Richard Straussens Ariadne auf Naxos hat ein paar Besonderheiten. Nicht nur, dass ein Großteil der Hauptfiguren des Vorspiels in der eigentlichen „Oper“ nicht mehr auftaucht. Gibt es eine Oper, in der beide Hauptpersonen anfangs keinen Schimmer haben, wen sie da eigentlich vor sich haben? Und in der die Titelheldin ihren Liebsten zwischenzeitlich auch noch mit dem Ex verwechselt? Hofmannsthal eben.
Camilla Nylund ist sehr gut. Wegen ihr kommt man. Bei Nylund ist alles da, laut und leise, Gefühl und Pathos. Sie hat immer den richtigen Ton, bildet immer beides ab, (Menschen-)Frau und (antike) Göttin, Gegenwart der Trauer und Ferne des Glücks. Der Bacchus ist eine selbstmörderische Tenorpartie, aber immerhin eine wichtige. In Salome, Elektra oder Rosenkavalier zählt der Bariton meist mehr als der Tenor. Marco Jentzsch (schlank, sehr ansehnlich) bewältigt sie hell, leicht und höhensicher, er macht das mit mehr Ernst und Leichtigkeit, aber nicht weniger zufriedenstellend, als es Andreas Schager mit seinem jovialen Elan machte. Der Musiklehrer von Roman Trekel stellt einen rührend mitfühlenden Idealisten dar, aber einen mit Pragmatismus. Dessen fabelhaft engagierte Sangesrede ist top.
Von Max Urlacher kommt der köstlich arrogante Haushofmeister. In der Inszenierung von Hans Neuenfels dient das minimalistisch weiße, per Schiebewand und Vorhang so sinnig wie einfach sich wandelnde Bühnenbild als bestens genutzte Spielwiese für Personenführung und Symbolverweis. Nicht unpassend kippt im Finale der Triumph des Zueinander-Findens von Strauss-Hofmanntshal in das bittere Sich-Verfehlen mit Suizid per Hermesstab.
Ordentlich Rebecka Wallroth als Komponist, gut, was Spiel und Stimme angeht, die Zerbinetta von Serena Sáenz (federleicht Großmächtige Prinzessin), nur ist die Diktion bei der Spanierin noch undeutlicher als bei Wallroth. Vom Nymphentrio gefällt besonders das Echo der Serafina Starke. Dazu Sonja Herranen und Sandra Laagus.
Ich finde immer, bei den commedia dell’arte-Ensembles könnte man kürzen – es sind Längen in der Oper -, besonders nach Großmächtige Prinzessin. Im kleinen Orchester nur eine Posaune und eine Trompete, aber zwei Harfen. Das Libretto ist oft helle Freude pur, aber seine preziöse Gespreiztheit bisweilen auch ein Rätsel.
Eun Sun Kim fand ich damals schlecht bei Verdi und mittel bei Butterfly, jetzt bei Ariadne auf Naxos schafft Kim am Pult eine feinfühlig fließende Musik, der ich gerne lausche.
Ich darf wohl diesen grauen Berliner Freitagmorgen nutzen und Frau Nylund auf die Möglichkeit eines reinen Sibelius-Recitals – strikt Suomi only – Unter den Linden, aber gern Zueignung als Zugabe, hinweisen.
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Für eine verständliche Darstellung braucht man dann doch wohl den Neuenfels mit Übertiteln.
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Eins will ich ja doch noch sagen : Das beste war der völlig entnervte Blick der Ariadne am Schluß, als die Zerbinetta hereinplatzt und singt : kommt der nächste Gott gegangen
da kann man sich nur noch erdolchen
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Ion Holender sagte mal : der weiß gar nicht, wie genial er ist.
Doch, er weiß das. Na und ?
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Nur ein kleiner Scherz am Rand. Aber jetzt hab ich mir so viel Mühe gegeben für meine Besprechung und dann darf die nicht veröffentlicht werden. Hab leider vergessen, Strg + c zu drücken.
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Schlecht. War der übliche Neuenfels-. Scheiß, und ne Frau als Digentein geht ja gar nicht.
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