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Die Neuinszenierung von Das Wunder der Heliane weitet den Blick auf die Oper neben Wozzeck, Turandot, spätem Strauss, Weill, Strawinsky, auf die vergessenen Nebenströmungen des Musiktheaters der 1920-Jahre, die einst Hauptströmungen waren. Die Deutsche Oper Berlin bietet dazu das Anschauungsmaterial.

Korngolds „Heliane“ hat das Zeug zum Publikumsrenner. Die Musik schillert wagemutig bunt, im Zentrum steht eine Liebesgeschichte, die berührt und schockiert. Selbst die Story wirkt vor Ort, also bei neugierig hörendem Nachvollzug, gar nicht mehr so haarsträubend hanebüchen. Besonders das unglücklich einander zugewandte königliche Paar gewinnt im Laufe der drei langen, zuletzt auch ereignisreichen Akte tragische Größe.
Der sein Volk piesackende König geht an der unerwidert bleibenden Liebe zur Königin zugrunde. Diese, die als einzige einen Namen, eben Heliane, trägt, verzehrt sich ihrerseits nach Licht, Freiheit, Liebe. So bringt sie sich und ihrem Geliebten den Tod. Nur dieser, der geheimnisvolle Fremde, ein Weltverbesserer vor dem Herrn, bleibt sich gleich – was ihn ein bisserl langweilig macht. Wie in jeder Oper steigt gegen Schluss die Spannung, und was ebenda in puncto Vom-Leben-in-den-Tod-Teten und Vom-Tode-wieder-in-das-Leben-Zurücktreten passiert, vermag selbst hartgesottene Operngeher aus der Fassung zu bringen.

Dass es sich bei Heliane um eine nekrophile Schmonzette mit Anleihen an so ziemliche jede halbwegs bekannte Oper handelt, ist unbestritten. Dennoch schafft das Werk den Brückenschlag zum Herzen des Zuschauers. Kurz: Sie ist eines der faszinierendsten Opernkinder der 20er-Jahre, verzogen (krudes Mysterienstück), ziemlich gaga (schwüle Erotik), aber seeeehhr faszinierend.
Musikalisch sieht es ähnlich aus. Aus dem Graben tönt überspäte Spätestromantik mit reichlich Schwulstüberhang. Die Streicher sind willig, die Holzbläser kitschig (die naiven Flöten!), das Blech ist süffig. Dennoch bewundert man geschmeidige Farb- und Reizmischungen, duftige Sotto-voce-Streicherschleier, gelockertes Perlen des Orchesters. Da ist wenig Wagner und viel Debussy. Die Gesangssolisten umwogen hochkalorisch aufgeputschte Orchesterwogen. Aber sie werden auch von glitzernden Vorhängen aus Jenseitsklängen getragen. Das ist fast so gut wie Strauss (die Fanfaren wiederholen sich, gerade die Höhepunkte sind einfach gestrickt – der geborene Hochdramatiker war Korngold wirklich nicht). Mancher Chor wirkt simpel. Da brennt die ewig reine Flamme des Kunstkitsches dann etwas zu offensichtlich. Dennoch, wer Strauss liebt und wissen will, wie Opernfans in den Zwanzigern tickten, der muss Das Wunder der Heliane gehört haben.

Die Sänger: Sara Jakubiak, Brian Jagde, Josef Wagner
Die Heliane der Sara Jakubiak ist ein sanfter Engel, eine kalte Eiskönigin, zu allererst aber eine unerschrockene Sinnsucherin. Sie singt ausgezeichnet und spielt mitreißend. Jakubiak ist die einsame Stratospährenkönigin des Abends. Der Klang ist reich im Piano und im Forte, verzehrend in der Höhe, rein und untergründig zugleich im Nachziehen der ausufernden Deklamationslinien von Ich ging zu ihm. Der Fremde, Brian Jagde, erfüllt die Erwartungen mit konzentrierter und berührender Tenorstimme (besonders im Finale), das bisweilen beengte Volumen und die dann wie überbelichtet wirkende Farbe sind kaum der Rede wert.
Für die Botin setzt sich Okka von der Damerau wohltuend ein. Fast ist zu bedauern, dass das Libretto dieser Unheil sinnenden Intrigantin nicht mehr Betätigungsfelder gegönnt hat (das einstige Techtelmechtel mit dem Herrscher wirkt leider nur noch wie kalter Kaffee). Der Herrscher, ein verschmähender Verschmähter, wandelt sich durch den feschen Josef Wagner ins Schmerzliche, was dem Kräfteverhältnis der klassischen Dreieckskonstellation (Sopran liebt Tenor, dem Bariton gefällt das gar nicht) ausgesprochen gut bekommt.
