Ein Opernabend der inferior class, für den es auch keine Bonus-Meilen gibt.
Die Inszenierung von Violanta durch David Hermann ist mittel bis unteres Niveau. Die Tänzer sehen aus wie eine Mischung aus Triadischem Ballett von Schlemmer und Hähnchenschlegel von Tönnies, die Militärs erinnern an eine Erstsemester-Startrek-Party. Wahrscheinlich ist die Idee auch nicht gut, bei einer Oper, die keiner kennt, den Schluss komplett neu zu gestalten.
Das ginge, wenn die Gesangsleistungen nicht ungenügend wären. Violanta singt Laura Wilde indiskutabel leise, die Höhe heult, sie ist ärgerlich unverständlich. Lispelt sie? Ich verstehe bei Wilde literally kaum ein Wort. Die Stimmfarbe erinnert an Sara Jakubiak.
Der Alfonso des Mihails Culpajevs (Glatze, Brille, Anzug wie aus Alu) wirkt als Karikatur. Die Höhe, wo die Intonation noch unzuverlässiger ist wie weiland bei Lance Ryan, ist ein Pain. Das ist provinzielles Singen. Hinter mir stöhnt einer bei einem besonders schlimmen Verhauer des Tenors schmerzvoll auf. Die Stimme ist immerhin ein Rohdiamant. Der Trovai des Ólafur Sigurdarson klingt rau, eintönig und grob. Alle drei bieten maues Deutsch und miese Verständlichkeit. Auch die anderen Sänger genügen kaum, ich höre vermutlich erstmals deutsche Oper ohne einen einzigen DACH-Sänger. Obendrein sind in der ersten Hälfte die Obertitel kaputt, man weiß weder, wer wer ist, noch wer was singt. Die einzige hörenswerte Stimme des Abends wurde verschiedenerorts schon herausgehoben.

Die in Viertelkreiszimmer aufgeteilte Drehbühne in Dosenform, eine interessante Neuinterpretation des Palazzo Trovai, ist auch keine gute Idee (Bühne Jo Schramm). Von ihr müssen die Sänger aus drei Metern Höhe von der hinteren Mitte des Bühnenraums singen.
Man hört Korngold gerne, oder? Ich gehörte damals ziemlich sicher zu den Berlinern, die sich, ohne beruflich verpflichtet zu sein, Die tote Stadt (KO) am häufigsten angesehen haben. Der heutige Abend erschwert eine Beurteilung der Musik. Donald Runnicles erhält Buhs. Ich war mit dem Orchester einigermaßen zufrieden, fand aber auch Runnicles‘ Lohengrin oder Parsifal oder auch Strauss immer schon eine der besten Sachen, die in Berlin zu hören waren.
Unnötig das Lautenstück und das Präludium von Berg zu Beginn.