Zwischen Walküre und Siegfried bieten die diesjährigen Festtage der Staatsoper Unter den Linden eine Achte von Bruckner. Den gemächlich das Podium ersteigenden Zubin Mehta wird man nicht allzu oft mehr hören können. Eben dadurch erhält die Aufführung in der Philharmonie ihre Bedeutung, nicht minder aber dadurch, dass Mehta Bruckners späte c-Moll-Sinfonie stets besonders schätzte. In den 10er-Jahren wurde ihm bei den Philharmonikern gleich zweimal die „Achte“ anvertraut.

Zubin Mehtas Zugang hat sich nicht wesentlich geändert. Nur ist der Gestus heute noch schwebender.

Die beträchtlichen Ungenauigkeiten während des ersten Satzes sind unter Warmspielen zu subsumieren. Da die Berliner Staatskapelle Hingabe, ihre Vertrautheit mit der Partitur, und Leidenschaft investiert, kann Mehta seine Vorstellungen genau umsetzen. Dazu zählen der weiche Klang, Einbindung des Thematischen in die fließenden, beinah beiläufig sich ergebenden Verläufe, der Verzicht auf eine allzu offensive Herausstellung des Ausdrucks, Lockerheit der Fügung der Orchestergruppen. Koloristische Effekte werden ohne Gewaltsamkeit in den symphonischen Ablauf eingebaut (Flöten in den Ecksätzen, Harfen im Scherzo). Dabei wird jedes c-Moll-Schleppen vermieden. Mehta macht das Schwere leicht. Im Adagio hat man den Eindruck, Mehta skizziere die zwei verschlungenen Themen nur (wie auch deren vielfache Verwandlungen), um desto besser auf ihre Existenz jenseits aller Zeitlichkeit hinweisen zu können.

Sicherlich nicht der unbedeutendste Brucknerabend in letzter Zeit.