Traviata Rebeka, Pop, Markow

Was wäre das Leben ohne Verdis La Traviata?

Im Herbst 2025 heißt die Violetta an der Lindenoper Marina Rebeka. Die Lettin sang an der Staatsoper schon Troubadour-Leonora und Aida. Beide Male gefiel Rebeka mit großer, gut kontrollierter Stimme und stetigem, vollem Klang. Das ist heute Abend auch alles da. Aber ihre Traviata überrascht vor allem durch ein Singen von großem Ernst. Immer dabei ist ein Hauch (baltischer) Kühle. Sie singt eine Traviata mit Stil. Den Klang reichert Rebeka gerne mit einer Prise Aida-Majestät an (die lyrisch-dramatischen Expansionen im 2.-Akt-Finale, Prendi: quest’è l’immagine im 3.). Das ist aufregend. Das Erstaunliche ist, dass sie eines nicht hat: Sentimentalität. Der Ausruf im 3. Akt, È tardi, es ist zu spät, bleibt komplett ohne Selbstmitleid. Rebeka vermeidet sorgfältig Schluchzer. Auch das ist aufregend. La Traviata als Tragödin.

Sicher gibt es auch bei Rebeka Kritik. In der ersten Cabaletta im ersten Akt sind die Spitzen zu metallisch-laut. Und eine geschliffen klare Diktion ist nicht ihr Ding. Aber die Verzierungen in der Arie werden sorgfältig gesungen, eher instrumental, nicht als funkelnde Perlenkette.

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Von unbegrenzten Gleichzeitigkeiten: Donaueschinger Musiktage 2025

Eröffnungs- und Schlusskonzert der Donaueschinger Musiktage 2025 werden live übertragen, beide Male klangverkörpert durch das SWR Symphonieorchester. Beide Konzerte sind Uraufführung-only.

Ich höre über SWR.

Am Freitag also das Eröffnungskonzert. Es startet mit Mark Andre, Im Entfalten (15′). Das Pierre Boulez gewidmete Werk erscheint streng und fließend, ein ruhiger Puls trägt. Man meint einen Andre-Stil zu hören, solide und souverän, abgeklärt die Ereignisabwicklung. Andererseits bleibt Im Entfalten zu subtil, um einem Minimalismus zuzugehören. Freilich bleibt das Stück ohne Überraschungen.

Wie sich herausstellt, bleibt dies Altneu-Neualte von Mark Andre das Beste heute Abend. Was kommt, tritt kürzer.

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RSB: Jurowski-Brahms, Tetzlaff-Berg, Korsun

Zwei Stunden Happy Hour beim RSB unter Chef Jurowski.

Mit dem Violinkonzert von Alban Berg ist es wie mit Prousts Suche nach der verlorenen Zeit. Die Verehrung ist groß, aber sich damit beschäftigen ist was anderes. Sperrig, ach was, missmutig mutet das Konzert an, egal wo mans hört. Und das, obwohl es mit Walzern und Jodlern aufwartet. Und mit dem Untertitel des Jahrhunderts, Dem Andenken eines Engels. Zweisätzig wie Bartóks frühes Violinkonzert, erhält es wie dieses seine spezifische Färbung durch einen emotionalen Background. Dort 1907 Stefi Geyer, hier 1935 Manon Gropius.

Michail Jurowski dirigiert ohne Nachlassen zupackend, symphonisch. Christian Tetzlaff packt seinen Berg wild an. Tetzlaffs Ton ist ernst bis zum Harschen.

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Gegrüßt seid, theure Helden: Berliner Götterdämmerung mit Thielemann

Ende der Tetralogie an einem herbstlich trüben Berliner Sonntag.

Andreas Schager liefert zum Stimmsound des Heroen das Bühnencharisma des Überfliegers. Burschikos beseelt Schager die Gutruneszenen. Achtung, Knutsch-Alarm! Aber zu Schagers Klasse gehört eben auch, dass immer klar ist, dass Hagens Intrige ihm das Leben kosten wird. Kommt derzeit einer ihm gleich?

