Simon Rattle dirigiert die Sinfonie Nr. 2 von Gustav Mahler bei der Berliner Staatskapelle.

Rattle-typisch intensiv gerät der Zugriff, zwingend umgesetzt die schier unendlichen Spannungsfluktuationen in den zyklopisch (über)dehnten Ecksätzen, entgrenzend die Kolossalstellen bis zum weißglühend aufgegrellten Totalklang des Finales. Tadellos das c-Moll-Scherzo mit den wunderschönen Ausflügen nach D- und E-Dur.

Die Solistinnen sind Christiane Karg, hervorragende Micaëla und Rusalka hier am Haus, und Karen Cargill mit großem Mezzosopran. Eindrucksvoll der Staatsopernchor.

Auf einmal steht da Thielemann. Umarmungen, drei Reden, alles kurz aber sehr herzlich, und schwupps ist Simon Rattle Ehrendirigent der Staatskapelle. Was Temperament und Dirigierstil angeht, dürfte es kaum weiter entfernte Persönlichkeiten geben als CT und SR.

Seitdem ich in Berlin bin, habe ich die Auferstehungssinfonie nun drei Mal gehört, stets mit Rattle, hier zum Beispiel. Das Werk saugt einen emotional komplett leer. Mir reicht es jetzt wieder bis vermutlich 2035, wenn Rattle sie mit Philharmonikern oder Staatskapelle erneut machen wird.

Weitere Kritik des Rattle-Mahlerkonzerts: „Ganz, ganz ernst“ (Andreas Göbel)