Patrice Chéreaus immer noch fantastisch gelungene Elektra kann weiterhin Spaß bereiten.
Ricard Merbeth hat die Energie, Konzentration und die Stimme für die Rolle wie wenige derzeit, klingt aber angestrengter als 2022. Merbeths Vortrag vereint deklamatorische Schwere und Dringlichkeit der Vokalgesten, ohne Spontaneität und Natürlichkeit der Artikulation zu gefährden. Und Merbeth hat das Piano für so unglaubliche Stellen wie vergeh mir nicht, es sei denn, dass ich jetzt gleich sterben muss, man höre die Erkennensszene der Geschwister. Vida Miknevičiūtė brennt vor schwesterlicher Sorge, in ihrem Jubel schwingt Intensität und Mädchenhaftes (und auf einmal sind sie entbunden ihrer Last), ihre Sieglinde hat Chrysothemis-Töne, ihre Chrysothemis Sieglinde-Töne.

In meiner verrückten ersten Berliner Zeit gab es Saisons, da habe ich keinen Tristan oder Parsifal mit Barenboim und Waltraud Meier ausgelassen. Aber schon Meiers letzte beiden Sieglinden waren zu viel, oder viel mehr zu wenig. Das Gleiche gilt für ihre letzten beiden Klytämnestras. Wenig Stimme unten, wenig in der Mitte. Wie gesagt, es gab Saisons…
Lauri Vasar, tüchtig, aber ohne jede Fortüne und Wortartikulation für einen Orest, kann den superben René Pape nicht vergessen machen. Profilierter, besonders in Wortdeutlichkeit und Genauigkeit, Rügamer als Aegisth.
Von den Comprimarii: Jungen bzw. alten Diener singen Siyabonga Maqungo bzw. Olaf Bär (letztens mal wieder sensationelle Schumannlieder von ihm gehört). Die fünfte Magd singt altersbrüchig Roberta Alexander. Als Aufseherin offeriert Cheryl Studer ausdrucksschwangere Gliassandi (und Hü-ü-ndi-i-innen uns nannte).
Enttäuschend auch der Mann am Pult. Das ist die Ära Post-Barenboim, ein Elektradirigat, unergiebig wie märkischer Sand. Und Guggeis ist jetzt in Frankfurt in Amt und GMD-Ehren. Ich fürchte besonders das Duo Pintsch & Posch. Matthias Pintscher und Markus Poschner dirigieren vergleichbar kraftvoll, verlässlich, prosaisch, und mit wenig Fantasie. Das hat schon alles Hand und Fuß, aber halt kein Pfiff. Noch unerfreulicher freilich waren die Dirigate von Karl-Heinz Steffens.
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Ja, die Welt ist schlecht, das wissen wir. Die alten Komponisten fanden einen Weg, um schön darüber hinweg zu singen, und dann war alles schön. Diese hier versuchen, Teil dieser scheußlichen Welt zu sein mit ihrer Musik, und das wird zu nichts gutem für sie führen, denke ich.
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Podium für Berliner ist freigeschaltet
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btw, Meier war einfach der Wahnsinn egal ob als Kundry Isolde Sieglinde oder Amneris. Danke Waltraud Meier für einfach everything.
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Ah, gut. Ich dachte, ich hätte bezüglich Poschner etwas wahrgenommen, was andere nicht wahrnahmen – bzw. ich hätte etwas verpasst, was andere hörten. Guggeis agierte schon mit mehr Druck und Überzeugung, nein?
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Hoffe einmal, dass Thielemann die vier Chefdirigentenkonzerte an der Staatskapelle auch übernimmt. Und es wäre absolut jammerschade, wenn Barenboim gar nicht mehr zu den Abokonzerten zurückkehren würde. Herr Barenboim, eines vielleicht doch noch ab 24/25?
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Als vorläufigen Abschluß eins mit Barenboim am Klavier und Thielemann am Pult. Nur üben muß er vorher, jedenfalls, wenns Mozart ist. Oder dann beide.
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Manchmal wundert man sich. Unser aller verehrter Hundert11 schreibt auf VAN gegen Thielemann als Barenboim Nachfolger und für Roth, hat aber wenn man seinen Blog ansieht weder Thielemann jemals mit der Staatskapelle gehört, wozu es inzwischen durchaus reichlich Gelegenheit gab, noch Roth mit der Staatskapelle, wozu es letzte Saison auch reichlich Gelegenheit gab. Rein persönlich würde ich schlussfolgern, das so ein Urteil auch ein wenig in der Luft hängt, aber gut…
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DAS fand ich auch etwas creepy
Bei dem Artikel ging es in erster Linie um Politik und nicht um Musik. Das macht schon der Einstieg überdeutlich.
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Jetztetle ist aber erst mal genug hier mit Rummosern
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Ich hab die Meier zum ersten Mal in Köln als Brangäne gesehn; damals hieß es : da singt ein unbekannter Mezzo so, wie du es noch nie gehört hast. Und so war das auch.
Dann war ich mal von der Rosa Luxemburg Stiftung eingeladen auf ein Seminar nahe Venedig, und wir machten alle einen Tagesausflug dorthin. In der Fenice gabs ein Verdi-Requiem, und Meier stand aufm Besetzungszettel. Ich sagte : hey, die kenn ich, die ist gut, wollen wir da heut abend nicht reingehn? Und so standen wir da zu sechst im Stehplatz und hörten sonst noch Benackova, Dvorsky und Rydl. Dirigent war Sinopoli. Sowas passiert einem nur einmal im Leben.
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Bei Mezzo oder Soprano wäre es vielleicht mal echt an der Zeit, korrekt zu gendern.
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Vor der Vorstellung wurde des Todes von Reiner Goldberg gedacht. Sein Herodes in Salome von Strauss erschien mir immer der beste, den ich in meinem Leben gehört habe. Ich habe ihn als Eisslinger in den Barenboim-Meistersingern 2019 noch sehr gerne gehört.
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Selbst mit 75 Jahren war der noch ein formidabler Aegisth; so gesehen als Einspringer an der Deutschen, wo auch Meier im Treibsand waten musste. Eigentlich nur zu vergleichen mit Kollo, der auf seine alten Tage der Rolle fast tristaneske Züge gab, was immer das heissen soll. Jedenfalls nicht wie die üblichen Ensemble-Aegisths.
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Meier hat ja die Klytemnästra angeblich mit Chereau einstudiert. Und so tut sie so, als könne die bei allem, was gewesen ist, noch klar und rational über sich und ihr Schicksal denken. Jede andre würde laut keifen, und so ist das auch ganz normal. Helga Dernesch hat sich damit ruiniert.
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Da hilft nur Warten auf Thielemann
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Claudio, deine vielen Kommentare pro Thielemann haben die Entscheidung mit Sicherheit entscheidend beeinflusst :-)
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Nein, meine warns!
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