Das Violinkonzert von Brahms mit den Berliner Philharmonikern.

Einiges im Kopfsatz, was Janine Jansen spielt, ist komplett prätentiös und theatralisch. Etwa das rhythmische Doppelgriff-Seitenthema, das zweite der lyrischen Themen (Vibrato), oder die wilde Nonen-Stelle in der Durchführung. Hier und in der Kadenz huldigt Jansen unnötiger Egozentrik des Ausdrucks. Aber sonst ist das Spiel mega. Die Phrasierung unheimlich sicher und fantasievoll. Den Beginn der Durchführung nimmt sie ganz frei, ihr Pianissimo trägt selbst im Riesen-Weinberg der Philharmonie. Muss es immer die Kadenz von Joachim sein?

Die geschlagenen zwei Minuten Orchestereinleitung im Adagio stellen – wie die Einleitung des langsames Satzes im 2. Klavierkonzert, das Bronfman beim RSB spielen wird – eines der Paradebeispiele eines peniblen norddeutsch-protestantischen Sentimentalismus dar. Frau Jansen spielt traumhaft.

Was liefert Kirill Petrenko? Diskrete Perfektion. Die Tuttis der Berliner Philharmoniker erinnern an Mozart-D-Dur, schlank, Haffnersinfonie. Hört man den „einer gewissen heiteren Festlichkeit nicht entbehrenden Ton“, den Niemann 1922 vorfindet? Kann man die mp-Exposition des Themas am Beginn noch nur mit viel gutem Willen nicht belanglos nennen, so kommt alles Weitere erstklassig straff und herrlich ausgewogen proportioniert, die Farben auf aufregend subtile Art präsent.

Jansens Expressivität macht sich im Finale vernehmbarer, aber nicht derart störend wie vor einiger Zeit beim Tschaikowskykonzert. Interessant, wie selbst 1932 ein Autor wie Karl Engel bezüglich des Schlusssatzes noch klagen kann, dass „die Seitenthemen [die] Höhe der Erfindung nicht halten.“

Bei den Philharmonikern wird man in dieser Saison mit Russischem quasi bombardiert. Ich gehe in der Pause, u.a. da ich der Meinung bin, man sollte für jede Verletzung von polnischem Luftraum und für jeden Anschlag auf die polnische Staatsbahn durch Russland St. Petersburg 15 Minuten bombardieren.

Besuchtes Konzert: Donnerstag, 29. 1.