Heikel die Brünnhilde von Anja Kampe. Im Duett mit Siegfried spielt sie, wie Tscherniakow inszeniert, nämlich verspielt und ironisch. Gut. Außerdem singt sie, wie Tscherniakow inszeniert. Verspielt und ironisch. Als wäre sie nicht Brünnhilde, sondern eine, die Brünnhilde spielt. Nicht gut. Das funktioniert nicht. Gern indes höre ich Helle Wehr und Racheterzett, wo sie neben Kares und Vasar überzeugt. Im ganzen 2. Aufzug hat sie astreine Spitzentöne. Starke Scheite und Mein Erbe nun nehm‘ ich zu eigen hingegen enttäuschen. Das klingt mehr nach Achtsamkeitskurs im Grunewald als nach Walhalls Ende, und die letzten vier Zeilen hört man gar nicht mehr richtig. Gleichwohl geht der Klang ihrer Stimme oft genug unter die Haut. Doch gemach. In ein paar Jahren wird Kampe das adäquat machen, und dann doch wohl auf bestem Niveau.

Dritter Aufzug. Vorspiel und erste Scene: Stimmt so
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Hoiho, heda, hoho: Staatsoper Thielemann-Siegfried

Der dritte Opernabend und der zweite Tetralogie-Tag des zweiten Durchgangs des Thielemann-Rings Unter den Linden.

Andreas Schager. Der Mann ist ein Vergnügen. Denn Tscherniakows genial dürre Ring-Inszenierung mit den gnadenlos ausgeleuchteten Innenräumen braucht Thielemanns rassigen Sound, braucht Volles Wotanwahnsinn und Schagers coole Spontaneität. Dann klappts auch mit der Inszenierung, ist sie mehr als besserwisserische Regie-Dröppelei. Es ist ja stets ein neues Rätsel, wie Siegfried binnen einer Stunde vom Grobian (halte das Maul) zum Lyriker mutieren kann, der Kostbarkeiten wie Wie Wunder tönt singt. Schager (Adidas-Anzug in Royal-Blau, Mit diesem Trainingsanzug verpasst du deinem Streetstyle ein sportliches Update) löst das Rätsel. Die Stimme tönt stetig, fest, leuchtend auch in der Mitte, die Farbe aufregend zwischen hell und dunkel gemischt, das Timbre viel Metall im fluffigen Nockerlmantel, bei Brünnhildes Erweckung ist der Österreicher on fire. Der Tenor versteht sich der derzeit am besten auf Siegfrieds Huiness*. Und spielend füllt Schager den Heroenton des Finales mit jenem individuellen Gefühl, das sich bei jeder Phrase aufs Neue bewährt.

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Nun zäume dein Ross: Staatsoper Walküre Thielemann

Eine gute Walküre. Leicht abfallen tut nur der erste Akt.

In Aufzug I reiht sich Eric Cutler in die Reihe mittelmäßiger englischsprachiger Siegmunde ein. Die klingen wahlweise nach Arts College Student aus Kansas oder nach College-Sportler aus Iowa. Cutler klingt nach letzterem. Cutler verbindet ein tolles Timbre mit lauten und fantasielosen Wälse-Rufen. Der letzte richtige Siegmund war Seiffert im Schillertheater. Cutler dringt mit der Mittelstimme nicht recht durchs Orchester. Und dazu dieses Iowa-Deutsch. Sieglinde (Vida Miknevičiūtė) ist gut in Akt I und ausgezeichnet in Akt II. Vibrato und Timbre sind eisenstreng. Höhepunkt ist Da er sie liebend umfing. Ihre Spitzentöne sind wie Granit, dazu kommt eine Bühnenpräsenz, der man Scheu und Leidenschaft abnimmt. Der Hunding des Finnen Mika Kares ist schon der schieren Größe der Bassstimme wegen hörenswert. Doch bei Miknevičiūtė wie bei Kares mag man leichte Defizite bei einer plastischen und expressiven Deklamation bemängeln. Vor allem, wenn die nachfolgenden Kollegen mit auf der Bühen stehen.