Das Richtersextett hat es schwer. Dem Judenquintett (Salome) und der Mägdeszene (Elektra) kompositorisch unendlich unterlegen, müht sich das Sextett aus den vortrefflichen Andrew Dickinson, Dean Murphy, Thomas Florio, Clemens Bieber, Philipp Jekal und Stephen Bronk redlich, ohne glänzen zu können. Auch die Regie ist da keine Hilfe. Burkhard Ulrich ist ein verlässlicher blinder Schwertrichter. Derek Waltons Pförtner und Gideon Poppes Junger Mann liefern hörenswerte Comprimarii-Qualität.
Heliane-Versteher Marc Albrecht leitet das Orchester der Deutschen Oper. Besonders das Halblaute, Fastleise gelingt. Eine fortwährende Freude ist der triebhaft bewegte, sich in Nebenarme verzweigende und wieder zusammengeführte Streicherstrom, in dem sich Lichtes und Opakes mischt. Albrecht hält den Spannungsbogen, klärt, wo Getümmel droht und hat Sinn für das herrlich Seidig-Süffige bei Korngold, das sich an allen möglichen und unmöglichen Stellen Bahn bricht.
Die Inszenierung von Christof Loy lenkt die erotisch-expansiven Energien der Oper in einen wuchtigen Einheitsraum (Johannes Leiacker) um, dessen schwere Holzvertäfelung wider Erwarten nicht zu erdrückender Bunkeratmosphäre führt, sondern Personen und Plot Halt und Führung gibt. Die heiklen Szenen löst Loy maximalvoyeuristisch (Helianes Nacktheit) beziehungsweise ausweichend (Apotheose des Finales). Im Ganzen erleben die Zuschauer eine erstaunlich gut funktionierende Regie, auch wenn mit dem Anzugseinerlei (Barbara Drosihn) und der Personenregie (die Richter hüpfen wie die Laubfrösche umher, den Chören geht’s kaum besser) kein Blumentopf zu gewinnen ist.
Weitere Kritiken von Das Wunder der Heliane an der Deutschen Oper Berlin:
„Maßlos erlösend“ (Hundert11 – Konzertgänger in Berlin)
„Erich Korngold: Das Wunder der Heliane“ (Kai Luehrs-Kaiser – RBB)
So gestern Abend die letzte Aufführung erlebt. Wer die versäumt hat, hat selbst schuld. Dieser Abend wird für mich unvergesslich bleiben. Da wurde bewiesen, man sollte wirklich Premieren meiden. Nach fünf Aufführungen, war dieser Abend perfekt und wahrscheinlich nicht zu überbieten.
Ein Beweis dafür, im zweiten Teil, als der Vorhang ungefähr für drei Minuten geschlossen war, wurde die gesamte Zeit stürmisch applaudiert.
Die Ovationen am Schluss, als selbst ältere Besucher aus dem Häuschen gerieten, sind kaum zu beschreiben
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Fand auch, dass am Ostersonntag ungewöhnlich viel geklatscht wurde. Es wäre interessant, wenn die Deutsche Oper zum Vergleich und im Anschluss die späten Strauss-Opern spielen würde, die bei den Strauss-Tagen zu hören waren (Helena, Liebe der Danae). DIe sind ja ungefähr zeitgleich entstanden.
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Wäre eine gute Idee :-)) zumal ja beide Inszenierungen recht passabel waren.
Gratulation, das Sie Parsifal, und dann nochkonzertant durchgehalten haben. Mir reicht ein Parsifal alle x Jahre….
War gestern im Tannhäuser, war auch ein toller Abend….
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Habe heute folgende Mail an die DO gesandt
Sehr geehrte Fr. Hehmeyer,
ich verteidige ja die Deutsche Oper sehr häufig, vor allem auch in
einigen Online Portalen. Jetzt bin ich aber sehr enttäuscht, und nicht
nur ich. Jetzt haben Sie eine so sensationelle und grandiose Aufführung,
habe bisher zwei erleben dürfen und hoffe noch eine dritte am
Donnerstag, und was passiert? In der nächsten Spielzeit keine einzige.
Dafür aber schon wieder diese bescheuerte Salome, die zu recht, kein
Mensch sehen will, wie ja in dieser Saison zu erleben war. Diese
Aufführung ist eine Schande und muss für die Sänger eine Qual sein, vor
so wenigen Menschen zu singen.
Warum kann die nicht gegen die Heliane ausgewechselt werden, so schwer
kann es ja wohl nicht sein, die drei Sänger und den Dirigenten noch mal
zu verpflichten.
Ich finde die Ignoranz der Intendanz, diese Aufführung nicht zu bringen,
schon sehr ärgerlich. Dieses ergab sich gestern auch in Pausengesprächen.
Finde diese Spielplangestaltung äusserst kritikwürdig,
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Ich war auch enttäuscht, dass Heliane nicht mehr kommt. Ich denke aber, dass die DOB nicht mit einem derartigen Erfolg gerechnet hat. Andererseits ist es (leider) üblich, Premieren in der Folgesaison keine Wiederaufnahme zu gönnen. Dazu gibt es auch an der Staatsoper viele Beispiele, ja dort ist es fast die Regel. Man muss dann eben bis zur Saison 2019/20 warten.
