

Posted by Schlatz in Lars Vogt, Simon Rattle

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Berliner Philharmoniker

Bericht Simon Rattle Berliner Philharmoniker. Man steckt recht tief im Jahr 2008, und es scheint, als seien die Philharmoniker Simon Rattle und Rattle sei die Philharmoniker. Man weiß nicht, ob man in die Philharmonie geht, um Rattle mit den Philharmonikern zu hören oder die Philharmoniker unter Rattle. Oder: um Brahms‘ Dritte zu hören, die man unter Abbado vor 16 Monaten hörte, oder um Rattle zu hören, der sich in den Kopf gesetzt hat, Brahms zu dirigieren (niemand würde das von ihm erwarten).

In der Pause hört man so was wie: „Mit Brahms kann der Rattle nichts anfangen“ (gesprochen im schwäbischen Akzent). Guy Braunstein ist bei der zweiten Sinfonie und beim Klavierkonzert erster Konzertmeister. Die Gestaltung der Linien ist auf dem höchsten Niveau. Geburt, Erstarken, Hypertrophie der Linie, ihr Abebben in Leisheit, führen zu ziemlich lohnenswerten Eindrücken. Rattles Leisheit in den Binnensätzen ist grandios wie die Abbados, doch weniger literarisch konzipiert als vielmehr direkter aus der Partitur hervorgehend. Es gibt derzeit keinen Dirigenten, der vehementer zum Hören zwingt.

Lars Vogt ist einer der Pianisten, die nicht dazu hinreißen, sich inmitten des Finalsatzes zu erheben, um lautstark zu klatschen, an denen jedoch selbst ein konzentriertes Gehör kaum einen noch so kleinen Makel, etwa Unkonzentriertheiten der Linienführung oder verbummelte Akzente, entdecken mag. Der Anschlag Vogts ist etwas körperlich und weniger schwebend, eher kühl, kontrolliert, und mit einem sehr präzisen Klangkern versehen. Vogt spielt ein herbes Brahmskonzert mit einem Schuss Kühle und einem Spritzer Hemdsärmligkeit. Einen Mangel, wenn schon keinen Makel, in Vogts Spiel gab es womöglich doch: die nicht zündenden, eher polternden ff-Stellen. Doch mögen die Philharmoniker hier ihrerseits recht laut gewesen sein. Brahms‘ erstes Klavierkonzert überfordert (wie Beethovens Neunte) den Hörer ständig. Der erste Satz der zweiten Sinfonie macht unter Rattle als einziger des Brahms-Zyklus‘ den Eindruck eines rasch genommenen Tempos.

Berliner Philharmoniker – Simon Rattle: Haydn Sinfonie Nr. 92 Mozart Klavierkonzert KV 492 Brahms Sinfonie Nr. 1 (Alfred Brendel)

18 Montag Jul 2011

Posted by Schlatz in Alfred Brendel, Emmanuel Pahud, Simon Rattle

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Berliner Philharmoniker

Kleiner Brahms-Zyklus im Berliner Herbst. Kritik: Alfred Brendel hüpft die wenigen Stufen zum Podium hinauf. Er setzt sich nach kurzer Verbeugung rasch. Der erste Ton Brendels nach der Orchesterexposition klingt klar, deutlich und frisch, und auch das folgende, den Ruf Brendels als einer der besten Mozartinterpreten bestätigende Spiel spannt sich zwischen den Polen Frische der Phrasierung und Vergeistigung des Anschlags. Die Gewohnheit, den letzten Ton einer Phrase deutlich abzusetzen und deutlich leiser zu spielen, stellt man an diesem Abend nicht in Frage und hört aus den unerschöpflichen Abwandlungen, in denen diese Eigenart sich manifestiert, mit Sympathie und Genuss. Das Brummen, Kauen und Schmatzen schien stärker als beim Klavierabend im Mai. Wohlgesonnene werden dies Mitsingen nennen.

