Fagott solo plus Elektronik im Kreuzberger BKA-Theater.

Paul-Heinz Dittrich, 2020 in Zeuthen gestorben, komponierte the – m Anfang der Achtziger. Das großräumige Stück (18 Minuten) startet mit Ein-Motiv-Phasen, spielt mit Ballungsbereichen des Figurativen und findet zu heroischer Holzbläserplastizität. Das by-play (Live-Elektronik, Ingólfur Vilhjalmsson) bleibt dezent. Man hört the – m auch als Nicht-Fagott-Experte wunderbar. Genauso wie die Uraufführung von Stefan Beyer, Hagelfeier. In Hagelfeier – Enno Poppe hätte das Stück Hagel oder Feier genannt - werden die Geschehnisse hinter eine Verwischtheitszone gesteckt, durch die der Hörer hindurch hören muss, ohne dass er sich jemals ein genaues Bild der Musik machen kann. Das fesselt.

James Aylward, legeres Hemd, strapped in im Fagott-Gurtzeug, bläst mit konzentrierter Softpower. Nach der Pause mischt mehr Elektronik mit, etwa in Transmission von Franck Bedrossian (2002). Das Zuspiel vom Laptop ist hektisch, der Solist steuert kauzige Hyper-Agilität bei. Ist die Urzelle von all dem etwa das Fagottsolo von der Reprise des Finales von Beethovens Vierter?

Unheimlicher hält sich Wolves and Winds von Elo Masing (2021, deutsche EA). Aylward spielt Haltetöne, die – minimalistisch genug – lediglich Vibratoamplitude und Dynamik verändern, das E-Zuspiel stellt das Winseln eines gequälten Wolfs oder das Schreien einer Möwe vor. Statt Haltetöne nun träge Glissandi. Das Fagott als Bewusstseinsanker des Subjektiven in Kontrast zu einer unheimlichen Anderswelt?

Hanan Hadžajlic legt im kurzen Schmetterling (2023) einen Teppich aus Beats und verfremdetem Sprechgesang („Ich bin Harlekin/Aus der Welt der Farben“), in den das Fagott eine Line fast nuschelnder Kommentare einflicht. Muss man vielleicht zwei Mal hören.

Ein sowohl im Programmatischen wie im Interpretatorischen glänzendes Konzert im BKA-Theater am Mehringdamm.