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Um etwas Nettes anzunehmen, stimme ich Ihnen zu. Habe gerade mit einem Freund telefoniert, der auch diese Vermutung hatte. Aber ich frage mich trotzdem, war Herr Schwarz von der Oper nicht überzeugt????
Aber es müsste doch möglich sein, diese unsägliche Salome durch diese Aufführung zu ersetzen, so als Beispiel, da ja die drei Sänger vielleicht noch nicht so gefragt sind, dass sie das einschieben könnten und wenn Marc Albrecht die Oper so am Herzen liegt, wird es ihm vielleicht auch möglich sein.
Hoffe jedenfalls, das ich Donnerstag noch ne günstige Karte bekommen.
Apropo Spielplan, manchmal muss man sich wundern. Der Tannhäuser am 2. Feiertag ist sehr schütter besetzt bisher. Wie kann man an einem 2. Feiertag, wenn die Touris wieder abreisen und die Einheimischen noch nicht wieder das sind, ne Tannhäuser ansetzen. Realitätsfern????
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In der Tat, der Tannhäuser ist längst nicht ausverkauft, obwohl Groissbröck als Landgraf eine Wucht ist und immerhin Runnicles dirigiert. Vinke ist nicht mein Lieblings-Wagnertenor, aber dennoch eine gute Besetzung. Auch Merbeth höre ich gerne.
Finde es übrigens Klasse, dass die DO nächste Saison eine zusätzlich günstige Kategorie anbietet. Dann werde ich sicherlich öfters gehen. Ein Tannhäuser für 24€ ist OK.
Sie haben doch sicherlich die Treue-Card, d.h. -30%? Da würde ich auch das ein oder andere Mal spontan gehen.
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Brück noch vergessen??
Merbeth ist immer ein Risiko…
Ja die habe ich , dadurch ist das dann in der Regel bei vielen Vorstellungen bezahlbar. Bei den D Preisen und mehr gibt es aber auch nur 10%. Aber die kann man dann ja im Abo nehmen, dann wirds auch wieder weniger.
Ist mir noch gar nicht aufgefallen, mit dieser Preisgruppe.
Gestern diese gräßliche Tosca aus Salzburg ertragen???
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Ja, Brück sicherlich um Welten besser als Rutherford, den ich letzte Saison gleich zwei Mal als Wolfram hörte. Nee, Tosca und Thielemann ist nun wirklich nicht mein Ding. Und Frau Harteros ist als Elisabetta oder Leonore (Troubadour) wahrscheinlich eindrucksvoller als als Tosca.
Dass der DO-Tannhäuser szenisch adaptiert gespielt wird, ist natürlich ein Riesen-Manko.
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Ein Freund geht morgen Bisher fand ich die gesamten adaptierten Vorstellungen Klasse umgesetzt.
Ja die Tosca, war grausig, habe sie auch nicht zu Ende gesehen, als einer der Schergen auf der „Engelsburg“ im letzten Bild einen Kühlschrank öffnete, war es bei mir vorbei.
Ja mit Harteros als Tosca habe ich auch meine Schwierigkeit, obwohl sie wirklich mit Abstand die beste war. Tezier mit dünnem Stimmchen. Antonenko brüllte nur. Habe die kleinen Rollen noch nie so schlecht gehört. Thielemann und Italien passt immer noch nicht.
Soll im Übrigen die 3. Mahler total versemmelt haben.
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Ah und Vinke ist für den ursprünglich angesetzten Seiffert eingesprungen, das ist auch schade. Ich war übrigens gestern kurz entschlossen noch mal in der wirklich großartigen Heliane. Jaja, Thielemann ist so ein Fall. Aber Tannhäuser und Götterdämmerung (beide Bayreuth) war schon sehr gut, auch Schönberg und Messiaen mit den Philharmonikern sehr gut. Ich glaube, auch Heliane hätte er gut gemacht.
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Glückwunsch, habe immer noch keine, aber gebe die Hoffnung nicht auf. Zur Not…..
Könnte sein, das er das könnte, aber lege keinen gesteigerten Wert, diesen Herrn noch mal an der DO zu hören. Meine persönliche Abneigung ist einfach zu groß
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Im Großen und Ganzen stimme ich den Eindrücken zu. Dem letzten Satz Absatz aber absolut nicht, was die Kostüme betrifft. Vielleicht nach dem Motto, früher war mehr Lametta?? :-(( Genauso wenig die verhaltene Kritik an den Richtern.
Ausserdem zwischendurch nen Schläfchen gehalten, weil Derek Welton und Gideon Poppe nicht erwähnt wurden….
Ausserdem verwundert mich dann noch am Ende der Hinweis aus diesen „Kritiker“ vom RBB, dem Manuel Brugg Verschnitt???
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