Am Donnerstag verzichtet Alfred Brendel auf eine Zugabe, am Freitag spielt er Schubert. Der Mozart der Berliner Philharmoniker ist mitreißend, subtil, glühend, hypersensibel und linear, hinreißend, verschlungen. Brendels Mozart fand ich schon immer am besten, seinen Beethoven oft unbefriedigend, seinen Haydn zu maniriert. Die Bläser agieren im langsamen Satz wie ein Orchester im Orchester – solistisch intensiv und voller Zentrifugalkräfte im Stimmverbund. Rattle: Prallheit der Formulierung, Dichte, Energie, der Kampf um jede Regung. Haydns Sinfonie bestach durch die Energie der Durchführungspassagen. Es ist Feuer und Pfeffer in diesem Haydn. Der letzte Satz explodiert. Der Anschein, dass die Berliner Philharmoniker von selber spielten, ist selten größer gewesen, und Rattles Fähigkeit, ein Orchester zu Intensität zu zwingen, selten unmerklicher. Es ist herrlich. Das unfassbare Etwas von Haydns Genie entsteht an diesem Abend vielleicht aus dem Zusammenspiel zwischen der Präzision der Akzente und einer ins kleinste Detail reichenden rhythmischen Lebendigkeit. Man weiß es nicht genau.

Der bärtige Johannes Brahms machte nach Brendels klarem, intelligentem, zugleich verspielt und nüchtern klingendem Mozart anfangs eine ungeschickte Figur. Wie viel behäbiger und pompöser war Brahms‘ Zeitalter. Introduktion und Exposition des ersten Satzes klingen rhythmisch simpel und melodisch muffig, das Pathos pauschal, die symphonische Kraft aufgesetzt. Liegt es an Brahms oder an Rattle? Keine Ahnung. Erst die Coda reißt mit. Das Poco Allegretto scheint der Mittelpunkt. Der Satz ist gespickt mit traumhaften Bläsereinsätzen und durchsetzt mit fabelhaften Dynamik- und Tempowechseln. Emmanuel Pahud und Jelka Weber (Flöten) hält es kaum auf den Stühlen. Die orchestrale Griffigkeit des Finales, die in die Themenabspaltungen eingespeiste Energie, das gelungene Zusammenschmelzen der Stimmgruppen machen das Finale zu großer Musik. Für die Anekdote: Rattle war beim Friseur.

Berliner Philharmoniker – Simon Rattle: Schreker Kammersinfonie Bruckner Sinfonie Nr. 9

18 Montag Jul 2011

Posted by Schlatz in Franz Schreker, Simon Rattle

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Konzertbericht Musikfest Berlin 08. Die mondsüchtige Kammersinfonie Schrekers wurde leider nicht von den Philharmonikern, sondern von den Stipendiaten der Orchesterakademie gespielt, wodurch nicht der Wert des Stückes, doch die Subtilität der Interpretation reduziert wurde. Die Neunte von Bruckner ist mit der Ersten seine kühnste. Die Lockerheit des Beginns, das defensiv wirkende Tempo kennt man von Rattles Interpretation der Vierten. Man muss sich erst hinein finden. Die schneidenden Tutti der Codas scheinen unter Rattles Stabführung ganz Musik des 20. Jahrhunderts zu sein. Deren klangliche Dichte war bis zur höchsten Intensität getrieben. Man erwartet die schlussendlichen Quinten mit nervenaufreibender Hochspannung. Die massiv aufgestockten Blechbläser, acht Hörner, drei Trompeten, drei Posaunen, eine Kontrabasstuba, führten zu einem etwas unbeweglicheren Blechbläserchor als gewohnt. Zwei oder drei Artikulationsreibungen der Blechbläser gab es. Gott gibt’s, Gott nimmt’s. Das vom Schlagzeuger mit der unerbitterlichen Logik des „1 + 1 = 3“ kaltblütig exekutierte Paukencrescendo zu Ende der beiden schnellen Sätze kann auch Wochen später noch wohliges Rückenrieseln verursachen. Von Rattle kommt eine hüllenlose, streng das Material freilegende, zu abnormer Konzentrationskraft ausgreifende Aufführung. Die Qualität der Interpretation stand deutlich über der Hardings oder Jansons‚.

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