Die Deutsche Oper zeigt derzeit hidden treasures der Austro-Oper um 1920. Während Violanta von Korngold in der aktuellen Besetzung in die Hose geht, ist Der Schatzgräber, „Oper in einem Vorspiel, vier Akten und einem Nachspiel“ von Franz Schreker, hörens- und sehenswert.

Komponiert zeitgleich mit Frau ohne Schatten, mit der Der Schatzgräber nicht nur die Anleihen beim Märchen teilt, sind Handlung und Personengefüge reicher als bei Strauss‘ Ungeborenen-Opus, aber mit König, Königin, Narr, Vogt ähnlich durchtypisiert.

Christof Loys Inszenierung bündelt die Handlungsfäden virtuos und kühl. Dazu strahlt das Bühnenbild in Schwarz, den Kolossalstil der Reichskanzlei ins granit-satt Dekorative wendend (Johannes Leiacker). Aber was soll man berichten, das Werk wird abgesetzt. Ausgezeichnet Tenor Daniel Johansson als Lauten-Barde Elis. Dessen etwas monochromes Metall erweist sich als effektives Gegengewicht zur allzu märchenhaft angelegten Figur. Das ist gut. Auch optisch, nämlich Säulen-schlank aufragend. Gut ist auch, wie Johansson Schrekers schweifend ausfahrenden Deklamationsstil bändigt. Problematisch Olesya Golownewa als männermordende Kleptomanin Els. Golownewa singt wenig verständlich und, bei prinzipiell guter Stimme, ohne Flair.

Gewöhnungsbedürftig das Libretto, im Detail redselig und recht offensichtlich in der Wagnernachfolge, was Personenzuschnitt und Vokabular angeht. Um dem Werk Repertoire-Chancen zu eröffnen, hätte es weiterer Wiederaufnahmen bedurft.

Der dritte Akt besteht fast ausschließlich aus dem tristanesk nächtlichen Liebesduett. Die langen Zwischenspiele, Liebesnacht und Morgendämmerung, werden von Regisseur Loy mit etwas ödem Jeder-mit-Jedem-Sex gefüllt.

Stark gesungen und gespielt der König des Jared Werlein (starker Akzent). Der Kanzler des guten Clemens Bieber mit der schönen Ansprache im 4. Akt (Wenn Majestät geruhn). Vogt Tómas Tómasson, den verstorbenen Mayer ersetzend, drönt metallisch mit Klingsor-Wucht, die vergeblich werbende, rau-männliche Gesetzeshüter-Gestalt erinnert an Puccinis Sherriff Rance. Der Junker (Byung Gil Kim) wird ermordet, taucht im 4. Akt aber mit Schramme am Kopf wieder auf. Tenorhell und Timbre-stark der Narr von Thomas Cilluffo mit lustigem Deutsch. Wie auch bei Violanta die Klage, dass die Deutsche Oper nicht willens ist, Schreker mit adäquat artikulierenden Sängern zu besetzen. Von 27 Rollen in Violanta und Schatzgräber ist nur eine einzige mit einem DACH-Sänger besetzt. Aber ich will nicht nerven. Es geht halt zu Lasten der Qualität.

Verlässlich Marc Albrecht am Pult. Schreker erschien mir stets als der kompositorisch Potenteste.

Die schönen Ösi-Tage von Berlin sind definitiv vorbei. Zumindest was die österreichische Oper der Jahre 1910-30 angeht. DO und KO machten da viel Gutes.

Und holzten viel Gutes kurz und klein. Abgesetzt Der Schatzgräber und Zemlinskys Der Zwerg. Abgesetzt an der KO Korngolds umwerfende Die tote Stadt und Schrekers hervorragende Die Gezeichneten. Abgesetzt erst jüngst Das Wunder der Heliane. Nur konzertant einst Zemlinskys Florentinische Tragödie mit dem unvergleichlichen Thomas J. Mayer. Violanta wird folgen, heut oder morgen oder im übernächsten Jahr.