Christian Thielemann Staatsoper Berlin Walküre
Wotan hat die Nase voll: fast drei Oktaven Chromatik hoch, dann großer Knall ff d-Moll
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RSB, Weigle: Goldmark first, Beethoven second

Im Konzerthaus gibt das RSB Byström, Goldmark und Beethoven zum Besten: ein rhapsodisches Trompetenkonzert von Britta Byström, dazu Karl Goldmarks Frühlingsouvertüre und Beethovens Zweite.

Fehl- und tadellos gelingt Sebastian Weigle (Dirigiermantel in glamourösem Schwarzblau) ausgerechnet Goldmarks Im Frühling. Das spritzige Stück folgt trotz Themenvielfalt der Sonatensatzform, mit kurzer Durchführung und detailreicher Reprise. Also: in erster Linie eine Konzertouvertüre, eher keine Tondichtung. Das RSB kann das klangsicher, energisch, gewitzt. Goldmark war viel mehr als Brahms ein Ohrwurm-Komponist. Man höre die wonnig sinnlichen Konzertouvertüren Sakuntala und Sappho, über letztere machte sich Brahms übrigens lustig. Die Interpretation unter Weigle ist fabelhaft.

Etwas gewöhnlicher, aber schlussendlich souverän – und etwas majestätisch – kommt die D-Dur-Sinfonie von Beethoven daher, seine zweite. Das Tempo liegt im abgesicherten Terrain zwischen Kirill Petrenko und Wladimir Jurowski. Weigles Beethoven ist einer des Mittelwegs: hier ein durchaus heroischer Tonfall, dort immer wieder ein behutsamer Zugriff. So darf Beethovens Voranstürmen heute geradlinig wirken. Und solide. Aber trotzdem glitzern die Geigen beim Schrammeln. Beim Larghetto wirkt die Interpretation lebendig durch Eingriffe in den Details: hier die markierten Sechzehntelpausen beim Thema, dort kommt das ff deutlich, aber eben nicht knallig. Und die Themengegensätze nähern sich durch unmerkliche Zügigkeit an (die Geigen weitgehend vibratolos). Gut auch Scherzo und Finale.

Das Trompetenkonzert Täckminnen (UA 2013) der Schwedin Britta Byström ist unterhaltsam und beinah abwechslungsreich. Überflüssig nur die langsamen Abschnitte. Der erste besonders, mit Dämpfer, pfeifenden Musikern, lauen Pizzicati. Der folgende rasche Abschnitt lässt sich zu problemlos auf Neoklassizismus plus Minimal Music reduzieren. Kaum interesseloses Wohlgefallen rufen die kurzen Solokadenzen hervor. Ein wiederum rascher Satz schließt effektvoll ab. Die Orchesterbehandlung hingegen ist raffiniert, auch farblich. Tine Thing Helseth spielt die Solotrompete.

Dvořák 8., Bartók: Chan, Kopatschinskaja bei der Staatskapelle

Ist der Dvořák-Zyklus der Staatskapelle – Neunte, Siebte, Sechste, jetzt die Achte – zu Ende oder kommt da noch was? Klar, die Sinfonien 6 bis 8 sind keine Neuentdeckungen. Man hörte sogar die Dritte schon bei DSO/Hrůša, die Fünfte schon bei Philharmonikern/Petrenko. Dennoch war der Dvořák-Viererpack Unter den Linden extrem erfrischend. Und im Rückblick überzeugte die Interpretation der Achten unter Elim Chan am wenigsten, die der Sechsten im Frühjahr unter Popelka am meisten.

Aber was macht denn Patricia Kopatschinskaja mit Bartóks unglaublich gutem Violinkonzert Nr. 1? Kopatschinskaja gibt Bartóks Erstes mit feurigen Spitzentönen. Bei der sehr persönlichen Phrasierung, bei einigen Artikulations-Exzessen gehe ich nicht mit. Aber wie sie spielt, ist exzellent. Satz 1 ist eine glühende Walze, Satz 2 ein verrücktes Rodeo. Das lyrische Thema bei Kopatschinskaja: ein Traum.

