Shaham spielt ein außerordentliches 2. Violinkonzert von Sergeji Prokofjew. Die Klassizität des Konzerts kann formelhaft wirken – Dreisätzigkeit, Themenkontrast wie Mozart, Spielepisoden wie Mendelssohn. Aber der Solist bleibt stets fantastisch hörbar (falls man nicht in Block K sitzt). In der Philharmonie weiß der Israeli und US-Amerikaner Shaham dies wunderbar zu nutzen. So viel spielerische Noblesse, gestalterische Klugheit, Nuancen (viel mehr als bei der frühen Aufnahme aus den 90ern, Previn, LSO), gepaart mit selbstbewusstem Instinkt, hört man selten.

Dann sind da noch die unruhige Linie, das plötzliche Zurücknehmen der Dynamik, was aber nicht so weit geht, dass bei Gil Shaham irgendetwas showy wirkte, ganz im Gegenteil, die Verhaltenheit der Artikulation entzückt, fast noch mehr die Raffinesse beim Abphrasieren. Es ist ja ein Vergnügen, wie Prokofjew es schafft, auf jeden Neoklassizismus zu verzichten. Nur die Banalität des ersten, des „spanischen“ Themas im Finale stört, doch entschädigt dafür stets das umwerfende zweite.

Eva Ollikainen am Pult des DSO setzt auf Wach- und Weichheit angesichts von Shahams spielerischem Lyrismus, das DSO ist gewohnt reaktionsschnell (ist ein Ticciati-Erbe). Man ist heilfroh, wenn beim DSO nicht nach jedem Satz geklatscht wird.

Der Rest des Konzerts ist mittelmäßig. Quasi als Zugabe kommt das Filmmusik-Thema aus Schindlers Liste. Netter wär Klein Rosmarin oder Liebesleid von Kreisler oder eine Ysaÿe-Sonate gewesen.

Die eigentlich gut komponierte 2. Sinfonie von Thomas Larcher füllt ihre immensen Räume mit Zweitrangigem, der sichere Zugriff aufs Material entschädigt nicht für die lahme Viersätzigkeit. Schlecht das Scherzo, noch schlechter, dass es eins gibt. Das Stück ist zu lang. Und wo ertrinken hier die Leute im Mittelmeer?

Nächste Woche folgt das Antrittskonzert von Yamada. Ich werden den Saal vermutlich erst nach der Rede von Göpel betreten.