Dieser Bericht bündelt die Konzerte der letzten zwei Festivaltage.
Am Samstag, am Festivaltag 4, geht’s für den Spanier Hèctor Parra zurück ins Radialsystem. Das Porträtkonzert Parra zählt zu den informativsten Konzerten von Ultraschall Berlin 2026. Es bringt die Sonate (2010, 22′) und Cell (Arch of Hysteria) (2016), beides für Klavier, sowie drittes und viertes Streichquartett. Die Sonate spielt Michael Wendeberg. In der unablässigen Mehrstimmigkeit in der Art eines sich selbst regelnden Kontinuums liegt ein unwiderstehliches Faszinosum. Das Werk wirkt bedeutend. Einmaliges Hören macht jedoch ein Urteil unmöglich. Das 4. Streichquartett (2020, 17′) bündelt in ähnlicher Weise hektisches Vorwärtsdrängen und Unabhängigkeit der Stimmen. Dazu kommen ein nervöser Überdruck und flirrende Klanglichkeit. Es interpretiert das Fabrik Quartet. Das Werk wirkt um einige Grade konventioneller.
Nahe Null, was ästhetischen Mehrwert angeht, liegt das Konzert mit dem Trio Accanto, zehn Komponisten, zehn neue Stücke à fünf Minuten, zehn Porträts bedrohter oder ausgestorbener Tierarten. Das Konzert vermeidet unfreiwillige Komik nicht. Die Miniaturen wirken als skurrile Fleißübung aus dem Seminarraum der FH Betroffenheitshausen. Pikant aufgedreht von Annesley Black die Breeding episodes of golden toads. Ruhiger geht es Cécile Marti in The Immortality an. Intelligent gemacht, aber nichts, was haften bleibt: biawak_raksasa.zip von Eric Wubbels. Schwächer Elnaz Seyedi mit Silverback. Am besten das leichtlockere Aye-Aye Requiem von Georges Aperghis. Harmlos der Minimalismus von Bonobo Boogie (Nik Bärtsch). Insektenhaft verpuppt präsentiert sich Empty wriggle der Südkoreanerin Dahae Boo, stillzart die Piccole, piccolissime cose des Tessiners Nadir Vassena. Ähnlich Ezko Kikouchi mit Antiguan racer. Ärgerlich selbstreferentiell von Lilian Beidler Ad mare et terram. Irgendwie erinnert das Ganze an die random Klimakleber, die jeck werden, wenn sie nicht mit 20 nach Bali fliegen.
Den Anfang beim 21-Uhr-Konzert von Ensemble Mosaik macht die öde KI-Glosse NO HERE von Belenish Moreno-Gil und Oscar Escudero (2025, UA). Besser in die Neue-Musik-Puschen kommt Digon! von Bethan Morgan-Williams. Morgan-Williams lässt Digon! kammermusikbunt in Bewegung geraten und Stimmschichtungen gelassen sich kreuzen. Das Stück wird von Motiven bestimmt, die zurückhaltende Gestik stets eingebunden in Horizontale und Vertikale (2025, UA, 16′). Ganz leichte Anklänge an den Schönberg der 20er Jahre. Ist Digon! das Beste bislang von der Waliserin? In the Crypt ist gut, aber Scoot und Parti Di-ffiniau sind eher typisches Brit contemporary. Nicht hörenswert Bruchstück von Jakob Diehl, vermutlich der Tiefpunkt des Festivals (2025, UA, viel zu lang). Die Leitung hat Max Murray, nachdem Enno Poppe absagt.
Die Kritik des DSO-Konzerts mit Hannah Kendall Disillusioned Dreamer (2018), Mirela Ivičević Überlala (2024) und Brett Dean Nocturnes and Night Rides (2022/23), dirigiert von Giedrė Šlekytė, kommt noch an dieser Stelle.