In Gounods Meisterwerk von 1867 glitzern wieder die Melodiekostbarkeiten.
Unter den Linden, wo das Stadtbild eigentlich ganz in Ordnung ist, ist über eine gut besetzte Wiederaufnahme von Roméo et Juliette in der brauchbaren Inszenierung von Mariame Clément zu berichten. Clément koppelt Wohnglasbunker und Jetztzeitklamotten, so überzeugt die Produktion mit guter, wenn auch konventioneller Regie-Lust und Inszenier-Laune.
Die Juliette (Haare eisblau) präsentiert sich – Berlin verpflichtet – im attraktiven Fläz- und Schlabberlook. Lisette Oropesa singt das frappierend. Ihr Auftritt erfolgt mit dem kurzen Écoutez, écoutez. Die schwärmerische Arie Je veux vivre ertönt nicht nur als jugendfroher Ausdruck sprühender Lebensfreude, sondern auch als nervöses Besorgtsein der Generation Z.
Douce flamme, je te garde dans mon âme
Bei Oropesa tönt das einen Hauch adrett, eine Prise höhere Tochter. Aber Oropesa singt unendlich classy. Leicht, präzise, schnelles Vibrato, der Klang lupenrein. Hervorragend, wie der Moll-Teil von Je veux vivre durch federleichte Einfärbung der Stimme seine Melancholie erhält. Sie hat keine italienische Stimme, wie der Name nahelegen könnte, keine französische, sondern eine US-amerikanische von brillantem Finish.
Überzeugend zudem, wie Oropesa den Capulet-Backfisch spielt, nämlich sympathisch verpeilt, noch im „Papa, das ist voll peinlich“-Alter, aber dann plötzlich im Witz-Wortspiel auf Augenhöhe mit Roméo. Äußerste Spitzentöne behagen Oropesa offenbar nicht immer und überall. Konsonanten werden leicht verschliffen. Vemutlich einer der wichtigen Auftritte der Opernsaison.
Den Roméo singt Charles Castronovo mit gezügelten Heroismus, also gerade mit dem, was Flórez im Sommer nicht besaß, mit drängend-verinnerlichter Emphase. Exquisit der Gebrauch des Piano, das immer Klang hat. Kraftvoll, stets nuanciert die Höhe. Flexibel im Gebrauch die Halbstimme, wenn auch leicht gaumig. Deshalb hat der Tenor wenig clarté für die französischen Vokale. Sehr gelungen, rhetorisch eindringlich eigentlich alle Rezitative, am meisten vielleicht dasjenige, das die doppelte Sterbeszene einleitet (C’est là. Salut, tombeau!). Viel Applaus für Lève-toi, soleil.
Nicht bassbalsamisch, sondern kantig kraftvoll gibt Renato Girolami den Frère Laurent, einen sympathischen Altachtundsechziger-Lehrer mit ergrautem Zopf. Tybalt: Maciej Kwaśnikowski (Je tremble de rage!). Pâris: Irakli Pkhaladze. Grégorio: Dionysios Avgerinos (Personne! personne!). Benvolio: Andrés Moreno García. Alle liefern feine Vokalkunst in den entscheidenden Momenten. Hervorzuheben auch der Herzog von Hanseong Yun.
Die Arien, aber mehr noch die flink zwischen verschiedenen Graden des Ariosen wechselnden Rezitative leben vom Äther von Shakespeares Sprache, die noch in der Übersetzung der Übertitel mitreißt.

Interessant! Gounods tragédie lyrique mischt wie Verdis Maskenball Drama mit Komik und Düster-Fantastischem. Beeindruckend der kurze Prolog des Chors in seiner antikischen Schnörkellosigkeit. Opernkonvention à la carte bedeutet hingegen der Eingangschor 1. Akt, während das effektvolle Finale im 3. Akt platziert wird. Und der 5., der Liebestod-Akt verklingt in der Stille wie vier Jahre später der letzte Aufzug von Aida. Auffällig auch, dass die französische Oper hier, anders als Verdi, auf den Bariton als machtvollen Gegenspieler des Tenors verzichtet. Das pezzo concertato – die durch ein langsames Ensemble effektvoll unterbrochene Handlung mit dem Ziel, den Protagonisten ihre gegensätzlichen Gefühlsäußerungen zu ermöglichen – leitet überraschenderweise das Finale erst ein (hier im 4. Akt), steht nicht wie bei Verdi in dessen Zentrum.