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Götterdämmerung Bayreuth: Kupfer-Radecky, Mayer, Vogt, Kares, Foster, Young

Die Götterdämmerung in der Inszenierung von Valentin Schwarz.

Ich höre BR Klassik.

Leider schafft es die Inszenierung nicht, auf Vergewaltigung respektive andere Gräuel zu verzichten. Dafür zeigt Schwarz immerhin überflüssige Videos.

Geheimes Zentrum einer Götterdämmerung ist doch immer Hagen. Er plant die Intrige gegen Siegfried, setzt sie ins Werk, vollendet sie. Er – im Verein mit Alberich – ist der Gegenspieler des göttlichen Paars Siegfried-Brünnhilde. Groß ist die Stimme von Mika Kares, aber nicht metallisch, nicht schwarzfinster. In der Gibichungenhalle ist Kares ein Hagen von selbstbewusster Ruhe, im Alberichdialog hat er den finsteren Stolz des Außenseiters. Im dritten Akt, wohl auch schon bei den Spitzentönen der Mannenrufe, wirkt er müde. Ein beeindruckendes Porträt.

Fotos: Enrico Nawrath © Bayreuther Festspiele

Weniger vielschichtig der Alberich von Ólafur Sigurdarson. Ein energischer, selbstbewusster Gunther hingegen ist Michael Kupfer-Radecky, im ersten Akt mit einem Schuss Selbstgefälligkeit. Doch selten war ein Guntherporträt weniger Karikatur einer Adelskanaille. Im Blutsbrüderschaftduett ist er vernehmbarer als Vogt, im Racheterzett der beste. Die Schwester Gutrune, effektvoll in giftgrüne Stoffbahnen gehüllt und ansonsten gerne nur musikdramatisches Füllfutter, wird von Gabriela Scherer präsent gesungen, mit leichter Schärfe, durchaus mit Metall im Sopran. Gefällt mir gut.

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Bayreuth Walküre: Konieczny, Mayer, Spyres, Holloway, Foster

Naja, der Ring von Valentin Schwarz bietet viel Inszenierungs-Banalität. Aber Wagner-Schwamm drüber. Doch auch für die Sänger läuft in der Walküre nicht alles rund.

Ich höre über BR Klassik.

Von Michael Spyres (sieht gut aus in Hose und Hemd, legere Passform) kommt die helle, in der Höhe schöntimbrierte, gut geführte Siegmund-Stimme. Es ist ausnehmend gut gesungen, und wie oft bei Briten + US-Amerikanern wird der Wagnertext krass beflissen wiedergegeben. Die Winterstürme? Etwas blumig interpretiert, mehr ein Stürmchen als ein Sturm. Da köchelt das Wälsungenblut allenfalls.

Fotos: Enrico Nawrath © Bayreuther Festspiele

Und die schwangere Sieglinde? Jennifer Holloway hat zu viel Vibrato, zu viel Mittleren Westen im Text, Mein Auge sah disch schon, man kann gar nicht hinhören, Bayreuth, muss das sein? Das sinnliche Timbre tönt ältlich eingefärbt. Sei so fesch, es ist die unangenehmste Sieglinde seit Jahren.

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Siegfried Bayreuth: Vogt, Konieczny, Young, Foster

Nach der schlechten Walküre (Bericht folgt) ein teilweise gar nicht so übler Siegfried.

Ich höre auf BR Klassik.

Der Siegfried von Klaus Florian Vogt ist leicht und liedhaft. Wie ein zarter Tarzan schwingt er sich von Phrase zu Phrase. Vogt ist weder Rabauke noch Recke – ein Vergnügen. Nur ein Vogt schafft es, die hässlichen Stellen in Anführungszeichen zu singen (Deinen Sudel sauf allein / Beim Genick möcht ich den Nicker packen, den Garaus geben dem garst’gen Zwicker / Heraus damit, räudiger Kerl / Vermagst du’s nicht, so halte dein Maul). In den zwei Waldvogelszenen ist Vogt unbelievably passend. Erstaunlich gut gelingt das Finale, auch wenn die Leidenschaft weniger per Stimme, eher via Text beglaubigt wird.

