Das RSB schließt seinen Brahmszyklus ab. Zumindest den mit den Sinfonien. Denn der nun im Konzerthaus gespielten Sinfonie Nr. 3 folgt im April als Zyklusnachzügler noch das Klavierkonzert B-Dur, lustvoll sperrig kombiniert mit dem ersten Walküreakt.
Heute gibt es als weitere Programmzutat aber nicht Wagner, sondern erst mal Sibelius und – Eggert.
Bei Brahms bleibt sich Wladimir Jurowski treu: gechilltes Tempo, bedachtvoll Aufbau und Ausschwingen der Klangbögen, weicher Impetus des Ausdrucks, Energieentfaltung gemäß der Spannungs- und Entspannungspunkte. Aber das RSB meistert auch Ungestüm bis zum Brachialen in den Durchbruchstellen – hymnische Höhepunkt-Ballung der Schlussgruppen, Repriseneinsatz. Durch die im Finale investierte Energie wird die Perspektive der Dritten als Final-Symphonie gestärkt. Die Exposition wird wiederholt. Bytschkow in der exzellenten WDR-Aufzeichnung dürfte heute einer der wenigen sein, die nicht wiederholen.

Dabei hört man im Konzerthaus Berlin null den klassischen Dirigentenstolz. Was es bei der klassisch wirkenden F-Dur-Sinfonie auch nicht braucht. Der erste Satz hat diese Kompaktheit, die die 8. von Beethoven neu denkt. Und dann in der 8. von Bruckner wiederkehrt. Der heroische Ton folgt der Beethoventradition, das Einander-Annähern der Binnensätze sowie die Reprise durchs Seitenthema im Finale folgen Formideen Schumanns.
Pojohlas Tochter ist eine der unzähligen Tondichtungen von Sibelius. Von denen dauert manche nur vier Minuten, Pojohlas Tochter immerhin vierzehn. Die Themen sind nicht ganz so grandios gefunden wie in Finlandia oder En Saga, dafür ist der Inhalt ähnlich finnisch vergrübelt wie in Lemminkäinen und wie Lemminkäinen mischt auch Pojohlas Tochter finnischen Sagenton mit verblüffender Tonmalerei.
Zwischen Sibelius und Brahms ist eine neue Komposition von Moritz Eggert zu hören, ein Schlagzeugkonzert, musikalisch eher vierte als dritte Reihe, aber als auch szenisch inszenierter Fight zwischen Orchester und Solisten stellenweise durchaus unterhaltsam. Das Kräftemessen geht übrigens, nachdem das anfängliche Rumgeprotze des Solisten (Schlägel-flink Konstantin Napolow) zuerst angesichts der unbeirrbaren Souveränität des Orchesters in Genervtheit, dann in verzweifelten Aktionismus umschlägt, zugunsten des Orchesters aus.