Ticciati kann das. Adams und Mahler.
Für die tanzbewegten Fearful Symmetries von John Adams hat das Orchester Lässigkeit und Akribie. Es ist nicht Adams‘ bekanntestes Werk: knappe halbe Stunde, 35 Jahre alt, trotz mehrfachen Neuansetzens wenig Gliederung. Symmetrieängste braucht der Hörer nicht zu haben. Am Anfang dominiert Bigband-Ton. Der wird abgelegt. Übrig bleiben Adams‘ lichtdurchflossene Motivbasteleien. Das ist wie Lego für Erwachsene, nur züngelt in Fearful Symmetries hinter allem Schwelgen stets beinharte prozessuale Kraft. Das DSO kann das.
Einen unklaren Eindruck hinterlässt zu Beginn Ringing the Quiet. Sieht so das Innenleben einer Mozart-Kugel aus? Als Von-Lyrik-inspiriert-Werklein (Laura Kasischke dichtet: „The guillotine on the way to the neck“), komponiert von der New Yorkerin Elizabeth Ogonek, die dieses Jahr beim Musikfest mit dem zartbitteren Cloudline vertreten war, erinnert Ringing the Quiet an alles ein bisschen und an nichts besonders.
Mahler Sinfonie Nr. 5. Was nun, Herr Ticciati?
So sieht ein Fahrplan durch die 5. aus: Die relative Klarheit von Satz 1 (2 Kontrastthemen im Wechsel, dazu zwei Trios, eins hektisch hochdramatisch, tröstlich erfüllt das andere) fegt Satz 2 weg. Satz 3 ist noch verwirrender. Dann das Adagietto: fünf ziemlich übersichtliche, hochlyrische Zeilen. Im Finale dann ganz klassisch Sonatenschwung im Rondo-Gewand.
Man konnte die Sinfonie Nr. 5 in dieser Saison schon mit Staatskapelle (Payare) und Philharmonikern hören. Letztere versemmelten sie symphoniewuchtig (Dudamel). Das klang wie Sachertorte nicht mit sechs, wie vom Hotel Sacher gefordert, sondern mit zwölf Eiern.
Ticciati dagegen bleibt sachlich. Man hört Schichtungen. Man höre Satz 2. Es beginnt schnell. Fabelhaft die Elastizität der Themenpräsentation, hinreißend die Lockerheit vertikalen Zusammenhalts. Wundermächtig scheu spielt der Streichertrupp den Trauermarsch an. Dies sind mit die besten Stellen. Die Kehrseite von solch britischer Coolness: Da wird dem Geigenflug der Aufschwung verwehrt, Stellen wie D-Dur-Durchbruch oder Choral lassen das Überwältigtsein des Mithörers links liegen. Meine Lieblingsstelle im zweiten Satz ist die Tuba zwischen A“ und B“ mit den schönen Sforzati. Ich saß bei Dudamel genau hinter Puttkamer.
In Satz 3 spielen sie Scherzo-Leichtfüßigkeit aus, eigentlich ohne jede Doppelbödigkeit, weil da vielleicht auch gar keine gemeint ist. Die Trompetenschärfe hat die richtige Dosis. Wieder ist es im „Valse“, dem ersten Trio, wo die Streicher, und in der „Elegie“, dem zweiten Trio, wo die Bläser und das F-Horn wundervoll transparent spielen. Sentimentalität? Nicht die Bohne.
Als hieße das Motto heute: „weniger Alma wagen“. Dennoch crasht das Adagietto. Weil nicht gesungen werden darf, die Geigen aber trotzdem schrammeln müssen. Das Finale entschädigt mit Leichtigkeit und Eleganz, unverbrauchtem Ton, subtilem Tempo auch im Tuttigetümmel, und gegen Ende ist ein Grazioso genauso wichtig wie Choralapotheose.
Nicht ganz so viel Eindruck hinterließen bei mir hingegen die beiden fleißigen Tänzerinnen.
Es ist schade, dass bei Ticciati die Improvisationen unter den Programm-Tisch gefallen sind. Die, die ich hörte, waren mau, aber die, die noch gekommen wären, wären großartig gewesen.
Alles in allem eine erstaunliche 5. Sinfonie und erstklassiger Adams.
Wer Bach nicht singen kann, endet bei der Nähmaschine.
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der hier zum Beispiel :
spielt das Stück gleich 88 Mal hintereinander an verschiedensten Orten der Welt. Weil sein Piano genau 88 Tasten hat, oder warum sonst ?
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Stattdessen dieser hier :
So wie der singt, und klingt, kann ich das sogar spielen. Aber das findet natürlich nur im Kopf statt, wie immer bei Bach.
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Nummer 29 ist ab 1:08:33
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die alle richtig zu treffen, ist echte Arbeit
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Jetzt werde ich erstmal alle Tasten von meinem alten Clavinova ausbauen, putzen und neu schmieren. Die Tastatur liegt schon da, war kompliziert genug. Denn auch digitale Instrumente brauchen Pflege, vor allem für die b’s, wenn die klemmen und Schubert besonders viele von denen will. Bach ist da einfacher.
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Und erst die Alma. Mein New Yorker Opernfreund schenkte mir mal das Verdi-Buch von ihrem Mann, aber ich habs nie gelesen. Sie soll ja zum Frühstück schon den Champagner zu sich genommen haben, um auf Touren zu kommen.
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Ist Mahler nicht so einer wie Bruckner ? Ich kenne nur die erste und die neunte, und das reicht auch erstmal.
Aber mein Sohn war auf Klassenfahrt in Wien, mit dem Musik-Leistungskurs. Da wollte er mit einer Kameradin ins Cafe Sacher zum Tortenessen, aber es war leider ausgebucht. Stattdessen ist er dann zu Bösendorfer an der Staatsoper gegangen und hat da ein paar Flügel ausprobiert.
Hier in Berlin bei Steinway war das etwas schwieriger, da war der junge Verkaufsrepräsentant erst etwas abwehrend. Aber als die dann merkten, daß er schon irgendwie was kann, ließen sie ihn spielen.
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