Fotos: Enrico Nawrath

Den Mime verkörpert quirlig und hyperpräsent Ya-Chung Huang. Das ist wunderbar silbenprägnant. Minus: Der Vortrag wirkt auf Dauer zu clean.

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Rheingold Bayreuth: Young, Konieczny, Sigurdarson, Behle

Auch 2025 startet in Bayreuth der Ring des Nibelungen, inszeniert von Valentin Schwarz, dirigiert von Simone Young.

Die Regie hat das plätschrig dramatisiert und als laue Clan-Story in die Gegenwart gebracht. Andrea Cozzi lässt den Göttermythos in Innenräumen spielen, die so klinisch wie pompös wirken.

Die Wiederaufnahme höre ich über BR Klassik.

Wobei Clanchef Wotan (Tomasz Konieczny, köstlich in Shorts) klingt, als presse er ein Dauerknurren durch das Stahlrohr seiner Kehle. Konieczny gebietet über eine eindrückliche Altmänner-Autorität, er singt sehr textverständlich und imponierend verlässlich. Freilich wird das bisschen Legato durch beißende Akzente zerrissen. Abendlich strahlt zählt nicht zu den Höhepunkten des Abends, der trübe Monolog Wie doch Bangen mich bindetMit bösem Zoll aber sehr wohl. Christa Mayer im Gucci-Look (Fricka) hat Mezzo-Aplomb und Persönlichkeit und wiederholt ihre astreine Leistung aus dem Vorjahr.

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Deutsche Oper: Werther Tetelman

Relativ ausverkauftes Saisonfinale an der Deutschen Oper mit Werther, der genialen, in Deutschland gerne mal unter Kitsch-Verdacht stehenden Goethe-Vertonung von Jules Massenet. Konzertant und attraktiv besetzt.

Der Werther von Jonathan Tetelman klingt wie im Armani-Anzug: heroisch, italienisch, dunkel. Die Stimme ist eine der schönsten derzeit. Metallisch fest, markant timbriert, mit betörender Halbstimme, das Vibrato eng und brillant. Für Pourquoi me réveiller im dritten Akt hat Tetelman Stahl und Samt, die Intensität der Stimme ist aufregend.

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Schlamassel mit Ansage: Staatsoper Berlin Schweigsame Frau Premiere

Diese Premiere ist anders.

Diese Oper kennt man nicht. Man weiß im ersten Akt nicht, ob das Werk überhaupt funktioniert. Im zweiten auch nicht, wenn man ehrlich ist. Erst im dritten denkt man: Das klappt. Mit dem lieto fine, mit dem dünnhäutigen Bass-Griesgram, der Lebensfreude und Lachen wiederfindet, und mit Richard Strauss.

Strauss komponiert Die schweigsame Frau ab Februar 1933. Uraufführung ist im Juni 1935 in Dresden. Das Libretto schrieb kein geringerer als Stefan Zweig, was Strauss‘ einzige Komische Oper doppelt attraktiv macht. Nur hier und da zu viel 30er-Humorharmlosigkeit.

Wobei das Personal bestens Buffa-tauglich ist. Da ist ein pensionierter Flottenadmiral Seiner Majestät des Königs, extrem lärmempfindlich, sehr reich, mit Namen Morosus. Dem sein Physiotherapeut (im Libretto: sein Barbier, Bariton) den Floh ins Ohr setzt, zu heiraten. Ein totgeglaubter Neffe, Tenor, kehrt frisch aus Italien zurück, und mit ihm eine famose, lärmende Operntruppe. Darunter befindet sich die Frau des Neffen, Aminta, ein Soprano leggero, der zum quirligen Dreh- und Angelpunkt einer fix anberaumten Hochzeit wird, in der Gefühl und Fake nicht mehr zu unterscheiden sind. Das sind Buffa-Typen wie aus dem Opern-Lehrbuch. Aber von Zweig werden sie mit Charakter angefüllt, mit Menschlichkeit versehen. Die Handlung in Kurzform: ein Schlamassel mit Ansage.

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