Attention! Schlagfertige Amme
Aber es bleibt Zeit und Raum für die Stimmen hinter Primadonna und Primo uomo. Man höre die Festansprache des Capulet Allons! jeunes gens! (mit offiziöser Rüstigkeit Arttu Kataja, von ungünstiger Personenregie gezwungen, von hinterster Bühne zu singen), man höre Mercutios Ballade (wendig und nuanciert Jaka Mihelač, von ungünstiger Personenregie gezwungen, von der hinteren Bühne zu singen), oder Stefanos Kavatine Que fais-tu, blanche touterelle (Rebecka Wallroth keck und gefühlvoll, je nachdem, aber immer punktgenau). Nur die mit Marina Prudenskaja luxusbesetzte, äußerst schlagfertige Amme erhält keine richtige Solonummer.

Extremely cool, dass die Videos auf die Entr’actes beschränkt bleiben, so wird Dauernerven verhindert. Die Prügelszene wird deftig gut gespielt.
Dirigent Francesco Ivan Ciampa pinselt im Orchestergraben mit weichem Strich, bettet Gounods Hochromantik in breite Tempi. So hat die Staatskapelle für das Vorspiel düsteren Pomp, für die Duette schönes Strömen. Ein Dirigat, das Kenntnis und Instinkt verbindet. Der Chor schließt sich dieser Lesart hörenswert an: Prolog, Finale 3. Akt. Schöne Klarinetten, ebenso Posaunen. Hübsch die Flöte der Nachtigall, die dann doch die Lerche ist, im Liebesduett.
so war das vielleicht
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aber die großen Dirigenten denken drüber nach :
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Weil es so irreal ist, kann es keiner real machen, und deshalb macht es Thielemann nur alle 10 Jahre. Sonst wird man verrückt, wie es Wagner wollte.
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ich glaube kein Wort davon
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Das ist ein Sänger auf dem Niveau von Domingo et al. Wer kann schon alles zwischen Bach, Mozart, Mendelssohn, Verdi und das andre auch noch ?
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Wie auch immer, seine letzte Vorstellung als Don Carlo hier war großartig, weil er kapiert hat, worauf es ankommt.
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Welchen Hoffmann soll ich mir denn nun ansehn ?
Den hier ?
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Beide. Auch den hier :
Zumal ich den Hoffmann bisher nur zweimal in meinem Leben gesehn hab, einmal endete es im Skandal, das andre Mal (DOB) ging ich in der Pause, weil es nur schwarz in schwarz war.
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Wenn ich nochmal den Besetzungsdirektor der DO in der Umkleide treffe, frag ich ich ihn, warum
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der neue Tristan szenisch so öde ist.
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Es war eine Brahms Vierte, die sich anhörte, als stünde die Dirigentin über dem Klang und hörte sich denselben von oben an, anstatt tief darein mit den Bässen einzutauchen, wie es ihre männlichen Kollegen meist tun. Das war ganz anders als normal, und so fröhlich, wie Marin Alsop das tat, konnte ich nur verstehn, daß sie schon zweimal die Last Night of the Proms geleitet hat.
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Grad heut einen japanischen Pianisten mit Chopin und DSO in der Philharmonie gesehn. Mein Sohn hat mich dorthin geschleppt. Es war toll. Das ist die Zukunft.
Mein Sohn sagt, er hat auch noch die Basslinine aus einer Chopin-Polonaise in diese Zugabe eingebaut. Na ja, ich hab keine Ahnung davon.
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Der kann auch Bach spielen, zumindest tut er hier so. Aber im Kammermusiksaal hat er’s auf jeden Fall schon getan.
Das ist ein Arrangement oder ein Klavierauszug. Aber schön ist es doch…
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Schön, dass einer die Tradition fortsetzt :
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Aber der Klavierauszug vom Kempff ist doch etwas anders als der von Myra Hess, den ich schon mit 11 Jahren spielen sollte. Ich dachte immer, nette Melodie, aber schwer zu spielen.
Klar, kein echter Bach, der in den Fingern oder der Stimme liegt, nur der Klavierauszug.
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Das ist der Witz am späten Bach : daß er sich fast von selber spielt, vorausgesetzt, man hat genügend geübt :
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